Zwei Europameistertitel für Lisa Brennauer

Zwei Europameistertitel für Lisa Brennauer

 
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BM 12 Oktober 2021

Sie ist schon eine bemerkenswerte Athletin, die seit Jahren mit Spitzenleistungen aufwartet und im deutschen Frauenradsport die Nummer 1 ist: die Rede ist von Lisa Brennauer, die sowohl im Straßenradsport als auch auf der Bahn zu Hause ist und das jetzt gerade einmal mehr unterstrichen hat. Am Samstag, den 02.10., war sie beim mörderischen Paris-Roubaix der Frauen unterwegs und imponierte dort mit einem ausgezeichneten 4. Platz, nur knapp um ganze vier Sekunden das Podium verfehlend. Dann ging es weiter in Richtung Grenchen zur Bahn-Europameisterschaft, wo sie am darauffolgenden Mittwoch mit Franziska Brausse, Mieke Kröger, Laura Süßemilch und der in der Qualifikation eingesetzten Lena Charlotte Reissner den Titel in der Mannschaftsverfolgung im Finale gegen chancenlose Italienerinnen  errang. 

 

In der Einerverfolgung zwei Tage später setzte sie noch eins drauf und holte sich souverän ihren zweiten Europameistertitel im Finale gegen die Französin Marion Borras, wobei auch Mieke Kröger mit einer Bronzemedaille glänzte. Die Umstellung von der Straße auf die Bahn in so kurzer Zeit ist für Lisa Brennauer offensichtlich kein Problem. Man kann nur den Hut ziehen vor dieser sympathischen Ausnahmeathletin, die auch mit 33 Jahren noch nicht das Ende ihrer Karriere im Auge haben muss.

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) kann sich glücklich schätzen, eine so immer wieder auf das jeweilige Event fokussierte Lisa Brennauer in seinen Reihen zu haben, die seit 2009 in verschiedenen Teams sich die nötige Härte auf der Straße angeeignet hat, um dann auch auf der Bahn entsprechende Leistungen abrufen zu können. Nur den Fokus auf die Bahn zu legen, ist im Ausdauerbereich wie Einer- und Mannschaftsverfolgung heutzutage wenig zielführend, das zeigen vor allem diverse Beispiele bei den Männern.

Apropos Männer: diese haben für den BDR nur eine Medaille geholt, die der routinierte Joachim Eilers im Keirin noch am letzten Tag der Europameisterschaften errang, als er Bronze holte und nur dem Niederländer Jeffrey Hoogland und dem Franzosen Tom Derache den Vortritt lassen musste. So gab es außerdem für den BDR einen undankbaren vierten Platz im 1 Km Zeitfahren ebenfalls durch Joachim Eilers und in der Mannschaftsverfolgung durch Felix Groß, Nicolas Heinrich, Tobias Buck-Gramcko und Theo Reinhardt, die den Briten hauchdünn im Kampf um Bronze unterlagen.

Es sind zwar immer die Medaillen, die besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, aber darüber hinaus haben auch gute Platzierungen durchaus ihren Stellenwert. Hier sei besonders der junge, erst 19-jährige Tim Torn Teutenberg genannt, der sowohl im Omnium als auch im Ausscheidungsfahren einen guten 5. Platz belegte und mit Theo Reinhardt im Madison noch auf Platz 7 fuhr. Hier wächst aus der bekannten Radsportfamilie Teutenberg ein weiteres hochkarätiges Talent heran, das die Konkurrenz im Auge behalten muss. Stark war auch die Leistung des gleichaltrigen Nicolas Heinrich, der auch in der Einerverfolgung stark fuhr und dort den 5. Platz unmittelbar vor Felix Groß belegte. 

Für den 23-jährigen Felix Groß liefen diese Europameisterschaften nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. „Ich sollte eigentlich nur die Einerverfolgung fahren, was auch so mit dem Verband abgeklärt war. Die 180 km Straßenrennen bei der Coppa Bernocchi in den Beinen, dazu die umständliche Anreise aus Italien waren nicht die besten Voraussetzungen, um auch noch die Mannschaftsverfolgung in Angriff zu nehmen. Aber es gab keine Alternative für den BDR, um auf mich zu verzichten und so setzte man mich im Vierer statt auf Position drei oder vier sogar auf Position zwei, eigentlich den härtesten Job. Es lief zwar ganz gut, aber ich war nicht zufrieden mit den Umständen wie es gelaufen ist. 

Drei Vierer-Läufe waren im Hinblick auf die folgende Einerverfolgung nicht ideal, zumal ich nicht regenerieren konnte und vom Kopf her war ich auch nicht darauf vorbereitet. In der Einerverfolgung war ich motiviert, aber der vorgenommene Deutsche Rekord ließ sich bei meiner Alleinfahrt ohne Gegner in der Qualifikation nicht bewerkstelligen. Es war mit Platz vier und sechs für mich kein schöner Abschluss und die Bahn tritt jetzt erst einmal in den Hintergrund. Der Fokus liegt jetzt eindeutig auf der Straße, wo mein Team UAE mich gut aufgenommen hat“, gab uns Felix Groß einen Einblick in seine derzeitige Situation.  

„Die ersten Rennen für das UAE-Team Emirates waren halt nicht so gut von mir, wobei mich auch Stürze außer Gefecht gesetzt haben. Es liegt noch viel Arbeit vor mir bzw. uns und wir werden sehen, was uns in Kürze beim Teammeeting in Dubai erwartet.“, blickt er aber hoffnungsvoll in die Zukunft. Die Bahn-Weltmeisterschaften Ende Oktober in Roubaix sind für Felix Groß aber kein Thema. 

Für die insgesamt 8 Medaillen des BDR zeichneten vor allem die Frauen verantwortlich, die ebenso dominierten wie bei den Herren die Niederländer. Neben Lisa Brennauer und dem Vierer gab es durch Lea Sophie Friedrich im Keirin noch eine dritte Goldmedaille, die darüber hinaus noch Silber im Sprint gewann, wo sie der starken Niederländerin Shanne Braspennincx unterlegen war.  Zwei weitere Silbermedaillen errangen die Teamsprinterinnen in der Besetzung Lea Sophie Friedrich, Pauline Sophie Grabosch und Alessa-Catriona Pröpster hinter den Niederländerinnen und Pauline Sophie Grabosch im 500 m Zeitfahren hinter der Russin Daria Shmeleva. Die mit drei Medaillen erfolgreiche Lea Sophie Friedrich wird nun Ende des Monats auch bei den Weltmeisterschaften in Roubaix am Start sein, wo auch Emma Hinze wieder ins Geschehen eingreifen wird. 

Der zweite Platz im Medaillenspiegel hinter den Niederlanden ist aller Ehren wert, wenngleich im Ausdauerbereich der Männer noch viel Verbesserungsbedarf besteht. Hier fällt auf, dass sich der Bahn-Bundestrainer Sven Meyer offensichtlich zurückgezogen hat und eine Neuausrichtung beim BDR bevorsteht. Eine klare Aufgabenstellung und vor allem eine konstruktive Kommunikation mit den Athleten und Athletinnen sollten oberste Priorität haben, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. 

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill / frontalvision.com

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  • Bahnradsport
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