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THEMA: Wanderausstellung zur deutsch-deutschen Grenze

Wanderausstellung zur deutsch-deutschen Grenze 10 Jun 2005 11:15 #630



Hallo liebe Leute,

Ende April wurde unsere Wanderausstellung zur deutsch-deutschen Grenze fertiggestellt.
Im Rahmen einer Veranstaltung vom MdEP Michael Cramer zum 1. Jahrestag der EU-Erweiterung wurde die Wanderausstellung vorab in Brüssel im Gebäude des Europäischen Parlaments am 26. April 2005 präsentiert.
Rund 250 Gäste, unter ihnen der ehemalige lettische Kultur- und Außenminister MdEP Rihards Piks, nutzten die Gelegenheit, die frisch fertiggestellte Wanderausstellung zu betrachten.

Ab dem Sommer 2005 wird die Ausstellung quer durch Deutschland wandern. Von Hamburg über Helmstedt bis nach München, vom Ruhrgebiet bis nach Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Standorte sollen nicht nur Großstädte sein.

Inhaltlich sind rund 70% aktuelle Fotos vom ehemaligen Grenzstreifen und den Grenzmuseen, die im Sommer 2003 im Zuge einer umfangreichen Dokumentation entstanden sind, und 30% historische Fotos aus den Beständen der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur zu sehen. Der Textanteil beträgt circa 25%.

Wer Interesse hat, kann sich hier informieren:

www.deutsch-deutsche-grenze.de

Es grüßt Marco

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Dömitz Grenzanlagen 1988 30 Jul 2005 09:59 #832

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  • alfred
Hallo Marco,

Kannst du mir Informationen geben über die Beschaffenheit der Grenzanlagen bei Dömitz (Zusammenfluss der Elder in die Elbe). Gab es dort z.B. Beobachtungstürme, Stacheldraht oder ähnliches. Wäre es hier z.B möglich gewesen schwimmend zu fliehen?
Ich benötige die Informationen für eine Recherche. Falls Dir die Informationen fehlen, vielleicht weißt Du ja, wo ich sie bekommen kann.

Für Deine Mühe bedanke ich mich

:D )
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Re: Wanderausstellung zur deutsch-deutschen Grenze 31 Jul 2005 20:36 #837

Hallo Alfred,

zum Thema „Grenzverlauf entlang der Elbe“ gibt es bei der Wanderausstellung zur deutsch-deutschen Grenze eine extra Tafel, und demzufolge hatte ich mich mit diesem auch explizit Thema beschäftigt.

Hier ein paar Informationen, entnommen von der Tafel 14 der Ausstellung:

Der 95 Kilometer lange Verlauf der Demarkationslinie entlang der Elbe bereitete Probleme. Laut Londoner Protokolle gehörte die gesamte Breite der Elbe zum Gebiet der westlichen Besatzungszonen. Das Territorium der DDR begann demzufolge direkt am östlichen Ufer der Elbe.
In der Praxis verlief die Demarkationslinie in der Mitte des Flusses, und die Gewässerhälften konnten von den jeweiligen Seiten benutzt werden. Ein Problem jedoch war die unterschiedlich verlaufende Fahrrinne, die sich je nach Pegelständen und Sandablagerungen in den Flusskurven ständig verschob.
Weiterhin gab es die Regelung, dass auf internationalen Wasserstraßen die Schifffahrt auf der ganzen Breite der Fahrrinne stattfindet. Die Elbe war eine Bundeswasserstraße der 1. Ordnung und somit auch für Sportboote befahrbar. Diese Regelungen wurden von der BRD und der DDR unterschiedlich ausgelegt und interpretiert, und so kam es immer wieder zu Problemen und Konflikten über den genauen Grenzverlauf auf der Elbe.

Die »Schlacht um Gorleben« auf der Elbe

Im Oktober 1966 verschärfte sich die Situation auf der Elbe. Es kam zur »Schlacht um Gorleben«, von der es Augenzeugenberichte von verschiedenen Seiten gibt.
Auf einem Elbabschnitt bei Dömitz kam es zu einer brenzligen Situation zwischen der 1. Bootsgruppe der Grenztruppen der DDR und dem westdeutschen Vermessungsschiff »Kugelbake«. Die Berichte zum genauen Hergang des Vorfalls gehen weit auseinander. Bei Vermessungsarbeiten kam es zu Provokationen, die »leicht einen dritten Weltkrieg auslösen hätten können«, wie später ein Generalmajor der Britischen Rheinarmee feststellte.
Nach dem Vorfall auf der Elbe mussten die DDR-Grenztruppen erkennen, dass ihre Grenzkontrolle nur bis an das Ostufer der Elbe mit allen Mitteln durchsetzbar war. Ab 1967 erfolgte am Ostufer der Elbe ein weiterer Ausbau der Grenzanlagen, die Sicherung der Grenze wurde zunehmend vom Wasser auf den Uferstreifen entlang der Elbe verlegt.

Wassersport auf der Elbe

Im Herbst 1969 hatte Hans Jürgen P. ein unangenehmes Erlebnis, das er wenig später auf Papier festhielt. Mit einem Begleiter war er auf einem Sportboot auf der Elbe unterwegs, als auf der Westseite des Stromstrichs ein Boot der DDR-Volkspolizei auf ihn zusteuerte und ihn aufforderte, das Territorium der Deutschen Demokratischen Republik sofort zu verlassen. Erst als er das kleine Sportboot in das Kehrwasser auf westdeutscher Seite einlenkte, ließ das Boot der Volkspolizei von ihm ab.
Seine Wassersportkameraden konnten von ähnlichen Erlebnissen berichten. Teilweise versuchte man sie mit den Booten der Volkspolizei auf die östliche Seite abzudrängen, um sie dort wegen Grenzverletzung festnehmen zu können. Von schärferen Dialogen war die Rede. Aussagen von Seiten der Volkspolizei, wie »Dich holen wir uns noch!« sollen gefallen sein. Erst durch das Hinzukommen westdeutscher Zollboote konnte in der Regel die Situation entschärft werden.
Manchmal wurden bundesdeutsche Sportbootfahrer auch von den DDR-Behörden festgenommen und erst nach der Bezahlung der sogenannten Frachtkostenerstattung bei Lauenburg wieder freigelassen. Bei Sportbootfahrten mit Jugendlichen empfahlen die westdeutschen Behörden diese Elbtouren 14 Tage vorher beim Zoll in Lauenburg anzumelden.

Die Ruine der Eisenbahnbrücke bei Dömitz

Ein Symbol der Deutschen Teilung im Raum der Elbe wurde die Ruine der Eisenbahnbrücke bei Dömitz. Diese Eisenbahnbrücke wurde von 1870 bis 1873 erbaut und war in jener Zeit die längste Brücke Deutschlands.
Am 20. April 1945 wurde sie von alliierten Bomben getroffen und fast komplett zerstört. Ein Segment fiel in die Elbe und konnte erst 1948 geborgen werden. Ab den 60er Jahren wurde der nordöstliche Brückenkopf von den DDR-Grenztruppen genutzt. 1987 wurde dieser jedoch gesprengt. Wieder verbunden wurden die beiden Regionen an den Ufern der Elbe durch die im Jahre 1992 fertiggestellte Brücke der anliegenden Bundesstraße.

Zum Thema Grenzanlagen:

Entlang der Elbe gab es parallel zum Fluss auf östlicher Seite die gleichen Grenzanlagen wie am übrigen Verlauf der deutsch-deutschen Grenze. Bei Rüterberg gab es sogar einen zusätzlichen Grenzzaun, der die Ortschaft komplett umschloss...

Bei weiteren Fragen, Alfred, stehe ich jederzeit gern zur Verfügung!

Es grüßt Marco :D
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Re: Wanderausstellung zur deutsch-deutschen Grenze 01 Aug 2005 19:50 #845

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Hallo Marco,

wo ist die Wanderausstellung zur inner-deutschen Grenze als nächstes zu sehen? In welcher Stadt, in welchem Gebäude?

Vielen Dank für die Auskunft :idea:
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Re: Wanderausstellung zur deutsch-deutschen Grenze 15 Aug 2005 10:00 #954

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Weshalb eigentlich wurde die Brücke bei Dömitz nicht mehr aufgebaut? Zumindest nach dem Fall des Eisernen Vorhanges wäre es doch eine Pflicht gewesen, dort wieder eine vernünftige Eisenbahnverbindung über die Elbe zu schaffen?!!

Mao
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Re: Wanderausstellung zur deutsch-deutschen Grenze 05 Okt 2005 11:29 #1288

Die Wanderausstellung ist vom 5. Oktober bis zum 5. Dezember 2005 in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen zu sehen

Gestern bauten wir vor Ort die Wanderausstellung in den Räumlichkeiten der Gedenkstätte auf.
Wenn man das Gelände der Gedenkstätte betritt, einfach nur geradeaus halten. Im ersten Gebäude geradezu durch die Tür gehen...
Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

Adresse:

Gedenkstätte Hohenschönhausen
Genslerstraße 66
D-13055 Berlin


Bis dahin viele Grüße von Marco :D


Website der Gedenkstätte:

[url:1ctqa5vo]www.stiftung-hsh.de[/url]
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Re: Wanderausstellung zur deutsch-deutschen Grenze 01 Nov 2005 12:03 #1468

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Hallo Marco!

Wie versprochen ein paar kurze Worte zur Ausstellung.
Ich sah ja hier zuerst nur den Flyer, und ich kann mich erinnern, dass du hier im Büro an den Flyern und Tafel gearbeitet hast. Das Ergenis konnte ich mir allerdings noch nicht richtig vorstellen, weil ich das verwendete Material noch nicht kannte.
Vor Ort bei der Stiftung HSH machte ich mir ein Bild vom Ganzen.
1. Tolle Arbeit, hoher Aufwand, gutes Konzept.
2. Guter Gesamteindruck
3. Man verliert sich leicht zwischen den Tafeln - da sehr viele Themen
4. Sehr gute Bildqualität
5. Viel Text, zu viel? Oder sollte es so sein?
6. Die Reihenfolge des Aufbaus irritierte mich ein wenig. Aber das ist dort wohl wegen der Platzverhältnisse?

Insgesamt: Lob für dich und unbekannter Weise an den Frank und den Karsten.
Wann folgt das nächste Projekt? Eine Ausstellung zur EU-Außengrenze?

Mali
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