22-jähriger Remco Evenepoel strahlender Vuelta-Sieger

22-jähriger Remco Evenepoel strahlender Vuelta-Sieger

 
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BM 16 September 2022

Er scheint ein wahres Naturtalent zu sein, der erst am Anfang einer großen Radsportkarriere stehende Belgier Remco Evenepoel vom Quick-Step Alpha Vinyl Team. Der Sohn von Patrick Evenepoel, der zwischen 1991 und 1994 ebenfalls als Profi unterwegs war, fand erst 2017 zum Radsport, nachdem er im Alter von fünf Jahren als Fußballspieler seine sportliche Laufbahn begann. In Jugendmannschaften des RSC Anderlecht und PSV Eindhoven sowie in diversen belgischen Auswahlmannschaften schnürte er die Fußballschuhe und spielte dabei zuletzt für den KV Mechelen.

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Seine außerordentliche Begabung für den Radsport unterstrich er bereits im Herbst 2017 als Junior, wo er gleich zwei Eintagesrennen siegreich beendete. Es folgten im Jahr danach zwei Weltmeistertitel bei den Junioren im Straßenrennen und beim Einzelzeitfahren, die den zwei Europameistertiteln in den gleichen Disziplinen folgten. Seit Juni 2019 mit dem Etappensieg bei der Baloise Belgium Tour sind es mit dem jetzigen großen Triumph bei der Vuelta in Spanien bereits sage und schreibe 36 (!) Profisiege geworden. Nach der 6. Etappe übernahm er das rote Spitzenreitertrikot, das er bis zum Schluss nicht mehr abgeben sollte. 

 

Eine eindrucksvolle Vorstellung des jungen Belgiers, der auf dieser Etappe hinter dem australischen Etappensieger Jay Vine von Alpecin-Deceuninck Platz zwei vor den Spaniern Enric Mas vom Movistar Team und dem erst 19-jährigen Juan Ayuso vom UAE Team Emirates belegt hatte und den großen Favoriten aus Slowenien, Primoz Roglic von Jumbo-Visma, um mehr als eine Minute distanzierte. Mit zwei Etappensiegen festigte er seine Position, als er das Einzelzeitfahren der 10. Etappe über 30,9 km von Elche nach Alicante mit 48 Sekunden Vorsprung auf Primoz Roglic souverän gewann und auch auf der schweren 18. Etappe von Trujillo zum Alto del Piornal über 192 km nicht zu schlagen war und noch zwei Sekunden vor Enric Mas ins Ziel kam. 

 

Am Ziel der Rundfahrt in Madrid war Remco Evenepoel überglücklich über seinen grandiosen Erfolg und einfach nur stolz über das Erreichte. „Mein Dank geht an meine Teamkollegen, die hervorragende Arbeit geleistet haben. Aber auch an meine beiden Rivalen auf dem Podium für ein gutes Rennen“, waren seine Worte bei der Siegerehrung. Für seinen vermutlich  stärksten Rivalen, Primoz Roglic, der nach der 4. Etappe das Führungstrikot übernommen hatte und seinen vierten Vuelta-Sieg in Serie anpeilte, kam das Aus auf der 16. Etappe der diesjährigen Rundfahrt, als er kurz vor dem Ziel stürzte und zur 17. Etappe nicht mehr antreten konnte. Seinen ursprünglichen Rückstand auf Remco Evenepoel von 2:41 Minuten hatte er bis zu seinem Ausscheiden sukzessive auf 1:26 Minuten reduziert und lag auf Platz zwei in Lauerstellung. Aber erlittene Prellungen und damit verbundene Schmerzen ließen eine Weiterfahrt nicht zu. 

 

Auch der Belgier blieb von einem Sturz nicht verschont, als er auf der 12. Etappe zu Fall kam. Auf den Bergetappen danach musste er hart kämpfen, um nicht den Anschluss zu verlieren, gab gegenüber Primoz Roglic nur geringfügig Zeit preis und hielt somit seine Spitzenposition. Diese nahm er auch am Ende der Rundfahrt folgerichtig in der Nachwuchswertung ein, während der Däne Mads Pedersen von Trek-Segafredo überlegen die Punktewertung für sich entschied und Richard Carapaz aus Ecuador von INEOS Grenadiers die Bergwertung gewann. Für den Deutschen Pascal Ackermann, der Etappenzweiter und zweimal Etappendritter wurde, gab es auch einen Grund zum Feiern: mit dem UAE Team Emirates belegte er auch ohne Superstar Tadej Pogacar aus Slowenien Platz 1 in der Mannschaftswertung mit großem Vorsprung. Von den übrigen deutschen Teilnehmern wie Jasha Sütterlin von Bahrain-Victorious, Jonas Koch von BORA-hansgrohe sowie Nikias Arndt, Marco Brenner und John Degenkolb (alle Team DSM) gab es einige gute Etappenplatzierungen, ohne dass sie allesamt in der Gesamtwertung eine Rolle spielen sollten. So überzeugte der erst 20-jährige Marco Brenner in seiner ersten großen Rundfahrt mit einem 5. Platz auf der 12. Etappe und dem 74. Platz im Endergebnis als bester Deutscher. 

 

Annemiek van Vleuten dominiert Ceratizit Challenge by La Vuelta

An den letzten fünf Tagen lief parallel zur großen Spanienrundfahrt zum insgesamt achten Mal die Challenge für die Frauen, die vom zweiten Tag an von der Niederländerin Annemiek van Vleuten vom Movistar Team beherrscht wurde. Nachdem die Italienerin Elisa Longo Borghini zu Beginn mit ihrem Team Trek-Segafredo das Mannschaftszeitfahren gewonnen hatte und das erste Führungstrikot überstreifen durfte, stand am folgenden Tag nach ihrem großartigen Sieg bei der Tour de France Femmes erneut die bereits 39-jährige Annemiek van Vleuten im Fokus. Sie absolvierte die schwere 2. Etappe über 105,9 km im Alleingang mit einem Vorsprung von 2:16 Minuten auf ihre drei Verfolgerinnen Elisa Longo Borghini, der Deutschen Liane Lippert vom Team DSM und der Niederländerin Demi Vollering vom Team SD Worx und erzwang damit bereits eine Vorentscheidung. 

 

Die drei noch ausstehenden Etappen wurden von der Australierin Grace Brown von FDJ-SUEZ-Futuroscope und den Italienerinnen Silvia Persico von Valcar-Travel & Service und der Weltmeisterin Elisa Balsamo von Trek-Segafredo gewonnen, ohne dass das Endergebnis noch entscheidend beeinflusst wurde. Für Annemiek van Vleuten war es der 97. Sieg ihrer Laufbahn, nachdem sie erstmals im April 2010 die Ronde Van Drenthe gewonnen hatte. Wenn sie wie vorgesehen im Dezember 2023 ihre Karriere beendet, wird eine absolute Ausnahmekönnerin dem Radsport „ade“ sagen, die in Australien bei den kommenden Weltmeisterschaften voraussichtlich sowohl im Straßenrennen, beim Einzelzeitfahren und in der Mixed-Staffel am Start stehen wird. 

Aus deutscher Sicht überzeugte in Spanien vor allem Liane Lippert vom Team DSM, die in den kommenden drei Jahren das spanische Movistar Team verstärken wird. Ihre starke Leistung mit Platz vier in der Gesamtwertung hinter Elisa Longo Borghini (2.) und Demi Vollering (3.) ließ ein weiteres Mal aufhorchen und war für ihr zukünftiges Team, noch dazu in Spanien, eine nahezu perfekte Eintrittskarte. Auf eine herausragende Doppelspitze mit Annemiek van Vleuten kann das Movistar Team in 2023 setzen!

 

Mit Hannah Ludwig vom Uno-X Pro Cycling Team (58.), Aileen Schweikart von Bizkaia Durango (69.), Linda Riedmann vom Team Jumbo-Visma (78.), Lea Lin Teutenberg von Ceratizit-WNT Pro Cycling (91.) und Hannah Buch von Roland Cogeas Edelweiss Squad (102.) beendeten immerhin alle gestarteten deutschen Fahrerinnen das Rennen. Dabei erzielte Linda Riedmann im Teamzeitfahren mit Platz 8 unter den 22 Teams ein achtbares Ergebnis, wenngleich sie am Ende vier ihrer Teamkameradinnen ziehen lassen musste. Die erst 19-jährige Karbacherin hat in ihrer ersten Profisaison seit Mitte Februar ein strammes Programm absolviert und in 39 Einsatztagen mehr als 4.100 km zurückgelegt. Darunter waren so schwere Rennen wie Strade Bianche Donne, Dwars door Vlaanderen, De Brabantse Pijl, Paris-Roubaix Femmes, die Internationale LOTTO Thüringen Ladies Tour, die Tour de Suisse Women und die Tour of Scandinavia. Hinzu kamen noch Einsätze bei deutschen und europäischen Meisterschaften, wo sie im U 23-Bereich Podiumsplätze erzielen konnte und sogar den europäischen Titel im Mixed Relay mit Ricarda Bauernfeind, Maurice Ballerstedt und Tobias Buck-Gramcko errang. Vor allem von Linda Riedmann und auch von der zuletzt stark verbesserten Lea Lin Teutenberg ist in Zukunft einiges zu erwarten, in der Hoffnung, dass sie behutsam an die internationale Spitze herangeführt und nicht vorzeitig durch zu viele Einsätze verheizt werden. 

Der deutsche Nachwuchs bei den Frauen steht nach dem Karriereende von Lisa Brennauer mehr denn je im Blickpunkt. Mit Ricarda Bauernfeind (22) von Canyon//SRAM Generation und ihrer erst 19-jährigen Teamkameradin Antonia Niedermaier haben sich zwei weitere hoffnungsvolle Talente in diesem Jahr mit Topleistungen in Szene gesetzt. Erst zuletzt konnte Antonia Niedermaier die Gesamtwertung der siebentägigen Tour Cycliste Feminin International de l’Ardeche gewinnen und damit ein beachtliches Ausrufezeichen setzen.

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill / frontalvision.com

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