60 Jahre Profiradrennen in Frankfurt/Main auf hohem Niveau

60 Jahre Profiradrennen in Frankfurt/Main auf hohem Niveau

 
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R 03 Mai 2022

Es ist kaum zu glauben: an diesem 1. Mai traf sich die Weltelite des Radsports zum 59. Eschborn-Frankfurt, das unter dem Namen „Rund um den Henninger Turm“ im Jahre 1962 mit dem Sieg des Belgiers Armand Desmet seine erste Austragung erfuhr. Eigentlich wäre es jetzt die 61. Austragung, aber im Jahre 2015 fiel das Rennen einem möglichen Terroranschlag zum Opfer und im Jahre 2020 war es dann die Corona Pandemie, die für einen weiteren Ausfall des Rennens sorgte. Die Pandemie war auch der Grund, dass das Rennen im Vorjahr auf den 19. September verlegt werden musste und deshalb war jetzt die Freude wieder groß, den Traditionstermin 1. Mai wahrnehmen zu können. 

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In den vielen Jahren haben sich großartige Rennfahrer in die Siegerlisten eingetragen, angeführt vom viermaligen Sieger Alexander Kristoff aus Norwegen, der in Serie von 2014 bis 2018 siegreich war. Auch in diesem Jahr stand er wieder für sein Team Intermarche-Wanty-Gobert Materiaux am Start, gemeinsam u.a. mit Biniam Girmay aus Eritrea, dem diesjährigen Sieger von Gent-Wevelgem und dem Deutschen Georg Zimmermann, dem Drittplatzierten der Deutschen Straßenmeisterschaft des Vorjahres. 

 

Bei seinem Heimatrennen auch wieder am Start war John Degenkolb vom Team DSM, der hier vor seiner Haustür immer mit Siegambitionen antritt, wohlwissend, dass die Konkurrenz u.a. in Person des belgischen Vorjahressiegers Jasper Philipsen von Alpecin-Fenix groß ist. Eher ungewöhnlich war der Start des Kolumbianers Fernando Gaviria vom UAE Team Emirates, der noch am Vortag zum Start der 4. Etappe der Tour de Romandie nicht antrat und sich auf den Weg nach Frankfurt machte, um hier seine vorhandenen Sprintqualitäten besser in Szene setzen zu können. 

 

Insgesamt gingen in 19 Teams 131 Fahrer aus 27 Nationen an den Start, darunter 13 deutsche Profis, in der Anzahl nur übertroffen von 30 Belgiern und 21 Franzosen. Zurückzulegen waren 185 Kilometer von Eschborn zum Ziel an der Alten Oper in Frankfurt am Main und bereits zwei Kilometer nach dem offiziellen Start bildete sich eine Spitzengruppe aus fünf Fahrern, bestehend aus dem Niederländer Daan Hoole von Trek-Segafredo, dem Spanier Juan Antonio Lopez-Cozar von Burgos-BH, dem Franzosen Pierre Rolland von B&B Hotels-KTM sowie den Belgiern Johan Meens von BIngoal Pauwels Sauces WB und Jens Reynders von Sport Vlaanderen-Baloise. Der Vorsprung der Gruppe wuchs schnell bis in den Bereich von fünf Minuten, bis dann im Hauptfeld die Teams Alpecin-Fenix, BORA-hansgrohe und Bahrain-Victorious für Tempo sorgten und sich der Vorsprung der Führenden sukzessive reduzierte. 

 

Fantastisch wie fast immer die imposante Zuschauerkulisse an den markanten Stellen wie insbesondere am Mammolshainer Berg, wo ausgezeichnete Stimmung herrschte. Kurz nachdem hier das Feld passiert hatte, kam 89 Kilometer vor dem Ziel eine erste Attacke von Georg Zimmermann, der weitere folgen sollten. Zu den Angreifern gehörte u.a. auch aus deutscher Sicht Jonas Rutsch von EF Education-EasyPost, der wie John Degenkolb hier sein Heimrennen bestreitet. Aber das Hauptfeld reagierte und rund 40 Kilometer vor dem Ziel war es um die frühen Ausreißer, von denen zuletzt noch Jens Reynders übrigblieb, sowie auch um die übrigen, späteren Angreifer geschehen. Die Karten wurden neu gemischt und dabei zeigten sich die vermeintlichen Favoriten auf der Hut. Bereits hier konnte man vermuten, dass es am Ende eine Entscheidung unter den Sprintern geben würde, die von ihren Teamkameraden bestens pilotiert wurden. 

 

Das Feld umfasste am Ende noch nahezu alle schnellen Sprinter nebst Helfern, so dass letztlich ein Massensprint unter noch 61 Fahrern über Sieg und Niederlage entscheiden musste. Es lief auf ein sensationelles Finale hinaus, das für das deutsche Team BORA-hansgrohe in Person des Iren Sam Bennett zum umjubelten Sieg führte. Hervorragend geführt von seinem niederländischen Teamkameraden Danny van Poppel, der noch einen starken 5. Platz belegte, ließ er Fernando Gaviria, der hier mit seinem Start wohl richtig gepokert hatte, und Alexander Kristoff hinter sich, wobei als bester Deutscher Phil Bauhaus von Bahrain-Victorious noch Vierter wurde. „Am Ende war ich ziemlich kaputt und nicht mehr stark genug, es war eine schwierige Runde vor toller Zuschauerkulisse. Ich habe dieses Rennen zum ersten Mal beendet“, zeigte sich Phil Bauhaus durchaus zufrieden mit dem Verlauf des Rennens. 

 

Die beiden Lokalmatadoren John Degenkolb und Jonas Rutsch gaben jeweils ihr Bestes, kamen mit dem Spitzenfeld ins Ziel, hatten aber im Massensprint keine Chance auf einen vorderen Platz. Für John Degenkolb verlief nach eigenen Aussagen das Rennen untypisch, ganz so, wie es die Sprinterteams offensichtlich wollten. „Ich habe mein Bestes gegeben und mir nichts vorzuwerfen. Der Rennverlauf hat mir nicht in die Karten gespielt bei so einem großen Feld auf der Zielrunde. Ich war zu weit hinten, um den Sprung nach ganz vorn noch zu schaffen. Es war aber wieder eine gelungene Veranstaltung, die ich dennoch total genossen habe“, war John Degenkolb auch mit Platz 22 nicht unzufrieden. Auch Platz 27 konnte sich für Jonas Rutsch sehen lassen, hatte er doch das Rennen durchaus mitgeprägt. „Ich habe versucht, meine Chance zu nutzen. Aber die Teams der Sprinter hatten etwas dagegen. Die Stimmung am Mammolshainer Berg, wo die Fans unsere Namen lautstark riefen, war einfach sensationell“, verspürte auch der erst 24-jährige Deutsche Gänsehaut.

 

Insgesamt 115 Fahrer beendeten das Rennen, das einmal mehr seinem Stellenwert gerecht wurde. Die Zuschauermassen unterwegs und besonders auch am Ziel an der Alten Oper unterstrichen die enorme Begeisterung für den Radsport auch in Deutschland, auch wenn man nicht an Radsportevents in Belgien, Frankreich oder Italien denken darf, wo sich der Profiradsport noch in ganz anderen Dimensionen bewegt. Für das deutsche Team BORA-hansgrohe war es mit dem Sieg von Sam Bennett ein nahezu perfektes Wochenende, zumal  Aleksandr Vlasov das abschließende Zeitfahren und auch die Gesamtwertung der Tour de Romandie gewann. Zweiter im Zeitfahren und Dritter der Gesamtwertung wurde dort etwas überraschend der gebürtige Berliner Simon Geschke von Cofidis, der einmal mehr seine hervorragende Form unter Beweis stellte. 

Bericht: Bernd Mülle  

Fotos: Mario Stiehl 

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Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
  • Straßenrennen
Name des Radrennens
  • Eschborn Frankfurt
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