Schafft Kenny de Ketele nach Siegen in Rotterdam und Bremen in 2018 in Berlin den Hattrick?

Autor: Bernd Mülle     veröffentlicht am 17 Januar 2018    
 
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Reichlich Sekt bei der Siegerehrung in Bremen
Foto: Arne Mill

Das belgische Topteam Kenny de Ketele/Moreno de Pauw hat beim Rotterdamer Sechstagerennen der Konkurrenz keine Chance gelassen. Sie feierten dort einen Start-Ziel-Sieg und hatten am Ende einen Vorsprung von vier (!) Runden auf die zweitplatzierten Niederländer Yoeri Havik/Wim Stroetinga sowie gar fünf Runden auf die französischen Weltmeister im Madison Morgan Kneisky/ Benjamin Thomas und unterstrichen damit ihre Dominanz noch deutlicher als die Deutschen Roger Kluge/Christian Grasmann, die im Vorjahr mit zwei Runden Vorsprung gesiegt hatten. Den Titelverteidigern blieb in diesem Jahr nur der 8. Platz mit 10 (!) Verlustrunden übrig, nachdem sie durch einen krankheitsbedingten Ausfall von Christian Grasmann in der dritten Nacht aussichtslos auf den letzten Platz zurückgefallen waren.

de Ketele

Von Rotterdam ging es nach Bremen und hier hatte der Sportliche Leiter Erik Weispfennig für ein Starterfeld von 12 Teams gesorgt, von denen die Hälfte für den Sieg in Frage kam. Dabei hatte er die Topfahrer getrennt und so startete Kenny de Ketele mit Theo Reinhardt, Moreno de Pauw mit Leif Lampater, Yoeri Havik mit Achim Burkart und Wim Stroetinga mit dem jungen Belgier Robbe Ghys. Darüber hinaus fuhr Routinier Christian Grasmann mit dem Dänen Jesper Mörköv und der Franzose Morgan Kneisky mit dem frischgebackenen Sechstagesieger von Melbourne Leigh Howard. So entwickelten sich die Bremer Sixdays zu einem wahren Spektakel, woran die kurze Bahn mit den schnell erzielten Rundengewinnen ihren nicht unwesentlichen Anteil hatte.

Stroetinga

Während die erste Nacht von Wim Stroetinga/Robbe Ghys mit Rundenvorsprung gewonnen wurde, übernahmen nach der zweiten Nacht Achim Burkart/Yoeri Havik die Führung, in der ein Favoritenteam aus dem Kreis der Sieganwärter ausschied: Moreno de Pauw und Leif Lampater fielen mit 5 Runden Rückstand hoffnungslos zurück, nachdem Leif Lampater aufgrund von Magen-und Darmproblemen neutralisiert werden musste. Die ständigen Führungswechsel in den folgenden Nächten von Kenny de Ketele/Theo Reinhardt über Leigh Howard/Morgan Kneisky bis hin zu Achim Burkart/Yoeri Havik, die zum zweiten Mal in Führung lagen, versprachen knisternde Spannung bis zum Finale am Dienstagabend und da gab es den absoluten Höhepunkt. Vier Teams rundengleich und dahinter mit einer Runde Rückstand Leigh Howard/Morgan Kneisky, die als punktbestes Team noch eine Bonusrunde in Aussicht hatten.

Kneisky

So kam es dann auch zu einem Finale furioso mit fünf Mannschaften, die zu Beginn der Finaljagd rundengleich an der Spitze lagen und die Zuschauer nicht nur einmal von den Sitzen rissen. Nachdem Leigh Howard/Morgan Kneisky sowohl das Ausscheidungsfahren als auch die kleine Jagd über 30 Minuten zu ihren Gunsten entschieden und die nötigen Bonuspunkte verbuchten, war die Spannung für die abschließende Jagd über eine Stunde mit fünf Wertungen in den letzten 40 Runden mit 10, 6, 4 und 2 Punkten kaum mehr zu überbieten. Es gab einen Rundenwirbel auf der nur 166 Meter langen Bahn mit ständigen Führungswechseln und als erste mussten Wim Stroetinga/Robbe Ghys und Leigh Howard/Morgan Kneisky dem höllischen Tempo Tribut zollen. Sie verloren eine Runde, die sie im weiteren Verlauf des Rennens nicht mehr gutmachen konnten. 

de Ketele

Als die letzten 40 Runden eingeläutet wurden und es in die Wertungsspurts ging, siegten Achim Burkart/Yoeri Havik zweimal vor Kenny de Ketele/Theo Reinhardt und bauten damit ihre Punkteführung auf 22 Punkte aus. Für den routinierten Belgier und seinen Berliner Partner konnte ein Sieg bei dieser Konstellation nur noch über einen Rundengewinn realisiert werden und die beiden schafften es tatsächlich, als sie nach der zweiten Sprintwertung die letzte Chance ergriffen und dann fünf Runden vor Schluss die entscheidende Runde gewonnen hatten. Der Sieg im Schlussspurt war dann nur noch eine Formsache und so konnte Theo Reinhardt bei seinem 10. Sechstagestart seinen ersten Sieg unter Dach und Fach bringen. Die letzten drei Sprints hatten sie zwar gewonnen, aber punktemäßig lagen sie immer noch hinter Achim Burkart/Yoeri Havik, die mit einer Verlustrunde Zweite vor den rundengleichen Christian Grasmann/Jesper Mörköv wurden. 

Sieger

Für die am Ende zweimal überrundeten Leigh Howard/Morgan Kneisky und Wim Stroetinga/Robbe Ghys blieben in diesem sensationellen Finale nur die Plätze vier und fünf übrig. Bei den ursprünglich mitfavorisierten Moreno de Pauw/Leif Lampater war am Finaltag offensichtlich die Luft raus, anders lassen sich die 8 (!) Verlustrunden in der Schlussjagd nicht erklären. Der 6. Platz mit insgesamt 15 Verlustrunden entspricht keinesfalls dem Können dieser beiden Athleten, die durch den zwischenzeitlichen, krankheitsbedingten Ausfall von Leif Lampater sich auf das 500 m Zeitfahren konzentrierten, wo sie dank des superschnellen Moreno de Pauw alle sechs Austragungen für sich entschieden. 

enders

Noch ein Wort zum Rahmenprogramm, wo sich im Sprintwettbewerb Rene Enders mit einem Sieg vor Carl Hinze zum Abschluss seiner erfolgreichen Laufbahn verabschiedete. Für den gestürzten Tschechen Tomas Babek (Schlüsselbeinbruch) wurde mit dem Niederländer Sam Ligtlee schnell Ersatz gefunden, der am Ende Dritter wurde. Während bei den Frauen die Niederländerin Kirsten Wild die alles überragende Fahrerin war, die das Omnium und das Madison mit ihrer Landsmännin Marit Raaijmakers gewann, dominierten beim Rennen der U 23 die in dieser Saison ganz starken Belgier Bryan Boussaer/Jules Hesters, die sich gegen starke Konkurrenz mit drei Runden Vorsprung souverän durchsetzten und damit nach London, Gent und Rotterdam ihren bereits vierten Sieg feierten.

Frauen

Nun geht es in der nächsten Woche beim 107. Six Day Berlin weiter, wo höchstwahrscheinlich vier Teams um den Sieg streiten werden. Dazu zählen der frischgebackene, erstmalige Sechstagesieger Theo Reinhardt, der nur allzu gern mit Roger Kluge vor heimischer Kulisse erneut auf dem obersten Treppchen stehen möchte, aber mit den Belgiern Kenny de Ketele/Moreno de Pauw (Sieger 2016) und den Vorjahressiegern aus den Niederlanden Yoeri Havik/Wim Stroetinga starke Gegner vor sich hat. Zu ihnen dürften sich noch die routinierten Leif Lampater/Christian Grasmann gesellen, von denen Leif Lampater in Berlin schon zweimal mit Guido Fulst (2007) und Marcel Kalz (2015) siegreich war. Inwieweit auch die Dänen Marc Hester/Jesper Mörköv oder die Österreicher Andreas Graf/Andreas Müller den Topteams Paroli bieten können, bleibt zunächst abzuwarten. Gespannt sein darf das Berliner Publikum auf die erstmals hier bei einem Sechstagerennen startenden Iren Felix English/Mark Downey und vor allem auf die Fahrer aus Hongkong Chun Wing Leung/King Lok Cheung, die noch keine Sixdays bestritten haben und hier völliges Neuland betreten, auch wenn sie bei verschiedenen Weltcups einige Erfahrungen im Madison gesammelt haben.    

Bremen

Das Fahrerfeld wird komplettiert durch die Schweizer Tristan Marguet/Nico Selenati, die Niederländer Nick Stöpler/Melvin van Zijl, die Polen Daniel Staniszewski/Wojciech Pszczolarski, die Russen Ivan Savitskiy/Evgeny Shalunov sowie die kombinierte polnisch/tschechische Formation Adrian Teklinski/Vojtech Hacecky. Aus Deutschland sind drei weitere Teams mit Nico Heßlich/Achim Burkart, Sebastian Schmiedel/Maximilian Beyer und Henning Bommel/Kersten Thiele dabei, die zwar mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun haben werden, sich aber in den Rahmenwettbewerben in Szene setzen können. 

Das Rennprogramm mit Sprintern, Stehern, Frauen und dem Nachwuchs von den Klassen U 13 bis U 23 ist wieder sehr umfangreich und in diesem Jahr kommen erstmals auch die Sprinterinnen um Kristina Vogel zum Einsatz. Darüber hinaus findet am Donnerstag, den 25. Januar 2018, die Nacht der Legenden statt mit ehemaligen Aktiven, die nicht nur im Velodrom für Furore gesorgt haben. So stehen die ersten Sieger im Velodrom von 1997 Olaf Ludwig und Jens Veggerby ebenso auf der Starterliste wie die mehrmaligen Sieger in Berlin Silvio Martinello und Marco Villa aus Italien, die deutschen Fahrer Andreas Kappes, Rolf Aldag, Erik Zabel, Robert Bartko, Carsten Wolf, Guido Fulst oder Olaf Pollack sowie die Schweizer Kurt Betschart, Urs Freuler, der Däne Jimmi Madsen und der Belgier Etienne de Wilde. Auch Sprintergrößen von einst wie Jens Fiedler, Eyk Pokorny, Jens Glücklich, Emanuel Raasch oder Michael Hübner werden dabei sein, auch wenn nicht alle ihre Kräfte auf der Bahn in einem vorgesehenen Ausscheidungs- und Punktefahren messen werden. Da wird es der erstmals auf der Berliner Bahn startende Jens Voigt nicht leicht haben zu glänzen, auch ein Mario Kummer oder Gerald Mortag wird sich ebenso wie der Sportliche Leiter Dieter Stein erst an das schnelle Oval gewöhnen müssen. Ein Spektakel dürften die Rennen allemal werden! 

Nate Koch

Dem Berliner Publikum, das hoffentlich zahlreich den Weg ins Velodrom findet, steht also ein richtiger Leckerbissen bevor, dem die Medien die nötige Aufmerksamkeit widmen sollten. Dabei sind vor allem die Fachzeitschriften gefordert, die zum Beispiel dem Bremer Sechstagerennen im Vorfeld keinerlei Aufmerksamkeit schenkten und auch von Berlin nur einen dürftigen Vorbericht erstellten. An frühere Zeiten darf man dabei nicht denken und ohne mediale Unterstützung werden  irgendwann auch die Sechstagerennen aus dem Veranstaltungskalender verschwinden. Diese Events bieten nach wie vor nicht nur spektakulären Sport, sondern auch tolle Unterhaltung mit Partystimmung für Groß und Klein. Es wäre mehr als schade, wenn eine über Jahrzehnte so beliebte Veranstaltung, eigentlich ein Selbstläufer, nicht mehr zur Austragung kommen würde. 

Text: Bernd Mülle      

Fotos: Arne Mill

> zu den Fotos von den Sixdays Bremen 2018

 

Inhalt der Neuigkeit:
  • Ausblick
  • Rennbericht
Radrennen-Art:
Six Days
Name des Radrennens
Sixdays Bremen
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