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In 44 UCI Women Teams nur 14 Deutsche dabei: Aber Brennauer, Lippert & Co. nicht chancenlos

 
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BM 15 Februar 2019
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Die europäische Straßensaison im Frauenradsport hat noch nicht richtig begonnen, so dass etwaige deutsche Erfolge auch nicht registriert werden konnten. Nationale Meisterschaften in Neuseeland, Australien, Namibia, Kolumbien und Südafrika prägten überwiegend das Renngeschehen, bevor der Grand Prix Alanya am 10. Februar 2019 in der Türkei gestartet wurde. So belegte bislang lediglich Romy Kasper vom italienischen Team Ale Cipollini den 27. Platz in der Gesamtwertung der Santos Women’s Tour Down Under und den 19. Platz beim Cadel Evans Great Ocean Road Race, während für die junge Hannah Ludwig vom deutschen Team Canyon SRAM Racing der 26. Platz beim Eintagesrennen Vuelta a la Comunitat Valenciana Feminas zu Buche stand. Aus deutscher Sicht ein eher verhaltener Auftakt einer Saison, die ihre ersten Höhepunkte mit dem Omloop Het Nieuwsblad in Belgien und Strade Bianche in Italien im kommenden Monat haben wird. 

Die großen Namen des deutschen Frauenradsports wie Lisa Brennauer vom deutschen Team WNT-Rotor Pro Cycling, Trixi Worrack vom amerikanischen Team Trek-Segafredo Women, Charlotte Becker vom französischen Team FDJ Nouvelle Aquitaine Futuroscope oder Lisa Klein von Canyon SRAM Racing, zu denen mittlerweile auch Liane Lippert vom niederländischen Team Sunweb gehört, befinden sich noch in der Warteschleife und bereiten sich offensichtlich gezielt auf die kommenden Großereignisse vor. Dabei haben Lisa Brennauer, Lisa Klein und Charlotte Becker zunächst die Bahn-Weltmeisterschaften in Polen im Visier, bevor sie dann richtig in die Straßensaison einsteigen.  

Erfolge der deutschen Fahrerinnen waren im letzten Jahr nicht sehr zahlreich, wobei der Sieg von Lisa Brennauer in der Gesamtwertung der Internationalen Lotto Thüringen Ladies Tour hervorstach, nachdem sie auch die 4. Etappe rund um Gera für sich entscheiden konnte. Der Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Einzelzeitfahren in Einhausen war ein weiteres Highlight für Lisa Brennauer, während die junge Liane Lippert sich den Titel im Straßenrennen sicherte und Anfang September die Lotto Belgium Tour gewann, wo sie auch die 3. Etappe im Alleingang dominierte. Sie setzte ihrer beeindruckenden Saison bei den Weltmeisterschaften in Innsbruck noch die Krone auf, als sie mit dem Team Sunweb einen ausgezeichneten dritten Platz im Mannschaftszeitfahren herausfuhr. 

Nur 14 Frauen haben für 2019 eine entsprechende Lizenz gelöst, aber dennoch sind mit Canyon SRAM Racing und WNT-Rotor Pro Cycling sogar zwei Teams unter deutscher Flagge dabei. Beide Teams haben jeweils vier deutsche Fahrerinnen am Start, wobei Lisa Klein in ihrem zweiten Jahr bei Canyon SRAM Racing durchaus eine Führungsrolle zuzutrauen ist, zumal sie sich im Vorjahr als Dritte der Deutschen Meisterschaft und Zweite der Europameisterschaft der Klasse U 23 jeweils im Einzelzeitfahren sowie dem Sieg mit Canyon SRAM Racing bei der Weltmeisterschaft in Innsbruck im Mannschaftszeitfahren eine gute Basis hierfür geschaffen hat. Zum 15-köpfigen Team aus immerhin zehn Nationen gehören auch die Deutschen Tanja Erath, Hannah Ludwig und Christa Riffel, wobei der erst 18-jährigen, talentierten Hannah Ludwig in Zukunft besondere Aufmerksamkeit zuteil werden wird. Mit Alena Amialiusik aus Weißrussland, Elena Cecchini aus Italien, Tiffany Cromwell aus Australien und Katarzyna Niewiadoma aus Polen stehen einige hochkarätige Ausländerinnen im Team, das im internationalen Renngeschehen eine führende Position einnehmen dürfte.

Im zweiten deutschen Team WNT-Rotor Pro Cycling fahren neben Lisa Brennauer die am Berg sehr starke, erfahrene Kathrin Hammes, ferner Clara Koppenburg und Jungtalent Lea Lin Teutenberg, die mit ihren 19 Jahren das Küken im Team ist. Bei der Straßenweltmeisterschaft in Innsbruck war Clara Koppenburg mit starker Leistung beste Deutsche und landete auf einem guten 18. Platz. Sie ist mit ihren 23 Jahren noch längst nicht am Zenit ihres Könnens angelangt und dürfte ebenso wie Lea Lin Teutenberg noch eine große Zukunft vor sich haben. Das Team verfügt über insgesamt 14 Fahrerinnen aus sieben Nationen, von denen besonders die Niederländerin Kirsten Wild herausragt, die mit ihren 36 Jahren äußerst routiniert ist und sowohl auf der Bahn wie auch auf der Straße Beachtliches leisten kann.       

Aus Berliner Sicht ruhen die Hoffnungen weiterhin auf Charlotte Becker, die das Team gewechselt hat und nunmehr für das französische Team FDJ Nouvelle Aquitaine Futuroscope an den Start geht. Ob sie den Gesamtsieg der Tour of Chongming Island aus dem letzten Jahr, wo sie auch als Etappensiegerin glänzte, wiederholen kann, wird sich zeigen, auf jeden Fall liebt sie die Rennen in China und mit entsprechender Unterstützung seitens ihres Teams dürfte sie erneut nicht chancenlos sein.   

Von den übrigen für verschiedene ausländische Mannschaften startenden deutschen Radsportlerinnen könnten Trixi Worrack vom Team Trek-Segafredo Women, Romy Kasper von Ale Cipollini und auch Mieke Kröger vom dänischen Team Virtu Cycling Women einige gute Platzierungen herausfahren. Für die auch erst 21-jährige Laura Süßemilch vom Health Mate-Cyclelive Team aus Belgien sollte das erste Jahr in einem Profiteam dazu dienen, die nötigen Erfahrungen für die Zukunft zu sammeln.  

Das internationale Fahrerfeld bei den Frauen umfasst nunmehr 44 bei der UCI gemeldeten Teams, in denen die relativ geringe Anzahl deutscher Athletinnen dennoch nicht chancenlos zu sein scheint. Selbst die bereits im zwölften Jahr als Profi tätige Trixi Worrack hat gerade zuletzt in Innsbruck bewiesen, dass mit ihr im Alter von nunmehr 37 Jahren immer noch zu rechnen ist. Der Sieg bei der Weltmeisterschaft im Teamzeitfahren mit Canyon SRAM Racing war Ausdruck ihrer Stärke und Willenskraft, die sie in all den Jahren immer auszeichneten. Mit dem Wechsel zu Trek-Segafredo Women stellt sich die unverwüstliche Trixi Worrack noch einmal einer neuen Herausforderung, die sie mit Sicherheit wie immer meistern wird. Inwieweit Romy Kasper und Mieke Kröger in der kommenden Saison gute Platzierungen herausfahren können, muss sich erst noch zeigen. Bekanntlich hat Romy Kasper sturz- und verletzungsbedingt seit dem zweiten Halbjahr 2018 eine längere Rennpause eingelegt und jetzt wieder mit ersten Renneinsätzen begonnen, die hoffen lassen (s.o.). Bei Mieke Kröger bleibt abzuwarten, wie sie sich im zweiten Jahr bei ihrem dänischen Team aus der Affäre zieht. Im letzten Jahr konnte sie sich insbesondere in den Teamzeitfahren bewähren und auch einige gute Platzierungen wie bei der Healthy Ageing Tour oder der Boels Ladies Tour erzielen. 

Während Lisa Brennauer als die Topathletin im deutschen Frauenradsport erneut in dieser Saison zweigleisig fährt und auch der Bahn ihre Aufmerksamkeit schenkt, wird sich die erst 21-jährige Liane Lippert voll auf den Straßenrennsport konzentrieren. „Das vergangene Jahr wird kaum zu steigern sein, denn drei Einzelsiege und drei Siege zuzüglich die Bronzemedaille im Teamzeitfahren bei der Weltmeisterschaft in Innsbruck waren Highlights“, gestand die sympathische Liane Lippert am Rande der diesjährigen Teampräsentation im Januar in Berlin. Angetan haben es ihr die Klassiker in Belgien, bei denen sie dennoch gern vorn landen möchte, dabei wird sie sich aber nicht unter Druck setzen. Das Team setzt in Zukunft voll auf die talentierte Deutsche, was nicht zuletzt der kürzlich bis zum Jahre 2022 verlängerte Vertrag unter Beweis stellt. 

Die neue Saison wird auch im Frauenradsport wieder spannende Rennen liefern, die aber hauptsächlich im Ausland ausgetragen werden und daher in den deutschen Medien wenig Beachtung finden. Nur die Internationale Lotto Thüringen Ladies Tour gibt es hierzulande noch und dafür sei dem rührigen Organisationsteam um die ehemalige Radrennfahrerin Vera Hohlfeld Dank gezollt, die als frühere Olympia-Vierte im Straßenrennen von Atlanta (1996) und mehrmalige erfolgreiche Teilnehmerin bei der Thüringen-Rundfahrt ihre jahrelangen Erfahrungen mit äußerstem Engagement in die Waagschale wirft. Wir werden sie wieder in voller Aktion in der Zeit vom 28. Mai bis 02. Juni 2019 am Rande der Strecke in Thüringen bewundern können.     

Deutsche Frauen in Profiteams (14 Fahrerinnen):

Becker, Charlotte, 35 Jahre, 9 Siege (FDJ Nouvelle Aquitaine Futuroscope, FRA)

Süßemilch, Laura, 21 Jahre, kein Sieg (Health Mate-Cyclelive Team, BEL)

Erath, Tanja, 29 Jahre, kein Sieg (Canyon SRAM Racing, (GER) 

Klein, Lisa, 22 Jahre, 2 Siege (Canyon SRAM Racing, GER)

Ludwig, Hannah, 18 Jahre, kein Sieg (Canyon SRAM Racing, GER)

Riffel, Christa, 20 Jahre, kein Sieg (Canyon SRAM Racing, GER)

Kasper, Romy, 30 Jahre, 2 Siege (Ale Cipollini, ITA)

Kröger, Mieke, 25 Jahre, 2 Siege (Team Virtu Cycling Women, DEN)

Brennauer, Lisa, 30 Jahre, 23 Siege (WNT-Rotor Pro Cycling, GER)

Hammes, Kathrin, 30 Jahre, kein Sieg (WNT-Rotor Pro Cycling, GER)

Koppenburg, Clara, 23 Jahre, kein Sieg (WNT-Rotor Pro Cycling, GER)

Teutenberg, Lea Lin, 19 Jahre, kein Sieg (WNT-Rotor Pro Cycling, GER)

Worrack, Trixi, 37 Jahre, 36 Siege (Trek-Segafredo Women, USA)

Lippert, Liane, 21 Jahre, 3 Siege (Team Sunweb, NED)

 

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill / frontalvision.com

Inhalt der Neuigkeit:
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  • Vorstellung
Radrennen-Art:
Straßenrennen
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