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109. Six Day Berlin: Start lässt zuschauermäßig noch viel Luft nach oben

 
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BM 24 Januar 2020

Die Räder rollen wieder im Velodrom und der erste Tag sollte eigentlich Appetit auf die weiteren Nächte an der Landsberger Allee machen. Wenn auch durch viele widrige Umstände das Teilnehmerfeld der Profis in diesem Jahr etwas gewöhnungsbedürftig erscheint und man in Berlin schon weitaus attraktivere Fahrerfelder begrüßen konnte, so hat dieser Umstand vielleicht auch etwas Positives. Bei nur zwei echten Spitzenpaaren mit dem Berliner Theo Reinhardt an der Seite des Franzosen Morgan Kneisky sowie dem Team Wim Stroetinga/Moreno de Pauw aus den Niederlanden und Belgien, verspricht der Kampf um die weiteren Plätze durchaus Spannung und kann somit für ein ausgeglicheneres Rennen sorgen. Rein sportlich gesehen gab es am ersten Abend wenig auszusetzen, schon in der ersten Jagd wurde nach knapp zwei Minuten der erste Ausreißversuch durch die zwei Tschechen Denis Rugovac/Ludek Lichnovsky unternommen und damit begann ein buntes Treiben auf der Bahn, bei dem am Ende der Sieg von Wim Stroetinga/Moreno de Pauw stand.

Bevor der Ex-Profi Marcel Kittel den Startschuss für die diesjährigen Six Day abgefeuert hatte, gab es wie immer in Berlin ein reichhaltiges Vorprogramm des Nachwuchses, für den Punkterennen und Madison auf dem Programm standen. Die Akteure sorgten gleich einmal für spannenden Sport mit den Tagessiegern Luca Kasnya/Nicolas Zippan bei der Jugend und den starken Laurin Drescher und Tim Torn Teutenberg in der Klasse U 23. Mit Fahrern aus Dänemark, Tschechien, Österreich, den Niederlanden, Polen, Frankreich, Schweiz und Italien hatte die deutsche Spitzenklasse starke Konkurrenz, aber sie konnten diese in beiden Wettbewerben in Schach halten und jeweils den Sieg davontragen.

Beachtenswert dabei auch die guten Leistungen der Berliner Akteure, die mit Felix Fleischmann/Paul Quabs vom Marzahner RC 94 bei der Jugend einen sehr guten dritten Platz unter 16 Teams herausfuhren, während Milan Henkelmann vom Berliner TSC und Elias Richter vom Marzahner RC 94 im Rennen der Klasse U 23 auf dem vierten Platz landeten und zwischenzeitlich sogar in Führung lagen. In beiden Wettbewerben wird es in den kommenden Tagen noch harte Positionskämpfe geben, in die noch diverse Teams eingreifen können. 

Die in Berlin äußerst beliebten Sprinter traten ebenso in Aktion wie ein stark besetztes Fahrerfeld der Frauen, die ein Omnium zu absolvieren hatten. Bei den Sprintern gewann Maximilian Levy das Rundenrekordfahren und den Sprint jeweils vor dem Tschechen Tomas Babek, während im Keirin der erstmals startende Mann aus Taiwan, Nien Hsing Hsieh, den Tschechen mit einem langen Spurt  bezwang. Unter sieben Sprintern nimmt der sympathische Taiwanese nach dem ersten Tag den vierten Rang ein, während Maximilian Levy vor Tomás Babek in Führung liegt.

Bei den Frauen startete ein Feld mit Fahrerinnen aus neun Nationen und diese Besetzung konnte sich wahrlich sehen lassen. Im vierteiligen Omnium gewann zunächst Emily Nelson aus Großbritannien das über 7,5 km ausgetragene Scratchrennen, während anschließend ihre favorisierte Landsmännin Katie Archibald das Temporennen über die gleiche Distanz dominierte und dann auch im Ausscheidungsfahren die Nase vorn hatte. Vor dem abschließenden Punkterennen über 20 km lagen die beiden Britinnen in Front, wobei Emily Nelson mit 114 Punkten vier Punkte mehr als Katie Archibald auf dem Konto hatte. 

Am Ende aber fuhren die Niederländerin Amy Pieters und die Deutsche Lisa Klein ein bravouröses Punkterennen mit Rundengewinnen und schafften es tatsächlich in dieser Reihenfolge mit insgesamt 135 gegenüber 130 Punkten, die führenden Britinnen von der Spitze zu verdrängen. Mit 128 Punkten blieb für die verzweifelt kämpfende Katie Archibald nur Platz drei, während Emily Nelson noch hinter ihrer Landsmännin Elinor Barker Platz fünf belegte. Für Berlins junges Talent Paula Leonhardt war dieser Wettbewerb noch eine Nummer zu groß, aber lernen kann sie in diesem Klassefeld durchaus einiges, das ihr in Zukunft noch zu Gute kommen wird. 

Die Profis fuhren neben zwei kurzen Jagden über jeweils 20 Minuten noch zwei Dernyrennen, ein Punkterennen und ein Mannschaftsausscheidungsfahren, das von den Favoriten Morgan Kneisky/Theo Reinhardt gewonnen wurde, die auch die zweite Jagd für sich entschieden. Die Dernyläufe wurden eine Beute des jungen Dänen Oliver Wulff Frederiksen und des Routiniers Henning Bommel, während im Punkterennen mit Arne Birkemose ein weiterer junger Däne siegreich war.

Hinter den nach der ersten Nacht führenden vier Topteams Wim Stroetinga/Moreno de Pauw, Morgan Kneisky/Theo Reinhardt, Marc Hester/Oliver Wulff Frederiksen und Andreas Graf/Andreas Müller aus Österreich folgen mit nur einer Runde Rückstand auf Platz fünf Denis Rugovac/Ludek Lichnovsky, die ebenso wie die Nobodys Imerio Cima/Vladislav Kulikov aus Italien und Russland auf Rang sieben und die direkt nach ihnen platzierten Dänen Arne Birkemose/Anders Fynbo – im Vorjahr Sieger des U 23 Rennens – mit beherzter Fahrweise imponieren und überraschen konnten.

Es herrschte auf den Zuschauerrängen gute Stimmung, auch wenn die vom Veranstalter angegebene Zahl von 5.100 Besucher etwas enttäuschen musste und noch viel Luft nach oben läßt. Einige Dinge waren durchaus gewöhnungsbedürftig: die Jury mit den Moderatoren nicht mehr an der Bande der Bahn sondern hoch oben im Rang, wo auch der neue DJ Marcel „Baller“ Barth untergetaucht war, den man gern im Innenraum zu Gesicht bekommen hätte. Seine Musik war jedenfalls klasse und machte Lust auf mehr. Das große Indoor Feuerwerk machte Eindruck, auch wenn es für Umweltschützer vielleicht nicht unbedingt als Highlight zu betrachten ist, aber faszinierend war es allemal.

Wir hoffen mit dem Veranstalter, dass die kommenden Nächte seine Erwartungen erfüllen und vor allem auf den Zuschauerrängen weniger Lücken zu finden sind. Vom Sportlichen her war es auf jeden Fall ein Auftakt, der appetitanregend auf die nächsten Tage sein sollte.

Bericht: Bernd Mülle

Foto: Arne Mill / frontalvision.com

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Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
Six Days
Name des Radrennens
Berliner Sechstagerennen
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