Liane Lippert auf dem Weg zur Weltspitze

Liane Lippert auf dem Weg zur Weltspitze

 
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BM 22 September 2020

Nach der langen Rennpause aufgrund der Corona Pandemie bedeutete das Eintagesrennen Strade Bianche am 01. August 2020 den Wiedereinstieg in die Woman World Tour. Es war das erst zweite Rennen dieser Serie von insgesamt bis Anfang November zu absolvierenden 13 Rennen. Für die junge Deutsche Liane Lippert vom Team Sunweb, die als Siegerin des Auftaktrennens Cadel Evans Great Ocean Road Race auch automatisch die Rennserie anführte, ging es in dem 136 km langen Rennen in Italien darum, möglichst die Führung zu verteidigen. Die Schwere des Rennens und die geballte Konkurrenz insbesondere der starken Niederländerinnen waren dabei zu überwindende Hindernisse. Nur 45 Fahrerinnen beendeten das Rennen, es war wie ein Ausscheidungsfahren, denn fast alle kamen allein ins Ziel.  Platz 16 für Liane Lippert konnte durchaus als Achtungserfolg eingestuft werden, rund 6:30 Minuten hinter der souveränen Siegerin Annemiek van Vleuten aus den Niederlanden vom Team Mitchelton-Scott. 

„In Australien hatte die Saison gut begonnen, ich war toll in Form und gewann mein erstes WorldTour-Rennen. Ich war stolz darauf, dass ich das Führungstrikot dieser Rennserie erobern konnte, ich war zu diesem Zeitpunkt die Nummer 1 der Welt und das war schon etwas Besonderes, auch wenn ich das Trikot im Austausch mit dem blauen Trikot der besten Nachwuchsfahrerin wieder abgeben musste“, ist Liane Lippert auch über ihren derzeit 4. Platz in der Saison-Einzelwertung mächtig stolz. 

Beim GP de Plouay und dem La Course by Le Tour de France, beide Rennen sah die Britin Elizabeth Deignan vom Team Trek-Segafredo Women vorn, belegte die 22-jährige Deutsche die Plätze 12 und 10 und unterstrich damit ihre weiterhin nach oben zeigende Leistungskurve. Es folgte trotz der weiterhin anhaltenden Corona Pandemie der Giro d’Italia Internazionale Femminile, eine über neun Etappen führende Rundfahrt, die mit einem Mannschaftszeitfahren in Grosseto über 16,8 km begann. Unter den 23 gestarteten Teams belegte Liane Lippert mit dem Team Sunweb einen guten 5. Platz mit nur 14 Sekunden Rückstand auf das siegende Team Trek-Segafredo mit so starken Fahrerinnen wie Elisa Longo Borghini, Ellen van Dijk und Elizabeth Deignan.

„Der Giro hatte für mich Höhen und Tiefen und nach dem Zeitfahren war die 2. Etappe sehr speziell, wo zwei tiefe Schotterpassagen gemeistert werden mussten. In der ersten Passage bin ich gestürzt und trug ein paar Abschürfungen davon, um dann bei einem ansteigenden Schotterabschnitt noch einen Plattfuß zu bekommen. Das Gesamtklassement hatte sich damit für mich schon entschieden, da ich ein neues Rad bekam und den Anschluß nicht wieder herstellen konnte und mehr als acht Minuten an Zeit verlor“, ließ sie ihre Enttäuschung darüber durchblicken. 

Danach konzentrierte sie sich auf ein neues Ziel, das mit Tageserfolgen erreicht werden sollte. Dafür waren die folgenden Etappen drei und vier prädestiniert, wo ihr am Ende die Schlussrampen entgegen kommen sollten. Die 138 km von Santa Fiora nach Assisi beendete sie als Vierte hinter der Siegerin Marianne Vos aus den Niederlanden vom Team CCC-Liv, aber unmittelbar vor der zu diesem Zeitpunkt in der Gesamtwertung führenden Annemiek van Vleuten. Tags darauf wurde Liane Lippert hinter der siegreichen Britin Elizabeth Banks von der Equipe Paule Ka hervorragende Sechste, aber in der Gesamtwertung lag sie nur auf Platz 20 direkt vor der deutschen Newcomerin Nadine Michaela Gill vom spanischen Team Bizkaia Durango. „Es hat mich stolz gemacht, dass ich mit den weltbesten Bergfahrerinnen mithalten konnte. Da habe ich noch einmal im Vergleich zu den letzten Jahren einen Sprung gemacht und daher gehe ich positiv gestimmt und mit großem Selbstbewusstsein aus dem Giro raus“, war die sympathische, in Friedrichshafen geborene Deutsche mehr als motiviert für die bevorstehenden Aufgaben. 

Mit jeweils Platz 8 auf der 7. Etappe über 107 km von Nola nach Maddaloni und der 8. Etappe über 91,5 km nach San Marco la Catola fuhr sie noch zwei weitere Top 10-Platzierungen ein und konnte dabei ihre gute Form im Hinblick auf die kommende Straßenweltmeisterschaft in Imola bestätigen. Die bis dahin führende Annemiek van Vleuten war zu dieser 8. Etappe nicht mehr gestartet, da sie am Vortag Sturzverletzungen erlitten hatte, die eine Weiterfahrt unmöglich machten. Ihren speziellen Traum vom Sieghattrick musste die bärenstarke Niederländerin leider begraben, aber mit Anna van der Breggen vom  Boels-Dolmans Cycling Team sprang eine Landsmännin für sie in die Bresche. Für Liane Lippert war der 13. Platz in der Gesamtwertung am Ende der Rundfahrt aller Ehren wert, wobei sie in der Nachwuchswertung sogar Platz drei belegte.

Wie geht es weiter mit Liane Lippert? Die WM steht vor der Tür, bei der sie ein gutes Ergebnis erzielen will. „Ich denke, dass wir ein gutes Team haben und auch mit mehreren Fahrerinnen ins Finale kommen können. Ich habe bewiesen, dass ich bei Anstiegen mit der Weltspitze mithalten kann und das Profil von Imola liegt mir, so dass ich mich schon darauf freue“, blickt sie optimistisch auf das kommende Wochenende. Ihr Vertrag beim Team Sunweb läuft noch bis 2022 und darauf freut sie sich sehr, zumal sie sich dort sehr wohlfühlt, die Chemie im Team stimmt und ihr auch die Struktur im Team gefällt. „Es gibt noch viel zu lernen für mich, insbesondere bei der Renntaktik und dem Hineinwachsen in die Leaderrolle besteht noch Verbesserungsbedarf, worauf ich mich sehr freue“, sprüht sie nur so von Ehrgeiz.

Sie hat noch viel vor in nächster Zeit und möchte diese Saison dabei erst einmal gesund und erfolgreich zu Ende bringen. Die Ardennenklassiker stehen demnächst auf ihrem Programm und da hofft sie beim Fleche Wallonne oder beim Amstel Gold Race auf gute Ergebnisse. „Ich freue mich auf das nächste Jahr, wo ich weitere Rennen gewinnen möchte. Ich habe noch viel vor und möchte mich einfach weiterentwickeln“, gesteht sie selbstbewusst und hat bei so großem Engagement für den Radsport keine Zeit für aufwendige Hobbys. Zu Hause am Bodensee bei ihrer Familie entspannt sie, schaltet ab und verbringt Zeit mit ihren Hunden. „Mit Freunden in die Stadt oder an den See zu gehen, ist eigentlich alles, was ich brauche in der Freizeit, zumal ich ja fast das ganze Jahr unterwegs bin“, hat sie uns auch einen Einblick in ihr Privatleben gegeben.

Wir  werden ihr Abschneiden bei der Straßenweltmeisterschaft mit Interesse verfolgen und wünschen ihr auf dem Weg in die Weltspitze alles erdenklich Gute.

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill (frontalvision.com)

Radsport-Fotos auf frontalvision.com

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
Straßenrennen
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