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Alle Neune für Tony Martin! Politt und Sütterlin haben bei Straßen-DM das Nachsehen

 
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BM 30 Juni 2019
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Der Mann erscheint immer auf die Minute topfit und heimst einen nach dem anderen Titel ein. Nun schon zum 9. Mal hat Tony Martin vom Team Jumbo-Visma den Deutschen Meistertitel im Einzelzeitfahren errungen, davon allein achtmal in Folge. Daran konnte ihn auch ein Defekt zehn Minuten nach dem Start nicht hindern, der ihn zum Radwechsel zwang und auch Temperaturen bis zu 30 Grad waren für ihn kein Hindernis. Zum Zeitpunkt des Defekts hatte er bereits einen recht komfortablen Vorsprung herausgefahren, von dem er letztlich zehren konnte. 

„Es war sehr schwer den Titel zu verteidigen, aber auch ein Zeichen, dass ich in guter Form und fit für die Tour de France bin. Ich musste hart kämpfen, war teilweise durch die Sonne geblendet, aber hinten raus konnte ich noch zulegen in Sichtweite des vor mir gestarteten Jasha Sütterlin“, äußerte sich Tony Martin nach dem Rennen, der hier in unmittelbarer Nähe seines Geburtsortes Cottbus triumphierte. In Deutschland war er einmal mehr der Dominator im Einzelzeitfahren, der zwar insbesondere in Nils Politt vom Team Katusha Alpecin und Jasha Sütterlin vom Movistar Team starke Gegner hatte, aber dennoch in einer Fahrzeit von 39:11,60 Minuten für die Distanz von 35 km und mit einem Stundenmittel von 53,58 km/h einmal mehr überzeugte. Nils Politt verlor nur 18 Sekunden auf Tony Martin, während Jasha Sütterlin genau eine Minute einbüßte. Leider waren Maximilian Schachmann von BORA-hansgrohe und Nikias Arndt vom Team Sunweb nicht dabei, die als Spezialisten im Einzelzeitfahren durchaus aufs Podium hätten fahren können.  

Der flache, nur leicht wellige Kurs entlang des Spremberger Tagebaus war förmlich auf Tony Martin zugeschnitten, der noch einmal seine hervorragenden Fähigkeiten als Rouleur umsetzen konnte. Erwähnenswert im Rennen der Elite war der so nicht erwartete 4. Platz von Max Walscheid vom Team Sunweb, der als eigentlicher Sprintertyp nur 1:09 Minuten auf den Sieger verlor. Auch die folgenden drei Fahrer sollten nicht unerwähnt bleiben, denn sowohl Justin Wolf vom Team Bike Aid, als auch der für den RV 1899 Hochheim fahrende 25-jährige Jason Osborne und Vorzeigeprofi Roger Kluge von Lotto Soudal boten überzeugende Vorstellungen. Jason Osborne ist eigentlich bekannter als Leichtgewichts-Ruderer, wo er seit einigen Jahren im Doppelzweier und Einer sogar schon internationale Titel erringen konnte. Der vielseitige, in Mönchengladbach geborene Athlet, tritt seit 2017 auch in die Pedalen, wo er schon im letzten Jahr bei den Deutschen Meisterschaften im Einzelzeitfahren einen guten 8. Platz belegte.

Vor Roger Kluge kann man eigentlich nur den Hut ziehen: Nahezu 50 Tage mit mehr als 7.000 km auf der Straße unterwegs, darunter der Giro d’Italia, wo er nach 12 schweren Etappen zur 13. nicht mehr antrat, jetzt die Meisterschaftstage und gleich anschließend der Start bei der Tour de France insbesondere als Helfer für den Australier Caleb Ewan, das ist schon ein Programm, das nicht jeder absolvieren kann. „Nach der Tour lege ich erstmal eine Pause ein, die Deutschen Bahnmeisterschaften sind daher kein Thema. Die Weltmeisterschaft im Madison im nächsten Jahr im Berliner Velodrom mit dem dritten WM-Titel in Folge wäre schon toll, aber der Fokus liegt ganz klar auf die Olympischen Spiele im nächsten Jahr in Tokio“, gab Roger Kluge Auskunft über seine kommenden Aufgaben. 

Überraschungssieger bei der U 23

Nicht ganz erwartet war der Ausgang des Einzelzeitfahrens der Klasse U 23, die ebenfalls 35 km zu bewältigen hatten. Dieses Rennen war ebenso wie das der Frauen eingebettet in die Rad-Bundesliga „Müller-Die Lila Logistik“ und so gab es jeweils unterschiedliche Sieger. Deutscher Meister wurde mit Miguel Heidemann vom Herrmann Radteam ein Fahrer, den man nicht unbedingt auf der Rechnung hatte, der aber letztlich souverän in 40:40,85 Minuten mit 58 Sekunden Vorsprung vor Florian Stork vom Team Sunweb und 1:01 Minuten vor Juri Hollmann von Heizomat Rad-Net siegte. Der 21-jährige Sieger, der erst seit 2013 aktiv Radsport betreibt und im Nachwuchsbereich kaum in Erscheinung trat, fährt für das Herrmann Radteam, wo er ebenso wie in der Nationalmannschaft beim Nationscup großes Vertrauen genießt. „Ich fühle mich wohl bei der Mannschaft, die mich gut unterstützt und hier in Spremberg kam aus dem Auto die entsprechende Anfeuerung, u.a. auch durch meinen Vater. Mein nächstes Ziel ist die Tour de l’Avenir“, gab der in Darmstadt studierende, sympathische neue Deutsche Meister zu verstehen. In der Bundesligawertung war er Zweiter hinter Justin Wolf, der nur sechs Sekunden schneller war, und so nimmt Miguel Heidemann nun in der Gesamt-Einzelwertung hinter John Mandrysch von P&S Metalltechnik und Jonas Rutsch vom Team Lotto-Kern Haus den dritten Rang ein.  

Lisa Klein entthront Lisa Brennauer

Auch das Finale bei den Frauen nahm einen etwas anderen Ausgang als ursprünglich erwartet, wenngleich Lisa Klein von Canyon SRAM Racing durchaus als exzellente Zeitfahrerin einzustufen ist. Die Titelverteidigerin Lisa Brennauer von WNT-Rotor Pro Cycling, zuletzt in hervorragender Form unterwegs, hatte sich angabegemäß gut gefühlt und war schon etwas enttäuscht über den dritten Platz. „Ich wollte den Titel verteidigen, bin auch stark gefahren und daher ein wenig enttäuscht, aber die heute Stärkste hat gewonnen“, zeigte sie sich als faire Verliererin. Insgesamt hatten die Frauen 30 km zu fahren und die Zeit von Lisa Klein mit 38:49,12 Minuten war um sieben bzw. 28 Sekunden schneller als die von Mieke Kröger vom Team Virtu Cycling und Lisa Brennauer. Bemerkenswert war auch der vierte Platz von Hannah Ludwig von Canyon SRAM Racing, die nur 45 Sekunden Rückstand aufwies. 

 

Als Fünfte hatte Tanja Erath von Canyon SRAM Racing schon 1:46 Minuten Rückstand, aber als Einzelfahrerin der Rad-Bundesliga gewann sie diese Wertung  vor Corinna Lechner vom Team Stuttgart und Kathrin Hammes von WNT-Rotor Pro Cycling. Ihre Teamkameradin Lisa Klein war natürlich überglücklich über den Titelgewinn im Einzelzeitfahren, der für sie durchaus etwas überraschend kam. „Es war aber schon mein Ziel zu gewinnen und mein Team hat auch an mich geglaubt. Ein so knappes Rennen mit für meine Verhältnisse zu wenigen Kurven hatte ich erwartet, bin mein eigenes Rennen mit eigener Taktik gefahren und hatte gute Unterstützung aus dem mitfahrenden Auto heraus. An der Wende dann noch durch Kristina Vogel angefeuert, wurde ich zusätzlich motiviert“, ließ sie Journalisten und Fans nach dem Rennen wissen. Nach der Straßenmeisterschaft am Sonntag in Oberlungwitz geht sie erst einmal ins Trainingslager nach Livigno in den italienischen Alpen, bevor als nächstes großes Ziel die Europameisterschaften im Straßenrennen in Alkmaar folgen werden. 

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill (frontalvision.com)         

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  • BDR-Meisterschaft
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