Überragende Alexandra Manly dominiert Thüringen-Ladies Tour

Überragende Alexandra Manly dominiert Thüringen-Ladies Tour

 
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BM 07 Juni 2022

Am Ende dieser wiederum hervorragend organisierten Rundfahrt durch Thüringen mit dem erstmaligen Start im bayrischen Hof konnten eigentlich alle zufrieden sein. Die 26-jährige Australierin Alexandra Manly vom Team BikeExchange-Jayco feierte einen überragenden Start-Ziel-Sieg und gewann neben der Gesamt- und der Punktewertung auch nicht weniger als vier Etappen. Im Ziel betrug ihr Vorsprung 33 Sekunden auf die starke Polin Marta Lach vom deutschen UCI Team Ceratizit-WNT Pro Cycling und 51 Sekunden auf die Niederländerin Femke Gerritse vom Team Parkhotel Valkenburg.

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Die Chef-Organisatorin Vera Hohlfeld äußerte sich im Anschluss an die Rundfahrt wie folgt: „Wir waren sehr zufrieden mit dem Ablauf der Tour und zehren von unseren jahrelangen Erfahrungen, hatten organisatorisch alles im Griff und ich bin froh und dankbar, dass alles geklappt hat. Ohne meinem Team hätten wir das alles nicht stemmen können. Sportlich hätte es spannender sein können, aber die Stärkste mit der besten Mannschaft an ihrer Seite hat gewonnen. Vielleicht hätten die anderen Teams angriffslustiger sein können, aber der Sieg war in jedem Fall verdient. Auch das Zuschauerinteresse war gut, wenngleich Potenzial nach oben immer vorhanden ist.  Wir haben Ideen, wie es noch besser werden könnte, aber ob es mit der Rundfahrt generell weitergeht, entscheidet sich erst im Juli diesen Jahres“.

 

Nach drei deutschen Gesamtsiegen von Lisa Brennauer (2017 und 2018) und Kathrin Hammes (2019) und dem durch Corona bedingten Ausfall im Jahre 2020 hat es in den letzten beiden Austragungen auch keine deutsche Fahrerin mehr aufs Treppchen geschafft. Aber dennoch konnten in diesem Jahr einige Einheimische diverse Akzente setzen, allen voran die 22-jährige Ricarda Bauernfeind von Canyon//SRAM Generation, die in der Gesamtwertung einen hervorragenden 5. Platz belegte und ihre tolle Form von der Ruta Del Sol, wo sie Dritte wurde, bestätigen konnte. 

Zwei dritte Plätze in der Nachwuchs- und der Bergwertung sowie ein zweiter Platz auf der 4. Etappe vervollständigten die tolle Performance der gebürtigen Ingolstädterin. Wir kennen sie in Berlin seit ihrem Auftritt bei der Internationalen kids-tour im Jahre 2013, wo sie für den Landesverband Mittelfranken Gesamtsiegerin der Klasse U 13 wurde. „Das Highlight war immer die Schlussetappe auf dem Kurfürstendamm“, schwärmt sie noch heute von der Tour, die nach ihrer Meinung hoffentlich in den nächsten Jahren wieder stattfinden wird. 

 

Inzwischen sieht sich Ricarda Bauernfeind eher als Straßenfahrerin mit guten Kletteraktivitäten, nachdem sie anfangs die Bahn bevorzugte. So war sie mit ihrem Abschneiden bei der Thüringen Ladies Tour mehr als zufrieden: „Mein Körper war anfangs die harte Belastung nicht mehr gewohnt und in den ersten beiden Tagen hatte ich einige Probleme am Berg. Vor dem Start der Tour hatte ich gar keine Ahnung, ob ich die Rundfahrt nach meiner krankheitsbedingten Trainingspause überhaupt beenden kann. Ich bin nur froh, dass ich so schnell wieder den Anschluss gefunden habe. Die Woche hat viel Spaß gemacht, die Organisation war super, es waren tolle Strecken und die Stimmung war immer gut“, war der sympathische Shootingstar voll des Lobes. 

Unterstützt wird Ricarda Bauernfeind seit eh und je von ihren Eltern und ihrem großen Bruder. „Auch in Thüringen waren sie vor Ort und ich konnte mich mit Podest-Blumen und Podiums-Bier bei ihnen für ihre Unterstützung bedanken“, zeigte sie, dass die Familie für sie  von großer Bedeutung ist. Vor zwei bis drei Jahren hatte sie sich zu viel Druck gemacht und den Spaß am Radsport etwas verloren. Da hat sie ihr Lehramtsstudium intensiviert, das sie im kommenden Winter mit dem Bachelor abschließen will, um dann mit dem Master zu beginnen. Sie steht mit beiden Beinen auf der Erde und sorgt dabei rechtzeitig für die Zukunft vor. „Den Spaß und die Freude an den Rennen habe ich wieder bekommen, was ebenso wichtig ist wie die schnellen Beine und darüber hinaus muss auch der Kopf mitspielen“, äußerte sich Ricarda Bauernfeind abschließend, die in diesem Jahr die Europa- und Weltmeisterschaften im Blickfeld hat und ihren Traum von Olympia 2024 gern verwirklichen würde, um später dann ihren Traumberuf Lehrerin in Angriff zu nehmen.

 

Noch drei Jahre jünger ist Linda Riedmann vom Team Jumbo-Visma, die in Thüringen für die deutsche Nationalmannschaft fuhr und die ebenfalls mit Rang 12 auf der ersten Etappe und Platz 9 in der Nachwuchsgesamtwertung überzeugte. „Ich bin sehr zufrieden, so wie die Tour für mich gelaufen ist. Anspruchsvolles Streckenprofil mit zeitweise starkem Wind hat die Rundfahrt schwer gemacht, die für mich das bisher längste Etappenrennen war. Die letzten beiden Tage waren besonders schwer, aber insgesamt habe ich die ein oder andere gute Platzierung erreicht. Für die restliche Saison war die Tour eine gute Vorbereitung, ich habe viel gelernt und so fällt mein Fazit positiv aus“, gab uns die junge Karbacherin zu verstehen, die wir bei der Tour de Suisse demnächst live beobachten werden.


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Erwähnenswert sind auch einmal Radsportlerinnen, die einen geregelten Beruf nachgehen und damit nicht immer bei Rennen präsent sein können. Eine von ihnen, der wir einmal unsere Aufmerksamkeit schenken wollen, ist die 26-jährige Katharina Fox, die jetzt zum zweiten Mal bei der Thüringen-Rundfahrt am Start war. Im Team maxx-solar-LINDIG, wo Vera Hohlfeld Teamleiterin ist, war sie mit der Startnummer 161 dabei, nachdem sie im Vorjahr noch für die RSG Gießen Biehle fuhr. Hier war sie im Vorjahr als Amateurfahrerin immerhin Siebte der Punktewertung und in diesem Jahr sogar Sechste der Bergwertung. 

Es war für sie erneut ein Erlebnis bei den sogenannten Großen dabei zu sein und um die Wette zu fahren, wie sie uns zu verstehen gab. „Im letzten Jahr war die Rundfahrt schlichtweg überwältigend und ich war ein wenig überfordert mein erst fünftes Lizenzrennen auf so großer Bühne zu fahren und dann noch überschattet von Corona. Das war in diesem Jahr schon anders, eine sehr professionell aufgezogene Teampräsentation mit positiver, medialer Präsenz, es schien mir vor vier Jahren noch unerreichbar, Radrennen zu fahren, geschweige denn einmal eine Rundfahrt auf diesem Niveau“, so berichtete uns Katharina Fox, für die die  Rundfahrt eines ihrer Jahreshighlights darstellte.

 

Auf der zweiten Etappe griff Katharina Fox wenige Kilometer nach dem Start beherzt an und startete einen Alleingang, der nach 50 Kilometern an der Spitze beendet war. Auch auf der vierten Etappe startete sie einen Ausreißversuch in Begleitung der Niederländerin Anne van Rooijen vom Team Parkhotel Valkenburg und überzeugte einmal mehr in kämpferischer Hinsicht. „Kilometerlang vor dem Feld herzufahren ist eine Mischung aus Euphorie und Motivation, aber auch von Schmerz und Ermüdung und endet dann in einem Moment der Resignation, wenn man eingeholt wird. Es gibt aber nichts Schöneres, als einfach freien Herzens zu attackieren und die Profis zu zwingen, das Loch wieder zuzufahren“, konnte sie der Rundfahrt nur Gutes abgewinnen und war für die Unterstützung ihres Teams inklusive der sportlichen Leitung dankbar. 

 

Insgesamt war die Rundfahrt durch die Übertragung des MDR an allen Tagen sehr präsent, auch wenn in den sonstigen Medien der Frauenradsport generell mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Die Leistungen der Radsportlerinnen aus Deutschland sind nicht nur auf der Bahn spektakulär, auch im Straßenrennsport haben die Frauen einen mächtigen Sprung nach vorn gemacht. Neben routinierten Fahrerinnen wie Lisa Brennauer, Lisa Klein und Co. stehen junge Athletinnen Gewehr bei Fuß und verheißen für die Zukunft viel Gutes. Ein Dank geht aber auch an Vera Hohlfeld, die mit ihrem Engagement zusammen mit ihrem Team immer wieder Außerordentliches leistet, so dass wir davon ausgehen, dass wir auch im nächsten Jahr die Tour durch das herrliche Thüringer Land rollen sehen. 

Bericht: Bernd Mülle  

Fotos: Arne Mill / frontalvision.com

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