Doppelsiege von Annemiek van Vleuten und Kasper Asgreen in Flandern

Doppelsiege von Annemiek van Vleuten und Kasper Asgreen in Flandern

 
5.0 (4)
BM 13 April 2021

Die vielen belgischen Klassiker und Monumente im Frühjahr haben wieder einmal die bekannten Akteure aus vergangenen Jahren aber auch hoch motivierte Jungstars der Profiszene ins Rampenlicht gesetzt. In der Zeit vom 24.03. bis 07.04.2021 war in Belgien auf den Straßen Flanderns wie in all den vielen Jahren zuvor Radrennen vom Feinsten angesagt. Dass es leider erhebliche Einschränkungen geben musste wegen der seit nun schon über einem Jahr grassierenden Corona Pandemie, war für die vielen Fans im Mutterland des Radsports ein Zustand, der ihnen mit Sicherheit die Herzen bluten ließ.

Aber im Gegensatz zu Deutschland, wo seit Monaten der Radsport komplett still steht, haben unsere Nachbarn hervorragende Konzepte ausgearbeitet, die radsportliche Events durchaus möglich machen können. Es hat nur wenige positive Corona Fälle im Fahrerfeld gegeben und die leider nur wenigen Fans an den Strecken haben sich an die Hygieneregeln mit Abstand und Mund- und Nasenschutz gehalten.

Profitiert von dieser Situation hat dagegen der nahezu alle Radrennen übertragende Fernsehsender Eurosport, der sich über steigende Einschaltquoten freuen durfte. Durch kompetente Berichterstattung, u.a. auch durch ehemalige Radsportgrößen wie Rolf Aldag, Jens Voigt oder Robert Bengsch, ist man bei den Rennen hautnah dabei und fiebert mit.

Die belgischen Radsporttage begannen mit einem Sprinterfestival beim Oxyclean Classic Brugge-De Panne, wo der derzeit weltbeste Sprinter Sam Bennett aus Irland vom belgischen Team Deceuninck-Quick Step siegte und dem Belgier Jasper Philipsen von Alpecin-Fenix sowie dem Deutschen Pascal Ackermann von BORA-hansgrohe auf den weiteren Plätzen keine Chance ließ, während im Rennen der Frauen die Australierin Grace Brown vom Team BikeExchange siegte.

Zwei Tage später waren die E3 Saxo Bank Classic von Harelbeke an der Reihe und hier brillierte der Däne Kasper Asgreen von Deceuninck-Quick Step mit einem Alleingang, als er 32 Sekunden vor seinem französischen Teamgefährten Florian Senechal und dem niederländischen Superstar Mathieu van der Poel von Alpecin-Fenix die Ziellinie als Sieger überquerte. Eine eindrucksvolle Leistung des Dänen, die ihn durchaus in eine Favoritenrolle für die Ronde van Vlaanderen katapultierte! 

Dann war Gent-Wevelgem an der Reihe und hier ließ es der Belgier Wout van Aert vom Team Jumbo-Visma krachen, der im Spurt einer siebenköpfigen Spitzengruppe, aus der sein belgischer Teamkamerad Nathan Van Hooydonck nach glänzender Vorarbeit für seinen Kapitän zum Schluss etwas abreißen lassen musste, die beiden Italiener Giacomo Nizzolo vom Team Qhubeka ASSOS und Matteo Trentin vom UAE-Team Emirates distanzierte. „Ich bin sehr glücklich mit meinem ersten Sieg bei einem flämischen Klassiker. Er war nach zuletzt vergeblichen Versuchen oben auf meiner Wunschliste und gibt mir Zuversicht als einer der Favoriten auf die große „Ronde“, gestand Wout van Aert im Ziel, ohne die großartige Unterstützung von Nathan Van Hooydonck zu vergessen.

Aus deutscher Sicht war eher das Rennen der Frauen interessant, wo Lisa Brennauer von Ceratizit-WNT Pro Cycling im Massenspurt einen ausgezeichneten dritten Platz hinter der siegreichen Niederländerin Marianne Vos vom Team Jumbo-Visma Women und der Belgierin Lotte Kopecky von Liv Racing belegte und einmal mehr ein Ausrufezeichen setzte. Hier war auch der zeitgleiche 12. Platz von Liane Lippert vom Team DSM als zweitbeste Deutsche aller Ehren wert.  

Bevor die „Ronde“ zum Höhepunkt der belgischen Klassiker werden sollte, war noch Dwars door Vlaanderen von Roeselare aus nach Waregem an der Reihe, wo der Niederländer Dylan van Baarle von INEOS Grenadiers mit einem Alleingang auf sich aufmerksam machte. Mit 26 Sekunden vor dem Hauptfeld erreichte er das Ziel und holte sich seinen fünften Sieg als Profi, wo er sich letztmals vor zwei Jahren als Etappensieger des Criterium du Dauphine feiern lassen konnte. Seine Landsmännin Annemiek van Vleuten vom Movistar Team sorgte bei diesem Rennen für den niederländischen Doppelsieg, als sie im Zweierspurt die Polin Katarzyna Niewiadoma von Canyon SRAM Racing bezwang, die mit 19 Sekunden Vorsprung vor einer 12-köpfigen Verfolgergruppe das Ziel erreichten. Ein hohes Tempo von Beginn an und Attacken bei den Anstiegen wie den Kluisberg und den Taaienberg sorgten für eine sukzessive Reduzierung des Feldes, bevor 35 Kilometer vor dem Ziel die beiden am Ende Erstplatzierten gemeinsam attackierten. Es sollte letztlich eine gute Generalprobe für Annemiek van Vleuten sein, die als Topfavoritin die Flandern-Rundfahrt in Angriff nahm. 

Die amtierende Europameisterin und Vize-Weltmeisterin im Straßenrennen wurde dann auch dieser Rolle vollauf gerecht, indem sie im Alleingang die Ronde van Vlaanderen mit 26 Sekunden Vorsprung vor einer fünfköpfigen Verfolgergruppe gewann und damit bereits ihren 64. Sieg (7 Erfolge bei Grand Tours, 30 Siege bei Eintagesrennen und 27 Siege in Einzelzeitfahren) feiern konnte. Den Spurt der Verfolgerinnen gewann die Deutsche Lisa Brennauer vor Grace Brown und war mit dieser Leistung mehr als zufrieden. Es waren harte 152 Kilometer zu absolvieren, die zunächst das Feld zusammenhielten, bis dann die Französin Audrey Cordon-Ragot von Trek-Segafredo Women angriff und bis zu 50 Sekunden Vorsprung herausfuhr.

Der Anstieg zum Oude Kwaremont sollte dann die Vorentscheidung bringen, als sich die Favoritinnen absetzten. Am letzten Anstieg, dem Paterberg, griff dann die Europameisterin an, die am Ende bestätigte: „Ich kann es nicht glauben, dass ich nach 2011 noch einmal dieses Rennen gewinnen konnte. Es war nicht einfach und ich bin bis zum Ziel Vollgas gefahren“. Auch Lisa Brennauer war happy über den zweiten Platz: „Ein ziemlich großer Traum ist mit dem Podestplatz wahr geworden“, lautete ihr Statement nach dem Rennen.

Auch wenn er in Topform antrat, war letztlich der Erfolg bei den Männern von Kasper Asgreen zumindest eine kleine Überraschung, denn zu den absoluten Favoriten zählte eher der Niederländer  Mathieu van der Poel, dem er in einem spektakulären Endspurt das Hinterrad zeigte. Als beide Fahrer als Ausreißerduo das Ziel vor Augen hatten, war es eigentlich klar, wer den Zielstrich als Erster übersprintet. Aber aller Vorhersagen zum Trotz erwies sich der bärenstarke Däne nicht nur als schnellerer, sondern auch als clevererer Fahrer, der den sieggewohnten Niederländer am Ende resignieren ließ. Kasper Asgreen war es, der 26 Kilometer vor dem Ziel für eine Tempoverschärfung sorgte, der nur noch Mathieu van der Poel und Wout van Aert folgen konnten. Auch hier sorgte der Oude Kwaremont 17 Kilometer vor dem Ziel für die Vorentscheidung, als der Niederländer antrat und nur der Däne noch folgen konnte. Am Ende versuchte der Niederländer noch gegenzuhalten, musste aber letztlich den Sieg des Dänen anerkennen. „Ich bin dem gesamten Team dankbar, das heute eine unglaubliche Arbeit für mich geleistet hat“, waren die ersten Worte von Kasper Asgreen, der seinem Sprint vertraute. 

Im Jahre 2016 verzeichnete er seinen ersten größeren Erfolg, als er bei der inzwischen legendären Tour de Berlin in der Gesamtwertung den dritten Platz hinter dem Franzosen und jetzigen Teamgefährten Remi Cavagna und dem Berliner Maximilian Schachmann (jetzt BORA-hansgrohe) belegte. Was ist aus diesen Jungs nur geworden, die allesamt jetzt in der absoluten Weltspitze zu Hause sind und bei uns in Berlin erste große Akzente gesetzt haben! Nur am Rande sei bemerkt: die Tour de Berlin hätte einfach nicht sterben dürfen, aber ein heute noch mehr als damals zerrütteter Berliner Radsport Verband hat durch Unbeweglichkeit dieses herausragende Event für die Klasse der U 23 nicht weiter gefördert. 

Den Abschluss der Flandern-Serie bildete der Scheldeprijs, der bei den Frauen eine Beute der schnellen Niederländerin Lorena Wiebes vom Team DSM wurde, die nach 136 Kilometer im Massenspurt vor der Dänin Emma Norsgaard vom Movistar Team und der Italienerin Elisa Balsamo von Valcar-Travel & Service gewann. Hervorragende Fünfte wurde die Deutsche Lisa Klein von Canyon SRAM Racing, die ihre aufsteigende Form nach dem 6. Platz in der Gesamtwertung der Healthy Ageing Tour und dem 3. Platz beim Danlith Nokere Koerse erneut bestätigte. Bei den Männern gab es den Sieg von Jasper Philipsen, der im Spurt einer 22-köpfigen Spitzengruppe Sam Bennett und „Oldie“ Mark Cavendish (beide Deceuninck-Quick Step) bezwang, während für den Deutschen Pascal Ackermann nur Platz sechs übrigblieb. „Ich bin einfach nur enttäuscht“, kommentierte er den 6. Platz, der nicht sein Anspruch ist. „Wir haben uns am Ende einbauen lassen und von meiner Position aus, war dann nichts mehr zu holen“, zog er enttäuscht von dannen. 

Nach den ersten Rennen dieser Saison steigt die Spannung auf weitere Topereignisse, die hoffentlich wie geplant stattfinden können. Dabei werden wir die deutschen Profis auf allen Ebenen verfolgen und hoffen, dass wir noch über etliche Erfolge wie zum Beispiel den Gesamtsieg von Maximilian Schachmann bei Paris-Nizza oder den Etappensieg seines Teamgefährten Lennard Kämna bei der Volta Ciclista a Catalunya berichten werden.

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill

> Fotos von den Frühjahrsklassikern bei der Bildagentur frontalvision.com

> turus-Fotostrecke Frühjahrsklassiker 2021

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
Straßenrennen
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Fotos und Text von allererste Güte. Vielen lieben dank für Eure Mühen in dieser schweren Zeit!

LG
Ein Radsportfanatiker

R
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