Spannende Entscheidung auf der Schlussetappe der Tour de Suisse Women

Spannende Entscheidung auf der Schlussetappe der Tour de Suisse Women

 
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BM 22 Juni 2022

Die vierte Etappe, als Hochgebirgs- und Königsetappe ausgeschrieben, musste die endgültige Entscheidung bringen und darauf warteten vor allem die Schweizer Fans, die ihre Landsmännin Jolanda Neff von Swiss Cycling als derzeit Fünftplatzierte mit 1:28 Minuten Rückstand am liebsten noch siegen sehen wollten. Im Vorjahr war sie bereits Gesamtvierte und unterstrich als äußerst erfolgreiche Mountainbikerin, dass sie auch auf der Straße Topleistungen bringen kann.

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Der Start in Chur erfolgt um 14:20 Uhr und die Fahrerinnen werden etwa gegen 17.30 Uhr im Zielort Lantsch/Lenz erwartet. Nach der mörderischen Hitze in den vergangenen Tagen begann der letzte Tag am Zielort mit Gewitterböen und Sturm, in der Hoffnung, dass sich laut Prognosen das Wetter zum Start des Rennens wieder bessert. Denn Gewitter z.B . bei der langen Auffahrt zum Wolfgangpass nach Davos dürfte alles andere als angenehm für das Fahrerfeld sein. Die Hoffnung auf einen gnädigen Wettergott und somit gute Bedingungen für den brutalen Schlussanstieg, an dem noch einmal alle Teilnehmerinnen ihre letzten Reserven in die Waagschale werfen müssen, war durchaus vorhanden.

 

Diese schwere Etappe könnte auch für die leichtgewichtige, nur 1,51 m große Sina Frei von Swiss Cycling eine Option für einen Etappensieg sein, die schon auf der 3. Etappe in einer dreiköpfigen Spitzengruppe die Stärkste war. Spannung war durchaus vorprogrammiert und das Feld wurde durch drei weitere Ausfälle, darunter die am Vortag gestürzte Australierin Rachel Neylan vom Cofidis Women Team, nochmals reduziert. Eine erste, achtköpfige Spitzengruppe bildete sich erst kurz vor dem Aufstieg nach Davos etwa 61 Kilometer vor dem Ziel, darunter u.a. die Deutsche Lisa Klein von Canyon//SRAM Racing, die Dänin Amalie Dideriksen von Trek-Segafredo und die Australierin Jessica Allen vom Team BikeExchange-Jayco, zu dieser Gruppe schlossen aber kurz danach weitere Fahrerinnen auf, so dass an der Spitze rund 25 übrig blieben.

 

An diesem Aufstieg mussten die ersten Fahrerinnen abreißen lassen, es schien ein Ausscheidungsrennen zu werden. Und auch Sina Frei von Swiss Cycling versuchte wieder zu attackieren, aber sie wurde wieder schnell vom Feld zurückgeholt. „Wir werden alles probieren und uns aktiv zeigen“, hatte die kleine Schweizerin noch vor dem Start ihre Attacke angedeutet. Es entwickelte sich ein kampfbetontes Rennen mit zahlreichen Vorstößen, die aber noch keine Entscheidung einleiteten. Auch der Ausreißversuch einer Vierergruppe u.a. mit Alessandra Keller von Swiss Cycling war bei einsetzendem Regen zum Scheitern verurteilt. Dann folgte die vielleicht entscheidende Situation mit dem Vorstoß von Jolanda Neff und der Niederländerin Lucinda Brand von Trek-Segafredo, die schnell einen Vorsprung von einer halben Minute herausgehen hatten.

 

Der Schlussanstieg nach Lantsch war für Jolanda Neff dann offensichtlich zu schwer und sie musste die starke Lucinda Brand ziehen lassen, um dann wenig später von weiteren Fahrerinnen eingeholt bzw. überholt zu werden. Die letzten Kilometer bei teils heftigen Regenschauern wurden zu einem fiesen Finale und die Spitzenreiterin aus den USA, Kristen Faulkner vom Team BikeExchange-Jayco kam der Niederländerin immer näher, konnte sie aber nicht mehr abschütteln. In einem sensationellen Finale mobilisierte die Niederländerin alle Kräfte, meisterte die nicht einfachen Kurven auf dem Weg ins Ziel, während die Amerikanerin in der vorletzten Kurve noch stürzte und damit der Niederländerin nicht nur den Tagessieg, sondern auch den Gesamtsieg dieser Rundfahrt überlassen musste. „Es ist phantastisch. Ich bin überglücklich, diese Rundfahrt gewonnen zu haben. Es war eine tolle Arbeit vom gesamten Team“, waren die ersten Worte von Lucinda Brand nach dem Rennen. 

 

Beste Deutsche mit einem tollen 6. Platz war Clara Koppenburg vom Cofidis Women Team, womit sie sich noch in der Gesamtwertung auf Platz 7 verbessern konnte. Für das junge deutsche Nachwuchstalent Linda Riedmann vom Team Jumbo-Visma war diese Rundfahrt eine große Herausforderung, der sie sich bravourös stellte und sich dabei recht achtbar aus der Affaire zog. „Die Hitze in diesen Tagen war schon schwer zu ertragen. Mit meinen Leistungen bin ich ganz zufrieden, aber zum Beispiel ein so  langes Zeitfahren wie hier habe ich noch nie gefahren“, gab das junge Talent zu Protokoll, die zuversichtlich in die Zukunft blickt. Es gilt, sie weiter gezielt aufzubauen, dann werden wir in Zukunft noch viel Positives von ihr hören. Für die am gestrigen Tag so starke Liane Lippert vom Team DSM reichte es heute zu Platz 13, damit belegte sie in der Gesamtwertung den 12. Platz und wurde in der Nachwuchswertung Dritte.

 

Einen sehr  guten Eindruck hinterließen auch die einheimischen Fahrerinnen, deren Beste Jolanda Neff war, die am Schlusstag noch einmal alles riskiert hatte und in der Gesamtwertung am Ende Platz 5 belegte. Die kleine Sina Frei und ihre Teamkameradin Alessandra Keller von Swiss Cycling überzeugten mit großem Kampfgeist ebenso wie die für das BeCycling Regional Team fahrenden Steffi Häberlin und Lea Fuchs, die auch für das Berliner Wheel Divas Cycling Team als Gastfahrerin startet. Ihr 25. Platz in der Gesamtwertung der Tour de Suisse Women ist aller Ehren wert, betreibt sie doch den Radsport erst seit etwa 1 1/2 Jahren.

 

Damit endete eine hervorragend organisierte Tour de Suisse der Männer und Frauen in einer faszinierenden Landschaft mit tollen Panoramen von Bergen und Seen. Hier sind halt Profis am Werk, die darüber hinaus stets äußerst freundlich auch jede Hilfestellung leisten. Dass uns allen die mörderische Hitze zu schaffen machte, lag nicht in den Händen der Veranstalter, an deren Professionalität es keine Zweifel gibt. Wir kommen gerne wieder!

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill / frontalvision.com

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