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Six Day Berlin kollidiert mit Weltcup: Leidtragende sind Berliner Lokalmatadoren

 
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BM 21 Januar 2020

Im Vorfeld der 109. Six Day Berlin hatten die Veranstalter mit einigen Problemen bei der Besetzung des Fahrerfeldes zu kämpfen, die nicht immer für Außenstehende nachvollziehbar sind. Selbst so mancher Journalist kam ins Stutzen, als er hörte, dass in Berlin als Spitzenpaar Theo Reinhardt und Maximilian Beyer vorgesehen sind und der junge Moritz Malcharek als dritter Berliner Lokalmatador mit Sebastian Schmiedel ein Paar bilden sollte. Grund hierfür war der Blick auf die Starterliste des Bahnradsport-Weltcups in Milton/Kanada, der zum gleichen Zeitpunkt zur Austragung kommt und dort sowohl Maximilian Beyer als Starter im Omnium aufgeführt war als auch Moritz Malcharek als Ersatzmann für diese Disziplin.

Es war ein Hin und ein Her, keiner wusste, wer denn nun eigentlich wo starten sollte, zumal Maximilian Beyer schon einen Vertrag für die Six Day Berlin unterzeichnet hatte. Der zuletzt so stark fahrende Maximilian Beyer freute sich auf sein Heimatrennen an der Seite von Theo Reinhardt und musste nun auf Weisung des Bund Deutscher Radfahrer (BDR) nach Kanada reisen, um die noch fehlenden Punkte für die Olympiateilnahme im Omnium einzufahren bzw. den Startplatz, den dann mit großer Wahrscheinlichkeit Roger Kluge einnehmen wird, abzusichern. Dadurch, dass die Startplätze nur für die jeweilige Nation vergeben werden, sind solche „Manöver“ überhaupt möglich. Hier können wir eigentlich nur hoffen, dass durch die künftige Neugestaltung des Weltcups als UCI Track Cycling Nations Cup, der zwischen den Monaten April bis September ausgetragen werden soll, davon demnächst die Sechstagerennen ein wenig profitieren und die Veranstalter den einen oder anderen Star mehr unter Vertrag nehmen können. 

Neben Maximilian Beyer sind so auch gute, erfahrene Madisonfahrer wie der Niederländer Yoeri Havik, die Schweizer Tristan Marguet und Nico Selenati, die starken Polen Daniel Staniszewski und Wojciech Pszczolarski, die Briten Ethan Hayter und Oliver Wood oder auch die Spanier Albert Torres/Sebastian Mora leider nicht in Berlin dabei, da sie alle beim Weltcup antreten müssen. So waren natürlich die Veranstalter in Berlin gezwungen, das Beste aus den verbleibenden Möglichkeiten zu machen, wobei sie zu allem Unglück noch etliche, kurzfristige Absagen kompensieren mussten. Der mitfavorisierte Franzose Bryan Coquard fiel mit einem Bruch des Schulterblattes aus, ebenso sagten der Niederländer Melvin van Zijl und der Tscheche Petr Kelemen ab, so dass ein neues britisches Team mit Stephen Bradbury und Christopher Latham verpflichtet wurde, dazu ersetzte der Tscheche Denis Rugovac seinen Landsmann und für Maximilian Beyer kommt nun Richard Banusch aus Forst vom LKT Team Brandenburg zu seinem ersten Sechstageeinsatz.

Es war in den letzten Tagen die Rede davon, dass nun Moritz Malcharek an der Seite von Theo Reinhardt als Lokalmatadoren antreten werden, aber bei der heutigen Pressekonferenz ließen die Veranstalter die berühmte Katze aus dem Sack. Theo Reinhardt wird wie zuletzt in Bremen mit dem Franzosen Morgan Kneisky als Favoritenteam ins Rennen gehen, denen als stärkste Widersacher der Niederländer Wim Stroetinga und der Belgier Moreno de Pauw gegenüberstehen. Damit traf es vor allem Moritz Malcharek hart, der nur allzu gern mit Theo Reinhardt in seiner Heimatstadt einen weiteren Schritt in die internationale Spitze gemacht hätte. Ebenso wie Maximilian Beyer zählt er nun zu den Leidtragenden, die in ihrem Heimatrennen – was eigentlich selbstverständlich sein sollte - nicht dabei sind bzw. sich in den Fokus fahren können.

Mit seinem neuen Partner Bryan Boussaer will Moritz Malcharek sein Bestes geben, aber für einen Spitzenplatz wird es wohl kaum reichen. „Die Vorfreude auf Berlin ist groß, zumal ich zum ersten Mal hier dabei bin. Mit meinem neuen Partner muss ich erst sehen, wie wir harmonieren und so ist eine gewisse Nervosität schon da“, gestand Moritz Malcharek bei der Pressekonferenz, insgeheim schon etwas enttäuscht, dass er nicht mit Theo Reinhardt fahren kann, den er während dessen Neutralisation in Bremen an der Seite von Morgan Kneisky so hervorragend vertreten hatte. 

Am Donnerstag fällt nun der Startschuss der Six Day Berlin, den der vom Radsport zurückgetretene Marcel Kittel gemeinsam mit dem Bundesminister des Auswärtigen Heiko Maas abgeben wird. Dann beginnt die Jagd auf die Favoriten, von denen sich Theo Reinhardt sehr optimistisch zeigte: „Wir zählen sicher zu den Favoriten und nach meinem überstandenen Infekt fühle ich mich auch fit für die kommende Aufgabe. Ich hätte mich schon gefreut, mit Moritz Malcharek zu fahren, aber die jeweiligen Partner werden nun einmal zugewiesen und so muss man sich damit arrangieren. Auf jeden Fall wird es bis zum Schluss eng werden“, äußerte sich Theo Reinhardt hoffnungsvoll. 

Nach den vielen Absagen und Umstellungen im Teilnehmerfeld zeigten sich die Verantwortlichen um den Six Day Chef Valts Miltovics und den Sportlichen Leiter Dieter Stein allen Widrigkeiten zum Trotz sehr optimistisch für die kommenden sechs Tage im Velodrom. Neben den Profis sind auch wieder die Frauen (Ausdauer und Sprinter), die Sprinter und Steher dabei und hinzu kommt wie in Berlin seit Jahren üblich ein breites Sportprogramm für den Nachwuchs. Von den Schülern der Klasse U 13 und U 15, über Jugend, Junioren bis zur Klasse U 23 wird ein reichhaltiges Programm geboten, das seinesgleichen sucht. So werden insgesamt rund 300 Sportler im Velodrom zugegen sein und wieder für hervorragenden Radsport sorgen, der hoffentlich überwiegend sturzfrei verläuft.

Nicht fehlen darf auch der in Berlin immer sehr beliebte Robert Förstemann, der allerdings nicht wie gewohnt im Sprinterwettbewerb zum Zuge kommt. Der nicht mehr zum BDR-Kader zählende Athlet hat sich bekanntlich ein neues Betätigungsfeld gesucht und startet jetzt im Paracycling, wo er gemeinsam mit dem sehbehinderten Kai Kruse ein Tandem bildet, das bei den nächsten Paralympics eine Medaille anstrebt. Beide werden am Freitag im Velodrom versuchen, den Deutschen Rekord über 1000 Meter zu verbessern, um dann anschließend zur Weltmeisterschaft der Paracycler nach Kanada zu reisen, die in der nächsten Woche stattfindet.

„Wir sind bereit für den Start, der von einem Indoor Feuerwerk begleitet werden wird“, gab Valts Miltovics zu verstehen, der sich vor allem über seine beiden Startschützen freute. 

Bericht: Bernd Mülle   

Fotos: Arne Mill

 

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Inhalt der Neuigkeit:
  • Ausblick
  • News
  • Vorstellung
Radrennen-Art:
Six Days
Name des Radrennens
Berliner Sechstagerennen
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