Weshalb wird das WM-Finale Niederlande – Spanien dermaßen kritisiert?

Spannender hätte das Endspiel Niederlande – Spanien wohl kaum sein können. Die Partie bot so ziemlich alles, was man als Fußballliebhaber erwartet. Kampf, absoluter Einsatz, Spielfreude, Engagement, ein Spielverlauf auf Messers Schneide. Okay, es fiel nur ein einziges Tor, doch es hätten auch sechs sein können. In zahlreichen Medien kommt das WM-Endspiel allerdings denkbar schlecht weg. Statt die Leistung anzuerkennen, wird vielerorts herumgemuffelt. Selbst das Sportmagazin Kicker spricht von einem „Finale von Johannesburg auf ganz schwachem Niveau“. 
 

Spannender hätte das Endspiel Niederlande – Spanien wohl kaum sein können. Die Partie bot so ziemlich alles, was man als Fußballliebhaber erwartet. Kampf, absoluter Einsatz, Spielfreude, Engagement, ein Spielverlauf auf Messers Schneide. Okay, es fiel nur ein einziges Tor, doch es hätten auch sechs sein können. In zahlreichen Medien kommt das WM-Endspiel allerdings denkbar schlecht weg. Statt die Leistung anzuerkennen, wird vielerorts herumgemuffelt. Selbst das Sportmagazin Kicker spricht von einem „Finale von Johannesburg auf ganz schwachem Niveau“. 

Liebe Kollegen, liebe Sportjournalisten – haben wir wirklich das gleiche Spiel gesehen? Woran liegt es, dass jetzt so gemuffelt wird? Ein durchschnittliches 3:2 des deutschen Teams gegen das Überraschungsteam Uruguay wird hervorgehoben, als wäre es die Spitze der Fußballkunst. Das wirklich knackige Endspiel, in dem sich beide Teams keinen Zentimeter Rasen geschenkt haben, wird dargestellt wie ein müder Frühjahrskick!

„Auch die zweite Hälfte begann mit schaurigem Fußball.“, schreibt der Kicker. Man kann nur mit dem Kopf schütteln. Was wurde denn erwartet, wenn zwei extrem kampfstarke Mannschaften aufeinander treffen? Ein fröhliches Stelldichein mit viel Platz und Raum, um locker und entspannt zu kombinieren?
Es gab harte, packende Zweikämpfe, es gab einen Fight zwischen zwei gleichstarken Mannschaften. Es gab hundertprozentige Torchancen. Auf beiden Seiten zeigten Stekelenburg und Casillas, weshalb sie zu den besten Torhütern der Welt gehören.
 
Das Gute an der gestrigen Partie: Die Power der Spieler hielt auch in der Verlängerung an – es wurde auf Sieg gespielt. Auf ein Elfmeterschießen wollte man sich nicht einlassen. In einer Endphase, in der sich die Spanier ein leichtes Übergewicht erspielten, schlugen sie eiskalt zu und entschieden die Partie für sich. So ist Fußball, spannender und prickelnder hätte es nicht sein können.
„Spanien ist Weltmeister, doch lieber hätten wir die Deutschen im Finale gesehen“, jammert die deutsche Presse. Ja, schön. Logisch, dass Millionen deutsche Fußballfans lieber die Deutschen im Finale gesehen hätten, doch weshalb die Presse in so eine jämmerliche Heulerei einsteigt, bleibt ein Rätsel. 
Das Ganze erinnert bereits während der gesamten WM an einen Kindergarten. Wenn „Schland“ spielte, war alles rosig und ach so toll. Andere Teams wurden reihenlos kritisiert, wirklich gut weg kam kein Nationalteam. Die Brasilianer spielten nicht locker und sambafröhlich genug, die Spanier spielten zu unterkühlt, die Engländer spielten zu dämlich, über die Italiener, Franzosen und Argentinier konnte man reichlich Spott auskübeln, und und und. 
Das Dumme war, bereits vor dem WM-Finale hatte man sich dem einstigen Erzrivalen Niederlande ein wenig angenähert. Man zeigte vielerorts Sympathie für den kleinen Nachbarn. Und nun auch noch das. Zum dritten Mal gingen die Niederländer bei einem WM-Finale als Verlierer vom Platz.
Als Verlierer muss sich jedoch kein Team am gestrigen Abend fühlen. Beide Mannschaften hätten den WM-Titel verdient gehabt. Ohne Wenn und Aber. Beide Teams auf ihre Art. Wer allerdings meint, die Spanier hätten den Titel nicht verdient gehabt – obwohl sie im Halbfinale das deutsche Team dermaßen dominiert hatten – widerspricht sich selbst. 
Passender wurde das Finale in Spanien kommentiert: „Das Finale wird, durch die Aggressivität der Niederländer, als das härteste Finale der Welt in die Geschichte eingehen“, schrieb die El Mundo. „Mit Vorhängeschlössern vor den Toren wurde das Spiel hoch intensiv, mit zwei Mannschaften am Limit, erschöpft, durchgeschwitzt.“, titelte die El País
Unpassend war gestern Abend wieder einmal der ZDF-Kommentator Bela Rethy, der das Spiel komplett zerredet hatte und nicht einmal die Spielernamen korrekt aussprechen konnte. Im Laufe der Weltmeisterschaft wurde bereits einiges zu diesem Thema gesagt und die Kritik mehrt sich zunehmend:

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