Der dänische Vierer sorgte für den Höhepunkt am 2. Tag der Bahn-WM

Der dänische Vierer sorgte für den Höhepunkt am 2. Tag der Bahn-WM

 
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BM 28 Februar 2020

Am zweiten Tag der Bahn-Weltmeisterschaften standen zunächst die Kurzzeitathleten im Mittelpunkt mit dem Sprint der Frauen und dem Keirin der Männer. In der Abendveranstaltung folgten dann die Entscheidungen im Scratchrennen und Keirin der Männer sowie die Finalläufe der Frauen und Männer in der Mannschaftsverfolgung, wo die deutsche Mannschaft nur noch bei den Frauen mit der Chance auf Bronze vertreten war. Nach dem grandiosen Erfolg der deutschen Teamsprinterinnen am Vortag war man gespannt, wie sich Emma Hinze und Lea Sophie Friedrich nun in der Sprintqualifikation über 200 m mit fliegendem Start gegen die Weltelite um Wai Sze Lee aus Hongkong schlagen würden.

Fünf Läufe standen beim Keirin in der ersten Runde auf dem Programm mit den beiden deutschen Teilnehmern Stefan Bötticher und Maximilian Levy, die jeweils in ihren Läufen den dritten Platz belegten und damit in die Hoffnungsläufe mussten. Die Sieger hießen Harrie Lavreysen und Jeffrey Hoogland aus den Niederlanden, die Franzosen Rayan Helal und Sébastien Vigier sowie Yuta Wakimoto aus Japan, die sich ebenso wie die Zweitplatzierten direkt für das Viertelfinale qualifizieren konnten. Über insgesamt vier Hoffnungsläufe konnten noch die jeweils beiden Ersten in das Viertelfinale gelangen und das schaffte dann Stefan Bötticher, der im ersten Lauf aus vorderster Position mit langem Spurt nicht mehr zu verdrängen war, während den zweiten Lauf Tomoyuki Kawabata aus Japan gewann und Maximilian Levy als Fünfter und Letzter leider aus dem Wettbewerb ausschied. 

Die restlichen beiden Läufe wurden eine Beute des Japaners Yudai Nitta und des Briten Jason Kenny, während auch der stark eingeschätzte Neuseeländer Edward Dawkins als Dritter seines Laufes sich ebenfalls nicht für das Viertelfinale qualifizieren konnte. „Es ist halt Keirin, da ist immer alles möglich. Knapp geschlagen in der ersten Runde, wo nur wenige Zentimeter für Platz 2 fehlten und schon wäre die Ausgangsposition eine ganz andere gewesen. Es lief unglücklich für mich, aber die Gegner wie der Japaner Tomoyuki Kawabata oder der Russe Shane Alan Perkins sind auch nicht gerade schwach“, war Maximilian Levy schon etwas enttäuscht.

Für Stefan Bötticher ging der Wettbewerb mit den drei Läufen im Viertelfinale weiter und als Vierter seines Laufes, den der Japaner Yudai Nitta gewann, schaffte er gerade noch den Einzug ins Semifinale. Nachdem der Japaner Yuta Wakimoto mit einem Supersprint sich im ersten Semifinale klar durchsetzte und den Kasachen Sergey Ponomaryov sowie den Niederländer Harrie Lavreysen auf  die Plätze verwies, schaffte auch Stefan Bötticher als Zweiter im zweiten Lauf hinter Mohd Azizulhasni Awang aus Malaysia aber noch vor dem Briten Jack Carlin den Sprung ins große Finale. Hier war Stefan Bötticher gegen geballte Konkurrenz als guter Fünfter machtlos gegen den neuen Weltmeister Harrie Lavreysen, der Yuta Wakimoto und Mohd Azizulhasni Awang auf die weiteren Medaillenplätze verwies.

Die Sprintqualifikation der Frauen endete mit einem nicht unbedingt so in dieser Form erwarteten Ergebnis. Auf der Erfolgswelle des Vortages schwammen Emma Hinze und Lea Sophie Friedrich, die mit 10,364 Sekunden bzw. 10,461 Sekunden die beiden ersten Plätze unter 33 Starterinnen belegten und ebenso wie die Niederländerin Shanne Braspennincx und Wai Sze Lee als Dritt- und Viertplatzierte direkt ins Achtelfinale einzogen, während im 1/16 Finale zwölf Zweierläufe für den Einzug in die nächste Runde notwendig waren, die nur die jeweiligen Siegerinnen erreichten.

Hier standen dann acht Läufe auf dem Programm und Emma Hinze siegte gleich zu Beginn souverän von vorn gegen Olena Starikova aus der Ukraine und unterstrich einmal mehr ihre hervorragende Form und Übersicht. Pech hatte zunächst Lea Sophie Friedrich, die im Lauf gegen die Japanerin Yuka Kobayashi stürzte, so dass der Lauf wiederholt werden musste. Diesen gewann sie dann souverän, als sie mit plötzlichem Antritt die Japanerin überraschte und nicht mehr einzuholen war. Als weitere Teilnehmer für das Viertelfinale qualifizierten sich die Russin Anastasiia Voinova, die Titelverteidigerin Wai Sze Lee, Luz Daniela Gaxiola aus Mexiko mit dem Sieg über Stephanie Morton aus Australien, Simona Krupeckaite aus Litauen, die Kanadierin Kelsey Mitchell und die Niederländerin Laurine van Riessen, die etwas überraschend gegen die Französin Mathilde Gros siegte.

Im Viertelfinale ging es dann Schlag auf Schlag und während Emma Hinze in zwei Läufen gegen Laurine van Riessen gewann, unterlag Lea Sophie Friedrich ebenfalls in zwei Läufen gegen Kelsey Mitchell. Das Halbfinale, das am morgigen Freitag zur Austragung kommt, erreichten auch Wai Sze Lee gegen Luz Daniela Gaxiola und Anastasiia Voinova, die Simona Krupeckaite in die Schranken wies. Dort treffen dann Emma Hinze und Wai Sze Lee aufeinander, während Anastasiia Voinova sich mit der starken Kelsey Mitchell auseinandersetzen muss. 

Mit einem Paukenschlag begann die Abendveranstaltung, als der deutsche Vierer der Frauen mit Franziska Brauße, Lisa Brennauer, Lisa Klein und Gudrun Stock gegen Italien siegte und dabei mit sensationellen 4:11,039 Minuten einen neuen deutschen Rekord aufstellte. Eine gute Ausgangsbasis für den Lauf um Bronze war diese Leistung allemal, die ihre gestrige, etwas unglückliche Vorstellung ins rechte Licht rückte. Nach dem Sieg der Australierinnen gegen Irland waren die Britinnen gegen Kanada siegreich, doch die Zeit des deutschen Vierers erreichten sie mit 4:12,389 Minuten nicht. Im Duell der US-Amerikanerinnen gegen Neuseeland schafften die Amerikanerinnen zwar den Sieg, der sie ins Finale um Gold gegen die Britinnen brachte, aber die Zeit der Deutschen erreichten auch sie mit 4:11,634 Minuten nicht. Hätten die Deutschen nicht gestern diese Zeit fahren können? 

Einfach nur schade, dass sie nun „nur“ um Bronze gegen Kanada fahren konnten. Da holten sie dann noch einmal alles aus sich heraus, lagen lange Zeit im Hintertreffen, bis die Kanadier ihrem hohen Tempo Tribut zollen mussten und völlig auseinanderfielen. Bronze mit einer Zeit von 4:12,964 Minuten konnte sich sehen lassen und unterstrich noch einmal die tolle Entwicklung, die dieser Vierer genommen hat. Das große Finale um Gold gewannen die US-Amerikanerinnen Jennifer Valente, Chloe Dygert, Emma White und Lily Williams mit 4:11,235 Minuten im Duell mit den Britinnen Elinor Barker, Katie Archibald, Eleanor Dickinson und Neah Evans, die 4:13,129 Minuten benötigten. „Der dritte Platz unserer Frauen ist ein großer Erfolg, auch wenn vielleicht noch mehr drin war. So aber gibt es kein Ausruhen im Hinblick auf Olympia und das ist vielleicht gar nicht so schlecht“, äußerte sich Erik Weispfennig als Vizepräsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). 

Der Verlauf des Scratchrennens der Männer über 15 km war ein anderer als der des gestrigen Rennens der Frauen. Hier war Bewegung drin, es gab Vorstöße und Überrundungen und am Ende waren sechs Fahrer in einer Runde, von denen der Weißrusse Yauheni Karaliok die Goldmedaille vor dem Italiener Simone Consonni und dem Spanier Sebastian Mora gewann. Mit Rundenrückstand platzierte sich der deutsche Teilnehmer Maximilian Beyer als Siebter unter 24 Startern und verpasste dabei durch zögerliches Verhalten eine mögliche Medaille. Dennoch war es für den Berliner ein gutes Ergebnis, der damit seinen Startplatz allemal rechtfertigte.

Höhepunkt des Abends aber war ohne Frage der Finallauf um Gold in der Mannschaftsverfolgung der Männer, wo die überragenden Dänen Lasse Norman Hansen, Julius Johansen, Frederik Rodenberg Madsen und Rasmus Pedersen gegen Neuseeland in der Besetzung Campbell Stewart, Corbin Strong, Aaron Gate und Jordan Kerby ein weiteres Mal ihre erst gestern aufgestellten Weltrekorde verbesserten. Die Uhren blieben bei nahezu unglaublichen 3:44,672 Minuten stehen und das, obwohl sie die letzten sechs Runden nur zu Dritt unterwegs waren. „Ein weiterer Weltrekord wird von uns angestrebt und mal sehen, ob es klappt“, äußerte sich Lasse Norman Hansen schon vor dem Rennen. Er könnte zum Superstar dieser WM werden, denn auch im Omnium und im Madison an der Seite von Michael Mörköv zählt er zu den Favoriten. Wie er uns zu verstehen gab, würde auf dieser schnellen Bahn auch ein Start beim Six Day Berlin durchaus für ihn einmal eine Option sein. Im Lauf um Bronze siegten etwas überraschend die Italiener Simone Consonni, Filippo Ganna, Francesco Lamon und Jonathan Milan, die den vor der WM mitfavorisierten Australiern das Nachsehen gaben. 

Es war auch am zweiten Tag eine hervorragende Stimmung in der Halle und die Ränge waren durchaus gut gefüllt für diesen Wochentag. Dazu beigetragen haben vor allem die ausgezeichneten Leistungen der Athleten mit bislang fast sensationellen fünf (!) Weltrekorden. Der BDR kann mit bisher einer Gold- und einer Bronzemedaille sehr zufrieden sein und optimistisch auf Olympia schauen.

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill / frontalvision.com

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
Bahnradsport
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