Für echte Groundhopper: Drei Berliner Landespokalspiele an einem Tag

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 10 September 2012    
 
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PreussenDie zweite Runde startete am Freitagabend mit dem Westberliner Derby Tennis Borussia gegen SV Blau Weiss Berlin, über das gesondert ausführlich berichtet wurde. Am Samstag folgte das Duell BFC Preussen gegen B.W. Hohen Neuendorf, welches im Preussen-Stadion vor rund 50 Zuschauern 1:0 ausging. Anschließend wurde der „Kampfsonntag“ geplant. Als Möglichkeit bot sich der Spandauer Doppelpack an. Um 11:15 Uhr zuerst SC Schwarz-Weiß Spandau gegen SF Charlottenburg und danach um 14 Uhr das Spiel Spandauer SV gegen 1. FC Schöneberg. Fix wurde jedoch diese Kombination vom Zettel gestrichen.

BehmstraßeStelldichein um 10:45 Uhr am Gesundbrunnen auf dem Kunstrasenplatz an der Behmstraße. SV Norden-Nordwest gegen die SSG Humboldt. Nur zu klar, dass dieses Pokalspiel für zahlreiche Groundhopper der Start in einen wonnigen Fußballsonntag werden sollte. So sollten es immerhin 64 Zuschauer gewesen sein, unter ihnen 25 zahlende Besucher. Manch ein Groundhopper hatte sich inzwischen einen Presseausweis machen lassen. Hübsche Kulisse für einen kleinen Verein, allerdings halten sich die Einnahmen in Grenzen. Allerdings klingelt schon mal die Kasse im Vereinsheim. Erstaunte Gesichter, als in der Halbzeitpause ein kleiner Mob mit dem Fahrstuhl zur Vereinsgaststätte fuhr und gekühltes Bier in 0,33er Flaschen bestellte. Perfekt! Sonntagmittag. Tolles Wetter. Ein kühles Blondes in netter Gesellschaft.

JubelDie Zuschauer bekamen auf dem von Wohnblocks umgebenen Kunstrasenplatz ein recht flottes Spielchen zu sehen, dass die höherklassigen Hausherren ganz klar zu bestimmen wussten. Um so größer die Freude, als die Nummer 9 der SSG Humboldt den Anschlusstreffer erzielen konnte. Am Ende war es jedoch eine eindeutige Angelegenheit für den SV Norden-Nordwest, der mit einem 4:1 locker in die dritte Runde einziehen konnte. All die Fotokameras wurden eingepackt. Auf zum nächsten Spiel. Um 14 Uhr gab es die bunte Auswahl. Der eine ersparte sich einen weiten Weg und ging zur Partie SV Nordwedding gegen die VSG Altglienicke, der andere fuhr zum Spiel VfB Einheit zu Pankow gegen 1. FC Wacker 21 Lankwitz. Für Nicht-Berliner war Einheit Pankow lukrativ, spielte dieser Verein doch Anfang der 50er Jahre sogar kurzzeitig in der DDR-Oberliga.

MittagIn Hinblick auf das dritte Spiel des Tages wählte turus.net die Partie SC Borussia Friedrichsfelde gegen den Berliner FC Viktoria 1889. Kreisliga B gegen Oberliga. Krasser hätte der Klassenerhalt kaum sein können. Die Wahl war zumindest aus kulinarischem Blickwinkel gut. Nudeln mit Wurstgulasch und leckeres Steak mit Zwiebeln zu jeweils 2,50 Euro ließen das Herz höher schlagen und den knurrenden Magen verstummen. Bekannte Gesichter an den aufgebauten Tischen. Einige Leute des BFC Dynamo hatten sich eingefunden, um den kommenden Gegner in aller Ruhe inspizieren zu können.

PokalspielZu sehen bekamen sie eine Mannschaft des BFC Viktoria 1889, die sich zu Beginn mächtig schwer tat mit dem aufopferungsvoll kämpfenden Kreisligisten. Im recht netten Stadion Friedrichsfelde kam sogar Fußballatmosphäre auf. Von der Tribüne aus, auf der in drei Reihen rötliche Sitzschalen montiert wurden, gab es für die Borussia reichlich Unterstützung. Jeder weggeschlagene Ball wurde gefeiert, jede Minute, in der das 0:0 gehalten werden konnte, wurde gezählt. Ein nicht gegebener Treffer der Gäste wurde bejubelt wie ein mögliches Tor der Friedrichsfelder. Als bereits einiges darauf hinwies, dass es mit dem achtbaren 0:0 zum Pausentee gehen würde, schossen die haushohen Favoriten aus dem Ebert-Stadion das 1:0. Als kurze Zeit später das 2:0 per Strafstoß folgte, war für Friedrichsfelde der Drops gelutscht. Aus neuraler Sicht: Leider!

TorIn der zweiten Halbzeit bekam der Borussen-Torwart mächtig was zu tun. Dabei zeigte er manch eine Glanzparade, bei der man dachte, weshalb spielt dieser Mann nur in der Kreisliga B?! Allerdings konnte er nicht jeden Schuss halten, im zweiten Versuch war der Ball dann doch mal drin. Am Ende stand es 5:0 für den BFC Viktoria 1889. Keine Frage, Borussia Friedrichsfelde hatte sich gut und teuer verkauft.

Auf zum nächsten Spiel. Die Zeit war knapp. Mit der U-Bahn drei Stationen bis zur Frankfurter Allee. Dann paar hundert Meter die Gürtelstraße entlang bis der Kurt-Ritter-Sportplatz erreicht wurde. Die 15:45 Uhr angestoßene Partie lief bereits, doch Tore wurden keine verpasst. Der SFC Friedrichshain (Bezirksliga) empfing den Berlin-Ligisten TSV Rudow 1888. Rund 50 Schaulustige hatten sich eingefunden, unter ihnen sogar ein paar Gästefans mit mitgebrachter Rudow-Fahne. 

SFC - Rudow 1888Der Klassenunterschied (8. Liga gegen 6. Liga) war nicht zu erkennen. Im Gegenteil. Die orange gekleideten Friedrichshainer wussten gegen die Grün-Weißen aus Rudow überaus zu gefallen. Kampf. Einsatz. Richtig gute Tormöglichkeiten. Dabei schmeckte das frisch gezapfte kühle Blonde gleich noch viel besser. Was den Friedrichsfeldern nicht gelang, konnte das Team des SFC Friedrichshain in die Tat umsetzen. Mit einem 0:0 ging es in die Halbzeitpause. Der Kunstrasen wurde befeuchtet. Eine Videokamera musste geschwind entfernt werden. Aus allen Ecken kamen nun die Wasserfontänen. Kleine Regenbögen vor den quietschbunten Gebäuden der Sportanlage. Im Hintergrund ein paar moderne Lofts. Ein ganz anderer Anblick als am Vormittag im Wedding. 

RegenbogenStichwort Anblick. Der eine vom Verein gestellte Linienrichter (nur der Schiedsrichter trat in offizieller Kleidung auf) ließ es ganz gelassen angehen und steckte sich während der Partie erst einmal ein Zigarettchen an. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass bei unterklassigen Spielen die Linienrichter stets auf Höhe der Mittellinie stehen und nicht an der Außenlinie auf und ab rennen. Abseitsentscheidungen trifft allein Schiedsrichter. Eine sportliche Figur gab dieser in jedem Fall ab. Mit flotten Schritten umkurvte er das Spielgeschehen (siehe Foto) und hatte stets den Überblick. Das war auch gut so, denn die Partie stand auf des Messers Schneide. 

TSV Rudow 1888Der SFC wurde nicht für seine Mühen belohnt. Nicht einmal mit der Verlängerung. Fünf Minuten vor Schluss machte der Favorit aus Rudow alles klar. Kurz und schmerzlos. 1:0 für 1888. Aus. Siehste, meinte ein Rudow-Spieler zum australischen turus.net-Kollegen, doch kein Elfmeterschießen für euch. Richtig! Zwei gezückte Kameras hatten bereits Heißhunger auf den großen Showdown am Ende eines langen Fußball-Sonntags. Sei es drum, so oder so war es ein facettenreicher Tag. Und wieder einmal wurde bestätigt, dass auch Unterklassenfußball verdammt viel Freude bereiten kann!

Fotos: M. Bertram & Glenn Dawson

> zur turus-Fotostrecke: Berliner Landespokal 2012/13

> zum turus-Bericht: Tennis Borussia gegen SV Blau Weiss Berlin

 
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