Fuckparade Berlin 2013: Unter dem Motto „Back to the roots“ von Mitte nach Stralau

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 08 September 2013    
 
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Fuckparade 2013
Foto: Marco Bertram

FuckparadeHunderte Facebook-Gruppen? Tausende Ankündigungen im Internet und an Hauswänden? Fehlanzeige! Und nicht nur das: Detaillierte Informationen über die diesjährige Berliner Fuckparade zu erhalten, war alles andere als einfach. Ein genauer Routenverlauf? Der wurde mehr oder weniger über Mundpropaganda verteilt. Allein der Start- und Endpunkt der Fuckparade 2013 waren mit einem schnellen Klick im Netz verfügbar. Und das Motto: „Fuckparade 2k13 – back to the rootz!“ (Ja, in diesem Fall mit „z“ geschrieben.)

FuckparadeZurück zu den Wurzeln. Und das machte durchaus Sinn. Auf diesem Wege wurde die Fuckparade zu keinem reinen Spektakel für Touristen, die mal eben gern mit einer Flasche Bier hinter wummernden Wagen durch die City ziehen wollen. Viel mehr möchten die Betreiber der Fuckparade auch im sechzehnten Jahr des Bestehens auf wichtige Punkte aufmerksam machen. Mit dieser subkulturellen Demonstration soll wieder und wieder gemeinsam ein Zeichen gesetzt werden. Ganz bewusst führt die Route der Fuckparade vorbei an bedrohten oder bereits geschlossenen bzw. abgerissenen Clubs und anderen Einrichtungen, die von der Verdrängung akut betroffen sind.

FuckparadeKeine Party ist illegal. Mehr Raum für freie Kunst in der Stadt. Mehr Farben für die Menschen. So riefen die Betreiber der Fuckparade unter anderen im Vorfeld dazu auf, sich auf eigenen Flyern auszudrücken und der Welt auf friedlichem Wege die Meinung zu sagen. Gesagt, getan. Ab 14:23 Uhr ging es am Samstagnachmittag am Bunker in Berlin-Mitte an der Ecke Reinhardtstraße / Albrechtstraße los. Nach der dortigen Auftaktkundgebung zogen die Teilnehmer hinter mehreren Wagen durch Mitte in Richtung Friedrichshain. Vorbei am Platz der Nationen über die Lichtenberger Straße und den Strausberger Platz zur Karl-Marx-Allee, der in östlicher Richtung bis zur Warschauer Straße gefolgt wurde.

FuckparadeBestes Sommerwetter, prima Musik und überaus entspannte Teilnehmer. Das gebotene Ambiente dürfte manch einem Besucher, der beim ersten Mal auf der Fuckparade mitlief, sicherlich positiv überrascht haben. Vorn an der Spitze ein altes Fahrzeug der Feuerwehr Trechwitz. Oben drauf ein DJ und eine junge Frau mit NVA-Helm. Seitlich weiß auf weinrot die zentrale Forderung: „Freiräume erhalten!“ Seitlich des zweiten Wagens ein weiteres Banner: „The only good system is a soundsystem! Für eine befreite Gesellschaft!“

PolizeiDie Polizei begleitete den gestrigen Demonstrationszug, an dem zwischenzeitlich etliche tausend Personen teilnahmen, recht zurückhaltend von Mitte bis nach Stralau, wo auf dem Brachgelände an der Kynaststraße am Abend die Sache ausklang. Dass die Fuckparade von Politik und Verwaltung ernst genommen wird, zeigte sich jedoch unter anderen an der Tatsache, dass an der Spitze der Fuckparade niedersächsische BFE-Einheiten mitliefen, die dafür bekannt sind, bei Demonstrationen und auch beim Fußball schon mal herzhaft durchgreifen zu können. Zwar schienen etliche Teilnehmer der Fuckparade überaus kernig, doch verlief die Angelegenheit auf der gesamten Strecke bis zur Abschlusskundgebung auf der Wiese an der Kynaststraße überaus friedlich und relaxt.

FuckparadeDurchaus gut gewählt war die diesjährige Route. Warschauer Straße, Revaler Straße, Modersohnbrücke, Stralauer Allee und der Endpunkt auf der Halbinsel Stralau boten ein passendes Ambiente und mit Sicherheit das eine oder andere interessante Fotomotiv. Während indes die Spätverkäufe in der Warschauer Straße für den Ansturm gut vorbereitet waren und die Getränke wie am Fließband abkassierten, traf es einen kleinen Spätkauf am Ende der Stralauer Allee völlig aus der Kalten. Die dortige junge Verkäuferin arbeitete den ersten Tag in dem kleinen Laden und staunte nicht schlecht, als sich innerhalb weniger Minuten eine riesige Schlange bildete. Dass sie vor lauter Aufregung gefühlte zwei Minuten pro Person beim Abkassieren benötigte, nahm niemand wirklich krumm. Bei einer anderen Demo hätten sich die Jungs mit Sicherheit gleich mal selbst bedient.

TunnelBevor es auf das Brachgelände mit den beiden stillgelegten Gebäuden des einstigen dortigen Glaswerkes Stralau ging, bildete der Tunnel unter der Ringbahn noch einmal einen stimmungsvollen Höhepunkt. Hier hätte man mit dem Feuerwehrfahrzeug bleiben und richtig abtanzen können, doch verständlicherweise wiesen die Polizeibeamten recht bald den Weg zur Wiese. Nicht alle Teilnehmer der Fuckparade folgten den Wagen bis zu diesem Endpunkt, so dass nicht mehr richtige Stimmung aufkommen konnte. Punktuell wurde jedoch an den Fahrzeugen weiterhin getanzt und wer am Rande bei einem Getränk im Gras saß, konnte in der Dämmerung die grandiose Kulisse beobachten. Ein Hauch der 90er Jahre kam hoch. Die Industrieruinen. Die wummernde Musik. Die feiernden Leute.

Fuckparade21:50 Uhr wurde dem Ganzen abrupt ein Ende gesetzt. Die Polizei war – und das war wirklich nicht überraschend – gut vorbereitet. Drei mobile Flutlichtanlagen wurden eingeschaltet. Die Breakcore-Klänge verstummten. Das Gelände wurde nun in ungemütliches, gleißendes Licht getaucht. Kein Wunder, dass die meisten Teilnehmer fast fluchtartig das Weite suchten und zum nächsten interessanten Punkt des abendlichen Berlins tingelten...

Foto: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: Fuckparade 2013

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