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Elia Viviani zum Dritten! Hamburg ist für den Italiener ein gutes Pflaster

 
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BM 26 August 2019
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Es war eigentlich wie immer in der Hansestadt: das WorldTour-Rennen der Profis verlief nach dem bekannten Muster mit einer Ausreißergruppe zu Beginn, die das Rennen bestimmte, mit der Zusammenführung des Feldes kurz vor dem Finale auf der Mönckebergstraße und mit einem mehr als spannendem Schlussspurt der schnellsten Sprinter um den Sieg. Auch der Sieger war der gleiche wie in den letzten beiden Jahren: Elia Viviani, der sympathische Athlet mit den Allrounderfähigkeiten, die er auch immer wieder auf der Bahn aufblitzen lässt!

Nach erfolgter Einschreibung gingen pünktlich um 11.45 Uhr 140 Profis aus 29 Nationen, verteilt auf zwanzig Teams, auf die 216,7 km lange Strecke rund um Hamburg und am Start war wieder die internationale Sprinterelite mit bekannten Gesichtern, die hier in der Vergangenheit schon als Sieger gefeiert wurden. Einer von ihnen war mit Sicherheit besonders motiviert, denn er konnte mit einem erneuten Sieg in der Mönckebergstraße für etwas Außergewöhnliches sorgen: der Italiener Elia Viviani vom sieggewohnten Team Deceuninck-Quick Step hatte den sogenannten Hattrick vor Augen, nachdem er die letzten beiden Austragungen hatte gewinnen können.

Das hatte vor ihm noch keiner geschafft, lediglich der nicht mehr aktive US-Amerikaner Tyler Farrar (2009, 2010) konnte wie der Italiener bisher zweimal triumphieren, ansonsten gab es seit 1996 immer unterschiedliche Sieger. Die Cyclassics in Hamburg, mit HEW, Vattenfall oder EuroEyes als Namensgeber seit 1998 zum Weltcup im UCI-Kalender zählend, haben sich trotz relativ überschaubarer Topografie mit hervorragender Organisation in Verbindung mit dem größten Jedermann-Rennen in Deutschland behaupten können, insbesondere da man den Sprintern hier eine Plattform bietet, die in all den Jahren mit spektakulären Finals die vielen Zuschauer immer wieder begeistern.

Die Chance, das Rennen zum zweiten Mal zu gewinnen und damit mit Elia Viviani und Tyler Farrar gleichzuziehen, hatten der Franzose Arnaud Demare von Groupama-FDJ, der Norweger Alexander Kristoff vom UAE-Team Emirates, der Australier Caleb Ewan von Lotto Soudal und der deutsche Routinier André Greipel vom Team Arkea Samsic, während dem Italiener Giacomo Nizzolo vom Team Dimension Data nach drei dritten Plätzen in den Jahren 2012, 2015 und 2016 sowie einem zweiten Platz in 2014 nur noch das oberste Treppchen auf dem Podium fehlte. „Ich werde versuchen, erneut auf das Podium zu kommen, vielleicht klappt es dieses Mal sogar mit dem Sieg“, äußerte sich der Italiener bei der Einschreibung kurz vor dem Start des Rennens. 

Bei herrlichem Spätsommerwetter mit einer Temperatur von 30 Grad bildete sich wie schon angedeutet frühzeitig die obligatorische Spitzengruppe, die einen Vorsprung von mehr als zehn Minuten herausfuhr und aus den vier Fahrern Gijs van Hoecke aus Belgien vom CCC Team, dem Portugiesen Jose Goncalves vom Team Katusha Alpecin, dem Russen Igor Boev von Gazprom-RusVelo und dem Neuseeländer Alex Frame von Trek-Segafredo bestand. Sie hatten sich gleich zu Beginn absetzen können und auch die drei Sprintwertungen sowie die beiden ersten Bergwertungen am Waseberg unter sich ausgemacht. Als erster musste Alex Frame dem Tempo Tribut zollen, noch bevor die erste Zieldurchfahrt erreicht war und so schaffte er es letztlich nicht einmal, ins Ziel zu kommen.

Der Vorsprung reduzierte sich sukzessive und lag bei etwa 35 km vor dem Ziel bei nur noch knapp zwei Minuten und so war eigentlich alles wie immer und ein spannender Massenspurt rückte näher, obwohl der Waseberg mit seiner 700 m Steigung von durchschnittlich 9,7% noch zweimal - von insgesamt viermal - zu überwinden war. Nach der dritten Überquerung des Wasebergs betrug der Vorsprung der Spitzenreiter nur noch 20 Sekunden und so nahm der frühe Ausreißversuch langsam sein Ende, als zunächst Jose Goncalves als Erster vom Feld eingeholt wurde. Gleiches Schicksal traf dann auch die restlichen beiden Ausreißer, die vom Feld 22 km vor dem Ziel gestellt wurden. So konnte man bei der vierten Überquerung des Wasebergs 16 km vor der Zielankunft mit Attacken rechnen und der Australier Nathan Haas vom Team Katusha Alpecin wartete gar nicht so lange, sondern probierte einen Alleingang, der aber umgehend wieder im Keim erstickt wurde. 

Weitere Versuche am Waseberg blieben erfolglos und so blieb eine Vorentscheidung aus, lediglich der sieggewohnte Pascal Ackermann von BORA-hansgrohe hatte zu diesem Zeitpunkt keine Chancen mehr auf den Sieg, hatte abreißen lassen müssen, nachdem er schon zu einem früheren Zeitpunkt einen Defekt erlitten hatte. „Ich hoffe, dass es besser läuft als im letzten Jahr, die Form stimmt und wir werden auf Sieg fahren. Wir haben mehrere Optionen und werden unsere Karten je nach Bedarf ausspielen“, hatte Pascal Ackermann noch vor dem Start geäußert und dabei auch Peter Sagan ins Spiel gebracht, der letztlich einen guten 6. Platz belegte. Auch bei seinem dritten Start in Hamburg war Pascal Ackermann das Glück nicht hold und so fehlte er dann beim Schlussspurt des noch rund 30- köpfigen Spitzenfeldes, das den Sieg unter sich ausmachen sollte.

Einen starken Mitstreiter hatte Elia Viviani in dem dänischen Straßenmeister Michael Mörköv, der als Anfahrer den Italiener wie so oft in eine ideale Position brachte und so den Hattrick glänzend vorbereitete. Dem Finalspurt von Elia Viviani hatten so starke Sprinter wie Caleb Ewan und auch  Giacomo Nizzolo nichts entgegenzusetzen, der nun schon zum vierten Mal mit dem dritten Platz vorliebnehmen musste. Elia Viviani schaffte den anvisierten Hattrick mit seinem 10. Saisonsieg und konnte sich außerdem mit seinem Bruder Attilio von Cofidis, Solutions Credits freuen, der am heutigen Tage seinen ersten Profisieg beim Johan Museeuw Classic herausfuhr. Ein großer Tag für die Familie Viviani! Vor der Pressekonferenz erhielt Elia Viviani die Nachricht vom Sieg seines Bruders und war total happy, dass er ebenfalls im Massenspurt siegte. 

„Ich liebe Hamburg und bin mit meinen Leistungen nach der Tour de France mit den Siegen beim Prudential Ride London, dem Gewinn bei der Europameisterschaft im Straßenrennen und hier in Hamburg sehr zufrieden. Noch dazu war es der erste Sieg im Trikot des Europameisters, bei dem ich die gute Vorarbeit von Michael Mörköv nutzen konnte und wohl die besseren Beine als die übrigen Sprinter besaß“, bekannte der Italiener bei der abschließenden Pressekonferenz. Er will auch wieder auf der Bahn fahren und so wird er beim Sechstagerennen in London dabei sein und hoffentlich auch bei den Six Day Berlin, wo er im Hinblick auf die kurz danach im Velodrom stattfindende Weltmeisterschaft großes Interesse zeigte, zumal er dort neben dem Omnium auch im Madison starten will. 

Bester Deutscher war Routinier André Greipel, der den 11. Platz belegte und sich vor dem Start optimistisch geäußert hatte: „Die Form ist gut wie in all den Jahren zuvor und ich will um den Sieg mitfahren, hoffe dabei, dass mich mein Team in eine gute Position bringt“, hatte er am Ende eine Top Ten-Platzierung knapp verpasst. Letztmalig in Hamburg stand der zum Saisonende seine Karriere beendende Robert Wagner, Teamkamerad von André Greipel, am Start und war keinesfalls wehmütig. „Es ist alles gut, ich bin froh, dass jetzt Schluss ist“, war sein Statement kurz und knackig, wobei er leider dieses Mal das Ziel nicht erreichte. 

Für drei andere deutsche Fahrer geht es im nächsten Jahr bei einem anderen Team weiter, so werden Nico Denz und Jasha Sütterlin zum Team Sunweb wechseln, während Lennard Kämna vom Team Sunweb zu BORA-hansgrohe geht und dort den nächsten Schritt auf dem Weg nach oben anstrebt. „Ich möchte dort meine Leistungen bestätigen und mich ansonsten loyal verhalten und dem Team auch Helferdienste leisten“, gab der junge Lennard Kämna Auskunft über seine weiteren Pläne. 

Die Organisatoren konnten wieder einmal mit dem gesamten Ablauf der Veranstaltung, die neben dem Rennen der Profis auch drei Jedermann-Rennen, die über drei Tage laufenden Youngclassics und ein Battle powered by Rad Race umfasste, mehr als zufrieden sein. Zu der gelungenen Veranstaltung trug natürlich auch das hervorragende Wetter bei, das ja in den letzten Jahren nahezu ein ständiger Begleiter war.

Bericht: Bernd Mülle 

Fotos: Mario Stiehl 

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
Straßenrennen
Name des Radrennens
Hamburg Vattenfall Cyclassics
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