Ronde van Vlaanderen zum zweiten Mal an Mathieu van der Poel

Ronde van Vlaanderen zum zweiten Mal an Mathieu van der Poel

 
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BM 04 April 2022

In Belgien herrschte am ersten Aprilsonntag wieder einmal Volksfeststimmung beim Radsportklassiker Flandern-Rundfahrt, die zum 106. Mal ausgetragen wurde. In den Tagen davor sah die Wetterlage nicht gerade günstig aus, hatte doch der Winter Einzug gehalten und Teile der Rennstrecke mit Schnee bedeckt, so dass die Rennvorbereitungen stark beeinträchtigt waren. Aber am Sonntag war kein Schnee in der Umgebung von Oudenaarde, dem Zielort des belgischen Klassikers, angesagt. Vom Startort Antwerpen bis zum Ziel herrschten mit Temperaturen unter 10 Grad dennoch alles andere als super ideale Bedingungen vor.

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Auch wenn Corona immer noch allgegenwärtig ist, die vor allem belgischen Fans lassen sich nicht zurückschrecken und bildeten wie in all den Jahren zuvor eine sensationelle Kulisse, die es so in dieser Art nur in Belgien zu geben scheint. Die sogenannten Supporter säumten die Strassen und natürlich auch die Kneipen, um das bekannt gute belgische Bier zu genießen. Eine phantastische Stimmung am Rande der Strecke rund um den Oude Kwaremont, eine Steigung von 4,4 % auf 2 km Länge, sorgt hier für ein Flair, das Gänsehaut vermittelt. 

 

Apropos Corona: das israelische WorldTour-Team Israel-Premier Tech musste seine Teilnahme komplett zurückziehen, da zwei Corona-Fälle auftraten und diese Personen in engem Kontakt zu den Fahrern standen. So musste das Team aus Vorsichtsgründen diesen Schritt gehen, um dem Rest des Pelotons nicht zu gefährden. Mit dem Topfavoriten Wout van Aert aus Belgien von Jumbo-Visma fiel ein weiterer Fahrer aus diesem Grund aus, zudem starteten mit dem Niederländer Wesley Kreder von Cofidis und dem Dänen Sören Kragh Andersen vom Team DSM zwei weitere Fahrer nicht, so dass letztlich 165 Fahrer das Rennen aufnahmen.

Unter den Startern waren auch 12 Deutsche mit Nils Politt von BORA-hansgrohe und John Degenkolb vom Team DSM an der Spitze, aber auch Jungprofis wie Jonas Rutsch (24) von EF Education-EasyPost, Felix Groß (23) von UAE Team Emirates, Kim Heiduk (22) von INEOS Grenadiers, Max Kanter (24) vom Movistar Team oder Niklas Märkl (23) vom Team DSM waren dabei und drückten dem Rennen sogar teilweise ihren Stempel auf. 

 

Von Antwerpen aus setzte sich das Feld in Bewegung, um nach an Strapazen reichen 272,5 km das Ziel in Oudenaarde zu erreichen. Schon kurz nach dem Start bildete sich eine neunköpfige Spitzengruppe u.a. mit Max Kanter und dem Schweizer Tom Bohli von Cofidis, die mehr als vier Minuten Vorsprung herausfuhr. Mit dem Deutschen Jonas Koch von BORA-hansgrohe und dem Belgier Nathan Van Hooydonck von Jumbo-Visma machten sich zwei Verfolger auf den Weg, um den Rückstand sukzessive zu reduzieren. Am Anstieg zum Valkenberg bekamen sie Gesellschaft von weiteren 11 Fahrern, darunter mit Jannik Steimle auch ein weiterer Deutscher vom Quick-Step Alpha Vinyl Team. Dabei auch nicht zu unterschätzende Fahrer wie der Tscheche Zdenek Stybar vom gleichen Team, der Italiener Alberto Bettiol von EF Education-EasyPost oder der Däne Mads Pedersen von Trek-Segafredo.

Als erster aus der Führungsgruppe musste Tom Bohli abreißen lassen und die Verfolger machten weiter Druck und reduzierten den Rückstand 70 km vor dem Ziel auf 30 Sekunden, als weitere drei Fahrer zu dieser Gruppe aufschlossen. Die Aktivitäten im Hauptfeld übernahm nun das Team UAE Emirates um den Slowenen Tadej Pogacar, für das Felix Groß zum frühen Zeitpunkt hervorragende Führungsarbeit im Feld  geleistet hatte. Auch Bahrain-Victorious um den Sieger von Mailand-San Remo Matej Mohoric aus Slowenien beteiligte sich an der Führungsarbeit. Etwa 55 km vor dem Ziel dann der komplette Zusammenschluss des Feldes unter Führung eines überlegen von der Spitze agierenden Tadej Pogacar, der spätestens hier seine Siegesansprüche in einer zunächst 10-köpfigen Spitzengruppe anmeldete und souverän auch das Kopfsteinpflaster in Flandern beherrschte. 

 

Am Koppenberg waren der Niederländer Dylan van Baarle von INEOS Grenadiers und der Brite Fred Wright von Bahrain-Victorious allein in Führung, als erneut Tadej Pogacar attackierte und der Vorjahressieger Kasper Asgreen aus Dänemark vom Quick-Step Alpha Vinyl Team mit einem mechanischen Problem die Segel streichen musste. Dem Toursieger der letzten beiden Jahre konnten nur noch der Niederländer Mathieu van der Poel von Alpecin-Fenix und der Franzose Valentin Madouas von Groupama-FDJ folgen und so schien die Vorentscheidung gefallen. Die dann fünfköpfige Gruppe sollte bis Kilometer 17 vor dem Ziel am Oude Kwaremont zusammenbleiben, um dann von Tadej Pogacar auseinander gefahren zu werden, dem nur noch Mathieu van der Poel folgen konnte. 

An der letzten von 18 Kopfsteinpflasterpassagen am Paterberg konnte der Niederländer mit letzter Kraft das Hinterrad von Tadej Pogacar halten, der zum Schluss das Rennen aber völlig vergeigte und der Verzögerungstaktik von Mathieu van der Poel zum Opfer fiel. So fuhr der Sieger von 2020 Mathieu van der Poel, der den Sprint von vorne anzog, erneut zum Sieg und verwies die noch aufschließenden Dylan van Baarle und Valentin Madouas auf die weiteren Podiumsplätze, während der stärkste Fahrer des Feldes, Tadej Pogacar, tief enttäuscht mit dem undankbaren vierten Platz vorliebnehmen musste und sich total verkalkuliert hatte. 

 

„Es war Stress pur, als die Verfolger zum Schluss immer näher kamen. Am Paterberg war ich am Limit, um das Hinterrad von Tadej Pogacar zu halten. Ich habe hart gearbeitet für dieses Rennen, es ist einfach unglaublich. Jetzt genieße ich erst einmal den Moment“, waren die ersten Worte des Siegers am Ziel, der einfach nur überglücklich war.

Bester Deutscher war am Ende John Degenkolb vom Team DSM auf Platz 18 mit einem Rückstand von 1:07 Minuten, zeitgleich vor Jasha Sütterlin von Bahrain-Victorious auf Platz 26. Für die Youngster Felix Groß und Kim Heiduk war das Rennen ebenso vorzeitig beendet wie für Nikias Arndt vom Team DSM und Roger Kluge von Lotto Soudal.                                                                                                                                                                                                                                                                                     

Die 19. Ronde van Vlaanderen der Frauen geht an Lotte Kopecky

Von Oudenaarde nach Oudenaarde über 158,6 km ging die Ronde der Frauen, die drei Stunden später als das Rennen der Männer gestartet wurde. Auch hier bildete sich früh aus dem Starterfeld von 139 Rennfahrerinnen, leider ging Liane Lippert vom Team DSM nicht an den Start, eine fünfköpfige Spitzengruppe, u.a. mit der US-Amerikanerin Clara Honsinger von EF Education-TIBCO-SVB und Olivia Baril aus Kanada vom Team Valcar-Travel & Service, die als letzte bis 50 km vor dem Ziel aus dieser Gruppe übrig blieben. 

 

Dann begannen die Attacken der vermeintlichen Favoriten, ein Vorstoß jagte dem nächsten und die Schweizerin Marlen Reusser vom Team SD Worx, die Kubanerin Arlenis Sierra vom Movistar Team oder die Niederländerin Demi Vollering, ebenfalls Team SD Worx, setzten Akzente bis sich eine 11-köpfige Spitzengruppe bildete. Dann waren es die Topfavoritinnen Lotte Kopecky aus Belgien vom Team SD Worx und die Niederländerin Annemiek van Vleuten vom Movistar Team, die die Initiative übernahmen und 27 km vor dem Ziel zur Attacke bliesen. Ganz stark die äußerst aktive Marlen Reusser und die Australierin Brodie Chapman von FDJ Nouvelle-Aquitaine Futuroscope, die zunächst in Führung lagen, als noch 15 km zu fahren waren. Dann waren es Lotte Kopecky und Annemiek van Vleuten, die die letzten zehn Kilometer gemeinsam mit Chantal van den Broek-Blaak vom Team SD Worx in Angriff nahmen.

 

Es lief auf einen Dreier-Spurt hinaus und hier war die schnelle Lotte Kopecky favorisiert und sie erfüllte die Erwartungen ihres Teams und sprintete zu ihrem ersten Sieg bei der Flandern-Rundfahrt bzw. zu ihrem insgesamt 18. Erfolg in der WorldTour. „Ich bin überwältigt und bedanke mich bei meinen Teamkolleginnen. Es ist ein Sieg für die Mannschaft, das Rennen war hart und ich war am Ende zwar zuversichtlich, aber nicht sicher, ob ich den Sprint gewinne“, gab die Belgierin zu Protokoll, die Annemiek van Vleuten und Chantal van den Broek-Blaak auf die weiteren Podiumsplätze verwies. 

 

Die deutschen Teilnehmerinnen spielten dieses Mal keine Rolle. Mit einem Rückstand von 1:13 Minuten belegte als beste Lisa Brennauer von Ceratizit-WNT Pro Cycling den 25. Platz, während Romy Kasper vom Team Jumbo-Visma auf Platz 64 fuhr. Mit Hannah Buch von Roland Cogeas Edelweiss Squad, Corinna Lechner vom Massi-Tactic Women Team und Lea Lin Teutenberg von Ceratizit-WNT Pro Cycling beendeten drei weitere Fahrerinnen das im Regen endende Rennen, während Tanja Erath von EF Education-TIBCO-SVB aufgeben musste.

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill / frontalvision.com

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