Rezension "Abstiegsspiel": Eine der spannendsten Geschichte des Jahres

Autor: Jörg Pochert     veröffentlicht am 08 Dezember 2014    
 
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Zahlreiche Fußballfreunde kennen Jens Knibbiche bereits seit einiger Zeit durch ein anhaltinisches Fanzine. Die Kernelemente des Heftes, welches der Szene des 1. FC Magdeburg entspringt, finden sich auch immer wieder in seinem ersten Buch wieder, welches Knibbiche im Oktober auf den Markt geworfen hat.

In „Abstiegsspiel“ erzählt er die Geschichte eines vormals regionalbekannten Handballstars, der durch seinen Trainer in eine Spielhalle mitgeschleppt wurde und in sehr schneller Zeit total in ihren Bann gezogen wird. Damit einhergehend sind finanzieller Ruin, soziale Isolation, der Abstieg in kriminelle und asoziale Kreise, eine Haftstrafe und vor allem ein zusehends schwindender Lebensmut. Bereits nach dem man als Leser das erste Viertel des Buches hinter sich gebracht hat, denkt man sich „Krass, Heftig und Erschreckend – was soll jetzt noch kommen?“, aber es kommt noch dicker. Klinikaufenthalte, Rückfälle und immer wieder kehrende lichte Momente wechseln sich in schöner Regelmäßigkeit ab, aber die Sucht gewinnt am Ende immer.

Protagonist Peter M. ist in hellen Stunden angewidert vor seinem Tun, das sogar so weit geht, dass er Freunde und Bekannte belügt und seinen Körper verkauft, nur um an frisches Geld zum Spielen zu kommen. Aber das große Glück, welches die Automaten versprechen, will sich nicht einstellen. Immer wieder lassen ihn kleinere Gewinne denken, dass er kurz vor dem Durchbruch steht und der erhoffte Riesengewinn nur auf ihn wartet. Immer wieder ist sämtliches Geld aber doch wieder komplett verspielt, und zum Leben bleibt nichts mehr übrig. Neu aufflammende Kontakte zu alten Freunden und Fahrten zum FCM geben Peter M. stets nur kurz neuen Lebensmut, denn das Glücksspiel holt ihn immer wieder ein. Die Entwicklung gipfelt in einem Geflecht aus kriminellen Verzweiflungstaten, alten Abhängigkeiten, Gewalt, Alkohol, Fluchtgedanken und letztlich einem überraschenden Ende.

Dieses sei an dieser Stelle nicht verraten, denn lesen sollte die 220 Seiten wirklich jeder selbst. Sie sind kurzweilig und spannend, auch wenn man sich nicht selten voller widerlicher Bilder im Kopf vom Buch abwendet, um es Minuten später dann doch wieder fasziniert in den Händen zu halten. Jens Knibbiche hat hier eine der spannendsten Geschichten des Jahres geschrieben. Und er hat es verdient, dass seine Warnung vor dem Spielen von Vielen gehört wird. Das einzige, was mir nicht gefallen hat, ist eine alte Schwäche des Burkhardt & Partner-Verlag: Auch wenn man die Bücher pfleglich behandelt, so sieht der Einband stets sehr schnell abgegriffen und speckig aus. Hier wäre eine etwas hochwertigere Herstellung wünschenswert. Was aber niemanden davon abhalten sollte, die 11,90 Euro zu investieren. Denn dafür erhält man eine Geschichte, die den Leser dauerhaft zum Nachdenken bringt, und die im Gedächtnis bleibt. Mehr muss ein ausgezeichnetes Buch nicht können.

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