Six Day Berlin vor ausverkauften Rängen: Erneut sorgt Stefan Bötticher für das Highlight

BM 28 Januar 2018
 
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Six Day Berlin vor ausverkauften Rängen: Erneut sorgt Stefan Bötticher für das Highlight

Es mag noch immer viele Zweifler geben, die behaupten, dass die Sechstagerennen am Aussterben sind. Einem Sechstagefan, wie es der Schreiber dieser Zeilen seit 1955 (!!) ist und der die Szene nicht nur in Berlin, sondern auch u.a. in Dortmund, Stuttgart, Gent oder Amsterdam kennengelernt hat, blutet das Herz, wenn ein nach dem anderen Sechstagerennen aus dem Veranstaltungskalender verschwindet. Waren es in der Vergangenheit zum Teil mehr als 20 Rennen, die innerhalb eines Winterhalbjahres zur Austragung kamen, so sind davon mit dem Ende letzten Jahres wiederbelebten Rennen in Melbourne/Australien ganze 7 übrig geblieben, zu denen sich noch die Sommer-Sixdays in Fiorenzuola und zuletzt auch Turin gesellen. Eine spärliche Ausbeute für ein Event, das seit dem Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder die Massen in den Bann gezogen hat.

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Six Day Berlin

Berlin hält mit seinen jetzt 107 Austragungen trotz Unterbrechungen unangefochten den Spitzenplatz in diesem Metier und hat dabei durchaus auch einige Klippen umschiffen müssen, aber letztlich am längsten von allen Sechstagestädten durchgehalten. Wir haben hier schon alle Größen des Sechstagegeschäfts begrüßen können von Rik van Steenbergen, Peter Post, Klaus Bugdahl, Rudi Altig, Eddy Merckx, Patrick Sercu, Danny Clark bis hin zu den Legenden des Velodroms, die am Donnerstag noch einmal die Zuschauer begeisterten. Im Laufe der Jahre hat sich vieles verändert, aber der sportliche Teil eines Sechstagerennens hat noch immer für Highlights gesorgt wie auch in dieser „Show Nacht“ am Samstag, als Stefan Bötticher im Rundenrekordfahren seine Leistung vom Freitag nochmals toppen konnte. 

Nate Koch

Zunächst war es Maximilian Levy, der die gestrige Zeit von Stefan Bötticher mit hervorragenden 12,367 Sekunden unterbot, um damit dem Chemnitzer eine Steilvorlage zu geben. Lagen die 12,458 Sekunden von gestern noch knapp über der absoluten  Bestzeit von Robert Förstemann, der 2014 mit 12,441 Sekunden Bahnrekord gefahren war, so sind die sensationellen 12,056 Sekunden von Stefan Bötticher nunmehr absoluter Bahnrekord im Velodrom. Die Durchschnittsgeschwindigkeit von 74,651 km/h ist einfach nur als sensationell zu bezeichnen und damit hat sich der sympathische Deutsche wieder in die absolute Weltspitze hinein katapultiert. „Ich hoffe, dass ich noch eine Chance habe zur Weltmeisterschaft nach Apeldoorn zu fahren, obwohl mir durch meine lange Pause aufgrund von Oberschenkel- und Knieproblemen noch UCI-Punkte fehlen“, gab der Chemnitzer zu verstehen. Aus unserer Sicht wäre es nur allzu schade, wenn der wie Phönix aus der Asche wieder ins Rampenlicht getretene Stefan Bötticher diese Chance nicht bekommen würde. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) ist in diesem Falle gefordert und so sollte das Trainerurteil hier für eine Starterlaubnis herangezogen werden. Inwiefern dann die UCI eventuell eine Sonderstarterlaubnis erteilt, ist derzeit nicht abzusehen, wäre aber mehr als wünschenswert. 

Frauen

Ein ausverkauftes Haus in der Samstagnacht, tolle Stimmung auf den Rängen und großartige Leistungen aller Akteure zeigten einmal mehr, dass Sechstagerennen keinesfalls „out“ sind. Schon der Nachwuchs bot hervorragenden Sport, ob die Jugendfahrer, die Junioren mit einem überlegenen Berliner Doppelsieg Sieg durch Calvin Dik/Elias Richter vor Maurice Ballerstedt/Fabian Dreier oder die Klasse U 23, die mit einem spannenden Madison für die nötige Einstimmung des Abends sorgten. Auch der Frauenwettbewerb mit dem Sieg im Punktefahren durch die Französin Laurie Berthon sowie dem Sieg der Italienerinnen Elisa Balsamo/Maria Giulia Confalonieri im Madison tat ein übriges und auch die Profis zeigten sich von ihrer besten Seite. 

Roger Kluge

Interessant verliefen die beiden Jagden vor allem aus Sicht eines offensichtlichen Privatduells des Teams Roger Kluge/Theo Reinhardt mit den Polen Daniel Staniszewski/Wojciech Pszczolarski, die in der 45-minütigen Jagd einen Ausreißversuch der Deutschen mehrmals konterten und den möglichen Rundengewinn vereitelten. So waren es die Niederländer Yoeri Havik/Wim Stroetinga, die die erste Gewinnrunde des Abends verbuchten und auch die Jagd gewannen. Als Roger Kluge/Theo Reinhardt es ein weiteres Mal mit einem Vorstoß versuchten, waren es wieder die Polen, die die Lücke zufuhren. In der zweiten Jagd spitzte sich der Zweikampf in der Form zu, als die Polen einen vehementen Ausreißversuch starteten, der nur von Roger Kluge/Theo Reinhardt gekontert wurde. Beide Teams gewannen eine Runde, aber die Führungsarbeit wurde ausschließlich von den Polen geleistet, an deren Hinterrad die Deutschen sich konsequent aufhielten, die dann am Ende Nutznießer dieser Jagd waren und mit der höchsten Punktzahl noch gewannen.

Leung

Dem hohen Tempo in beiden Jagden mussten Chun Wing Leung/King Lok Cheung aus Hongkong Tribut zollen, die jeweils zweimal überrundet wurden und damit auf dem letzten Platz in der Gesamtwertung zurückfielen, die von den rundengleichen vier Teams Kenny de Ketele/Moreno de Pauw aus Belgien, Yoeri Havik/Wim Stroetinga, den sensationell starken Schweizern Tristan Marguet/Nico Selenati und den ebenfalls überzeugenden Dänen Marc Hester/Jesper Mörköv angeführt wird.

Steher

Den Abschluß der Nacht bestritten die Steher, seit Jahr und Tag im Velodrom immer für große Stimmung sorgend. Mit den spektakulären Überholmanövern, dem äußerst hohen Tempo ist prickelnde Atmosphäre stets gegeben und so sollten sie auch in Zukunft ihren Platz bei den Sixdays finden. Mit dem am ersten Abend siegreichen Stefan Schäfer vor dem Europameister Franz Schiewer sind zwei deutsche Fahrer derzeit in dieser Szene dominierend.

Steher

Die Six Day Berlin haben an diesem Abend gezeigt, dass die Begeisterung der Zuschauer nach wie vor für ein derartiges Event vorhanden ist, wobei vielleicht an einigen Stellschrauben noch gedreht werden könnte. Insbesondere das Unterhaltungsprogramm scheint überdenkenswert, aber noch ist nicht aller Tage Abend und so warten wir die nächsten Tage erst einmal ab. An ein Aussterben der Berliner Six Day verschwendet der Unterzeichner keinerlei Gedanken.

Förstemann

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill

> zur turus-Fotostrecke: Six Day Berlin 2018

 

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
Six Days
Name des Radrennens
Berliner Sechstagerennen
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