Bradley Wiggins erfüllt sich seinen Wunsch: Zum zweiten Mal in Gent Sechstagesieger

BM 20 November 2016
 
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Bradley Wiggins erfüllt sich seinen Wunsch: Zum zweiten Mal in Gent Sechstagesieger

Eine lange, erfolgreiche Laufbahn fand im Genter Velodrom Kuipke beim 76. Sixdays auf der schnellen 166 Meter Bahn ihr Happyend. In seiner Geburtsstadt fuhr Bradley Wiggins an der Seite von Mark Cavendish das letzte Rennen seiner Karriere und feierte dabei in einem großartigen Finale einen überzeugenden Sieg. In der letzten Jagd über 60 Minuten holten sie 18 Runden vor Schluss zum großen Schlag aus, als Bradley Wiggins den alles entscheidenden Vorstoß herausfuhr und mit unwiderstehlichem Antritt seine härtesten Konkurrenten Kenny de Ketele/Moreno de Pauw und Iljo Keisse/Elia Viviani distanzierte. Auf der kurzen Bahn in Gent war dieser relativ spät lancierte Angriff von Erfolg gekrönt und nach 12 Runden hatten sie den Anschluß an das Feld geschafft. Die Madison-Weltmeister begnügten sich damit aber nicht und attackierten kurz vor Schluss nochmals, um auch den Schlussspurt zu gewinnen und als Erste die Ziellinie zu überqueren. 

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Gent

Nachdem Bradley Wiggins im Jahre 2003 mit Matthew Gilmore hier in Gent gewonnen hatte, war es jetzt an der Seite von Mark Cavendish erst sein zweiter Sechstagesieg bei insgesamt nur 16 Starts. Vor ausverkauftem Hause bei toller Sechstageatmosphäre sahen die fachkundigen Besucher ein beeindruckendes Finale, das von Beginn der Schlussjagd an mit ständigen Positionswechseln für Spannung sorgte. Zunächst setzten Bradley Wiggins/Mark Cavendish die Akzente, aber ihre beiden stärksten Widersacher – alle drei waren rundengleich ins Finale gegangen – zogen sofort nach, um dann selbst jeweils einmal kurzfristig allein zu führen. Es ging hin und her ohne große Verschnaufpausen und so nahmen die Rundenrück-stände für die übrigen Mannschaften noch erheblich zu.

Gent

Am Ende war es ein überragender Bradley Wiggins, der mit Übersicht für die Entscheidung sorgte und den heißersehnten Sieg an der Seite seines kongenialen Partners Mark Cavendish herausfuhr. Noch in London hatten sie gegen Kenny de Ketele/Moreno de Pauw vor heimischem Publikum nach Punkten den Kürzeren gezogen und so war der jetzige Erfolg mehr als eine erfolgreiche Revanche, denn sie lagen im Endergebnis eine Runde vor den Belgiern und deren Landsmann Iljo Keisse, der an der Seite des Italieners Elia Viviani ebenfalls ein starkes Rennen fuhr und Dritter wurde. Immerhin hatte Iljo Keisse in den letzten zehn Jahren in Gent nicht weniger als sechs Mal gewonnen und dabei fast immer – bis auf zwei Siege mit Robert Bartko - unterschiedliche Partner an seiner Seite gehabt. 

gent

Den Grundstein zu diesem Erfolg hatten die Briten schon in der 1. Nacht gelegt, als sie die erste Jagd des diesjährigen Sechstagerennens gewannen. Am Ende der Nacht führten zwar Kenny de Ketele/Moreno de Pauw nach Punkten vor Iljo Keisse/Elia Viviani, Bradley Wiggins/Mark Cavendish und den ebenfalls rundengleichen, starken Australiern Callum Scotson/Cameron Meyer, wobei sich der Deutsche Leif Lampater mit seinem jungen belgischen Partner Lindsay de Vylder mit nur einer Verlustrunde auf dem fünften Platz behauptete. Der Berliner Marcel Kalz, der für den erkrankten Christian Grasmann einsprang, lag dagegen mit dem ebenfalls noch sehr jungen Belgier Robbe Ghys schon 7 Runden zurück und bildete das Schlusslicht des zwölf Mannschaften starken Feldes. Mit nicht weniger als elf Wettbewerben hatten die Fahrer ein recht umfangreiches Programm zu absolvieren. Dabei dominierten Kenny de Ketele/Moreno de Pauw mit Siegen in der Mannschaftsausscheidung und in den Zeitfahren über 166 bzw. 500 Meter. 

Keisse

Ein etwas verändertes Bild zeigte sich nach der 2. Nacht, als Iljo Keisse/Elia Viviani nach Punkten knapp die Führung vor Bradley Wiggins/Mark Cavendish übernahmen. So gewannen  der Belgier und sein italienischer Partner ein Punkterennen über 50 Runden, die Mannschafts-ausscheidung und auch die erste Jagd über 45 Minuten, während die Briten im Derny Finale und in der zweiten Jagd über 30 Minuten erfolgreich waren. Die Belgier Kenny de Ketele/Moreno de Pauw siegten erneut in den beiden Zeitfahrdisziplinen, wo der Berliner Marcel Kalz mit seinem Partner Robbe Ghys über 500 Meter einen ausgezeichneten zweiten Platz belegte. Der zweite Deutsche Teilnehmer in Gent, Leif Lampater, hatte dann in der 3. Nacht sein Erfolgserlebnis, als er mit Lindsay de Vylder die zweite Jagd über 35 Minuten siegreich beendete und in der Gesamtwertung mit nur zwei Verlustrunden auf Platz fünf rangierte. Nach Punkten führten nun wieder die erneuten Zeitfahrsieger Kenny de Ketele/Moreno de Pauw vor Iljo Keisse/Elia Viviani und Bradley Wiggins/Mark Cavendish.

Die britischen Weltmeister übernahmen dann in der vierten Nacht die alleinige Führung, als sie die große Jagd mit Rundenvorsprung für sich entschieden. Der Sieg im Derny Finale und in der Mannschaftsausscheidung unterstrich einmal mehr ihre Ambitionen auf einen möglichen Sechstagesieg, der auch nach der 5. Nacht, als sie erneut mit Rundenvorsprung in Führung lagen, immer näher zu rücken schien. Erstmals stahlen sie auch den Belgiern Kenny de Ketele/Moreno de Pauw im Zeitfahren über 166 Meter die Show, als sie mit 8,56 Sekunden hauchdünn vor den Belgiern siegten, die 8,59 Sekunden benötigten und sich dafür im Zeitfahren über 500 Meter erneut schadlos hielten. Einen weiteren Sieg fuhr Vorzeigeprofi Leif Lampater mit Lindsay de Vylder ein, die im Punkterennen über 50 Runden den Belgiern das Nachsehen gaben. 

de Pauw

Am Finaltag unterstrichen Kenny de Ketele/Moreno de Pauw mit ihren erneuten Zeitfahrsiegen und den damit errungenen Punkten ihre ebenfalls durchaus berechtigten Siegesambitionen, die auch Iljo Keisse/Elia Viviani weiterhin durch die Siege im Punkterennen, Dernyrennen, der Mannschaftsausscheidung und im Supersprint aufrecht erhielten. Im großen Finale waren sie dann allerdings beim entscheidenden Angriff von Bradley Wiggins und Mark Cavendish machtlos, die mit Rundenvorsprung die Schlussjagd gewannen und dabei den Rest des Feldes um bis zu 9 (!) Runden distanzierten. Für Leif Lampater blieb der fünfte Platz mit seinem belgischen Partner Lindsay de Vylder übrig, während Marcel Kalz mit Robbe Ghys nicht über den letzten Platz hinauskam und dabei 57 (!) Verlustrunden in Kauf nehmen musste. 

Das Rennen der Klasse U 23 ohne deutsche Beteiligung gewannen die Belgier Jules Hesters/Gerben Thijssen und im Omnium der Frauen gab es ebenfalls einen belgischen Erfolg durch Lotte Kopecky, die alle vier Disziplinen für sich entschied. Unter insgesamt 12 Teilnehmerinnen war auch hier keine deutsche Athletin am Start. 

Text: Bernd Mülle 

Fotos: Arne Mill

> zur turus-Fotostrecke: Sechstagerennen in Gent 2016

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
  • Bahnradsport
  • Six Days
Name des Radrennens
Lotto Z6sdaage Vlaanderen-Gent
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