Um 17:30 Uhr sah es auf der Kottbusser Brücke noch danach aus, als ob die "Revolutionäre 1. Mai Demo" ausfallen würde. Nur am Kottbusser Tor sammelten sich die ersten linken Demonstranten. Ein erster Aufruf der Polizei erfolgte. Es wurde darauf hingewiesen, dass der Sammelplatz dieses Jahr auf der Kottbusser Brücke sei.
Zehntausend Demonstranten auf der Mai-Demo in Berlin - Weniger Krawalle
- Sonntag, den 02. Mai 2010 um 10:35 Uhr
- Marco Bertram
- Bereich: Magazin -
- Gesellschaft
Um 17:30 Uhr sah es auf der Kottbusser Brücke noch danach aus, als ob die "Revolutionäre 1. Mai Demo" ausfallen würde. Nur am Kottbusser Tor sammelten sich die ersten linken Demonstranten. Ein erster Aufruf der Polizei erfolgte. Es wurde darauf hingewiesen, dass der Sammelplatz dieses Jahr auf der Kottbusser Brücke sei.
Kurz vor 18 Uhr erfolgte der erste Zulauf aus Richtung Kottbusser Tor. Auf dem Kottbusser Damm richteten polizeiliche Einsatzkräfte eine Zugangskontrolle ein. Am Abend zuvor rings um den Boxhagener Platz in Friedrichshain waren es Polizisten aus Niedersachsen, die die Taschen kontrollierten und Glasflaschen abnahmen. In Kreuzberg waren es Polizisten aus Hamburg, die diese Aufgabe übernahmen. Die Einsatzkräfte aus Berlin waren wieder die "Jungs für´s Grobe". Ausgeruht sollte es später frisch zur Sache gehen.
Hin und wieder wurden bei den Demonstrationsteilnehmern Schienbeinschoner und Handschuhe abgenommen. Vereinzelte wurden zur Personalienaufnahme zum nächsten Polizeiwagen gebracht.
Gegen 19 Uhr wurde es richtig voll. Die Masse schwoll nun richtig an. Zügig startete schließlich die Demonstration auf dem Kottbusser Damm in Richtung Hermannplatz. Rund zehntausend Menschen nahmen an dem Demonstrationszug teil.
Im vorderen Drittel mit dabei ein großer "schwarzer Block". Dieses Mal blieb es friedlich. Anders als im vergangenen Jahr flogen zu Beginn nicht gleich Steine, Flaschen und Knallkörper auf die Polizei. Kleine Handgreiflichkeiten gab es nur mit ein paar Fotografen und Kameramännern. Aggression lag in der Luft. Filmen war unerwünscht. Einem Kameramann des RBB wurde ins Gesicht gespuckt.
Am Hermannplatz wurde auf die Sonnenallee eingebogen, anschließend ging es auf der Friedelstraße zurück in Richtung Kreuzberg. Es war das erste Mal, dass die Demo durch Neukölln marschieren musste. Die Route sollte weit abseits des MyFest in Kreuzberg liegen.
Anders als auf dem breiten Kottbusser Damm heizte sich die Stimmung in der engen Friedelstraße mehr auf. Es knisterte und es war nicht auszuschließen, dass es an irgendeiner Straßenkreuzung zu Zusammenstößen kommen könnte. Über die mächtig abgesicherte Brücke ging es über den Kanal weiter entlang der Ohlauer Straße zum Endpunkt am Spreewaldplatz.
Der Endpunkt an Skalitzer Straße und Spreewaldplatz wirkte etwas skurril. Vor den Kneipen saßen Leute und speisten und tranken. Laute Musik dröhnte aus aufgestellten Lautsprechern. Unter der U-Bahn an der Skalitzer Straße kam der Demonstrationszug zum Stehen. Auf den Hängen am Görlitzer Park hatten sich Schaulustige und behelmte Polizisten postiert.
Weiter ging es nicht. Die Polizei hatte massiv den Weg in Richtung Oranienstraße und Kottbusser Tor abgeriegelt.
Das Geschehen verlagerte sich mehr in Richtung Spreewaldplatz. An der Skalitzer Straße entspannte sich die Situation recht bald. Die Einsatzkräfte rückten verstärkt in Richtung Spreewaldplatz vor.
Immer wieder erfolgte gezielte Zugriffe. Sehr zum Unmut der Umstehenden. Das Pfefferspray wurde von Seiten der Polizei stets einsatzbereit gehalten. Pfefferspray gehört inzwischen fest zum Repertoire.
An der Ecke Ohlauer Straße / Wiener Straße kam es wieder zu Zusammenstößen. Ein Polizist wurde dort von einem stumpfen Gegenstand am Rücken schwer verletzt. Steine flogen.
Einsatzkräfte durchkämmten das Terrain. Auch am Kottbusser Damm flogen Steine. Kleinere Scharmützel hielt die Polizei an einigen Stellen in Atem. Insgesamt betrachtet waren die diesjährigen Ausschreitungen und Krawalle jedoch bei weitem nicht so heftig wie am 1. Mai 2009.
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