Zeitreise: Als Union Berlin bei klirrendem Frost in Braunschweig gewann

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 14 Dezember 2012    
 
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Weinrote GrüßeVorfreude, schönste Freude. Am Montagabend steht das Topspiel zwischen dem Zweitligaspitzenreiter Eintracht Braunschweig und dem Tabellenfünften 1. FC Union Berlin auf dem Programm. Ein Duell, das es in sich hat. Zwar sind Montagabendspiele bei den Fans nicht wirklich beliebt, doch mit der rund 240 Kilometer lange Anreise von Berlin-Köpenick zum Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße lässt sich gewiss einigermaßen leben. Bereits zum 14. Mal kreuzen die beiden Vereine auf dem grünen Rasen die Klingen. Nach den beiden Regionalliga-Partien der Saison 2000/01 kam es am 08. Dezember 2002 zum ersten Aufeinandertreffen in der 2. Bundesliga.

Damals ein echter Grund, sich von Berlin aus auf den Weg nach Braunschweig zu machen. Sonntag, 15 Uhr Anpfiff. Eine perfekte Möglichkeit, bequem und preiswert mit dem Wochenend-Ticket durch die winterliche Landschaft zu düsen. Winterlich war es in der Tat. Und nicht nur das: Es war barbarisch kalt. Erinnerungen an das Champions-League-Duell zwischen Legia Warschau und Spartak Moskau bei gefühlten minus 35 Grad und eisigem Wind im Dezember 1995 kamen hoch. 

FußballtourMit einem französischen Fußballfreund aus Lyon, der solch knackige Winter aus der Region Rhône-Alpes nicht gewohnt war, ging es am besagten Sonntagvormittag vor fast exakt zehn Jahren vom Berliner Ostbahnhof aus gen Magdeburg und Braunschweig. Um die Wartezeit auf dem zugigen Bahnsteig zu überbrücken, hatte sich der Franzose rasch einen heißen Kakao bei einer französisch klingenden Bäckerkette geholt. Ehe er sich jedoch versah, war der Kakao komplett auf der Jeans verkippt. Nach kurzem Schmerz durfte er feststellen, dass die trocknende Kakaobrühe auf der Hose eine rötliche Färbung annahm. So sah der gute Mann aus, als würde er direkt vom Schlachthof kommen. Oder aber, als hätte die erste derbe Auseinandersetzung bereits vor Beginn der eigentlichen Fußballtour stattgefunden.

BraunschweigLachende, irritierte und erstaunte Gesichter den ganzen lieben Tag lang. Keine Frage, die restlichen Jungs und Mädels der Reisegruppe hatten mächtig zu lachen. Entspanntes Reisen von Berlin bis Braunschweig. Irgendwelche negativen Begleiterscheinungen blieben im Geiste nicht hängen. Nach einem Gang über den Braunschweiger Weihnachtsmarkt führte der Weg direkt zur Hamburger Straße, wo sich die Heimstätte des Braunschweiger Turn- und Sportverein Eintracht von 1895 e.V. - kurz BTSV - befindet. Zu damaliger Zeit war der hinter dem Tor befindliche Gästeblock noch nicht überdacht. Die Überdachung auf der anderen Seite nutzte jedoch an jenem Tag auch nicht viel. Es zog wie Hechtsuppe und die Kälte kroch von den frostigen Betonstufen langsam aber sicher durch die Schuhsohle und ließ die Füße bereits während der ersten Halbzeit zu Eisklumpen werden.

Das Spiel hatte viel zu bieten. Auf dem Rasen und auf den Rängen. Die Braunschweiger Fankurve zeigte zu Beginn eine kleine Choreographie in Form von blauen und gelben Bändern. Und während der rot-weiße Gästeblock auch richtig in Schwung kam, rollten auf der Haupttribüne ein paar extra angereiste Anhänger des Erzrivalen BFC Dynamo ein riesiges weinrotes Banner aus. In weißer Schrift war klar und deutlich zu lesen: „Unioner kniet nieder, wir seh´n uns immer wieder!!!!!!!!!!!!!“ (siehe Foto). Dazu ein kraftvolles verbales „Dyyyy-naaaaa-mooooo!!!“ Zwar freute sich nicht jeder Braunschweiger Fußballfreund über diese Aktion, doch im Großen und Ganzen erzeugte die Sache zahlreiche Schmunzler auf den Rängen.

Choreo BTSVDass die BFCer beim 1:0 der Braunschweiger Eintracht, erzielt von Sambo Choji in der 28. Minute, völlig aus dem Häuschen waren, ist wohl allzu klar. Nach dem 0:0 und dem 2:2 in der Regionalliga Nord im Jahr zuvor, könnte es nun einen Sieger aus Braunschweig geben. Die Rechnung wurde jedoch ohne die Gäste gemacht, denn die kamen bei der klirrenden Kälte zurück ins Spiel. Steffen Baumgart machte in der 66. Minute den Ausgleichstreffer klar, und als sechs Minuten vor Schluss das Braunschweiger Publikum bereits mit dem dritten Remis gegen die Eisernen in Folge gerechnet hatte, ließ es Kostadin Vidolov noch einmal klingeln. 2:1 für das Team von der Alten Försterei. Die rund 2.000 angereisten Union-Fans waren völlig aus dem Häuschen. In jenem Moment fror niemand mehr im Gästeblock. So viel war klar!

Zehn Jahre später geht es nun wieder nach Braunschweig. Im Stadion hatte sich inzwischen eine Menge geändert, gebaut wird derzeit noch an der neuen Haupttribüne. Keine Frage: Wenn am Montagabend der Weg ins Stadion führt, werden die Erinnerungen an den bitterkalten 8. Dezember 2002 wieder lebendig sein, wenn gleich der Wetterbericht eine recht milde Witterungslage vorausgesagt hat...

> zur turus-Fotostrecke: Eintracht Braunschweig

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Union Berlin

 

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