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14 Medaillen für den BDR bei European Championships: Brennauer und Bötticher ragen heraus

 
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BM 13 August 2018
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Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) konnte bei den Europameisterschaften im Radsport auf Bahn und Straße seine international gute Position behaupten. Diese Titelkämpfe wurden erstmals im Rahmen der European Championships Berlin/Glasgow 2018 ausgetragen, die sieben verschiedene Sportarten beinhalteten und in Berlin (Leichtathletik) sowie in Glasgow (Radsport, Schwimmen, Turnen, Rudern, Triathlon und Golf) die Fans mit hervorragenden sportlichen Leistungen in Atem hielten. Im Medaillenspiegel rangiert Deutschland mit 13 Gold-, 17 Silber- und 23 Bronzemedaillen auf dem 5. Platz unter 35 platzierten Nationen, wobei weitere 18 beteiligte Nationen leer ausgingen.

Am Medaillensegen war der BDR, seit Jahren auf internationaler Ebene zu den erfolgreichsten Sportarten Deutschlands zählend, mit 3 Gold-, 4 Silber- und 7 Bronzemedaillen erneut nicht unwesentlich beteiligt. Dabei ragten zwei Athleten mit jeweils drei Medaillen heraus, die sie mit eindrucksvoller Fahrweise errangen. Da ist zunächst einmal Stefan Bötticher zu nennen, der sich bei seinem sensationellen Auftritt mit einem ganzen Medaillensatz schmücken konnte und Gold im Keirin gewann, als Silbermedaillengewinner im Sprint mit der schnellsten Qualifikationszeit nur dem Niederländer Jeffrey Hoogland den Vortritt lassen musste und im Teamsprint gemeinsam mit dem jungen Timo Bichler und Joachim Eilers noch Bronze holte. „Ich bin überwältigt von diesem Erfolg und brauche noch Zeit, um das zu verarbeiten“, bekannte der sympathische Athlet nach seinem Erfolg im Keirin. 

 

In einem Atemzug mit ihm muss auch Lisa Brennauer genannt werden, die sich seit dem letzten Jahr auch wieder auf der Bahn mit starken Leistungen ins Rampenlicht gefahren hat. Mit Charlotte Becker, Mieke Kröger und Gudrun Stock fuhr sie in der Qualifikation zur Mannschaftsverfolgung mit 4:25,187 Minuten einen starken dritten Platz heraus, der sie optimistisch für den weiteren Verlauf des Viererturniers stimmte. „Eine Medaille könnte drin sein“, war Lisa Brennauer zuversichtlich und der Vierer bestätigte trotz Laufniederlage gegen die starken Italienerinnen in der 1. Runde mit einem neuen deutschen Rekord von 4:23,754 Minuten und der damit drittbesten Zeit in dieser Runde seine durchaus realistische Medaillenchance. Im Kampf um Bronze gelang dann ein souveräner Erfolg in 4:23,105 Minuten gegen die chancenlosen Polinnen, wobei der deutsche Rekord nochmals verbessert werden konnte. Dabei waren sie sogar schneller als die im Finale um Gold gegen Großbritannien unterlegenen Italienerinnen, die mit 4:25,384 Minuten gegen 4:16,896 Minuten der Britinnen klar das Nachsehen hatten. 

Die bärenstarke Lisa Brennauer setzte dann in der Einerverfolgung über 3 km noch einen drauf, erzielte in der Qualifikation unter 25 Starterinnen einen neuen deutschen Rekord und mit 3:28,152 Minuten gleichzeitig Bestzeit, mit der sie das Finale um Gold gegen die favorisierte Britin Katie Archibald erreichte. Auch der 6. Platz von Gudrun Stock mit 3:34,775 Minuten war allen Ehren wert und unterstich die deutliche Aufwärtsentwicklung im Ausdauerbereich der Frauen. Die Allgäuerin fuhr dann ein Finale der Superlative und errang den Europameistertitel gegen die Britin in überzeugender Weise, als sie mit 3:26,879 Minuten ihren deutschen Rekord ein weiteres Mal pulverisierte und der Britin mit 3:29,577 Minuten keine Chance ließ. „Ich bin nahezu sprachlos und gegen Katie Archibald vor ihrer eigenen Haustür zu gewinnen, macht den Erfolg perfekt“, waren die ersten Worte der neuen Europameisterin. 

 

Nur einen Tag später setzte Lisa Brennauer ihrer starken Vorstellung noch die Krone auf: im Straßenrennen über 129,6 km lag sie am Ende in einer 20-köpfigen Spitzengruppe, aus der sie im Schlussspurt der Italienerin Marta Bastianelli und der Niederländerin Marianne Vos zwar den Vortritt lassen musste, aber mit dem Gewinn der Bronzemedaille ein deutliches Zeichen setzte, dass sich Bahn- und Straßenradsport nicht gegenseitig ausschließen, sondern harter Straßenwettkampf für die Bahnrennen eher vorteilhaft ist. Die Italiener Elia Viviani und Filippo Ganna oder auch ein Roger Kluge lassen grüßen, wobei auch ein Andre Greipel in dieses Raster passen würde! Ganz zu schweigen von einem Pascal Ackermann oder Nils Politt, die schon in früheren Zeiten dem Bahnrennsport den einen oder anderen Stempel aufgedrückt haben.  

Das Auftreten der deutschen Bahnasse, insbesondere im Kurzzeitbereich, war geprägt von den Gedanken an die schwer verletzte Kristina Vogel, die in den vergangenen Jahren stets ein Garant für Medaillen war. Ihre kongeniale Teamsprintpartnerin Miriam Welte hatte dieses Mal die junge Emma Hinze an ihrer Seite, mit der sie hinter Russland und der Ukraine die Bronzemedaille im Kampf gegen die Niederländerinnen gewinnen konnte. Dazu fuhr Miriam Welte den Sprintwettbewerb, wo sie als Neunte der Qualifikation direkt ins Achtelfinale kam und dort die starke Britin Katy Marchant ausschaltete. Im Viertelfinale in zwei Läufen gegen die Polin Julita Jagodzinska siegreich, die überraschend im Achtelfinale die in der Qualifikation Zeitschnellste Emma Hinze bezwang, erreichte Miriam Welte das Halbfinale gegen die Russin Anastasiia Voinova, das sie ebenso in zwei Läufen verlor wie das Rennen um Bronze gegen die Französin Mathilde Gros. „Der Sprint hat viel Kraft gekostet, so dass ich auch mit dem 3. Platz im 500m Zeitfahren zufrieden bin“, gab Miriam Welte zu verstehen, die in ihrer Spezialdisziplin als Favoritin galt, aber sich der starken Russin Daria Shmeleva und Olena Starikova aus der Ukraine geschlagen geben musste. 

 

Zu den Medaillenträgern des BDR gehörten auch Domenic Weinstein mit Gold in der Einerverfolgung über 4 km, Joachim Eilers mit Silber im 1000m Zeitfahren ebenso wie Roger Kluge und Theo Reinhardt im Madison sowie Anna Knauer im Ausscheidungsfahren, die sich lediglich der vierfachen Olympiasiegerin aus Großbritannien Laura Kenny beugen musste. Für Domenic Weinstein war es gegen den Portugiesen Ivo Oliveira ein hartes Stück Arbeit, nachdem er sich als  Schnellster der Qualifikation mit deutschem Rekord von 4:13,073 Minuten durchgesetzt hatte. Es war der erste internationale Einzeltitel für Domenic Weinstein, der von Bundestrainer Sven Meyer optimal vorbereitet worden war. Während Joachim Eilers einmal mehr seine Zeitfahrstärke über 1000m unterstrich, landeten die Weltmeister im Madison Roger Kluge/Theo Reinhardt einen weiteren Erfolg mit dem zweiten Platz bei der Europameisterschaft, wo sie sich nur den Belgiern Kenny de Ketele/Robbe Ghys geschlagen gaben, mit denen sie gemeinsam früh einen Rundengewinnen herausgefahren hatten. „Es war ein taktisch geprägtes Rennen, in dem wir mit den Belgiern gut zusammengearbeitet haben, die allerdings sprintstärker waren“, sagte Roger Kluge, der mit dem Ergebnis zufrieden war und dem derzeit besten Sechstagefahrer Kenny de Ketele diesen Sieg gönnte.     

 

Darüber hinaus waren auch die Straßenfahrer neben Lisa Brennauer mit zwei weiteren Bronzemedaillen erfolgreich, die Trixi Worrack und der Berliner Maximilian Schachmann im Einzelzeitfahren herausfuhren. Hier verpasste Lisa Brennauer eine weitere Medaille, als sie auf regennasser Straße stürzte und ihre Medaillenhoffnungen begraben musste. Umso mehr freute sich Trixi Worrack, die im Alter von 36 Jahren noch eine unerwartete Bronzemedaille gewann und dieser Einzelmedaille nach ihrem Comeback einen besonderen Platz einräumte. Nach einem Trainingslager war Maximilian Schachmann mit eher geringen Erwartungen nach Glasgow gereist und bei einsetzendem Regen scheute er zunächst ein wenig das Risiko. Aber nach der ersten Zwischenzeit auf Platz sechs liegend, steigerte er sich sukzessive und lag am Ende 27 Sekunden zurück auf Rang drei, der ihm eine nicht unbedingt erwartete Bronzemedaille einbrachte. Ein weiterer Höhepunkt für den talentierten Berliner, der nur dem Belgier Victor Campenaerts und dem Spanier Jonathan Castroviejo den Vortritt lassen musste, zwischen denen lediglich 0,63 Sekunden lagen. 

 

Diese als European Championships ausgetragenen Europameisterschaften mit mehreren Sportarten an zwei verschiedenen Orten wie Glasgow und Berlin haben eine Premiere erlebt, die hervorragend organisiert und von begeisterten Zuschauern getragen, eine Wiederholung verdient. Berlin hatte mit einer tollen Leichtathletikeuropameisterschaft auch innerhalb der Stadt ein Highlight, das nur einen Makel aufwies, den sich die Politiker der Hauptstadt anlasten müssen. Weder die Bundeskanzlerin Angela Merkel noch der Bundespräsident und Schirmherr der Europameisterschaft Frank-Walter Steinmeier ließen sich vor Ort blicken, obgleich kurze Wege angesagt waren. Gleiches gilt auch für Sportminister Horst Seehofer, der diesem sportpolitischen Event ebenfalls fernblieb. 

 

Dass diese Europäischen Spiele dem Fussball letztlich kaum den Rang streitig machen werden, sei einmal dahingestellt, jedoch waren die komprimierten Spiele durchaus ein willkommender Anlaß zu zeigen, dass auch andere Sportarten mehr Beachtung finden können, wenn man sie nur richtig vermarktet. Ein Dank gilt allen Unterstützern dieses bislang einmaligen Ereignisses und bevor man z.B. in Berlin wieder über Olympische Spiele nachdenken sollte, wären erst einmal in kleinerem Format mehrere Sportarten in der Hauptstadt, wie in Glasgow geschehen, zu bündeln. Vielleicht hat dann auch mal wieder der Radsport in der Hauptstadt eine Chance auf sich aufmerksam zu machen, unabhängig von Veranstaltungen im Velodrom. Hier sei auch an den BMX-Sport gedacht, der bei seiner Europameisterschaft in Glasgow aus deutscher Sicht noch keine Medaillen hervorbrachte, aber im Südosten Berlins mit seinem Mellowpark über ein geniales Areal verfügt, das es zu nutzen gilt.   

 

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill (frontalvision.com)

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Rennbericht
Radrennen-Art:
  • Bahnradsport
  • Straßenrennen
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