Im Weltmeistertrikot zum EM-Titel: Annemiek van Vleuten krönt starke Saison

Im Weltmeistertrikot zum EM-Titel: Annemiek van Vleuten krönt starke Saison

 
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BM 28 August 2020

Am dritten Veranstaltungstag der diesjährigen Europameisterschaften im französischen Plouay schlug einmal mehr die Stunde der Niederländerinnen und insbesondere der 37-jährigen Annemiek van Vleuten, die ihrer bisherigen, starken Saison mit ihrem ersten Europameistertitel im Straßenrennen die Krone aufsetzte. Seit 2016 wird dieser Titel vergeben und nach Anna van der Breggen (2016), Marianne Vos (2017) und Amy Pieters (2019) ist sie die vierte Niederländerin, die diesen Titel erkämpfte. Lediglich im Jahre 2018 durchbrach die Italienerin Marta Bastianelli diese Phalanx, als sie Marianne Vos und die Deutsche Lisa Brennauer auf die weiteren Podiumsplätze verwies.

Weltmeisterin wurde Annemiek van Vleuten im letzten Jahr im Straßenrennen und in den beiden Jahren davor jeweils im Einzelzeitfahren, feierte außerdem bislang insgesamt 73 Siege in diversen Eintagesrennen wie die Flandern-Rundfahrt, der Open de Suede Vargarda, dem GP de Plouay-Bretagne, Liege-Bastogne-Liege, Strade Bianche oder Omloop Het Nieuwsblad. Nicht zuletzt zählten auch Rundfahrtsiege zu ihren Erfolgen wie zum Beispiel die La Route De France, die Lotto Belisol Belgium Tour, die Boels Rental Ladies Tour und im vergangenen Jahr der Giro d’Italia Internazionale Femminile. Bemerkenswert ist auch ihre diesjährige Bilanz mit sechs Siegen in nur acht Rennen, dazu der zweite Platz bei den nationalen Meisterschaften im Straßenrennen hinter Anna van der Breggen.

Im spannenden Finale von Plouay distanzierte die aktuelle Weltmeisterin die Italienerin Elisa Longo Borghini im Zweiersprint, während die Polin Katarzyna Niewiadoma mit sechs Sekunden Rückstand die Bronzemedaille gewann. Das Rennen ging über 109 Kilometer und bei der relativen Kürze der Distanz ging es von Anfang an zur Sache. Starker Regen sorgte auch dafür, dass das Feld frühzeitig auseinanderriss und sich eine vierköpfige Spitzengruppe bildete, zu der später acht weitere Fahrerinnen aufschlossen, darunter als einzige Deutsche auch Lisa Brennauer. Aus dem verbliebenen Feld machten vor allem die favorisierten Niederländerinnen um Anna van der Breggen, Marianne Vos, der Titelverteidigerin Amy Pieters und Annemiek van Vleuten enormen Druck und so schlossen sie alsbald zur Spitze auf. Ein Sturz, in dem auch Lisa Brennauer verwickelt war, machte die Hoffnungen der Britin Elizabeth Deignan zunichte, die aufgeben musste.

Lisa Brennauer bot eine starke Leistung und fuhr nach dem Sturz wieder zur Spitze auf, aber da hatte Annemiek van Vleuten zur Attacke angesetzt, der nur noch Elisa Longo Borghini und Katarzyna Niewiadoma folgen konnten. Während die Dänin Cecilie Uttrup Ludwig vergeblich versuchte aufzuschließen, war es mit Chantal van den Broek-Blaak eine weitere Niederländerin, die zur Spitze auffuhr. Aber sie war dann zehn Kilometer vor dem Ziel die erste, die dem Tempo Tribut zollen musste und zurückfiel. Schließlich war nur die Italienerin in der Lage, der bärenstarken Annemiek van Vleuten zu folgen, die als strahlende Siegerin die Ziellinie überquerte. „Mein erster EM-Titel war schwer erkämpft, mein Dank gilt unserem Dreamteam, das hervorragend gearbeitet hat. Mal sehen, wie es jetzt weitergeht im Rennkalender, ich lasse es einfach auf mich zukommen“, gab die neue Europameisterin zu Protokoll.

Der sechste Platz von Lisa Brennauer ohne Unterstützung ihres Teams in der entscheidenden Rennphase ist aller Ehren wert. Ihr Sturz hat dabei sicher ein noch besseres Ergebnis verhindert, denn die Form stimmte, aber die Übermacht der Niederländerinnen und Italienerinnen war einfach zu groß. Von den deutschen Teilnehmerinnen kam lediglich noch Clara Koppenburg (48.) ins Ziel, während Mieke Kröger, Kathrin Hammes, Romy Kasper, Charlotte Becker, Lisa Klein und Trixi Worrack das Rennen aufgaben.

Zuvor hatten die Fahrer der Klasse U 23 schwere 136,5 Kilometer zu absolvieren, die mit einem spannenden Dreierspurt beendet wurden, den der Norweger Jonas Iversby Hvideberg vor dem Dänen Anthon Charmig und dem Tschechen Vojtech Repa gewann und sich als neuer Europameister feiern ließ. Die Norweger waren schon zu Beginn bestimmend, als Sindre Kulset mit dem Franzosen Nicolas Debeaumarche nach 30 Kilometern ausriss und beide erst nach 40 Kilometer an der Spitze vom Feld wieder gestellt wurden. Etwa 50 Kilometer vor dem Ziel bildete sich eine neue Dreierspitze mit dem Deutschen Jakob Geßner, während in einer größeren Verfolgergruppe auch sein Teamkamerad Hannes Wilksch dabei war. Das Tempo im Feld bestimmten nun die Italiener, so dass die inzwischen auf acht Fahrer angewachsene Ausreißergruppe schon in Sichtweite des Feldes lag. In dem Moment, als noch drei Kilometer zu fahren waren, kam die Attacke der drei Fahrer, die am Ende die Medaillen unter sich ausmachten. 

Bester Deutscher war Kim Heiduk auf Rang 12 im Spurt des vier Sekunden zurückliegenden Hauptfeldes, in dem auch Leon Heinschke (36.), Jakob Geßner (56.) und Johannes Adamietz (58.) einkamen. Alle sechs Fahrer erreichten das Ziel und so war Bundestrainer Ralf Grabsch mehr als zufrieden: „Sie haben mit offensiver Fahrweise das Rennen mitbestimmt und waren an vielen Aktionen beteiligt“, waren seine Worte nach dem Rennen.  

Bericht: Bernd Mülle     

Fotos: Arne Mill / frontalvision.com

 > Sämtliche Fotos sind verfügbar bei der Bildagentur frontalvision.com

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
Straßenrennen
Name des Radrennens
UEC-Bahn-Europameisterschaften
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