Bahn-EM 1. Tag: Keine Medaille in der Mannschaftsverfolgung für den BDR, aber zweimal Silber für die Kurzzeitathleten

BM 19 Oktober 2017
 
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Bahn-EM 1. Tag: Keine Medaille in der Mannschaftsverfolgung für den BDR, aber zweimal Silber für die Kurzzeitathleten

Bereits am Mittwoch begann die Europameisterschaft der Bahnfahrer im Berliner Velodrom mit den Qualifikationsläufen der Männer und Frauen in der Mannschaftsverfolgung, bevor am Donnerstag, den 19. Oktober 2017, die offizielle Eröffnung erfolgte.  Für die erste Runde qualifizierten sich bei den Frauen alle gestarteten acht Teams, wobei die erstmals in dieser Besetzung fahrende deutsche Mannschaft mit Charlotte Becker, Lisa Brennauer, Lisa Klein und Gudrun Stock gleich einen neuen deutschen Rekord mit 4:25,355 Minuten aufstellte und dabei als drittbestes Team hinter Italien und Großbritannien ins Ziel kam. Bei den Männern waren 13 Teams am Start und hier waren die Franzosen mit 3:58,060 Minuten die Schnellsten vor Italien und Russland, während das deutsche Team mit dem Youngster Felix Groß, Theo Reinhardt, Kersten Thiele und Domenic Weinstein den vierten Platz mit guten 3:59,730 Minuten erreichte und dabei das sturzbedingte Ausscheiden der nach der 3000 m Marke noch drittplatzierten Briten nutzte. 

Bahn-EM

Am späten Nachmittag des 1. Tages standen dann jeweils die 1. Runden der beiden Mannschaftsverfolgungen und die Qualifikationsläufe der weiblichen und männlichen Teamsprinter auf dem Programm. Bei den Frauen siegten in den vier Läufen Russland, Frankreich, die Briten gegen die durch Sturz ausgeschiedenen Deutschen und die Fahrerinnen aus Italien, wobei neben Italien auch die Britinnen das Finale erreichten. Laufsieger Frankreich und  Polen kamen ins kleine Finale, während für die vom Pech verfolgten Deutschen trotz toller Zwischenzeit, die für Platz drei hätte reichen können, nur das Aus übrig blieb. Als sich Lisa Brennauer am Hinterrad von Gudrun Stock aufhängte und Lisa Klein und Charlotte Becker ebenfalls zu Fall kamen, war die Medaillenhoffnung geplatzt. 

„Es ist schon enttäuschend, dass dieser Lauf so enden musste. Wir waren auf Medaillenkurs und dann so etwas, ich weiß nicht genau, wie es zu diesem Sturz kam. Für mich bleibt noch das Punktefahren und mal sehen, was da möglich ist“, sagte Charlotte Becker etwas enttäuscht und auch die am stärksten blessierte Lisa Brennauer hatte sich ihre Rückkehr auf die Bahn nach vierjähriger Abstinenz etwas anders vorgestellt. Wünschen wir ihr alles Gute in der Hoffnung, dass sie der Bahn trotzdem nicht wieder den Rücken kehrt. 

Unfall

Bei den Männern hießen die Sieger der 1. Runde Polen, Dänemark, Italien und Frankreich mit der besten Zeit von 3:56,207 Minuten, das sich gegen das ebenfalls stark fahrende deutsche Team mit Felix Groß, Theo Reinhardt, Kersten Thiele und Domenic Weinstein durchsetzte, die mit 3:57,676 Minuten eine sehr gute Zeit erzielten. Damit waren die Fahrer des Bund Deutscher Radfahrer (BDR) im kleinen Finale um Bronze gegen Russland und um Gold mussten sich die Franzosen mit den Italienern auseinandersetzen. Die Finalläufe hatten es in sich und nachdem bei den Frauen zunächst Polen im Kampf um Bronze gegen Frankreich etwas überraschend die Oberhand behielt, waren es die Italienerinnen Elisa Balsamo, Tatiana Guderzo, Letizia Paternoster und Silvia Valsecchi, die mit der hervorragenden Zeit von 4:17,853 Minuten relativ klar die Britinnen Katie Archibald, Elinor Barker, Manon Lloyd und Emily Kay distanzierten. 

Vierer

Bei den Männern mussten die Deutschen in der Besetzung Felix Groß, Theo Reinhardt, Nils Schomber, der Kersten Thiele ersetzte, und Domenic Weinstein mit dem undankbaren vierten Platz vorliebnehmen. Gegen die Russen Alexander Evtushenko, Mamyr Stash, Dmitrii Sokolov und Aleksei Kurbatov hatten sie am Ende keine Chance, die sich mit 3:57,517 Minuten gegen 3:58,435 Minuten durchsetzten. Ein phantastisches Finale lieferten sich danach um Gold die Franzosen mit den Italienern, die am Ende noch aufkamen, aber doch knapp in 3:55,986 Minuten in der Besetzung Liam Bertazzo, Filippo Ganna, Francesco Lamon und Simone Consonni den Franzosen Louis Pijourlet, Corentin Ermenault, Florian Maitre und Benjamin Thomas unterlagen, die 3:55,780 Minuten fuhren und damit äußerst knapp den Titel holten.

Den ersten Titel dieser Europameisterschaften hatte sich vor den Finalläufen der Mannschaftsverfolger die Niederländerin Kirsten Wild im Ausscheidungsfahren der Frauen geholt, als sie die überraschend starke Russin Evgenia Augustinas und die Italienerin Maria Giulia Confalonieri auf die Plätze verwies. Einen guten 7. Platz fuhr die Deutsche Romy Kasper heraus, die unter den 18 Teilnehmerinnen eine taktisch recht gute Leistung bot. Das folgende Scratchrennen der Männer wurde eine Beute des Franzosen Adrien Garel, der in einem turbulenten Rennen mit vielen Rundengewinnen zu den sechs Fahrern gehörte, die zweimal das Feld umrundeten. Silber und Bronze gingen überraschend an den Ungarn Krisztian Lovassy und den Ukrainer Roman Gladysh, wobei für den belgischen Routinier Kenny de Ketele mit einer Verlustrunde nur der 8. Platz übrig blieb und auch der Deutsche Lucas Liss in gleicher Runde nur den enttäuschenden 15. Platz belegte, nachdem er 2015 schon einmal Weltmeister geworden war. 

Frauen

Der Teamsprint der Frauen und Männer wurde wieder einmal zum Medaillengarant für das deutsche Team. In der Qualifikation fuhren Pauline Sophie Grabosch und Kristina Vogel mit 32,652 Sekunden Bestzeit vor den favorisierten Russinnen Anastasiia Voinova und Daria Shmeleva, die 32,843 Sekunden benötigten. In der 1. Runde ersetzte Miriam Welte die junge Pauline Sophie Grabosch und gegen Großbritannien wurde klar in 32,951 Sekunden gewonnen, aber die Russinnen siegten gegen Italien in phantastischen 32,324 Sekunden und setzten damit ein Ausrufezeichen für das Finale um Gold gegen die deutsche Mannschaft, die erneut mit Miriam Welte und Kristina Vogel antrat. Sie hatten dann aber gegen die Russinnen das Nachsehen, die in 32,560 Sekunden gegenüber 32,807 Sekunden die Oberhand behielten, während um Bronze die Niederlande gegen Frankreich siegreich war. Inwieweit die Teamumstellung bei den Fahrerinnen des BDR womöglich eine Rolle gespielt haben könnte, bleibt unbeantwortet, war jedoch von vielen nach der glänzenden Vorstellung in der Qualifikation kaum nachvollziehbar.

Teamsprint

Die Männer des BDR traten in der Qualifikation des Teamsprints in der Besetzung Robert Förstemann, Maximilian Levy und Joachim Eilers an und erzielten unter 11 Teams die drittbeste Zeit hinter den Franzosen und Polen und auch in der 1. Runde im Kampf gegen Großbritannien fuhren sie stark, gewannen den Lauf mit 43,254 Sekunden und erreichten das Finale um Gold gegen die favorisierten Franzosen, die ihren Lauf mit der Bestzeit von 43,111 Sekunden klar gegen Weißrussland gewannen. Nachdem die Niederlande sich gegen Russland die Bronzemedaille sicherte, stieg das große Finale zwischen Frankreich und Deutschland mit dem starken Anfahrer aus Berlin Robert Förstemann, der noch einmal auf seiner Heimatpiste mit Maximilian Levy und Joachim Eilers eine internationale Medaille errang. Es wurde schließlich die silberne Medaille, da die starken Franzosen Benjamin Edelin, Sébastien Vigier und Quentin Lafargue nicht zu schlagen waren. Der Ausgang war dennoch sehr knapp, zumal die Deutschen nach der zweiten Runde noch führten und dann in 43,337 Sekunden gegenüber 43,254 Sekunden das Nachsehen hatten.

Vor erfreulicher Zuschauerkulisse von 1.600 Besuchern wurde das Programm relativ zügig abgewickelt, die Leistungen der Sportler insgesamt überzeugten und die Wettbewerbe der kommenden Tage darf man mit Spannung erwarten.

Text: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill

 

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Rennbericht
Radrennen-Art:
Bahnradsport
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