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Auch 2019 zwei deutsche Teams in der Eliteliga des Profiradsports

 
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BM 14 Februar 2019
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Die Straßensaison 2019 ist schon wieder in vollem Gange und die ersten Siege und Platzierungen haben die deutschen Profis schon eingefahren, so dass man dem weiteren Saisonverlauf durchaus optimistisch entgegensehen kann. Der erste Erfolg ging auf das Konto von Andre Greipel, der nach fast zehn Jahren bei Lotto Soudal nunmehr für das ProContinental Team Arkea Samsic aus Frankreich fährt und als Sieger der 6. Etappe der La Tropicale Amissa Bongo – dazu noch zwei zweite und ein dritter Etappenrang sowie der 3. Platz in der Gesamtwertung - geehrt wurde. Ihm folgte etwas überraschend zu diesem frühen Zeitpunkt Emanuel Buchmann von BORA-hansgrohe, der im spanischen Eintagesrennen Trofeo Andratx-Lloseta im Alleingang den Belgier Tim Wellens von Lotto Soudal und den Niederländer Bauke Mollema von Trek-Segafredo bezwang. Da wollte dann auch Marcel Kittel vom Team Katusha-Alpecin ein erstes Achtungszeichen nach dem enttäuschenden Vorjahr setzen, indem er die Trofeo Palma im Massenspurt gewinnen konnte. 

Ein überzeugender zweiter Platz von Emanuel Buchmann bei der Trofeo de Tramuntana hinter Tim Wellens, ebenso wie von Max Walscheid vom Team Sunweb auf der 1. Etappe der Santos Tour Down Under hinter dem im letzten Jahr überragenden Italiener Elia Viviani von Deceuninck-Quick Step und der dritte Platz von Tony Martin vom Team Jumbo-Visma im Einzelzeitfahren der Volta a la Comunitat Valenciana rundeten das bislang gute Abschneiden deutscher Fahrer ab. 

Was hat sich zu Beginn der Saison 2019 ereignet im Hinblick auf neue Aufgaben, neue Ziele und wo werden in dieser Saison die Prioritäten gesetzt? Erneut gibt es zwei Teams mit deutscher Lizenz in der höchsten Kategorie des Profiradsports und so stehen die Teams Sunweb und BORA-hansgrohe besonders im Fokus des internationalen Radsportgeschehens. Mit neuem Outfit geht das Team Sunweb an den Start, das mit Nikias Arndt, Johannes Fröhlinger, Lennard Kämna, Max Kanter, Max Walscheid und dem zum 01.03.2019 aus dem eigenen Nachwuchsteam zustoßenden Florian Stork sechs deutsche Fahrer in seinen Reihen hat. „Es ist für uns vorrangig wichtig, die Spitzenfahrer und auch die Nachwuchsfahrer auf ein höheres Level zu führen“, gab der Generalmanager Iwan Spekenbrink am Rande der diesjährigen Teampräsentation zu verstehen. Konkrete Vorhersagen für Siege und Platzierungen waren ihm nicht zu entlocken, gleichwohl wird ein Tom Dumoulin wieder beim Giro d’Italia dabei sein und zu 90% auch die Tour de France in Angriff nehmen, um jeweils einen Podiumsplatz herauszufahren. In Frankreich möchte sich auch Nikias Arndt seinen Traum erfüllen und einen Etappensieg landen, dem in dieser Saison als einer der Kapitäne die Aufgabe zusteht, den jungen Fahrern im Team einiges mit auf dem Weg zu geben. 

Mit dem gebürtigen Berliner Simon Geschke und mit Phil Bauhaus haben aber auch zwei Fahrer das Team Sunweb verlassen, die sich neu orientieren wollen. Während Simon Geschke nach zehn Jahren (!) im Team noch einmal eine neue Herausforderung beim CCC Team sucht, ging Phil Bauhaus zum Bahrain Merida Pro Cycling Team, wo er an der Seite des genialen Anfahrers Marcel Sieberg seine Sprintstärke besser zur Geltung bringen will. Für beide dürfte eine spannende Saison bevorstehen, wobei besonders Simon Geschke als einer der Leader im Team insbesondere bei den großen Rundfahrten gefordert sein könnte, während Phil Bauhaus in seinem neuen Team neben dem Italiener Sonny Colbrelli und dem Slowenen Matej Mohoric seine Schnelligkeit bei Eintagesrennen und Etappenankünften ausspielen will.  

Bei BORA-hansgrohe dominieren in diesem Jahr die „Männer“: mit Pascal Ackermann, Emanuel Buchmann, Maximilian Schachmann und dem starken Anfahrer Michael Schwarzmann verfügen sie über ein Quartett, das einiges erwarten lässt. So hat Pascal Ackermann im vergangenen Jahr nicht weniger als neun (!) Siege eingefahren, darunter Etappensiege bei der Tour de Romandie, beim Criterium du Dauphine und  der Polen-Rundfahrt. Darüber hinaus wurde er Deutscher Meister im Straßenrennen in Einhausen, als er John Degenkolb von Trek-Segafredo und Max Walscheid auf die Plätze verwies. Nach dem großartigen Einstand von Emanuel Buchmann in dieser Saison, darf man auch gespannt auf Maximilian Schachmann sein, der im letzten Jahr einige spektakuläre Erfolge herausfuhr. Es wird interessant sein, wie in diesem Jahr die Rollen im Team verteilt sein werden, denn mit Emanuel Buchmann, Maximilian Schachmann und dem Polen Rafal Majka verfügt das Team über drei Fahrer, die in den Rundfahrten für gute Gesamtplatzierungen in Frage kommen können. Nach seiner glänzenden Vorstellung mit einem Etappensieg beim letzten Giro d’Italia im Team Quick-Step Floors steht vor allem der gebürtige Berliner Maximilian Schachmann im Fokus, der an die guten Leistungen anknüpfen möchte und dabei erstmals die Tour de France in Angriff nehmen wird. 

Die Kapitänsrolle wird bis 2021 dennoch nahezu uneingeschränkt dem Slowaken Peter Sagan gehören, der in der Weltrangliste aktuell Platz drei hinter dem Spanier Alejandro Valverde vom Movistar Team und dem Briten Simon Yates von Mitchelton-Scott einnimmt und nicht nur mit seinen drei Weltmeistertiteln in den Jahren 2015 bis 2017 seine große Klasse unter Beweis gestellt hat. Ein Dreigestirn mit ihm und Emanuel Buchmann sowie Maximilian Schachmann bei der Tour de France lässt viele Möglichkeiten offen und kann durchaus zu einem sehr interessanten Rennverlauf beitragen. 

Mit Marcus Burghardt, Christoph Pfingsten, Andreas Schillinger und Rüdiger Selig verfügt das Team von Generalmanager Ralph Denk über eine erfahrene deutsche Streitmacht, die ihren jeweiligen Kapitänen mit den notwendigen Helferdiensten zur Seite stehen wird und damit eine gute Basis für erstklassige Ergebnisse bildet. Es wird mit Spannung zu verfolgen sein, ob der sprintstarke Pascal Ackermann seine tolle Vorjahresbilanz insbesondere mit Hilfe von Rüdiger Selig oder Michael Schwarzmann in etwa wiederholen kann bzw. Emanuel Buchmann oder auch Maximilian Schachmann in Rundfahrten von der Unterstützung eines Marcus Burghardt oder Christoph Pfingsten profitieren können. 

Für John Degenkolb in der amerikanischen Mannschaft Trek-Segafredo gilt es, in den Monaten März und April eventuell erste Erfolge einzufahren. Bei Paris-Nizza, Mailand-San Remo, Gent-Wevelgem, der Flandern-Rundfahrt und seinem Lieblingsrennen Paris-Roubaix bieten sich ausreichend Möglichkeiten, um sich in Szene zu setzen. Nach seinem langersehnten Etappensieg bei der Tour de France im Vorjahr ist er mit Sicherheit in dieser Saison besonders motiviert und dabei wird er insbesondere einen Erfolg bei der Flandern-Rundfahrt anvisieren, die er als einziges der vorgenannten Rennen noch nicht gewonnen hat. 

In der WorldTour stehen in diesem Jahr insgesamt 28 deutsche Fahrer unter Vertrag, für die in erster Linie gelten sollte, dass in dieser Saison wieder ein Top Ten Platz im UCI World Ranking der Nationen erzielt wird, um bei der nächsten Straßen-Weltmeisterschaft in Yorkshire/Großbritannien wieder mit der Höchstzahl von acht Fahrern (zuletzt nur sechs) an den Start gehen zu können. Außer den bereits erwähnten Fahrern sind in der höchsten Kategorie WorldTour die langjährigen Profis Paul Martens vom niederländischen Team Jumbo-Visma, Christian Knees vom Team Sky und der vielseitige, auf Bahn und Straße erfolgreiche Roger Kluge dabei, der bei Lotto Soudal in Belgien insbesondere für Spurtsiege des Australiers Caleb Ewan eine wichtige Rolle spielen soll. Gespannt sein darf man auch auf die drei Deutschen im Team Katusha-Alpecin, das erneut mit schweizerischer Lizenz im Peloton unterwegs ist. Während Marcel Kittel nach seiner enttäuschenden Saison 2018 bereits in diesem Jahr seinen ersten Massenspurt gewann und neue Hoffnungen schürte, ist auch Nils Politt nach seinem ersten Profisieg im Vorjahr auf der vierten Etappe der Deutschland Tour und einem tollen 7. Platz bei Paris-Roubaix gefordert, während Rick Zabel weiterhin vorrangig bei Sprintankünften für Marcel Kittel ein wichtiger Helfer sein wird.    

Nicht zu vergessen sind auch drei weitere deutsche Fahrer, die in der WorldTour durchaus für das ein oder andere Highlight sorgen können: da ist zunächst Jasha Sütterlin, mit 26 Jahren bereits im sechsten Jahr beim Movistar Team ein treuer Helfer von Alejandro Valverde und Nairo Quintana, der zuletzt mit einigen guten Platzierungen aufwartete und ebenso gute Perspektiven aufweist wie Nico Denz vom französischen Team AG2R La Mondiale, der im vergangenen Jahr Etappenzweiter beim Giro d’Italia war und das Eintagesrennen Tour de Vendee für sich entschied und damit ebenfalls seinen ersten Profisieg errang. Der Dritte im Bunde ist Jonas Koch, der noch kurzfristig einen Vertrag im CCC Team von Simon Geschke erhielt, nachdem er in der letzten Saison mit guten Ergebnissen auf sich aufmerksam machen konnte.     

In der zweiten Kategorie der sogenannten ProContinental Teams, haben 2019 immerhin fünf deutsche Fahrer einen Vertrag erhalten, darunter mit Andre Greipel vom Team Arkea Samsic der mit insgesamt 156 Profisiegen derzeit erfolgreichste, aktive Rennfahrer. Nach der zwangsläufigen Trennung von Marcel Sieberg kann der nach wie vor sprintstarke, gebürtige Rostocker nunmehr auf die Unterstützung von Robert Wagner setzen, der mit seinen 35 Jahren über ausreichend Erfahrung im internationalen Peloton verfügt. Beim belgischen Team Corendon-Circus stehen mit Marcel Meisen und Philipp Walsleben zwei deutsche Fahrer im Aufgebot, die bislang im Cross auf sich aufmerksam machten. Insbesondere Philipp Walsleben will sich nun ausschließlich auf die Straße konzentrieren und dabei für gute Platzierungen sorgen. Das Quintett in dieser Kategorie vervollständigt Marco Mathis, der beim französischen Team Cofidis, Solutions Credits eine neue Herausforderung sucht, nachdem er beim Team Katusha-Alpecin zuletzt nicht glücklich wurde.      

Die immerhin 118 deutschen Elitefahrer in den Aufgeboten der in- und ausländischen Continental Teams bleiben bei den großen Radsportevents nach wie vor außen vor. Sie können sich bestenfalls bei Eschborn-Frankfurt, Rund um Köln oder dem Sparkassen Münsterland Giro profilieren, wobei aber seit dem letzten Jahr die wiederbelebte Deutschland Tour hinzugekommen ist, die auch in diesem Jahr für vier der insgesamt neun deutschen Continental Teams einen Startplatz freihält.   

Der deutsche Profiradsport sollte weiterhin optimistisch in die Zukunft blicken können, zumal   der Start in die neue Saison hoffen lässt und darüber hinaus im letzten Jahr auch die große  Zuschauerbegeisterung zum Beispiel bei der Deutschland Tour einmal mehr bewiesen hat, dass Radsport immer noch einen gewissen Stellenwert in Deutschland hat. Positiv ist auch das  gestiegene Interesse der Medien zu registrieren, die hoffentlich in der kommenden Saison von spektakulären Siegen deutscher Fahrer berichten werden.

WorldTour Teams (28 Fahrer):

Denz, Nico, 24 Jahre, 1 Sieg (AG2R La Mondiale, FRA)

Bauhaus, Phil, 24 Jahre, 6 Siege (Bahrain Merida Pro Cycling Team, BRN)

Sieberg, Marcel, 36 Jahre, 2 Siege (Bahrain Merida Pro Cycling Team, BRN)

Ackermann, Pascal, 25 Jahre, 9 Siege (BORA-hansgrohe, GER)

Buchmann, Emanuel, 26 Jahre, 2 Siege (BORA-hansgrohe, GER)

Burghardt, Marcus, 35 Jahre, 7 Siege (BORA-hansgrohe, GER)

Pfingsten, Christoph, 31 Jahre, kein Sieg (BORA-hansgrohe, GER) 

Schachmann, Maximilian, 25 Jahre, 3 Siege (BORA-hangrohe, GER)

Schillinger, Andreas, 35 Jahre, kein Sieg (BORA-hansgrohe, GER)

Schwarzmann, Michael, 28 Jahre, 1 Sieg (BORA-hansgrohe, GER)

Selig, Rüdiger, 29 Jahre, 3 Siege (BORA-hansgrohe, GER)

Geschke, Simon, 32 Jahre, 3 Siege (CCC Team, POL)

Koch, Jonas, 25 Jahre, kein Sieg (CCC Team, POL)

Kluge, Roger, 33 Jahre, 5 Siege (Lotto Soudal, BEL)

Sütterlin, Jasha, 26 Jahre, 1 Sieg (Movistar Team, ESP)

Martens, Paul, 35 Jahre, 8 Siege (Team Jumbo-Visma, NED)

Martin, Tony, 33 Jahre, 65 Siege (Team Jumbo-Visma, NED)

Kittel, Marcel, 30 Jahre, 89 Siege (Team Katusha-Alpecin, SUI)

Politt, Nils, 24 Jahre, 1 Sieg (Team Katusha-Alpecin, SUI)

Zabel, Rick, 25 Jahre, 1 Sieg (Team Katusha-Alpecin, SUI)

Knees, Christian, 37 Jahre, 3 Siege (Team Sky, GBR)

Arndt, Nikias, 27 Jahre, 5 Siege (Team Sunweb, GER)

Fröhlinger, Johannes, 33 Jahre, kein Sieg (Team Sunweb, GER)

Kämna, Lennard, 22 Jahre, kein Sieg (Team Sunweb, GER)

Kanter, Max, 21 Jahre, kein Sieg (Team Sunweb, GER)

Stork, Florian, 21 Jahre, kein Sieg (Team Sunweb, GER) 

Walscheid, Max, 25 Jahre, 8 Siege (Team Sunweb, GER) 

Degenkolb, John, 30 Jahre, 46 Siege (Trek-Segafredo, USA)

ProContinental Teams (5 Fahrer):

Wagner, Robert, 35 Jahre, 8 Siege (Arkea Samsic, FRA)

Greipel, Andre, 36 Jahre, 156 Siege (Arkea Samsic, FRA)

Mathis, Marco, 24 Jahre, kein Sieg (Cofidis, Solutions Credits, FRA) 

Walsleben, Philipp, 31 Jahre, kein Sieg (Corendon-Circus, BEL)

Meisen, Marcel, 30 Jahre, kein Sieg (Corendon-Circus, BEL)

 

Bericht: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill / frontalvision.com

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