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Rheinlandpokal-Finale: Jubel bei TuS Koblenz, mal wieder Frust bei Eintracht Trier

Autor: Red.Sport     veröffentlicht am 29 Mai 2017    
 
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Koblenzer feiern unter den Augen der Polizei den Pokalsieg
Foto: Frank Grunert

Zum zweiten Mal rief der DFB den „Finaltag der Amateure“ aus und fast alle Landesverbände – einzig der Sächsische Fußballverband setzte das Finale zwischen Lok Leipzig und dem Chemnitzer FC einen Tag vorher an – zogen mit. Sicherlich darf man über den DFB gerne denken was man möchte und auch die Konzentration (inklusive Live-Konferenz auf der ARD) mag nicht für jeden sinnvoll erscheinen angesichts solcher Duelle wie Rielasingen-Arlen gegen den VfR Hausen, Kirchheim gegen Nöttingen oder Hadamar gegen Wehen-Wiesbaden (ohne den betreffenden Vereinen zu nahe treten zu wollen!) – aber auch im Landespokal gelten die eigenen Gesetze, erreicht mancher kleine Verein die Sensation und darf von Spielen gegen die Großen des Landes träumen. 

Trier

Neben diesen Spielen gibt es aber auch die Duelle zwischen lokalen Traditionsvereinen oder abgestürzten großen Namen – Burghausen gegen Schweinfurt wäre ein Beispiel dafür, Lok gegen den CFC ebenfalls. Und auch im Pokalfinale des Rheinländischen Fußballverbandes trafen mit Eintracht Trier und TuS Koblenz zwei bekannte Namen aufeinander. Ehemalige Zweitligisten, mittlerweile beide in der Regionalliga zuhause, wobei die Trierer nach einer desaströsen Saison den bitteren Gang in die Oberliga antreten müssen und den Pokalsieg als dringendes Trostpflaster und vor allem als Finanzhilfe für die neue Saison benötigen. Und da das Finale im Salmtaler Stadion ausgetragen wurde, konnte man sich in Trier schon mal ein wenig auf die neue Saison vorbereiten, ist der hier beheimatete FSV Salmrohr doch ein eventueller Gegner in der Oberliga – ein Umstand, auf den man in der angeblich ältesten Stadt Deutschlands sicher gern verzichtet hätte.

Trier

Ein Lob gilt es aber zuerst den Organisatoren auszusprechen, denn die Versorgung mit Speisen und Getränken war absolut sicher und ging ohne größere Probleme vonstatten. Bei den herrschenden Temperaturen von etwa 27 Grad und knallender Sonne ein wichtiger Faktor. Auch die restlichen Faktoren wie Parkplätze und Fantrennung liefen zur Zufriedenheit der Organisatoren ab. Da hat man auch schon deutlich chaotischere Finalspiele gesehen. Vor allem war es mal wieder eine große Kulisse für das Salmtal-Stadion, dass so ziemlich dem Standard-Schema für Stadien der 80er Jahre entspricht.

Salmtal

Man nehme ein paar Stehplätze, eine Laufbahn und eine schöne Tribüne – schon hat man alles, was man braucht. Erst 1981 erbaut, folgten 1986 die ersten Umbauarbeiten, als der FSV Salmrohr etwas überraschend in die 2.Bundesliga aufstieg, sich dort aber nur ein Jahr halten konnte. Aber selbst zu dieser Zeit strömten im Durchschnitt „nur“ etwa 1.900 Fußballfreunde durch die Stadiontore – zuletzt haderte man auch beim FSV mit den veränderten Freizeitmöglichkeiten und dementsprechend niedrigeren Zuschauerzahlen. Angesichts etwa 200 Zuschauern im Durchschnitt in der abgelaufenen Saison war einigen Verantwortlichen der Salmrohrer (was übrigens ein Ortsteil der Stadt Salmtal ist) der Stolz und die Freude über die insgesamt 4.112 Zuschauer am Finaltag anzusehen. 

Koblenz

Neben weit über 100 Groundhoppern und einigen neutralen Zuschauern stellten die Koblenzer den Löwenanteil der Zuschauer, während die Anhänger der Eintracht anscheinend schon mit der Saison abgeschlossen hatten. Als interessant stellte sich die Wahl der Standorte der Ultragruppen heraus, waren beide doch auf der Gegengerade beheimatet und nur durch einen kleinen Pufferblock getrennt. Ausnutzen konnte oder wollte keine der Szenen diesen Umstand, es blieb bis auf die obligatorischen Pöbeleien ruhig. Während man bei den Blau-Schwarz-Weißen auf Schwenkfahnen setzte, fuhren die Anhänger der „Schängel“ schon schwerere Geschütze auf und zeigten eine ansehnliche Choreografie unter dem Motto „Noch einmal mit dir träumen“. Nachdem das Spiel auf dem Rasen begann, spulten beide Szenen ihr Supportprogramm ab – deutliche Vorteile hatten dabei die Koblenzer, die mit abwechslungsreichem Liedgut und viel Material in der Luft einen äußerst lebendigen und motivierten Eindruck hinterließen. Auf dem Feld agierte der SVE jedoch etwas besser, schaffte es aber nicht, aus der optischen Überlegenheit auch Kapital zu schlagen.

Trier

Die Koblenzer, die bereits beide Ligaspiele gewannen, lösten sich jedoch bald aus der Trierer Umklammerung und kamen selbst mehrfach gefährlich vor das Tor der Eintracht. Unter den Augen von DFB-Präsident Grindel, der eine weitere Kriegserklärung einer Fanszene beobachten musste (Trier schloss sich den „Krieg dem DFB“-Spruchbändern an), konnten die Koblenzer zur 20.Minute endlich treffen: Kapitän Andre Marx, der schon in der Regionalliga-Saison siebenmal für die TuS traf, verwandelte unter gütiger Mithilfe der Trierer Mauer einen Freistoß direkt. Nur sechs Minuten später fiel das 2:0 durch Dimitrios Popovits. Während man im Trierer Block nun alle Aktivitäten einstellte – was in Anbetracht des Saisonverlaufs durchaus verständlich ist – feierte die Gegenseite schon den Pokalsieg. Eine kleine Spitze gegen die verhasste Gegenseite durfte ebenfalls nicht fehlen, ansonsten konzentrierte sich die Koblenzer Fanszene rund um das Inferno Koblenz komplett auf die Unterstützung der eigenen Mannschaft. Zu befürchten gab es wenig, denn im Fußball gibt es zwar immer wieder Überraschungsmomente, aber das man in Trier keine wirklichen Mittel gegen die gut aufgestellte Abwehr der TuS fand, war jedem im Stadion klar. 

Koblenz

Und so war selbst der Anschlusstreffer gute acht Minuten vor Schluss durch Jonathan Michael Zinram keine wirkliche Gefahr mehr, zumal der Tabellen-Achte der Regionalliga Südwest sich nicht einigelte, sondern versuchte das 3:1 zu erzielen. Erfolglos, aber es sollte auch so reichen: Rheinland-Pokalsieger 2017 ist die TuS Koblenz, die sich zum fünften Mal den Pokal sichern konnte und sich damit auch für die erste Runde im DFB-Pokal qualifizierte. Während der Jubel auf der einen Seite groß war, herrschte auf der anderen pure Enttäuschung gemischt mit Wut. Zu desaströs präsentierte sich die Trierer Mannschaft in dieser Saison, zu groß ist die Abneigung gegen den aktuellen Vorstand, dem die Fanszene die Schuld an der Misere gibt.

Trier

Der DFB-Pokal-Halbfinalist von 1998 tritt nächste Saison nicht mehr gegen den 1.FC Saarbrücken, TuS Koblenz, die Offenbacher Kickers, eventuell Waldhof Mannheim oder die Stuttgarter Kickers an – die Gegner heißen nun TSG Pfeddersheim, SV Morlautern (die übrigens am Nachmittag das Pokalfinale des Südwest-Verbandes gegen Wormatia Worms gewannen), Hertha Wiesbach oder SV Gonsenheim. Ob auch der FSV zu den Gegnern zählen wird, hängt von den Aufstiegsspielen zur 3.Liga ab, auf die man in Salmrohr mit besonderer Aufmerksamkeit achtet. Denn sollten weder der SV Elversberg (der das Hinspiel in Unterhaching mit 0:3 verlor) noch der SV Waldhof Mannheim (der auch nur ein 0:0 zuhause gegen Meppen erreichte) aufsteigen, müsste der FK Pirmasens noch aus der Regionalliga absteigen. Das würde auch bedeuten, dass der fünfte Abstiegsplatz in der Oberliga (den aktuell der FSV Salmrohr belegt) neben der SpVgg Burgbrohl, Arminia Ludwigshafen, dem VfB Borussia Neunkirchen und dem SC Hauenstein, der sich freiwillig zurückzieht, von der Pirmasenser Reserve eingenommen wird. Aber das ist eine andere Geschichte… 

Koblenz

Die Koblenzer feiern und ein Verrückter schafft es sogar, sich auf den Rasen zu schleichen und mit Hilfe seines nackten Hinterteils den Trierern zu zeigen, was er von Ihnen hält. Die Polizei, die vor beiden Blöcken Ketten gezogen hatte, klärte die Situation jedoch schnell, so dass man sich wieder auf die Feierlichkeiten der TuS-Anhänger konzentrieren konnte. Neben dem feststehenden Geldsegen durch die sicheren TV-Einnahmen in der ersten DFB-Pokal-Runde wartet auf die „Schängel“ eventuell auch ein richtig großer Gegner. Zu wünschen wäre es. 

Text: Frank Grunert

Fotos: Frank Grunert, Sachseninformer

> zur turus-Fotostrecke: TuS Koblenz

> zur turus-Fotostrecke: SV Eintracht Trier

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