Schweizer Debütantin Hartmann trotz Sturzenttäuschung von WM überwältigt

Schweizer Debütantin Hartmann trotz Sturzenttäuschung von WM überwältigt

 
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R 19 September 2022

Das erst vierte Profiradrennen ihrer Karriere bestritt am Sonntag Elena Hartmann bei den Straßenweltmeisterschaften im Zeitfahren in Wollongong in Australien. Mit 31 Jahren gab die Schweizerin ihr spätes WM-Debüt. Sie kommt eigentlich vom Triathlonsport, sattelte aber nach ihrem überraschenden Gewinn der Nationalen Zeitfahrmeisterschaften um und wurde vor einem Monat schon Neunte bei den Europameisterschaften in München.

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An der Pazifikküste konnte sie aber nicht daran anschließen. Nach einem Sturz wurde es Platz 26, fünf Minuten hinter der Siegerin Ellen van Dijk aus den Niederlanden. „Das ist natürlich eine große Enttäuschung. Mich hat eine Windböe erwischt und ich bin gestürzt“, erklärte die Zugerin nach ihrem Rennen, konnte dem schlechten Zeitfahren aber zumindest eine humoristische Seite abgewinnen: „Ich war die erste Fahrerin, die zu Boden ging. Von dem her ist das ja auch ein kleiner WM-Titel.“

Aufgrund ihrer starken Leistung in München wurde sie vom Schweizer Verband auch für die Weltmeisterschaften nominiert. Nachdem sie das erfuhr, musste die 31-Jährige erst mit ihrem Arbeitgeber abklären, ob sie für die Reise nach Australien eine Freistellung erhält. Hartmann ist Polizistin in Zürich, allerdings nicht in der Sportgruppe, sondern im klassischen Dienst: „Ich arbeite zu 100 Prozent dort.“

Ihren vorherigen Sport, den Triathlon hat sie aber schon zu den Akten gelegt. Zu groß sind die Defizite im Schwimmen als auch im Laufen. Nun strebt sie eine neue Karriere an, in ihrer Lieblingsdisziplin, dem Radfahren. „Australien war für mich ein einzigartiges Erlebnis. Es waren wieder völlig neue Erfahrungen und ich bin trotz der großen Enttäuschung überwältigt“, erzählte sie.

In den letzten beiden Jahren nahm sie an den Nationalen Titelkämpfen im Zeitfahren teil, wurde 2021 Fünfte und in diesem Jahr gewann sie den Titel in Abwesenheit von Marlen Reusser, ihrer großen Teamkollegin, die in Wollongong zur Bronzemedaille sauste. Die zweifache Europameisterin ist um ein Jahr jünger als Hartmann, aber ist für die Zugerin das große Vorbild.



„Sie ist einen ähnlichen Weg wie ich gegangen und das motiviert mich. In diesem Jahr hat sich für mich alles verändert im Sport. Ich habe Lust auf mehr und hoffe, das Radfahren noch intensiver betreiben zu können“, schilderte Hartmann. Ihre Teamkollegin Reusser zählte vor fünf Jahren auch noch zu den Amateurfahrerinnen, die sich auf Topniveau trotz einer Vollzeitberufsstelle mit den besten der Welt maßen.

Reusser war zwar nicht Polizistin, sondern Ärztin, entschied sich nach den Weltmeisterschaften 2018 in Innsbruck, ihre Radsportkarriere weiter zu forcieren und wagte den Schritt in die Profiszene. Mit Erfolg, denn aktuell gehört Reusser zu den weltbesten Fahrerinnen, 2022 feierte sie sogar einen Etappensieg bei der Tour de France der Frauen.

Vor allem die Entschlossenheit ihrer Teamkollegin fasziniert Hartmann: „Sie fährt den Kurs einmal ab und kennt alle Eckpunkte. Sie hat ein unglaubliches Vorstellungsvermögen. Ich muss da fünfmal fahren, damit ich weiß, wo es überhaupt langgeht“, sprach die Zugerin die noch großen Unterschiede zu ihrer Teamkollegin an und fügte hinzu: „Während ich mich bei der ersten Besichtung noch freue überhaupt hier zu sein, hat sie schon den vollen Fokus von Anfang an.“

Doch das völlige Neuland, dass Elena Hartmann in Wollongong beschritt, machte ihr trotz des Sturzes riesigen Spaß: „Ich habe es geliebt auf diesem Kurs zu Fahren. Ich mag es, wenn man sich konzentrieren muss, welche Kurve kommt. Das Schlimmste ist für mich eine gerade Linie, wo du zu viel Zeit hattest, um zu überlegen, was du machst.“

Text: Peter Maurer
Fotos: Arne Mill für frontalvision.com

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