Vorsicht vor der 10-Uhr-Falle! Kein Pardon bei der Berliner S-Bahn!

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 13 Juni 2017    
 
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Keine Lust einfach mal so 60 Euro oder gar knapp 120 Euro zu verbrennen? Dann aufgepasst, folgende Geschichte kurz gelesen und sich anschließend gegebenenfalls einen gedanklichen Merkzettel in die grauen Zellen gepinnt. Wie dämlich man in die Falle tappen kann? Genauso: Als Freiberufler, der meist vom heimischen Rechner aus arbeiten kann, bleibt man vom täglichen Grauen des städtischen Berufsverkehres weitgehend verschont. Drei Kreuze, wenn nicht in Berlin während der Stoßzeiten die Busse, Straßenbahnen, die U-Bahn oder die S-Bahn genommen werden muss. Und schon gar nicht die Ringbahn! So praktisch diese Linie auch sein mag, ein Fahrt mit ihr erzeugt allzu häufig Zornesadern. Wegen Störungen im Betriebsablauf… Aufgrund eines Polizeieinsatzes… Wegen Störungen an einem Fahrzeug… Nicht ein Tag, an dem es einfach mal nur so flutscht. Volle Wagen, brachiale Hitze während der Sommermonate (eine Klimaanlage wie in den BVG-Bussen gibt es bekanntlich nicht), und wenn man mit Kinderwagen beispielsweise gegen 16 Uhr am S-Bahnhof Sonnenallee zusteigen möchte - herzlichen Glückwunsch!

S-Bahn

Kurzum. Mir persönlich genügt ein 10-Uhr-Ticket, mit dem man unter der Woche von 10 Uhr morgens bis Betriebsschluss fahren kann. Am Wochenende ist dieses den ganzen Tag gültig, mitnehmen kann man jedoch niemanden auf dieser Karte. In der Regel werden morgens von acht bis neun die Jungs in die Schule und in die Kita gebracht. Dann eine Tasse Kaffee und ran ans Tageswerk am Schreibtisch. Ist irgendwas in der Stadt oder im Umland zu erledigen, muss dann halt auf den städtischen Nahverkehr zurückgegriffen werden. Zu Fuß von Rixdorf bis Tierpark oder Charlottenburg ist dann halt nicht wirklich die Alternative. Und mit einem Auto von einem Stau zum anderen zu hangeln - nein Danke! 

Kürzlich ging es dann auf Dienstreise. Mit einem beruflichen Partner ab nach Bremen. In seinem Auto. Treffpunkt Neuenhagen um halb zehn, an einem Dienstag. Klamotten gepackt, Kamera und Unterlagen vorbereitet, die Birne randvoll mit gedanklichen Merkzetteln. Nichts vergessen, alles organisiert? Prima, auf gen Weser! Nur der eine gedankliche Merkzettel ist wohl in der Eile abgefallen und beim Frühstück unter die Kaffeetasse gerutscht. Noch schnell eine Anschlusskarte für den C-Bereich gekauft und über Ostkreuz in Richtung Strausberg gedüst. Die Gedanken schweiften, die Blicke schweiften - einmal Durchatmen. Es wartete in Bremen schließlich viel Arbeit auf uns.

Bevor es jedoch in der dortigen Arena tagelang zur Sache gehen konnte, wartete jemand anderes auf mich. Kurz hinter Birkenstein bekam ich Gesellschaft. Drei Frauen kontrollierten an der Nahtstelle zwischen den Zonen B und C die Fahrscheine. Wehe, man rutscht mal eben eine Station zu weit in den C-Bereich. Betraf mich nicht, ich hatte ja das Anschlussticket gekauft. Noch etwas müde und gedankenabwesend reichte ich der Dame die Monatskarte und das C-Ticket. Die Augenbrauen gingen bei ihr hoch. War sogar ein freudiges Zucken der Mundwinkel zu beobachten? Sie tippte auf die Uhr. Ich fühlte mich wie in der Schule. Zu spät zum Russisch-Unterricht gekommen, oder was? Ich stand auf dem Schlauch. Was will die Frau von mir? Noch einmal ein hektisches auf die Armbanduhr-Klopfen. 9:20 Uhr! Ertappt! Noch 40 Minuten bis 10 Uhr.

Meine Güte, was für ein Kackdreck, dachte ich. An alles hatte ich gedacht. Ich war alles akribisch durchgegangen. Nur an diese Falle hatte ich an diesem Vormittag nicht gedacht. Bewusst schwarz fahren wollte ich wohl kaum, ansonsten hätte ich mir nicht das Anschlussticket gegönnt. Man ahnt es natürlich bereits. Kulanz? Klare Fehlanzeige. Ausweis bitte! Schön! Das sind solche Momente, bei denen man gern an den „Taxi Driver“ denkt. Ich erklärte noch einmal freundlich, wie es zu dem Missgeschick kam, doch der Strafzettel wurde bereits voller Tatendrang ausgefüllt. 60 Euro! Mehr als das 10-Uhr-Ticket für die Bereiche A/B kostet. Ein hübscher Start einer wichtigen Dienstreise. Ich schaute noch einmal in die drei Gesichter der Kontrolleurinnen und legte mir ein paar passende Worte zurecht. Letztendlich griff ich wortlos das Papier und schaute weiter aus dem Fenster. 

S-Bahn

Und es kam noch besser! Dienstreise nach Bremen, reichlich Nachbearbeitung. Gleich im Anschluss folgten weitere Touren quer durch Deutschland. Drei Wochen später wartete bereits ein feiner Brief. Nicht von der S-Bahn GmbH. Nein, neuerdings wird das Ganze sogleich an ein Inkasso-Unternehmen weitergeleitet. Ach ja, Mist, da war ja noch was! Der schmucke Service hat auch seinen Preis. Aus 60 Euro wurden nun mal eben 119 Euro. Ohne, dass zwischendurch eine Mahnung kam. Ob dies rechtlich ohne eine erste Zahlungserinnerung von Seiten der S-Bahn GmbH überhaupt rechtlich möglich ist? Eine gute Frage! Auf Heckmeck hatte ich dieses Mal keine Lust. Ich überwies die 119 Euro, letztendlich war es meine eigene Schuld. Allerdings kam mir kräftig die Galle hoch, als ich das nächste Mal wieder einmal mit dem Kinderwagen am Nachmittag auf einem Ringbahnsteig stand und nicht in die proppenvolle, überhitze S-Bahn kam. Dreckig, unpünktlich, keine Überwachung der Bahnsteige - es läuft nicht wirklich prima bei der Berliner S-Bahn. Aber auf eines ist auf jeden Fall Verlass: Dass ein Vorgang überpünktlich an das entsprechende Inkasso-Unternehmen weitergereicht wird. Läuft also…

Vorsicht vor der 10-Uhr-Falle. Und um auf schönere Gedanken zu kommen, hier zu den Reise-Fotostrecken aus aller Welt:

* Impressionen vom Balkan bis Lateinamerika ...

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bitte beim nächsten mal oder aber auch bei anderen "netten" Inkasso-Schreiben auf keinen Fall die zusätzlichen Kosten für Bearbeitung, Anwalt oder sonstewas zahlen, wenn keine erste Mahnung einging !!!
Die schriftliche Mahnung vor dem Inkassoverfahren durch den Dienstleister selbst ist zwingend vorgeschrieben und deren Erhalt müsste im Ernstfall vor Gericht nachgewiesen werden. Auch das Einschalten eines zweiten oder gar zusätzlichen Inkassobüro`s ist rechtlich unzulässig und deren Eintreiben wurde durch mehere Gerichte schon abgewiesen.
Also - immer sofort schrftl. Einspruch gegen die Zahlungsaufforderung absenden und somit erstmal Fristen wahren !
Gezahlt werden kann ja dann immer noch ...ist zwar ärgerlich aber eben ein wenig günstiger =))

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Ich bin dafür dass die 10-Uhr Monatskarten bereits ab 9-Uhr gelten!

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Auch mal gesehen; ein alter Mann, der schon den Eindruck machte, dass er keinen Sinn für Technik hätte, hatte einen anderen Fahrschein als erforderlich. Kontrolle. Menschlichkeit dennoch Fehlanzeige.
Es wird doch immer viel von Humanismus gequatscht...

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Kulanz? Auch im Ruhrgebiet Fehlanzeige

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