Verhaltener Auftakt im Velodrom: 107. Six Day Berlin starten mit dem Tag der Legenden

BM 26 Januar 2018
 
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Verhaltener Auftakt im Velodrom: 107. Six Day Berlin starten mit dem Tag der Legenden

Am Rande der Fahrerbesprechungen und auch kurz vor den ersten Wettkämpfen der Nachwuchsfahrer konnten wir wie immer langjährige Berlin-Starter wie den Dänen Marc Hester oder den Deutsch-Österreicher Andreas Müller, die Routiniers Christian Grasmann oder Leif Lampater begrüßen, die immer gern gesehen sind und mit konstant guten Leistungen das Publikum seit Jahren begeistern. Aber auch neue Gesichter wie Chun Wing Leung und King Lok Cheung aus Hongkong, die äußerst sympathisch herüberkamen, konnten wir gleich zu ihrem Weltcup- Sieg in Minsk am vergangenen Wochenende gratulieren und ihnen einen guten Start in Berlin wünschen.

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Legenden

Höhepunkt aber an diesem ersten Abend war eindeutig das Rennen ehemaliger Asse, die seit 1997 im Berliner Velodrom hier erste Begeisterungsstürme der Zuschauer einheimsten. Insgesamt 21 Fahrer wurden von den Moderatoren Christian Stoll und Karsten Migels dem Publikum vorgestellt, das am Starttag einige Lücken auf den Rängen erkennen ließ und wo für die nächsten Tage noch reichlich Steigerungspotenzial vorhanden ist.

Legenden

Von Olaf Pollack über Gerald Mortag, Guido Fulst als zweimaligen Sechstagesieger im Velodrom mit Robert Bartko und Leif Lampater, Carsten Wolf, Urs Freuler, den Sprintern Jens Glücklich, Emanuel Raasch, Eyk Pokorny, Michael Hübner und den ehemaligen, zweifachen Olympiasieger im Sprint Jens Fiedler bis hin zu Etienne de Wilde, Jimmi Madsen, Kurt Betschart, den Italienern Marco Villa und Silvio Martinello, der als heutiger Besitzer eines Fitnessstudios immer noch erfolgreichster Sechstagefahrer im Velodrom mit vier Siegen und einem zweiten Platz bei fünf (!) Starts ist, den Straßencracks Rolf Aldag, Jens Voigt, Mario Kummer, der ehemaligen „schwarzen 7“ der Werner- Seelenbinder-Halle Dieter Stein sowie den Siegern des ersten Sixdays im Velodrom 1997 Olaf Ludwig und Jens Veggerby war ein Starterfeld dabei, das an große alte Zeiten erinnerte. 

Carsten Wolf

Die Cracks von einst hatten ein kombiniertes Ausscheidungs-Punktefahren zu absolvieren, aber einige schafften dabei mehr nicht mehr als die Begrüßungsrunde oder hatten z.B. Urs Freuler, Kurt Betschart oder Dieter Stein eventuell einen Reifenschaden? Spaß beiseite, denn dass Urs Freuler überhaupt trotz grippalen Infekts nach Berlin kam, war ein tolles Entgegenkommen einem Sportlichen Leiter Dieter Stein gegenüber und nicht hoch genug einzuschätzen. Da sollte sich ein Robert Bartko mal eine Scheibe abschneiden, der trotz mehrfachen Versuchs der Veranstalter auf eine Einladung keinerlei Reaktion zeigte, dafür es sich aber im Logenbereich gutgehen ließ! Als ehemaliger Sechstagesieger mit Guido Fulst,  Erik Zabel und Roger Kluge hätte es für den Lokalmatadoren eine Selbstverständlichkeit sein müssen, an diesem legendären Wettbewerb teilzunehmen. Er sah zumindest nicht so aus, als hätte er sich nicht auf das Oval trauen können! Spielten etwa immer noch alte Fehden eine Rolle, die doch längst unter Erwachsenen ausgeräumt sein müssten?

Olaf Ludwig

Nachdem die ersten Fahrer bei relativ flotten Tempo ausgeschieden waren, fuhren die verbliebenen zwölf Fahrer das Punktefahren mit drei Wertungen. Zunächst musste als erster Emanuel Raasch abreißen lassen, bevor Jens Voigt einen viel beachteten Ausreißversuch unternahm und sich dabei offensichtlich an seine Attacken bei der Tour de France erinnerte. Doch noch vor der ersten Wertung, die Guido Fulst gewann, wurde Jens Voigt vom jagenden Feld gestellt. Die beiden weiteren Wertungen sahen die Sieger von 1997 vorn, zunächst siegte Olaf Ludwig vor Rolf Aldag und dann war es Jens Veggerby, der einen unwiderstehlichen Angriff fuhr und nicht mehr zu stellen war. Noch bei der Vorbesprechung hatte sich der sympathische Däne schmunzelnd erkundigt, ob nicht eventuell ein 50 km Dernyrennen angesetzt ist, was stets eine seiner Stärken war. Auf jeden Fall war das Rennen der Oldies ein tolles Spektakel, das dem Hauptrennen am Eröffnungsabend klar die Show stahl.

Stroetinga

Ein Wort noch zu den Hauptakteuren der Six Day Berlin: einen so langweiligen Beginn hat es seit Jahr und Tag nicht mehr gegeben! In zwei Jagden über 20 bzw. 45 Minuten nicht einen herausgefahrenen Rundengewinn, das ist schlichtweg blamabel und sollte sich in den nächsten Tagen nicht wiederholen. Ansonsten hat auch das am längsten bestehende Sechstagerennen in der Hauptstadt keine Zukunft mehr, was absolut schade wäre. Veranstalter und Fahrer sollten in diesem Falle  schleunigst eng kommunizieren und ihre offensichtlich unterschiedlichen Interessen unter einen Hut bringen.

Roger Kluge

Mit Roger Kluge/Theo Reinhardt und den Niederländern Yoeri Havik/Wim Stroetinga wurden die Jagden zwar von den Favoritenteams gewonnen, aber es mutet schon etwas merkwürdig an, dass am Ende der ersten Nacht alle 16 Teams in einer Runde liegen und nur durch Punkte getrennt sind. Auch das hat es in der Vergangenheit noch nicht gegeben! Die Niederländer führen zunächst mit 85 Punkten vor den überraschend stark fahrenden Schweizern Tristan Marguet/Nico Selenati mit 83 Punkten und Roger Kluge/Theo Reinhardt, die 82 Punkte auf ihrem Konto haben.

Berthon

Während bei den Frauen nach Ausscheidungs-, Punkte- und Scratchrennen die Französin Laurie Berthon relativ souverän vor der Italienerin Maria Giulia Confalonieri und der Deutschen Lisa Klein in Führung liegt, führt bei den Sprintern nach dem ersten Tag etwas überraschend der wiedergenesene Stefan Bötticher vor Maximilian Levy. Im Rennen der U 23 führen mit Rundenvorsprung Richard Banusch/Joe Evans und Moritz Malcharek/Christian Maximilian Koch das Feld der 15 Mannschaften an, das schon bis zu fünf Runden Rückstand aufweist.

Bötticher

Malcharek

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill (frontalvision.com)

> zur turus-Fotostrecke: Six Day Berlin 2018

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
Six Days
Name des Radrennens
Berliner Sechstagerennen
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Hallo!

Warten wir mal den Freitag und den Samstag ab. Vieles ist wieder neu, manches muss sich richten. Entscheiden werde ich nach drei Tagen, dann schauen wir alle mal, ob der Funke überspringt.

VG Rüdiger

R
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