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Ellen van Dijk zeigt ihre Klasse im Zeitfahren der Thüringen Tour

 
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BM 02 Juni 2019
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Mit einem überlegenen Sieg der niederländischen Europameisterin Ellen van Dijk endete das Einzelzeitfahren über 17,9 km der Internationalen LOTTO Thüringen Ladies Tour im sonnenüberfluteten Meiningen. Eine hervorragend abgesperrte Strecke, für die auch viele Ehrenamtliche aus Meiningen gesorgt hatten, viel Prominenz vor Ort einschließlich Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und das ganze Drumherum sorgten für eine tolle Rennatmosphäre, zu der auch zwei deutsche Topathletinnen wie die Zweitplatzierte Lisa Brennauer von WNT-Rotor Pro Cycling und die auf Platz drei landende Lisa Klein vom Team Canyon SRAM Racing nicht unerheblich beitrugen.

Bis das Ergebnis feststand mussten erst einmal die noch nach dem sturzbedingten Ausfall von Trixi Worrack von der deutschen Nationalmannschaft und der Norwegerin Vita Heine von Hitec Products verbliebenen 89 Fahrerinnen im Ziel sein. Da war für uns die Gelegenheit gegeben, einmal als Gast im  Begleitfahrzeug hinter einer Fahrerin mitzufahren um zu sehen, wie nicht nur von der Sportlerin sondern auch vom Fahrer am Steuer Höchstleistungen vollbracht werden müssen. Ich saß im Auto von Jürgen Brennauer, dem Vater von Lisa, der mich freundlicherweise mit auf die Strecke nahm, um mir ein Bild von der Schwere des Rundkursus machen zu können. Wir fuhren hinter dem Jungtalent Lea Lin Teutenberg von WNT-Rotor Pro Cycling, die gleich zu Beginn in dem nach einem Kilometer folgenden 4 km langen Anstieg alles aus sich herausholen musste. Man sah förmlich, wie sie den brutalen Anstieg irgendwie meistern wollte, was ihr bestimmt, wie mit Sicherheit auch vielen anderen, nicht leicht fiel. Es sah zwar nicht schlecht aus, wie sie das Rennen anging, aber das Zeitfahren scheint nicht unbedingt ihre große Stärke zu sein.

Aber Furcht vor der rasanten Abfahrt nach fünf Kilometern kannte sie nicht, mit 80 km/h raste sie in aerodynamischer Haltung abwärts, um dann leider mit einem mechanischen Defekt am Lenker das Rad wechseln zu müssen. Hier, etwa bei Kilometer 8, war dann mein Chauffeur gefragt, der blitzschnell den Wagen anhielt, aus dem Auto sprang, das Ersatzrad vom Dach des Fahrzeugs herunternahm und mit nur wenig Zeitverlust Lea Lin Teutenberg wieder ins Rennen schickte. Was dann kam, erforderte aber großes fahrerisches Können von Jürgen Brennauer, dessen Aufholjagd zur kurz außer Sichtweite geratenen Lea Lin Teutenberg aus meiner Sicht durchaus abenteuerlich wirkte. Aber auch er und diverse andere Teambegleiter sind das jahrelang gewöhnt und haben die nötige Erfahrung, um die oftmals gefährlich aussehenden Manöver im Griff zu haben. 

Wir schafften den Anschluss relativ schnell zu Lea Lin Teutenberg, die zwischenzeitlich von zwei hinter ihr gestarteten Fahrerinnen überholt worden war, aber dennoch so gut es ging auf dem normalen Rad das Rennen zu Ende fuhr und nur ganz knapp in der erlaubten Zeitspanne das Ziel als 83. erreichte. Dagegen war für sechs Fahrerinnen das Rennen beendet, da sie außerhalb des Zeitlimits die Ziellinie überquerten. „Ich bin mit dem Verlauf dieser Rundfahrt dennoch sehr zufrieden, wir sind ein tolles Team und wollen den Gesamtsieg von Teamkollegin Kathrin Hammes am Schlusstag unter Dach und Fach bringen. In diesem Team kann ich viel lernen und von den Ratschlägen einer Lisa Brennauer sehr profitieren“, erzählte uns Lea Lin Teutenberg, nachdem sie ins Ziel gekommen war. 

Hinter den Podiumsplatzierten entbrannte ein heißer Kampf um das Gelbe Trikot, das Kathrin Hammes von WNT-Rotor Pro Cycling unbedingt verteidigen wollte. Der Kurs mit dem kurz nach dem Start beginnenden Anstieg schien für die gute Bergfahrerin wie geschaffen und so schaffte sie es tatsächlich mit einem hervorragenden 6. Platz mit nur 58 Sekunden Rückstand auf die Siegerin auch ihre gefährlichste Kontrahentin um den Gesamtsieg aus Dänemark, Pernille Mathiesen vom Team Sunweb, die auf Platz vier mit 54 Sekunden Rückstand landete, in Schach zu halten. Nur vier Sekunden musste sie preisgeben und so liegt sie vor dem Finale in Altenburg in der Gesamtwertung noch acht Sekunden vor der jungen, starken Dänin. Die Drittplatzierte Lourdes Oyarbide aus Spanien vom Movistar Team, die im Zeitfahren über zwei Minuten als 17. einbüßte, liegt bereits 1:19 Minuten zurück und dürfte am Schlusstag keine Gefahr mehr für Kathrin Hammes bedeuten. „Es wäre mein größter Erfolg hier in Thüringen“, strahlte Kathrin Hammes, die sich auf ihre starke Mannschaft verlassen kann, in der Lisa Brennauer hervorragende Teamarbeit leistet. Mit derzeit Platz 8 in der Gesamtwertung direkt hinter Lisa Klein liegt auch Lisa Brennauer gut im Rennen, wenngleich sie den Hattrick vom dreifachen Gesamtsieg in Thüringen hintereinander wohl kaum noch realisieren kann. 

Noch ein abschließendes Wort zum deutschen Nachwuchs, der sich in Thüringen bislang sehr gut präsentiert hat. Dass Christa Riffel von Canyon SRAM Racing dank des Coups auf der ersten Etappe  als Vierte der Gesamtwertung glänzt und damit die bestplatzierte Fahrerin ihres Teams um Lisa Klein (7.) und die Italienerin Elena Cecchini (11.) ist, war so nicht unbedingt zu erwarten, unterstreicht aber allemal ihre gute Entwicklung. Selbst Liane Lippert vom Team Sunweb als Drittplatzierte der Nachwuchswertung hat ja noch alle Zeit der Welt zu einer echten Spitzenfahrerin zu werden, was sie aber schon einige Male mit Topleistungen angedeutet hat. 

Demnächst erhält sie in ihrer Mannschaft deutsche Konkurrenz durch Franziska Koch, die hier im Trikot der deutschen Nationalmannschaft unterwegs ist und derzeit einen guten 17. Platz im Gesamtergebnis inne hat. Die Siegerin der Nachwuchswertung beim Festival Elsy Jacobs strahlt Optimismus hinsichtlich ihrer Zukunft aus, ist zufrieden mit ihrer Leistung in Thüringen und steuert als nächstes Ziel die Europameisterschaften der Klasse U 23 an. „Ich werde zukünftig mit Zustimmung meines kommenden Teams auch weiterhin im Mountainbike starten, wo ich schon einige Erfolge erzielt habe“, gab sie zu verstehen, dass sie wie gehabt zweigleisig fährt. 

Der Nachwuchs im deutschen Frauenradsport, zu dem auch Ricarda Bauernfeind vom Team d.velop Ladies und Friederike Stern vom Team der Nationalmannschaft gehören, macht von sich reden und dürfte den Radsportfans hierzulande zukünftig noch eine Menge Freude bereiten. Am heutigen Sonntag geht die Rundfahrt durch das landschaftlich äußerst sehenswerte Thüringen in Altenburg zu Ende und dann dürften sich alle Beteiligten schon auf das nächste Jahr freuen, wenn Vera Hohlfeld mit ihrem tollen Organisationsteam zur 33. Austragung bittet.

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill (frontalvision.com)

> zur turus-Fotostrecke: Impressionen von der Thüringen Rundfahrt 2019

 

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
  • Rundfahrt
  • Straßenrennen
Name des Radrennens
Internationale Thüringen Ladies Tour
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