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Straßen-WM in Innsbruck: Gold für Lisa Klein, Trixi Worrack und Maximilian Schachmann

 
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BM 27 September 2018
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Der erste Teil der Straßen-Radweltmeisterschaft 2018 in Innsbruck liegt schon wieder hinter uns und für die Teilnehmer des Bund Deutscher Radfahrer (BDR) gab es trotz zum Teil guter Leistungen in den fünf Einzelzeitfahren nichts zu holen. Die beste Platzierung erreichte noch Michel Heßmann vom RSV Unna im Rennen der Junioren mit Platz 4, wo er mit der sogenannten Holzmedaille zufrieden sein musste und Bronze nur um zehn Sekunden verpasste. In diesem Rennen über 27,7 km bot der Belgier Remco Evenepoel, der seine Sportlerlaufbahn als Fußballer begann und dort in den Altersklassen U 15 und U 16 sogar für die belgische Nationalauswahl spielte, eine überragende Vorstellung und distanzierte den Australier Lucas Plapp und den Italiener Andrea Piccolo mit großem Vorsprung auf die nächsten Medaillenplätze. 

Seine Leistung ist einfach nur als sensationell zu bezeichnen, da er erst seit dem Frühjahr 2017 im Radsport aktiv ist und nun als Seriensieger auch die Weltrangliste bei den Junioren souverän anführt. In Fachkreisen gilt der junge Mann, der nach seinem Sieg seinen Eltern glücklich in die Arme fiel, schon als zweiter Eddy Merckx. Bis dahin liegt zwar noch ein weiter Weg vor ihm, aber so wie er seine Rennen dominiert, liegt eine entsprechende Karriere im Bereich des Möglichen. Allein seine herausragende Durchschnittsgeschwindigkeit von 49,979 km/h war gegenüber die des Zweitplatzierten von 47,968 km/h fast unglaublich! 

Obwohl in den Niederlanden der Frauenradsport eine dominierende Stellung einnimmt, so war doch der Sieg bei den Juniorinnen von Rozemarijn Ammerlaan, die für die 19,8 km eine Fahrzeit von 27:02,95 Minuten benötigte, vor der Italienerin Camilla Alessio und der Britin Elynor Backstedt durchaus eine kleine Überraschung, zumal Topfavoritinnen wie die Italienerin Vittoria Guazzini (6.), die Britin Pfeiffer Georgi (4.) und auch die Deutsche Hannah Ludwig (10.) das Nachsehen hatten. Letztere wollte ihren ausgezeichneten 4. Platz aus dem Vorjahr verbessern, aber sie blieb hinter den Erwartungen zurück und war mit ihrer Leistung selbst nicht zufrieden.

 

Bei den Frauen gab es einen Dreifacherfolg für die Niederlande, wo Annemiek van Vleuten 29 Sekunden schneller war als Anna van der Breggen und Ellen van Dijk bereits 1:25 Minuten zurücklag. Die beiden deutschen Teilnehmerinnen Lisa Brennauer und Trixi Worrack belegten die Plätze 14 und 15 und waren chancenlos im Kampf um die Medaillen, die sie mit Rückständen von 2:49 bzw. 3:02 Minuten klar verfehlten. Hatten sie ihr Pulver schon am ersten Tag der Weltmeisterschaften beim Mannschaftszeitfahren verschossen?

Überragend war auch die Vorstellung des Dänen Mikkel Bjerg, der in der Altersklasse U 23 über 27,7 km als Topfavorit an den Start ging, mit 32:31,05 Minuten die absolute Bestzeit fuhr und damit seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigte. Silber und Bronze gingen etwas überraschend an den Belgier Brent van Moer und den Dänen Mathias Norsgaard Jörgensen, während die hochgehandelten Brandon McNulty aus den USA und der Deutsche Lennard Kämna mit ihren Plätzen 7 und 14 eher enttäuschten, auch wenn ihre Rückstände mit 53 Sekunden bzw. 1:05 Minuten noch in erträglichem Rahmen lagen. Der zweite deutsche Teilnehmer Max Kanter war auf Platz 15 fast zeitgleich mit Lennard Kämna ins Ziel gekommen und blieb dabei im Rahmen seiner Möglichkeiten. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Zeit von Junior Remco Evenepoel mit 33:15,24 Minuten für den 4. Platz in der Klasse der U 23 gereicht hätte und das trotz der geltenden Übersetzungsbeschränkung bei  den Junioren.

 

Höhepunkt der Wettbewerbe im Einzelzeitfahreen war einmal mehr das Rennen der Männer, die 52,1 km zurückzulegen hatten. Ein abwechslungsreiches Rennen mit einem rund 5 km langen Anstieg hatte es in sich und war somit prädestiniert für den Titelverteidiger Tom Dumoulin aus den Niederlanden, der aber an diesem Tag dem besten Zeitfahrer dieses Jahres, dem Australier Rohan Dennis, den Vortritt lassen musste. Rohan Dennis fuhr nahezu in einer anderen Liga und erzielte bei beiden Zwischenzeiten nach 16,6 km und 35,2 km jeweils Bestzeit, wobei Tom Dumoulin als Zweiter nach zunächst nur 8 Sekunden Rückstand dann schon an der zweiten Marke 1:01 Minuten zurücklag. Auch im dritten Abschnitt war der Australier der Schnellste, während Tom Dumoulin hier nur die siebtschnellste Zeit fuhr und der starke Belgier Victor Campenaerts fast noch den Niederländer eingeholt hätte. Am Ende waren es 0,53 Sekunden, die Tom Dumoulin vor dem Belgier die Silbermedaille einbrachten, aber der Rückstand zu Rohan Dennis war mit 1:21 Minuten beträchtlich. „Ein Traum ist wahr geworden und das Regenbogentrikot zu tragen ist einfach toll“, gab der Australier zu verstehen, der mit einer Galavorstellung seine diesjährigen Ergebnisse in den Zeitfahren mehr als bestätigte. 

 

Die beiden deutschen Teilnehmer Tony Martin und Maximilian Schachmann fuhren im Feld der 56 Fahrer aus 37 Ländern auf die Plätze 7 und 11 und schlugen sich dabei recht achtbar. Der Anstieg bei Rennmitte war für beide das Hindernis für eine bessere Platzierung, insbesondere für Tony Martin, der nach der ersten Zeitnahme auf Platz drei lag und diesen Platz auch im letzten Abschnitt behauptete. Nach 35,2 km hatte er allerdings mit 2:14 Minuten Rückstand nur auf Platz 8 gelegen, den er dann noch leicht verbessern konnte. Zum Ende hin zeigte auch Maximilian Schachmann eine starke Leistung, als er vom jeweils 17. Platz bei den Zwischenzeiten noch auf Platz 11 fuhr und damit eine weitere starke Leistung in dieser für ihn so großartig verlaufenen Saison zeigte. „Ich bin mit meiner Leistung zufrieden“, gab der Berliner zu Protokoll, während Tony Martin mit dem brutalen Berg (O-Ton) so seine Schwierigkeiten hatte, aber mit der Leistung auf dem flachen Teil sogar auf Medaillenkurs war.

 

Begonnen hatte die Weltmeisterschaft mit den Mannschaftszeitfahren am Sonntag, in denen es für deutsche Fahrer bemerkenswerte Erfolge gab. Bei den Frauen siegte nach 54,1 km das mit deutscher Lizenz startende Team Canyon SRAM Racing mit den beiden Deutschen Lisa Klein und Trixi Worrack, die gemeinsam mit den Britinnen Hannah und Alice Barnes, der Italienerin Elena Cecchini und Alena Amialiusik aus Weißrussland mit 1:01:46,60 Stunden Bestzeit fuhren und dabei eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 52,544 km/h erzielten. Silber und Bronze gingen an die niederländischen Teams Boels-Dolmans, u.a. mit Anna van der Breggen, und Team Sunweb, in dem die junge Deutsche Liane Lippert fuhr. Mit 22 bzw. 28 Sekunden war der Rückstand für die beiden Teams noch relativ gering, doch das mitfavorisierte Team Wiggle High5 mit Lisa Brennauer auf dem undankbaren vierten Platz lag da schon 57 Sekunden zurück. 

 

Auch im Mannschaftszeitfahren der Männer gab es Gold für einen deutschen Fahrer: der Berliner Maximilian Schachmann als bekannt guter Zeitfahrer führte sein in diesem Jahr so erfolgreiches Team Quick-Step Floors zum Titel, so dass nunmehr für das belgische Team 69 Erfolge zu Buche stehen. Mit den Belgiern Laurens de Plus und Yves Lampaert, Bob Jungels aus Luxemburg, dem Dänen Kasper Asgreen und dem Niederländer Niki Terpstra war das Team nach 62,4 km und einer Fahrzeit von 1:07:25,94 Stunden nicht zu schlagen und erzielte dabei eine sagenhafte Durchschnittsgeschwindigkeit von 55,522 km/h. Die Silbermedaille ging an das mit deutscher Lizenz startende Team Sunweb, das allerdings ohne deutsche Fahrer am Start war und 18 Sekunden zurücklag, während Bronze für das BMC Racing Team übrigblieb, das 20 Sekunden am Ende verloren hatte. Für Topteams wie Sky oder Mitchelton- Scott reichte es da nur zu den Plätzen vier und fünf, allerdings fehlten in beiden Teams die diesjährigen Sieger der Grand Tours Chris Froome, Geraint Thomas und Simon Yates. 

 

Es waren die letzten Weltmeisterschaften im Mannschaftszeitfahren für Markenteams, die seit 2012 stattfanden und durchaus zu den Attraktionen der Radsportweltmeisterschaften zählten. Wie man hört, soll es künftig einen Mixed-Staffelwettbewerb für Nationalmannschaften geben, wo jeweils drei Männer und drei Frauen aus den U 23- bzw. Elite-Kategorien an den Start gehen werden. Ein weiterer Schritt zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Radsport wird damit vollzogen und so soll der Wettbewerb zum ersten Mal im nächsten Jahr in Yorkshire zur Austragung kommen.   

Bericht: Bernd Mülle           

Fotos: Arne Mill (frontalvision.com)

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Rennbericht
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  • Straßenrennen
  • UCI-Rennen
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