Yoeri Havik und Wim Stroetinga gewinnen die 107. Six Day Berlin

Autor: Bernd Mülle     veröffentlicht am 31 Januar 2018    
 
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Siegerehrung im Berliner Velodrom
Foto: Arne Mill

In einem spannenden Finale gelang es den Niederländern Yoeri Havik/Wim Stroetinga ihren Vorjahreserfolg in Berlin zu wiederholen. Am Ende war der Sieg souverän herausgefahren, auch wenn es „nur“ ein Punktsieg gegenüber den Belgiern Kenny de Ketele/Moreno de Pauw war. Mit knappen Punktvorsprung gingen sie in die Schlussjagd, aber von den fünf Sprintwertungen mit 10, 6, 4 und 2 Punkten gewannen sie allein vier (!) und damit vergrößerten sie ihren Vorsprung noch auf 26 Punkte. Ihre Überlegenheit demonstrierten sie nochmals zum Schluss, als ihnen der vor der letzten Wertung schon sichere Sechstagesieg nicht mehr zu nehmen war. Sie fuhren erneut eine Attacke, der keiner mehr folgen konnte, der Vorsprung war dabei so groß, dass sie eineinhalb Runden vor Schluß schon jubelnd die Bahn umkreisten und gemeinsam die Ziellinie überquerten.

Oranje

In den sechs Nächten hatten sie sich mit den Belgiern einen harten Zweikampf geliefert mit ständigen Führungswechseln. Während die Belgier nach der 2., 3. und 5. Nacht die Führung inne hatten, bestimmten die Niederländer die anderen Nächte, so dass eigentlich nur diese beiden Teams für den Sieg in Frage kamen. Aber die Lokalmatadoren Roger Kluge/Theo Reinhardt schienen es durch den Gewinn der ersten, kleinen Jagd des Finaltages noch einmal spannend zu machen. In dieser Jagd setzten erstmals die sympathischen Fahrer aus Fernost, Chun Wing Leung/King Lok Cheung ein Achtungszeichen, als sie den ersten Rundengewinn des Abends erzielten und den vierten Platz von fünf Teams belegten, die eine Runde Vorsprung herausfuhren. „Wir sind begeistert von der Atmosphäre in Berlin, das Rennen ist natürlich wesentlich härter als ein Weltcuprennen, aber es macht Spaß und wir würden gern wiederkommen“, erklärten die beiden Fahrer aus Fernost unisono.

Cheung

Die Fahrer aus Hongkong, erstmals bei einem Sechstagerennen dabei, zeigten sich gerade am letzten Tag in guter Form und waren vor dem Finale in allen weiteren Wettbewerben sehr präsent. In der Mannschaftsausscheidung auf Platz sechs, im B-Finale des Dernyrennens, das der Europameister in diesem Metier Achim Burkart für sich entschied, wurden sie Dritte, das waren durchaus beachtenswerte Ergebnisse für die Asiaten, die selbst von den sogenannten Großen in der abschließenden Pressekonferenz gelobt wurden. „Sie sind von Tag zu Tag stärker geworden, haben sich durchaus als Bereicherung im Feld erwiesen und sollten weitere Einsatzchancen bekommen“, sagte zum Beispiel Moreno de Pauw, der aber auch den Niederländern zu ihrem aus seiner Sicht verdienten Erfolg gratulierte. „In Kopenhagen will ich mit Yoeri Havik auf Sieg fahren und dann im nächsten Jahr in Berlin Revanche nehmen“, fuhr der Belgier in lockerer Art fort. In Kopenhagen wollen auch Marc Hester an der Seite von Leif Lampater und der krankheitsbedingt zur Schlussjagd in Berlin nicht mehr angetretene Jesper Mörköv mit dem Spanier Sebastian Mora an seiner Seite wieder dabei sein. Bis zu ihrem Ausscheiden hatten die beiden Dänen im Velodrom sich hervorragend in Szene gesetzt und durchaus eine Außenseiterchance für das Podium.

Sieger

Während die Niederländer nach ihrem Sieg einfach nur happy waren, zeigten sich Roger Kluge/Theo Reinhardt mit ihrem dritten Rang sehr zufrieden, zumal sie den angestrebten Podiumsplatz gegen die unerwartet starken Schweizer Tristan Marguet/Nico Selenati zu verteidigen hatten. „Zu Anfang des Sechstagerennens hatte ich mit kleinen, gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Aber im Verlauf der Woche wurde die Form besser, wenngleich wir gegen die beiden Topteams chancenlos waren. Zunächst geht es jetzt für mich nach Spanien ins Trainingslager, dann folgt die Abu Dhabi Tour, bevor ich mit Theo Reinhardt bei der Weltmeisterschaft in Apeldoorn im Madison antreten werde“, so das  Statement von Roger Kluge, der mit beeindruckender Leistung im 500 m Zeitfahren aufwartete und die lange führenden Schweizer noch vom Thron stieß.

Sieger

Vor dem Finale konnten noch die „kleinen“ Teams In der Mannschaftsausscheidung und im Scratchrennen einen Erfolg erzielen, als sich die sogenannten Großen vor der Schlussjagd merklich zurückhielten. So gewannen Henning Bommel/Kersten Thiele das Ausscheidungsrennen und der Berliner Maximilian Beyer triumphierte im Scratchrennen, wo sein Partner Sebastian Schmiedel ihm mit toller Vorarbeit den Weg zum Sieg ebnete. Es zeigte sich einmal mehr in Berlin, dass durchaus einige Fahrer im Feld dabei waren, von denen man in der Zukunft noch hören sollte. Der junge Schweizer Nico Selenati (21 Jahre) fuhr sein erstes Sechstagerennen und bot dabei eine überragende Leistung, dazu der Pole Daniel Staniszewski, mit gerade 20 Jahren einer der jüngsten Fahrer des Feldes, der sich immer wieder mit seiner kraftvollen Fahrweise an der Spitze des Feldes zeigte und der schnelle Russe Maksim Piskunov sowie der ganz spät als Ersatzmann für den erkrankten Österreicher Andreas Graf verpflichtete Moritz Augenstein, ebenso wie Sebastian Schmiedel aus dem Berliner Radteam KED-Stevens, sie alle haben noch eine verheißungsvolle Karriere vor sich. 

Vogel

Am letzten Tag kamen auch noch einmal die erstmals in Berlin bei einem Sechstagerennen auftretenden Sprinterinnen zum Einsatz und mit zwei Siegen im 250 m Zeitfahren und im Sprint war es die überragende Kristina Vogel, die sich den Gesamtsieg mit 135 Punkten vor Miriam Welte mit 110 Punkten nicht mehr nehmen ließ. Bei den Männern war letztlich Maximilian Levy der Dominator, der am Schlussabend in allen drei Wettbewerben (250 m Zeitfahren, Sprint, Keirin) die Nase vorn hatte und mit 286 Punkten den nach langer Verletzungspause stark wiedergekommenen Stefan Bötticher bezwang, der 264 Punkte auf sein Konto brachte. Es war der Abschiedstag für einen ganz besonderen Akteur, der in Berlin zum Publikumsliebling wurde: der US-Amerikaner Nate Koch, der zwar klar geschlagen den letzten Platz im Sprintwettbewerb belegte, aber einmal mehr der große Showstar war. In diesem Sinne hat er die Rennen absolut bereichert und wir hoffen, dass er auch nach Beendigung seiner Laufbahn im Velodrom einmal vorbeischaut, zumal ihm eine große Freundschaft mit Maximilian Levy verbindet.

Sprint

Die Six Day Berlin waren trotz einiger Lücken auf den Zuschauerrängen von hervorragender Stimmung begleitet. So waren zum Beispiel sieben Schweizer, die in Berlin zur Weiterbildung zu Gast sind, am vorletzten Tag rein zufällig in der Halle, ohne zu wissen, dass hier Landsleute dabei sind, die in der Spitze mitfahren. Sie verbreiteten mit ihrer Anfeuerung für Tristan Marguet und Nico Selenati einer Superstimmung, der sich auch andere Zuschauer nicht entziehen konnten. Dabei zeigte sich deutlich, dass die Sixdays nach wie vor in Berlin ihre Daseinsberechtigung haben, zu der auch der sportlich einwandfreie Verlauf des Finales seinen Beitrag leistete. Es bleiben zwar immer Dinge, die zu verbessern sind, aber wenn alle Verantwortlichen vernünftig kommunizieren, dann sollte der Fortbestand der Sechstagerennen kein Thema mehr sein! 

Velo

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill (frontalvision.com)

> zur turus-Fotostrecke: 107. Six Day Berlin 2018

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
Six Days
Name des Radrennens
Berliner Sechstagerennen
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Der Sieg war verdient! Alles andere wäre glatt geschoben. ;-)

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