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Internationale kids-tour vor dem Aus?

 
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BM 06 September 2019
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Das größte radsportliche Event europaweit für die Nachwuchsklassen U 13 und U 15, das seit 1993 zur Austragung kommt, wird hoffentlich auch in Zukunft weiterhin fester Bestandteil des Berliner Radsportkalenders bleiben. Es ist immer wieder faszinierend, wenn die kids in die Pedalen treten und den großen Stars der Radsportszene nacheifern.  Wie wichtig dieses Rennen für die spätere Entwicklung hin zum Elitefahrer sein kann, haben etliche Profis bewiesen, die hier einmal ihre ersten Schritte als Radsportler unternommen haben. So werden mit Sicherheit von den diesjährigen Teilnehmern wieder einige dabei sein, die einmal in die Fußstapfen eines Pascal Ackermann, John Degenkolb oder Maximilian Schachmann treten werden.

Tolle Bilder von der kids-tour waren auch in diesem Jahr wieder zu sehen, als sich die jungen Athleten wie die Profis duellierten, sich spannende Rennen lieferten und es dabei leider auch zu einigen Stürzen kam. Besonders schlimm war es am zweiten Tag, als im Rennen der U 15 ein Massenspurt kurz vor dem Ziel zu einem bösen Crash führte, in dessen Folge mehrere Fahrer in ärztliche Behandlung mussten. Das hatte sogar zur Folge, dass das nachfolgende Rennen der weiblichen U 15 nicht mehr stattfand, da keine medizinische Versorgung für dieses Rennen gewährleistet war.

Dennoch ließen die jungen Athleten auch am dritten Tag der Veranstaltung erneut ihr großes Engagement aufblitzen, sehr wohl wissend, dass in diesem international gut besetzten Rennen ein gutes Ergebnis nicht unbeachtet bleibt. In den Klassen U 13, U 15 und U 15 weiblich waren insgesamt rund 250 Sportler am Start, die neben einem Einzel- und einem Mannschaftszeitfahren jeweils noch ein Straßen- und ein Rundstreckenrennen absolvieren mussten. Wie oben bereits erwähnt, musste das Straßenrennen der U 15 weiblich aufgrund des vorangegangenen Massensturzes leider ausfallen, was von den jungen Sportlerinnen natürlich bedauert wurde, zumal sie im deutschen Rennkalender nur selten eine derartige Möglichkeit haben, um sich zu beweisen.

Bei der U 13 dominierte das niederländische Dutch Cycling Team, das den Gesamtsieg durch Max de Lincel davontrug, der mit sechs Sekunden vor Zeno Levi Winter aus Sachsen und seinen Teamkameraden Thomas Huitema und Tyler Eyk gewann. Die Niederländer dominierten auch die  Sprintwertung durch Tyler Eyk und waren auch in der Mannschaftswertung nicht zu schlagen. Als bestes Mädchen in dieser Altersklasse wurde Magdalena Leis aus Rheinland-Pfalz ausgezeichnet, während bester Fahrer des jüngeren Jahrgangs der Lette Georgs Tjumins wurde. 

Im Fahrerfeld der U 15 gab es durch Jonas Reibsch vom Landesverband Brandenburg I den einzigen deutschen Erfolg, der den Gesamtsieg vor dem zeitgleichen Lui Bengelsdorf aus Mecklenburg-Vorpommern und dem Letten Arturs Nummurs herausfuhr, der wiederum überlegener Sieger der Sprintwertung wurde. Einen ausgezeichneten 6. Platz in der Gesamtwertung belegte Friedrich von Korff vom Landesverband Berlin-AOK, der insbesondere als Zweiter im Einzelzeitfahren glänzte. Auch seine Teamkameraden Hugo Rockstroh und Toni Holst konnten mit einem zweiten und einem vierten Platz im Straßenrennen überzeugen. Am Ende war auch der vierte Platz in der Mannschaftswertung, die vom Landesverband Brandenburg I gewonnen wurde, ein Erfolg für das Berliner Team, das sich hervorragend im internationalen Starterfeld präsentierte. Bester Fahrer des jüngeren Jahrgangs war der Brandenburger Paul Fietzke und auch hier überzeugte Toni Holst mit Platz 2.

Die Schülerinnen durften nur dreimal in die Pedalen treten und hier gewann die Niederländerin Zoe van Velzen das Einzelzeitfahren und mit ihrem Team der BENE Girls auch das Mannschaftszeitfahren vor den starken Mädchen des RSV Irschenberg u.a. mit Magdalena Fuchs und Laura Kastenhuber. Im abschließenden Rundstreckenrennen siegte von den BENE Girls die Belgierin Xaydee van Sinaey, die auch Gesamtsiegerin vor Zoe van Velzen und Magdalena Fuchs wurde. In der Sprintwertung hatte Messane Bräutigam aus Rheinland-Pfalz die Nase vorn, während die BENE Girls auch in der Gesamt- Mannschaftswertung vor dem RSV Irschenberg triumphierten.

Offen bleibt die Frage, ob die sowohl im In- wie auch im Ausland so beliebte kids-tour auch im nächsten Jahr noch stattfinden kann. Es war in diesem Jahr schon sehr schwer, das Rennen zur Durchführung zu bringen und allein dem Organisator Michael Lemke mit seinen vielen ehrenamtlichen Mitstreitern ist es zu verdanken, dass die Rundfahrt durchgeführt werden konnte. Außer den bereits üblichen Problemen mit der Streckenführung und der dazu notwendigen Absicherung, war in diesem Jahr vor allem die Gewinnung von Sponsoren ein kaum zu überwindendes Hindernis. Hier zeichnete sich besonders der Schatzmeister des Berliner Radsport Verband e.V. Hans-Günter Päske aus, der die Finanzierung der Tour sicherstellte und in diesem Bereich auf die notwendige Unterstützung des Präsidiums leider verzichten musste.

Apropos Präsidium: unmittelbar nach der Tour erklärten sowohl der Präsident Thomas Ehlebracht als auch der Vize-Präsident Robert Burkhardt ihren sofortigen Rücktritt, eine Maßnahme, die einen weiteren Scherbenhaufen hinterläßt und vor allem der Entwicklung des Radsport-Nachwuchses mehr als schadet. Es ist an der Zeit, besser gesagt, fast zu spät, dass der Verband auf schnellstem Wege eine Lösung für die Probleme in der Führungsetage findet, denn dass junge, erfolgreiche Athleten wie Paula Leonhardt, Maurice Ballerstedt, Calvin Dik oder Elias Richter trotz eines desolaten Zustands des Verbandes an nationalen und internationalen Events erfolgreich teilnehmen, beweist nur, dass allein die gute Vereinsarbeit hierfür verantwortlich sein kann. Es gilt in Zukunft vor allem die Kräfte zu bündeln, eigene Interessen zurückzustellen und gemeinsame Lösungen zu finden. Nur Positionen zu besetzen, um der Position Willen, das kann es nicht sein! 

Wenn hier nicht schnellstens erkannt wird, dass nur ein gemeinsamer Weg zum Erfolg führen kann, dann wird es keine Zukunft für den Verband geben. Eine Blutauffrischung durch vielleicht ehemalige aktive Radsportler könnte ein Weg sein, auch wenn berücksichtigt werden muss, dass gerade der Posten des Präsidenten bei den vielen, anstehenden Aufgaben ein Fulltimejob ist, der nicht einfach zu bewältigen ist. 

Es geht um den Radsport in Berlin und es kann einfach nicht sein, dass nach dem Wegfall der Tour de Berlin nun auch die kids-tour Gefahr läuft, nicht mehr veranstaltet zu werden. Allein daran sollten diejenigen in erster Linie denken, die jetzt im Verband eine führende Rolle übernehmen wollen. Geredet wurde viel, jetzt gilt es, etwas zu bewegen und dabei sollten auch übergeordnete Stellen wie Senat, Landessportbund oder der Bund Deutscher Radfahrer, die uns immer unterstützt haben, auch in Zukunft an der Seite des Verbands stehen. Gemeinsam zum Wohle des doch von uns allen geliebten Radsports in Berlin, der durch herausragende Leistungen des Nachwuchses gerade in diesem Jahr von sich reden gemacht hat.

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill (Archivbilder)

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Straßenrennen
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Internationale Kids Tour
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