Primoz Roglic mit Vuelta-Hattrick

Primoz Roglic mit Vuelta-Hattrick

 
5.0 (1)
BM 10 September 2021

War das ein Jubel am Ende des abschließenden Einzelzeitfahrens über 33,8 km bei der Spanien-Rundfahrt! Mit einer Bravourleistung setzte der Slowene Primoz Roglic vom Team Jumbo-Visma am letzten Tag der Vuelta seiner äußerst starken Leistung während der gesamten Tour die Krone auf und siegte mit 14 Sekunden Vorsprung vor dem mit drei Etappensiegen bei dieser Tour sich glänzend in Szene setzenden Dänen Magnus Cort von EF Education-Nippo (aktivster Fahrer der Vuelta!) und dem überraschend starken Niederländer Thymen Arensman vom Team DSM, der 52 Sekunden einbüßte. Hervorzuheben war bei der Parforcejagd des Slowenen, dass er kurz vor dem Ziel seinen zwei Minuten vor ihm gestarteten, schärfsten Widersacher Enric Mas vom Movistar Team sogar noch ein- und überholte. Am Ende der Rundfahrt hatte Primoz Roglic einen Vorsprung von 4:42 Minuten auf den Spanier Enric Mas und gar 7:40 Minuten auf den starken Australier Jack Haig von Bahrain-Victorious. 

Diese Zeitrückstände waren erheblich größer als in den Vorjahren und unterstrichen die enorme Dominanz des Primoz Roglic, der in Abwesenheit seines Landsmannes Tadej Pogacar vom UAE-Team Emirates nahezu konkurrenzlos war. Das zeigte sich schon zu Beginn der Rundfahrt, als er in Burgos das Einzelzeitfahren über 7,1 km souverän gewann und sich mit dem Leadertrikot in Rot schmücken durfte, das er sich nach kurzer Unterbrechung durch den Esten Rein Taaramäe von Intermarche-Wanty-Gobert Materiaux und den Franzosen Kenny Elissonde von Trek-Segafredo am Ende der 6. Etappe wieder zurückeroberte. 

Auch der sich glänzend behauptende Norweger Odd Christian Eiking von Intermarche-Wanty-Gobert Materiaux, der nach der 1o. Etappe ins Führungstrikot schlüpfte, war am Ende Primoz Roglic nicht gewachsen, der nach der 17. Etappe, die er überlegen im Alleingang dominierte, wieder das rote Trikot übernahm und damit endgültig die Weichen auf Sieg stellte.

Der siegreiche Slowene konnte sich aber auch bei seinem hervorragend agierenden Team bedanken, das angeführt vom US-Amerikaner Sepp Kuss und den Niederländern Steven Kruijswijk und Sam Oomen für die ausgezeichnete Unterstützung sorgte. Wie stark gerade diese Fahrer agierten, beweisen ihre Platzierungen in der Gesamtwertung, wo sie die Plätze 8 (Kuss), 12 (Kruijswijk) und 18 (Oomen) belegten. Bei der abschließenden Siegerehrung gaben sie, die mit den Niederländern Koen Bouwman, Robert Gesink und Lennard Hofstede sowie dem Belgier Nathan Van Hooydonck alle ihre Fahrer ins Ziel brachten, ein tolles Bild ab. Darüber hinaus ging der eher zurückhaltende Primoz Roglic gemeinsam mit seiner Partnerin Lora Klinc und vor allem Sohn Lev im Konfettiregen von Santiago de Compostela in den Zuschauermassen unter.

 

Seine einzigartige Triumphfahrt durch Spanien hatte er in Burgos beim 7,1 km langen Zeitfahrauftakt begonnen, als er der Konkurrenz früh ein Zeichen setzte. Mit einer sich in der dritten Woche mehr und mehr abzeichnenden Dominanz war sein Sieg am Ende ungefährdet. Es beeindruckte vor allem, wie er stets aufmerksam das Rennen beobachtete und bei Vorstößen von vermeintlichen Favoriten wie Enric Mas, dem Briten Adam Yates und dem Kolumbianer Egan Bernal (beide von INEOS Grenadiers), immer im Bilde war und sofort, wenn nötig, eine Konterattacke ansetzte. Nach seinem sturzbedingten Tour-Aus in diesem Jahr, als er zur 9. Etappe nicht mehr antrat, war es ein mehr als gelungenes Comeback des Slowenen, der ja schon danach mit seinem souveränen Olympiasieg im Einzelzeitfahren wieder überzeugte.

Die in Spanien erzielten vier Etappensiege gipfelten schließlich im Gesamtsieg, der in diesem Jahr recht deutlich ausfiel. „Ich habe das Rennen genossen, wenn es auch sehr hart war“. gab der überglückliche Sieger zu Protokoll, der ja erst im Jahre 2013 mit dem Radsport begann, nachdem er seine frühere Karriere als Skispringer nach einem schweren Sturz beenden musste. Mittlerweile hat er schon 58 Profisiege erzielt und neben den drei Siegen bei der Vuelta auch Podiumsplätze bei der Tour de France (2. in 2020) und beim Giro d’Italia (3. in 2019), erreicht. Seine Klasse hat er auch bewiesen, als er bei Lüttich-Bastogne-Lüttich im vergangenen Jahr siegte. 

Aber eingehen müssen wir auch auf einige Fahrer, die bei der diesjährigen Vuelta Zeichen setzten und denen noch eine große Zukunft vorherzusagen ist. Da ist der schon genannte 26-jährige Norweger Odd Christian Eiking, der immerhin sieben Tage im Spitzenreitertrikot verbrachte und auf den wir schon bei der jetzt leider legendären Tour de Berlin im Jahre 2013 aufmerksam wurden, als er Zehnter der Gesamtwertung und Etappendritter in Birkenwerder wurde. Was haben diese Tour und die kids-tour in Berlin schon alles für jetzige Profistars hervorgebracht und die Wichtigkeit solcher Events mehr als unterstrichen! Berlin erwache, könnte man meinen, in der Hoffnung, dass der gerade neugewählte Vorstand des Berliner Radsport Verbandes hier bald ein Zeichen setzen wird!?

Ein weiterer Fahrer, der auf sich aufmerksam machte, ist der 24-jährige Schweizer Gino Mäder von Bahrain-Victorious, der als Fünfter der Gesamtwertung und damit als bester Jungprofi die schwere Rundfahrt beendete. Erst am vorletzten Tag verdrängte er in der Nachwuchswertung Egan Bernal vom obersten Podium, als dieser auf der schweren Etappe fast sieben Minuten verlor, während Gino Mäder den Anschluss zur Spitze behielt und nur 26 Sekunden auf den französischen Etappensieger Clement Champoussin vom AG2R Citroen Team verlor. Der Schweizer war damit auch maßgeblich am Sieg seines Teams in der Mannschaftswertung beteiligt.

Der Sieg in der Bergwertung ging an den ebenfalls 24-jährigen Australier Michael Storer vom Team DSM, der mit zwei Etappensiegen in Alleingängen überzeugte. Ein besonderes Augenmerk sei auf den 25-jährigen Niederländer Fabio Jakobsen von Deceuninck-Quick Step gerichtet, der nach seinem fürchterlichen Sturz im Vorjahr bei der Polen-Rundfahrt ein kaum für möglich gehaltenes Comeback feierte. Unzählige Operationen waren notwendig, um ihn  vollends wiederherzustellen, aber an Renneinsätzen war zunächst nicht zu denken. Erst Mitte April dieses Jahres stieg er wieder in der Worldtour ein und so waren die Tour of Turkey, die Algarve-Rundfahrt und das Criterium du Dauphine zum Einrollen bestens geeignet. Aber schon bei der über fünf Etappen führenden Tour de Wallonie im Juli bewies er mit zwei Etappensiegen, dass er nichts von seiner enormen Sprintfähigkeit eingebüßt hat.  

Und nun kam die Vuelta für ihn gerade recht, wo er mit sogar drei Etappensiegen und letztlich dem Gewinn des grünen Trikots des Punktbesten eine beeindruckende Vorstellung gab. Höhepunkt war natürlich der Etappensieg an seinem 25. Geburtstag am 31. August 2021, wo er schon abgehängt schien, aber seine Teamkameraden ihn wieder ins Feld zurückbrachten und ihn dann perfekt positionierten. „Das ist nicht allein mein Sieg. Es ist zwar ein schönes Geburtstagsgeschenk für mich, aber ich würde dieses Geschenk gern weitergeben an meine Teamgefährten“, vergaß der sympathische Niederländer nicht, dass er ohne die Hilfe wohl an diesem Tag keine Chance gehabt hätte. „Ich liebe die Vuelta, ich wusste nicht, ob ich jemals wieder als Radprofi zurückkehre und sogar Siege feiern könnte“, war der Niederländer fast sprachlos und überglücklich.

Die deutschen Radprofis waren in Spanien nur mit fünf Fahrern vertreten, darunter Maximilian Schachmann, Anton Palzer und Ben Zwiehoff von BORA-hansgrohe, Alexander Krieger von Alpecin-Fenix und Nico Denz vom Team DSM, die allesamt keine größeren Akzente setzen konnten. Bester im Gesamtklassement war auf Rang 47 Ben Zwiehoff, der seine erste Grand Tour bestritt und seine beste Tagesplatzierung beim abschließenden Einzelzeitfahren mit Platz 28 erreichte. Bis auf Maximilian Schachmann beendeten alle die Rundfahrt und landeten auf den Plätzen 102 (Anton Palzer), 114 (Nico Denz) und 117 (Alexander Krieger), wobei auch Anton Palzer zum ersten Mal bei einer großen Rundfahrt dabei war. 

Enttäuscht war der Berliner Maximilian Schachmann, der bislang eine hervorragende Saison gefahren war und hier in Spanien durchaus ambitioniert an den Start ging. Der Sieger von Paris-Nizza und amtierende Deutsche Meister im Straßenrennen hatte in den ersten Tagen viel gelitten und die Form wurde danach auch nicht besser. So ging er zur 13. Etappe nicht mehr an den Start und bereitet sich nunmehr auf die Straßenweltmeisterschaften sowie die danach folgenden Klassiker Paris-Roubaix und die Lombardei-Rundfahrt vor. 

Annemiek van Vleuten beherrscht Challenge by La Vuelta

Bereits zum 7. Mal lief für die Frauen die Ceratizit Challenge by La Vuelta anläßlich der  Spanien-Rundfahrt der Männer und in diesem Jahr erstmals über vier Etappen, nachdem man im Jahre 2015 als Eintagesrennen gestartet war. In den Jahren 2018 und 2019 ging es über zwei Etappen, während im letzten Jahr drei Etappen zu absolvieren waren. Die Besetzung war in diesem Jahr mit 24 Teams ganz hervorragend und unter den insgesamt 137 Starterinnen aus 29 Nationen waren auch acht Deutsche, von denen Lisa Brennauer von Ceratizit-WNT Pro Cycling als Mitfavoritin ins Rennen ging, da sie hier 2019 und 2020 siegreich war. Aber sie hatte nach Olympia eine Wettkampfpause eingelegt und war anschließend gesundheitlich etwas angeschlagen, so dass sie nicht unbedingt mit großen Erwartungen am Start stand. Die Challenge, die sie auf dem für sie unüblichen Platz 53 mit mehr als 21 Minuten Rückstand beendete, konnte sie aber dennoch als gute Vorbereitung für die gerade laufenden Europameisterschaften nutzen. 

Die 1. Etappe sorgte dann bereits für das Ende ihrer möglichen Träume vom Hattrick, als sie gemeinsam mit ihrer Teamkameradin Kathrin Hammes mit über 13 Minuten Rückstand ins Ziel kam. Im Alleingang siegte die sich immer mehr ins Rampenlicht fahrende Marlen Reusser aus der Schweiz von Ale BTC Ljubljana, die sich aus einer Vierer-Spitzengruppe noch absetzen konnte. Im großen Feld, das 1:48 Minuten Rückstand aufwies, behaupteten sich auch die beiden Deutschen Liane Lippert vom Team DSM auf Platz 27 und Hannah Ludwig von Canyon SRAM Racing auf Platz 39. Das folgende Einzelzeitfahren dominierte die Niederländerin Annemiek van Vleuten vom Movistar Team vor Marlen Reusser, wobei Liane Lippert einen ausgezeichneten 7. Platz belegte. Die Niederländerin dominierte dann auch die schwere, hügelige 3. Etappe mit einem Vorsprung von 2:48 Minuten auf die stark fahrenden Liane Lippert und Katarzyna Niewiadoma aus Polen von Canyon SRAM Racing und übernahm damit auch die Führung in der Gesamtwertung. 

Die Schlussetappe nach Santiago de Compostela über 107,4 km wurde eine Beute der schnellen Belgierin Lotte Kopecky von Liv Racing, die die Italienerin Elisa Longo Borghini von Trek-Segafredo Women im Zweierspurt niederhalten konnte. Mit einem guten 8. Platz schaffte Liane Lippert nochmals ein Topergebnis und belegte schließlich in der Gesamtwertung dieser Challenge den 5. Platz unmittelbar hinter der Italienerin Marta Cavalli von FDJ Nouvelle Aquitaine Futuroscope, während hinter der Gesamtsiegerin Annemiek van Vleuten die beiden Schweizerinnen Marlen Reusser und Elise Chabbey von Canyon SRAM Racing die weiteren Podiumsplätze einnahmen und die äußerst positive Entwicklung des Schweizer Radsports dokumentierten. 

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill / frontalvision.com

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