Team Sunweb geht optimistisch in die neue Saison: Es gilt, die erfolgreiche Entwicklung im letzten Jahr fortzusetzen

Autor: Bernd Mülle     veröffentlicht am 05 Januar 2018    
 
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Pressekonferenz im Umspannwerk am Alexanderplatz
Foto: Arne Mill

Pünktlich um 11 Uhr des 04. Januar 2018 wurde die Pressekonferenz des mit deutscher Lizenz startenden Worldtour-Teams Sunweb im Umspannwerk am Alexanderplatz mit rockigen Klängen einer Band eröffnet. Als Moderator fungierte der bekannte Nachrichtensprecher Marc Bator, der zunächst die Vorstellung der Spitzenfahrer der letzten Saison der drei Teams, die unter der Flagge von Sunweb auch 2018 fahren werden, vornahm. Er begrüßte zunächst den begeisterten Hobbyradsportler, Justizminister Heiko Maas, um dann den Stars der Teams wie Ellen van Dijk, Lennard Kämna, Michael Matthews, Coryn Rivera und Tom Dumoulin einschließlich Sportdirektor Luke Roberts kurze Statements zu entlocken. Letzterer wird schon heute Abend mit Teilen der Mannschaft nach Australien fliegen, um bei der Tour Down Under dabei zu sein. Aus diesem Grund fehlten auch die bereits vor Ort weilenden Australier Michael Storer und Chris Hamilton sowie der US-Amerikaner Chad Haga bei der Präsentation des insgesamt 45-köpfigen Fahrerfeldes.

team sunweb

Generalmanager Iwan Spekenbrink, der mit Rudi Kemna einen erfahrenen Sportdirektor an seiner Seite weiß, war erfreut wieder in Berlin zu sein und hofft an die Ergebnisse des Vorjahres mit seinem Team anknüpfen zu können. Dem Sportdirektor assistieren in der kommenden Saison weitere 15 Sportdirektoren, die sich auf drei Teams verteilen, die alle in der jeweiligen Weltspitze ein Wörtchen mitsprechen wollen. Das Hauptaugenmerk des Generalmanagers ist gerichtet auf die Entwicklung und Förderung des Nachwuchses und dabei vor allen Dingen von deutschen Radsporttalenten, die sich im vergangenen Jahr schon herauskristallisiert haben. So erwartet man nicht nur viel von einem Lennard Kämna (21 Jahre) oder Phil Bauhaus (23 Jahre), die ihre Klasse mehrfach andeuten konnten, sondern setzt auch große Hoffnungen auf die erst 18-jährigen Leon Heinschke und Niklas Märkl, die neu vom Developmentteam verpflichtet wurden und als Junioren im letzten Jahr einige bemerkenswerte Ergebnisse erzielt haben. 

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Stolz im Hinblick auf die Erfolge in der letzten Saison zeigte sich auch der Chief Commercial Officer von Sunweb, Tim van den Bergh, der bekanntgab, dass Sunweb in ein unabhängiges Anti-Doping-Programm für seine Teams investiert. Als führender Reiseveranstalter sorgt das Unternehmen Sunweb dafür, dass das Programm von der nationalen Anti-Doping-Agentur der Niederlande geleitet und koordiniert wird. Mit dieser Präsentation in Berlin wird das Programm verwirklicht und stellt einen weiteren Schritt dar, um einen sauberen Sport zu ermöglichen und dabei vor allem vorbeugend zu wirken. Es werden Urin- und Bluttests bei allen drei Teams durchgeführt, die danach entsprechend ausgewertet und im biologischen Pass vermerkt werden. Darüber hinaus wird es in Zukunft auch eine enge Zusammenarbeit mit Samsung Mobile geben, um durch innovative Fotos und Videos hinter die Kulissen des Profiradsports blicken zu können. 

Neben den 20 anwesenden Profis des Worldtour-Teams war auch das 10-köpfige Frauenteam und das Developmentteam mit seinen 12 Fahrern vor Ort vertreten und alle Sportler nebst Mitarbeiter standen den zahlreich erschienenen Pressevertretern für diverse Interviews zur Verfügung. Besonderes Interesse neben den beiden Stars Tom Dumoulin aus den Niederlanden, der 2017 den Giro d’Italia, die Weltmeisterschaft im Einzelzeitfahren und im Teamzeitfahren gewonnen hatte, sowie dem Australier Michael Matthews, der die Punktwertung bei der Tour de France dominierte und ebenfalls im siegreichen Team beim Mannschaftszeitfahren der Weltmeisterschaft vertreten war, galt vor allen Dingen den deutschen Fahrern im Team. Mit Nikias Arndt, Phil Bauhaus, Johannes Fröhlinger, Simon Geschke, Lennard Kämna und Max Walscheid werden in der kommenden Saison sechs Deutsche in der WorldTour unterwegs sein, während im Developmentteam mit Leon Heinschke, Max Kanter, Niklas Märkl, Martin Salmon und Florian Stork noch einmal fünf Deutsche im Kader zu finden sind. Komplettiert wird das insgesamt 12-köpfige Aufgebot an deutschen Athleten durch die 19-jährige Liane Lippert, die ihr zweites Jahr im UCI-Frauenteam von Sunweb bestreiten wird.

Tom

Wir haben uns bei diversen Gesprächen ausschließlich auf die deutschen Fahrer konzentriert und ihre jeweiligen Äußerungen, insbesondere hinsichtlich ihrer radsportlichen Zukunft, zu Papier gebracht.  

Nikias Arndt: „Mein Ziel für 2018 ist eindeutig der Start bei der Tour de France, wo ich in Topform antreten will und mir vielleicht auch ein Etappensieg gelingt. Davor lauern die Klassiker Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix, aber zunächst düse ich noch heute über Frankfurt/Main nach Adelaide zur Tour Down Under zusammen mit Phil Bauhaus, Mike Teunissen und Sam Oomen, wo wir zusammen mit den bereits dort befindlichen Michael Storer, Chad Haga und Chris Hamilton an den Start gehen und hoffentlich einige Ergebnisse einfahren werden“. Zum Fall Christopher Froome ließ der sympathische Wahl-Kölner, der nach wie vor seine früheren Kontakte nach Brandenburg und Hamburg pflegt, sich nur so viel entlocken, als dass er auf eine richtige Entscheidung seitens der UCI hofft, dabei aber davon ausgeht, dass der Brite mit Sicherheit in die Saison starten wird. Eine eventuelle Rückkehr auf die Bahn ist für Nikias Arndt derzeit kein Thema, wenngleich Kontakte zum Bundestrainer Sven Meyer nicht abgebrochen sind.

Nikias Arndt 

Phil Bauhaus: „Mit der ersten Saison in der Worldtour war ich sehr zufrieden. Der Etappensieg bei der Dauphine, der zweite Platz beim Münsterland Giro und Etappenvierter beim Giro sind Ergebnisse, auf die ich aufbauen will. Ich hoffe, in den Sprints weiter voranzukommen und will versuchen in Australien Topergebnisse zu erzielen. Die Zusammenarbeit im gesamten Team ist gut und ich würde sie gern über 2018 hinaus fortsetzen. Die großen Monumente des Radsports werde ich noch nicht bestreiten, aber zum Beispiel das Eintagesrennen E3 Harelbeke steht für mich  durchaus im Focus. Für die Zukunft wäre ein Sieg bei Mailand-San Remo ein absolut lohnendes Ziel“.

Johannes Fröhlinger: „Als Teamplayer bin ich in der Mannschaft nicht ganz unwichtig und so erklärt sich auch meine jahrelange Zugehörigkeit zum Team, ohne dass ich bislang einen Sieg einfahren konnte. Aber die Erfahrungen aus 14 Grand Tours und 17 Klassikern zählen nun einmal und ich gebe sie gern an die jungen Fahrer weiter. Ich habe noch Vertrag bis 2019, bin nach wie vor motiviert und habe Spaß am Radsport. Insofern ist noch alles offen für die Zeit nach 2019. Für mich steht jetzt zunächst die Oman-Rundfahrt Mitte Februar an, dann will ich Lüttich-Bastogne-Lüttich unter die Räder nehmen und mich bei Eschborn-Frankfurt dem deutschen Publikum präsentieren. Die Deutschland-Tour werde ich eher nicht fahren, da gleichzeitig die Vuelta läuft, wo ich dann zum 10. Mal am Start stehen würde. Meine Helferdienste werden anerkannt, so dass ich nicht in der Pflicht bin, Siege herauszufahren, gleichwohl wäre ein erster Sieg als Profi nochmal ein richtiges Highlight“.

Simon Geschke: „Leider bin ich diesmal in Australien nicht dabei, wo ich immer gerne Rennen fahre. Nach meinem Weihnachtsurlaub in Berlin geht es jetzt ins Trainingslager nach Spanien, wo ich mir den nötigen Schliff für die kommenden Aufgaben holen möchte. Erste Rennen sind die Algarve-Rundfahrt, sicherlich auch Mailand-San Remo und dann die Ardennenklassiker mit dem anschließenden Rennen in Frankfurt, bevor wieder die Tour de France angesagt ist. Zunächst will ich aber ein gutes Frühjahr fahren, denn da lief es zuletzt nicht immer nach meinen Vorstellungen. Am Ende des Jahres läuft meine 10. Profisaison aus und ich hoffe, dann nochmal einen Vertrag beim Team unterzeichnen zu können. Auch die Deutschland-Tour steht in diesem Jahr auf meinem Wunschzettel, wo ich meine langjährigen Erfahrungen an mein Team gern weitergeben würde“. Auf die Frage nach einem eventuellen Ausflug zum Karriereende auf die Bahn des Berliner Velodroms mit der Teilnahme am Sechstagerennen zeigte sich Simon Geschke durchaus interessiert und gab damit dem Sportlichen Leiter und seinem früheren Lehrmeister Dieter Stein schon mal einen Wink mit dem Zaunpfahl. „Ein für mich noch lohnendes Ziel, das ich durchaus im Hinterkopf habe“, gab er abschließend noch zu Protokoll.

Lennard Kämna: „Ich möchte die kommende Saison genauso konstant fahren wie die erste meiner Profilaufbahn. Die erste Grand Tour in Spanien mit einem tollen 8. Platz im Einzelzeitfahren, die Weltmeisterschaft im Teamzeitfahren und die Silbermedaille im Straßenrennen der U 23-Weltmeisterschaft waren Ergebnisse, die nicht einfach zu wiederholen sind. Ich lass es auf mich zukommen und beginne die Saison mit der Algarve-Rundfahrt und danach geht es nach Italien, wo ein Start bei Tirreno-Adriatico geplant ist. Eine Grand Tour für dieses Jahr steht zwar auch im Focus, aber hier muss noch geklärt werden, welche es dann sein wird“. Mit gerade einmal 21 Jahren hat der junge Mann noch eine große Zukunft vor sich, die zu schönsten Hoffnungen berechtigt. Aufgrund seiner Vielseitigkeit sehen viele Radsportexperten in ihm einen kommenden Sieger bei einer Grand Tour. 

sunweb

Max Walscheid: „Zunächst hoffe ich, verletzungsfrei über die kommende Saison zu kommen, denn das Jahr 2016 hat diesbezüglich einige Spuren hinterlassen, wo ich erst spät ins Renngeschehen eingreifen konnte. Meinen bisherigen sechs Profisiegen bei kleineren Rundfahrten will ich in diesem Jahr den einen oder anderen hinzufügen und dabei spielt auch die Teilnahme bei Eschborn-Frankfurt und an der Deutschland-Tour eine Rolle. Nachdem ich bisher weder eine Grand Tour noch einen Klassiker gefahren bin, freue ich mich besonders auf einen möglichen Start bei Paris-Roubaix. Auch der Scheldeprijs steht wieder in meinem Programm, wo ich mir auch etwas ausrechnen kann. Dagegen ist auch in diesem Jahr kein Start bei einer Grand Tour vorgesehen“, stellte er abschließend fest, ohne zu sehr enttäuscht zu sein.

Leon Heinschke: „Nach meinen guten Ergebnissen als Junior bin ich happy, in diesem Team zukünftig mein Können unter Beweis stellen zu können. Als 18-jähriger Nachwuchsfahrer geht es für mich erst einmal in den kommenden zwei Jahren darum, meine noch vorhandenen Schwächen zu verbessern, ohne dabei die Stärken zu verlieren. Ich bin ein Allrounder, der versucht, in allen Sparten gut zu sein und später besonders in Rundfahrten Akzente setzen will. Ein Etappensieg in einer Grand Tour ist für mich in der Zukunft ein Ziel, das ich anstrebe. Aber zunächst muss ich Anschluß an das höhere Niveau finden und dann sehen, wo die Reise hingeht. Dabei werden die Rennen auf der Bahn nur möglich sein, wenn zwischendurch dafür die entsprechende Zeit bleibt. Denn der Focus mit dem Ziel eines künftigen Vertrages im Worldtourteam liegt ausschließlich auf der Straße“.

Max Kanter: „Das letzte Jahr mit dem Deutschen Meistertitel auf der Straße bei der U 23 war das absolute Highlight, mit dem ein Traum in Erfüllung ging. Das hat hungrig gemacht auf weitere Erfolge und da wäre der gleiche Titel bei der Elite das Sahnehäubchen. Es war für mich ein gutes Jahr und so hoffe ich, dass es so weitergeht, um dem Ziel Worldtour näher zu kommen“. Mit dem 7. Platz bei der Straßenweltmeisterschaft der U 23 und der gleichen Platzierung bei Paris-Tours der Espoirs konnte der junge Mann am Ende der Saison noch zwei herausragende Ergebnisse erzielen, die für die Zukunft hoffen lassen. Der noch nicht feststehende Rennkalender wird Aufschluss geben, wo Max Kanter seine Stärken letztendlich ausspielen kann.

Niklas Märkl: „Ich versuche zunächst mich weiter zu entwickeln und werde dann sehen, wohin mich der Weg führt. Als 18-jähriger Nachwuchsmann, der aus einer radsportverrückten Familie stammt, freue ich mich über den Zwei-Jahresvertrag in diesem Team, in dessen tollen Umfeld ich mir große Hoffnungen auf eine erfolgversprechende Zukunft mache. Es gilt die Stärken beizubehalten und die Schwächen zu verbessern und da denke ich in erster Linie an das Zeitfahren, wo noch Luft nach oben vorhanden ist. Noch bleibt abzuwarten, wo meine künftigen Stärken liegen werden, ob in Rundfahrten oder in Eintagesrennen, ein möglicher Sieg zum Beispiel bei Mailand-San Remo in absehbarer Zukunft wäre schon stark“. Der junge Mann steht am übernächsten Wochenende bei den Deutschen Crossmeisterschaften der U 23 am Start, wo er nach nur drei gefahrenen Crossrennen in dieser Wintersaison sich allerdings wenig ausrechnet. Für eine Überraschung ist dieses Ausnahmetalent aber allemal gut!

Martin Salmon: „Helferdienste leisten und meine Kletterfähigkeiten verbessern“, nannte der 20-jährige, im zweiten Jahr beim Developmentteam Sunweb unter Vertrag stehende Deutsche als erklärtes Ziel für 2018. „Nebenbei studiere ich im 3. Semester Physik und somit fällt es mir ziemlich schwer, alles unter einen Hut zu bringen. Aber ich will die Zeit in dem Team dennoch nutzen, um den Sprung in ein Worldtourteam zu schaffen. Meine Stärken liegen bei den bergigen Klassikern, aber auch in kleineren Rundfahrten werde ich versuchen, Akzente zu setzen und dabei meine Stärke bei Zeitfahren weiterzuentwickeln“

Florian Stork: „Ich will ein wertvoller Helfer sein und meine guten Leistungen vom Ende der letzten Saison bestätigen. Der 3. Platz in der Bergwertung der Olympia’s Tour in den Niederlanden war ein guter Saisonausklang, auf dem sich aufbauen lässt. Allerdings steht der Rennkalender erst in 14 Tagen fest, so dass erst dann die Planung erfolgen kann. Ich hoffe auf Einsätze bei kleineren Rundfahrten und bevorzuge auch bergige Eintagesrennen“. In diesem Zusammenhang bedauerte der junge Mann das Ende der Tour de Berlin, das als eines der wenigen für die Klasse U 23 von immenser Bedeutung für den Nachwuchs war. „Auch für mich bleibt als lohnendes Ziel ein Vertrag bei einem Worldtourteam, den ich gern wahrnehmen würde“, gab Florian Stork abschließend zu.

Liane Lippert

Liane Lippert: „Ich bin total zufrieden mit meiner ersten Saison beim Team Sunweb, wo ich mich auch als einzige Deutsche sehr wohl fühle. Die Ergebnisse waren aus meiner Sicht akzeptabel und darauf will ich weiter aufbauen. Mein Ziel ist es, künftig mehr große Rennen zu fahren und auch bei etwas längeren Rundfahrten dabei zu sein. Meine Stärke liegt eindeutig in den Bergen, wo ich anstrebe, einmal die beste Bergfahrerin zu werden. Dagegen muss ich vor allem beim Zeitfahren noch meine Technik verbessern, während ich im Massensprint auch in Zukunft keine großen Chancen für mich sehe“.

Hoffen wir, dass bei unseren deutschen Fahrern in den Sunweb Teams die Hoffnungen in Erfüllung gehen und wir auch in dieser Saison von spektakulären Erfolgen berichten können.

Am Ende der Mannschaftspräsentation gab es noch eine Ehrung für Superstar Tom Dumoulin, der vom Präsidenten der Association Internationale des Journalistes du Cyclisme (AIJC), Raymond Kerckhoffs, einen Preis für den medienfreundlichsten Radsportler erhielt. Für Tom Dumoulin gilt es in diesem Jahr seinen Giro-Sieg zu verteidigen und in den Zeitfahren erneut seine große Stärke unter Beweis zu stellen.

Bericht: Bernd Mülle

Foto: Arne Mill

Inhalt der Neuigkeit:
  • Ausblick
  • Vorstellung
Radrennen-Art:
Straßenrennen
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