Start/Ziel-Sieg von Maximilian Schachmann bei Paris-Nizza

Start/Ziel-Sieg von Maximilian Schachmann bei Paris-Nizza

 
5.0 (1)
BM 16 März 2020

Der gebürtige Berliner Maximilian Schachmann hat in Frankreich seinen bislang wohl größten Erfolg als Radprofi mit dem Gesamtsieg bei Paris-Nizza errungen! Auch wenn 7 Teams der WorldTour ihre Teilnahme wegen des in der ganzen Welt grassierenden Coronavirus abgesagt hatten, viele Fahrer dann sogar vorzeitig das Rennen verlassen hatten und auch noch die letzte, vorgesehene Etappe über 113,5 km rund um Nizza nicht stattfand, so ist dieser Erfolg von Maximilian Schachmann dennoch äußerst beachtenswert, zumal es ein Start/Ziel-Sieg gegen immer noch sehr starke Konkurrenz war, der in dieser Form so keinesfalls zu erwarten war. Der Berliner vom Team BORA-hansgrohe hatte gleich die erste Etappe über 154 km im Spurt gegen die Belgier Dylan Teuns von Bahrain-McLaren und Tiesj Benoot vom Team Sunweb gewonnen und damit seinen ersten Sieg in dieser Saison errungen, nachdem er bereits bei der Volta ao Algarve mit einem zweiten Platz in der Gesamtwertung ein erstes Ausrufezeichen hinsichtlich seiner guten Frühform gesetzt hatte. 

Ursprünglich war sein Start bei Paris-Nizza gar nicht vorgesehen, sollte er doch in Italien bei Strade Bianche und Tirreno-Adriatico die Farben seines Teams vertreten. Aber das Coronavirus hatte Italien mit aller Wucht erfasst, so dass diese Rennen kurzfristig abgesagt wurden. Die Veranstalter von Paris-Nizza hatten auch darunter zu leiden (s.o. Absagen), aber sie reagierten prompt und absolut unbürokratisch, als sie kurzerhand zwei weitere Wildcards vergaben und beschlossen, die mit sieben Fahrern startenden Teams um einen Fahrer aufzustocken. Das war die Chance für Maximilian Schachmann als Nachrücker ins Team von BORA-hansgrohe zu gelangen und dann gleich mit einem Paukenschlag für Furore zu sorgen. 

So waren immerhin 136 Fahrer am Start, von denen am Ende aber nur 61 das Ziel der hammerharten Schlussetappe über 166,5 km von Nizza zur Bergankunft in Valdeblore La Colmiane erreichten. Doch dazu später mehr! Zunächst übernahm der amtierende deutsche Meister Maximilian Schachmann nach der Fahrt bei Wind und Regen auch die Führung in der Gesamtwertung, die er bis zum Schluss mit großartiger Unterstützung seines Teams, allen voran die Österreicher Felix Großschartner und Patrick Konrad, hartnäckig verteidigte. Die vielen Attacken u.a. eines Tiesj Benoot, des Franzosen Julian Alaphilippe von  Deceuninck-Quick Step oder des Kolumbianers Nairo Quintana vom Team Arkea Samsic waren für den Berliner nicht ungefährlich, aber sie konnten Maximilian Schachmann nicht aus der Führungsposition verdrängen. Nach Platz 8 und Platz 13 auf den folgenden beiden Etappen, betrug sein Vorsprung in der Gesamtwertung auf den Zweitplatzieren Giacomo Nizzolo aus Italien von NTT Pro Cycling nur 13 Sekunden, aber nach dem 15,1 km langen Einzelzeitfahren, das der Däne Sören Kragh Andersen vom Team Sunweb mit sechs Sekunden vor Maximilian Schachmann gewann, wuchs der Vorsprung auf 58 Sekunden vor dem Dänen an.

Das Team Sunweb präsentierte sich insgesamt in starker Verfassung und nach dem Sieg des Italieners Niccolo Bonifazio vom Team Total Direct Energie im Massenspurt auf der fünften Etappe war der offensichtlich stärkste Kontrahent des Berliners, Tiesj Benoot, an der Reihe, der im Alleingang mit 22 Sekunden Vorsprung das Ziel vor seinem Teamkameraden Michael Matthews aus Australien erreichte. Pech und Glück hielten sich auf dieser Etappe für Maximilian Schachmann die Waage, der kurz vor dem Ziel in einer scharfen Kurve stürzte, sich schnell wieder aufs Rad schwang und mit 40 Sekunden hinter dem Sieger klassiert wurde. Aber bei einem Sturz so kurz vor dem Ziel griff zum Glück die Drei-Kilometer-Regel, so dass der Deutsche Meister als Letzter der Gruppe um Michael Matthews und damit Zwölfter mit nur 22 Sekunden Rückstand registriert wurde. Für die letzte, schwere Etappe betrug sein Vorsprung auf Tiesj Benoot nun 36 Sekunden und es schien durchaus nicht sicher, ob er diesen Vorsprung noch bis ins Ziel verteidigen konnte.

Die letzte Etappe verlangte noch einmal volle Konzentration bei Maximilian Schachmann und seinem Team, denn die Konkurrenz versuchte alles, um den Berliner noch aus dem Führungstrikot zu fahren. Es war kein geringerer als Julian Alaphilippe, der sein Heil in der Flucht suchte und zwischenzeitlich sogar virtueller Spitzenreiter war. Er fuhr in einer Ausreißergruppe von ursprünglich 17 Fahrern ohne Maximilian Schachmann und Felix Großschartner, von denen sechs übrig blieben, die die erste Bergwertung mit drei Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld erreichten. Damit sah der Franzose, mit nur 2:04 Minuten in der Gesamtwertung zurückliegend, wie der Sieger aus und bei der bekannten Stärke dieses Ausnahmeathleten musste man um den Berliner bangen. Ebenfalls in der Gruppe um Julian Alaphilippe fuhr der Belgier Thomas de Gendt von Lotto Soudal, der sich absetzte und allein das Ziel ansteuerte, während der Franzose etwas überraschend zurückfiel. 

Aber das war längst noch nicht die Entscheidung und diverse Attacken führten schließlich zum entscheidenden Ausreißversuch von Nairo Quintana, der diese Etappe unbedingt gewinnen wollte und mit 46 Sekunden Vorsprung im Alleingang die Ziellinie überquerte. Gefährlich wurde es dann noch einmal für Maximilian Schachmann, der zum Schluss allein auf sich gestellt war und Tiesj Benoot kurz vor dem Gipfel ziehen lassen musste. Es waren aber nur 12 Sekunden, die der Berliner als Sechster gegenüber dem Belgier preisgab und somit völlig erschöpft das Ziel als großer Sieger dieser Fernfahrt erreichte. Mit letztlich 18 Sekunden verwies er Tiesj Benoot auf Platz zwei, während der junge Kolumbianer Sergio Higuita von EF Pro Cycling als Dritter am Ende 59 Sekunden zurücklag. Rundfahrtgrößen wie der Italiener Vincenzo Nibali von Trek-Segafredo, der Franzose Thibaut Pinot von Groupama-FDJ und Nairo Quintana hatten auf den Plätzen 4-6 das Nachsehen. „Es war ein harter Tag für mich, aber es ist ein tolles Gefühl hier gewonnen zu haben. Dank an Patrick Konrad, Felix Großschartner und Michael Schwarzmann, die heute einen brillanten Job gemacht und das Feld kontrolliert haben. Die Schmerzen in meinen Beinen, besonders auf den letzten drei Kilometern sind es wert“, waren die ersten Worte eines überglücklichen Maximilian Schachmann.

Nach Rolf Wolfshohl (1968), Andreas Klöden (2000), Jörg Jaksche (2004) und Tony Martin (2011) war es erst der fünfte deutsche Sieg in dieser Rundfahrt, die zum 78. Mal zur Austragung kam. Mit diesem Sieg hat sich Maximilian Schachmann mit 482 Punkten auf Platz 1 der Saison-Weltrangliste katapultiert vor Nairo Quintana mit 475 Punkten, dem Slowenen Tadej Pogacar vom UAE-Team Emirates mit 416 Punkten und dem Supertalent aus Belgien, Remco Evenepoel von Deceuninck-Quick Step mit 406 Punkten, der in diesem Jahr bereits die Vuelta a San Juan und die Volta ao Algarve für sich entschieden hatte. Aufgrund der weltweit unsicheren Situation im Zusammenhang mit dem Coronavirus wird diese Rangliste wahrscheinlich länger als vorgesehen Bestand haben, da jetzt der Rennbetrieb auf unbestimmte Zeit ruhen wird. Seien wir optimistisch, passen wir gut auf uns auf, dann wird auch diese einschneidende Krise hoffentlich gemeinsam überstanden sein.

Bericht: Bernd Mülle    

Fotos: Mario Stiehl

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
  • Rundfahrt
  • Straßenrennen
Artikel weiterempfehlen / teilen:

Benutzer-Bewertungen

1 Bewertung
Bewertung / Kommentar für den Artikel
 
5.0(1)
Hast du schon ein Konto?
Ratings
Bewertung / Kommentar für den Artikel
Datenschutz
Durch das Anhaken der folgenden Checkbox und des Buttons "Absenden" erlaube ich turus.net die Speicherung meiner oben eingegeben Daten:
Um eine Übersicht über die Kommentare / Bewertungen zu erhalten und Missbrauch zu vermeiden wird auf turus.net der Inhalt der Felder "Name", "Titel" "Kommentartext" (alles keine Pflichtfelder / also nur wenn angegeben), die Bewertung sowie Deine IP-Adresse und Zeitstempel Deines Kommentars gespeichert. Du kannst die Speicherung Deines Kommentars jederzeit widerrufen. Schreibe uns einfach eine E-Mail: "kommentar / at / turus.net". Mehr Informationen welche personenbezogenen Daten gespeichert werden, findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ich stimme der Speicherung meiner personenbezogenen Daten zu:
Kommentare
Bewertung / Kommentar für den Artikel
 
5.0
G
War diese Bewertung hilfreich für dich? 1 0