Berliner Radsportler erhalten Chance im Rostocker BIKE Market Team

Berliner Radsportler erhalten Chance im Rostocker BIKE Market Team

 
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BM 12 Februar 2021

Man schrieb das Jahr 1993 als die Fahrradfirma BIKE Market GmbH in Rostock gegründet wurde, die inzwischen drei Filialen besitzt und über 100 Mitarbeiter beschäftigt. Die Firma hat sich zum größten Fahrradmarkt in Mecklenburg-Vorpommern entwickelt und unterstützt nebenbei viele Vereine und ebenso Sportevents in der dortigen Region. Neben dem Hauptsitz in Rostock Schutow wird u.a. Europas größter CUBE Store in der Rostocker Innenstadt betrieben.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich sukzessive auch ein Radsportteam gebildet hat, das sich seit dem Jahre 2012 der Unterstützung der Firma sicher sein kann. In den Jahren 2010 und 2011 fuhr das Team schon unter dem Namen „Little John Bikes Team“, dem Antje Vogelgesang als Sportliche Leiterin sowie die Rennfahrer Stefan Lange und Janko Marquardt angehörten, die alle in gleichen Funktionen noch zum heutigen, aktuellen Team zählen. Mit Jörg Wolff-Gebauer als weiteren Sportlichen Leiter und Gregor Hoops stießen zwei weitere Personen zum dann neu gegründeten BIKE Market Team, die ebenfalls beide aktuell noch dabei sind. Als dritter Sportlicher Leiter stieß im Jahre 2017 noch Alex Schoel zum Team, alle drei sind ehemalige Rennfahrer-/in.

Zunächst rekrutierte sich das Team ausschließlich aus den besten Radrennfahrern aus verschiedenen norddeutschen Vereinen, die ein reines Amateurteam bildeten, das es heute immer noch ist. Der Rostocker Stefan Lange vom Bad Doberaner SV 90 – auch als Steher schon im Berliner Velodrom bewährt - und Gregor Hoops vom Kieler RV – u.a. Sieger bei Rund um Ascheffel 2017 - gelten als Urgesteine des Teams zusammen mit dem in Berlin wohnenden, ebenfalls für den Bad Doberaner SV 90 fahrenden Janko Marquardt. Etliche Fahrer wie Adrian Rips, der 2019 die Amateurwertung der Rad-Bundesliga gewann, Tjorden Delfs, Jan Kohnen oder Ben Ole Poschadel sind inzwischen nicht mehr dabei, da sie nicht mehr leistungsorientiert fahren wollten. So gehören jetzt zum insgesamt 14-köpfigen Kader u.a. Benjamin Bräuer und Robert Bolsmann aus Greifswald, Fabian Schuppert aus Hannover, Lennart Matthusen aus Lübeck, Marc Leon Pekrahn aus Rostock, David Eppert aus Eggersdorf und Stefan Gaebel aus Wilhelmshaven, der 2019 als Sportlicher Leiter fungierte, eine Aufgabe, die ihm letztlich zu langweilig wurde. Er ließ sich durch die Erfolge in der Rad-Bundesliga nochmal motivieren und wird nun das Team als Aktiver vom Rad aus leiten.

Erfreulich ist, dass in der kommenden Saison immerhin vier Berliner im BIKE Market Team ein Zuhause gefunden haben. Beim einzigen Berliner Amateurteam, dem KED-Stevens Radteam, hatten sie offensichtlich keine Chance auf eine Startmöglichkeit und so fanden sie den Weg nach Norddeutschland, wo sie ambitioniert ihre weitere Entwicklung forcieren wollen. Das gesamte Team besteht aus reinen Amateuren, die nebenbei entweder arbeiten oder studieren und vor allem in der Rad-Bundesliga Fuß fassen wollen, wo sie durch den Erfolg von Adrian Rips, den sie gern wiederholen wollen, besonders motiviert sind. Da wollen auch die Berliner Nils Andratschke und Milan Kowalewsky von den Zehlendorfer Eichhörnchen, Halvard Schommartz vom SC Berlin und Moritz Thömen von der NRVg. Luisenstadt ihren Teil zu möglichen Erfolgen beitragen. Letzterer ist übrigens ebenso wie David Eppert vom 1.RSC Strausberg ein Neuzugang im Team, das sich vor allem bei regionalen Rennen zeigen und Rennen gewinnen will. Mit einem Trainingslager auf der Insel Mallorca sind entsprechende Grundlagen für eine hoffentlich wieder etwas normalere Saison gelegt.  

Die Berliner Rennfahrer wollen wir einmal etwas genauer unter die Lupe nehmen und sie haben uns diverse Einblicke in ihr Rennfahrerdasein gegeben und dabei auch nicht die Pandemie ausgelassen, die nicht nur sie seit nunmehr bereits einem Jahr stark beeinflusst hat. So hat Nils Andratschke seine sportliche Laufbahn mit dem Triathlon begonnen und schnell gemerkt, dass Radrennen seine Lieblingsdisziplin ist. „Meine Bewunderung gilt u.a. Emanuel Buchmann und auch für mich wäre einmal eine Teilnahme bei der Tour de France das Größte“, gesteht der junge Berliner, der im Jahre 2018 Berliner Cross-Meister wurde. „Im letzten Jahr bin ich wegen der Corona Pandemie nur drei Rennen gefahren, darunter ein Sieg in Neubrandenburg. Da blieb nur Zeit zum Trainieren mit einem Trainingspartner, von dem ich sehr profitieren konnte und der mich bei den langen Einheiten immer wieder motivierte. Derzeit trainiere ich viel auf der Rolle und da die Schule nur noch online stattfindet – ich bin im zweiten Ausbildungsjahr einer schulischen Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann plus Fachabitur an der Sportschule in Hohenschönhausen – ist dann eine Trainingseinheit auf der Straße wie eine Befreiung für mich“, ließ uns Nils Andratschke wissen, der 2021 sein Team unbedingt in den Bundesligarennen unterstützen will und sich dabei unter den ersten 20-30 Fahrern platzieren möchte. Der junge Berliner baut gern an seinen Rädern und als Ausgleich trifft er sich mit Freunden regelmäßig zu Doppelkopfrunden. Sein Ziel wäre ein Vertrag bei einem Continentalteam, um auch größere Rennen fahren zu können. 

Sein Vereinskamerad Milan Kowalewsky kommt vom Rudersport, wo er im Leichtgewichts-Rudern in den Jahren 2013 bis 2015 Deutscher Meister war. Der Weg zum Radsport führte auch über seine Eltern, die beide dort aktiv waren. „Ich frage mich, warum ich nicht schon früher zum Radsport gewechselt  bin, da ich mich auf dem Rad viel wohler fühle als im Boot. Erst ein gebrochenes Schlüsselbein und die damit geplatzten WM-Träume führten mich zum Radsport, wo Jens Voigt und Philipp Walsleben meine Idole waren“, gestand er, der im Jahre 2018 seine ersten Rennen bestritt. Sein bislang größter Erfolg war der 8. Platz beim Einzelzeitfahren der U 23 in Genthin, wo er bester Amateur war und dann beim ersten Straßenrennen der Bundesliga im Sauerland das entsprechende Trikot tragen durfte. „Für mich und unseren Sponsor war das eine große Freude, wenngleich ich das Trikot trotz der Unterstützung meines Teams sofort wieder abgeben musste“, war Milan Kowalewsky aber angetan von seiner guten Leistung beim Zeitfahren. 

Durch die Pandemie wird sein Training nicht eingeschränkt, vielmehr hat er mit Hilfe des Teampartners Diagnose Berlin sein Training besser strukturiert, das er in der Regel auch aus zeitlichen Gründen allein ausführt. „Wir haben als Radsportler mehr Glück als andere, da wir unser Training im Freien durchziehen können“, ist er bemüht, alternative Motivationen zu finden, um sich mit Kleinigkeiten zu belohnen. In dieser Zeit richtet er den Fokus auf sein Studium, das sich mit dem Hobby gut verbinden lässt. Er will in diesem Jahr seine Bachelorarbeit abgeben, um seinen Berufswunsch als Lehrer ein Stück näher zu kommen. Sportlich setzt er sich aufgrund der aktuellen Situation zunächst keine Ziele, aber ein gutes Ergebnis mit seinen Teamkameraden beim Mannschaftszeitfahren der Rad-Bundesliga und der Kampf um das Trikot des besten Amateurs für einen Fahrer seines Teams sollten aber schon lohnende Ziele sein. 

Mit dem Motto „Den anderen tut’s auch weh!“ tritt Halvard Schommartz seit 2014 in die Pedalen, dem die Faszination für den Bahnradsport vorantrieb. Einmal im Velodrom einige Runden zu drehen, das war sein Wunsch, der nur über einen Vereinsbeitritt mit anschließender Lizenz realisiert werden konnte. Der SC Berlin war sein erster Verein, zu dem er nach vier Jahren beim RSV Sonneberg im letzten Jahr wieder zurückkehrte. Schnell führte der Weg zum Straßenrennsport, wo er bei der Berliner Meisterschaft 2014 den fünften Platz belegte und schon im folgenden Jahr in der Rad-Bundesliga Rennen bestritt. Seitdem platzierte er sich bei 44 Rennen unter den Top 15, wobei er insgesamt vier Siege verzeichnen konnte. 

„Die Corona Pandemie hat die letzte Saison bestimmt, so dass ich an Radrennen erst einmal nicht gedacht habe. Ohne mich nach einem Trainingsplan zu richten, bin ich aber je nach Lust und Laune viel Rad gefahren. Nach langer Wettkampfpause habe ich dann in Neubrandenburg das erste Rennen sogar gewonnen, ohne aber in einen richtigen Rhythmus zu kommen. Die Sauerlandrundfahrt im Rahmen der Rad-Bundesliga hat mir aber gezeigt, dass mir der Jobeinstieg und ein Jobwechsel einiges an Trainingskapazität genommen hatte. Inzwischen stimmt die Balance und ich bin gezwungen, präziser und effizienter zu trainieren, um allen Ansprüchen gerecht zu werden“, gab uns Halvard Schommartz Einblicke in seinen Tagesablauf, der auch durch Promovierung in einem Forschungsverbund von TU Berlin, Beuth Hochschule und FU Berlin im Fach Theaterwissenschaft geprägt ist. Aufgelockert wird das Ganze durch unterhaltsame, virtuelle Teammeetings, die regelmäßig stattfinden und den Teamgeist fördern, der eher noch gewachsen scheint und in den Rennen zum Ausdruck kommen soll, die hoffentlich in diesem Jahr zur Austragung gelangen. „Ich hoffe, unsere Kapitäne gut unterstützen zu können und für mich persönlich auf das ein oder andere bergigere Rennen, die zu meinen Lieblingsrennen zählen. Darüber hinaus gilt es, Beruf und Radsport unter einen Hut zu bekommen, ansonsten wird am Zeitfahrrad gebastelt, um für die individuellen Rennen gegen die Uhr gewappnet zu sein“, zeigte sich der Berliner bestens motiviert für kommende Aufgaben.

Last but not least kommen wir zu Moritz Thömen, der erst seit 2017 Radsport betreibt und neu im Team BIKE Market ist. Seine Kindheit und Jugend hat er beim Judo verbracht, gleichwohl hat er für das Radfahren als Mittel der Fortbewegung im Alltag und auf Reisen großes Interesse entwickelt. Radreisen durch Schweden, England, Frankreich, Dänemark und Deutschland hat er unternommen und dabei haben ihn zurückgelegte Distanzen und Geschwindigkeiten fasziniert. So nahm der in Hamburg geborene und bis zum Abitur dort wohnende Moritz Thömen mit dem bereits seit der Jugend besessenen Rennrad an etlichen sportlichen Ausfahrten, ein paar Radtourenfahrten und den Cyclassics für Jedermänner teil. Aber erst nach seinem Umzug nach Berlin hat er Nägel mit Köpfen gemacht und sich einem Radsportverein angeschlossen und im Jahre 2017 erste Rennen gefahren. 

Ein Jahr zuvor im Oktober kam er zum Maschinenbau Studium an die TU Berlin und dann ließ ihn seine Leidenschaft für den Radsport nicht mehr los. Zwei Platzierungen im Mai 2017 und zwei weitere Rennen in 2018 waren noch nicht das Gelbe vom Ei, aber in 2019 waren es dann schon nach einem guten Wintertraining acht Platzierungen, die zu Buche schlugen. „Meine Motivation stieg weiter und der Ehrgeiz packte mich, unterstrichen auch durch den Aufstieg in die Klasse der Elite-Amateure. Ich wollte mehr und so habe ich mich nach einer Renngemeinschaft umgesehen, wo ich im letzten Jahr bei dem neu gegründeten Team Best Place Racing landete“, erzählte uns der sympathische Neu-Berliner, dem die Pandemie einen dicken Strich durch die Rechnung machte. Eine Fahrt nach Hamburg zu seiner Freundin war eine extreme Distanz, die er sonst nicht zurücklegt und die auch nicht zielführend in einer normalen Straßensaison sein kann. 

Ein wenig Rennfieber erlebte er bei seiner Teilnahme an der Rennserie der Bundesliga auf Zwift, die aber nach eigener Aussage nicht zu seiner Lieblingsbeschäftigung zählt. Nach dem ersten Lockdown fuhr er die Erzgebirgstour und eine viertägige Rundfahrt in Dänemark, für ihn bis heute ein Highlight seiner Radsportkarriere. „Da ich noch nicht so lange Rennradsport betreibe, motiviert mich vor allem meine stetige Entwicklung, jeder Fortschritt im Training und vor allem besondere Rennen. In diesem Jahr möchte ich an meine Leistungen anknüpfen und vor allem die Freude am Radfahren behalten. Gerne würde ich Erfahrungen in der Bundesliga sammeln und mit meinem Team an Rundfahrten teilnehmen“, ist Moritz Thömen trotz Corona Pandemie optimistisch.   

Nach Platz 10 in der Gesamt-Mannschaftswertung der Rad-Bundesliga im Jahre 2019 und Platz 7 in der gekürzten Version des Vorjahres, strebt das BIKE Market Team auch in diesem Jahr einen Platz unter den Top 10 an, der bei allen Unwägbarkeiten als durchaus realistisch einzuschätzen ist.

Bericht: Bernd Mülle    

Fotos: Antje Vogelgesang

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