Hockey-Testspiel Polen vs. Tschechien

Poznań bereitet sich für Euro 2026 vor – ein Stadtrundgang mit Überraschungen

Ein Testspiel zwischen Polen und Tschechien im renovierten Hockey-Stadion der Technischen Hochschule? Passt! Der Hintergrund für dieses U21-Damen-Spiel ist ganz einfach zu erklären. Die männliche polnische Hockey-U21 ist Ende Juli der Gastgeber für eine Runde der Europameisterschaft 2026. Deutschland spielt leider in der Valencia-Gruppe. Italien, Ukraine, Irland, Kroatien und Litauen werden dafür in Poznań antreten. 

Und für diesen Anlass war das heutige Testspiel gegen Tschechien als Richtungsweiser angesetzt worden, von welchem der Vergleich der Damen-Auswahlen das Vorspiel darstellte. Die tschechische und polnische Damen-Auswahlmannschaften nehmen ebenso in der parallel stattfindenden Meisterschaft in Wien teil.

Hockey-Testspiel Polen vs. Tschechien
Hockey-Testspiel Polen vs. Tschechien

Die Welt im polnischen Feldhockey sieht übrigens wie folgt aus: Der Sitz des Verbands ist seit 1926 Poznań, neben den Vereinen aus Wielkopolska wird nur noch in Siemanowice (Schlesien) und Toruń gespielt, jedenfalls – im Herren-Bereich. Im Damen-Bereich machen die Mannschaft der Technischen Hochschule und ein Verein aus der Umgebung von Łódź in der Regel die Meisterschaft unter sich aus. Die Herrenmannschaft der Hochschule tritt ebenso in der polnischen Meisterschaft an. Somit ist es auch kein Wunder, dass die Spiele der EM-Runde im Stadion der Hochschule ausgetragen werden sollen, das 2026 erneuert wurde.

unterwegs in Poznan
unterwegs in Poznan

Solche Anlässe bieten mir nebenbei die Möglichkeit, einfach mal zu schauen, was in Poznań aktuell so los ist. Ganz klar verzichtete ich daher auf die Anreise per Straßenbahn. Auf zwei Beinen bekommt man einfach mehr mit. Übrigens hielten letztens Straßenbahn und Züge den heißen Temperaturen nicht stand, weshalb es zu vielen Ausfällen kam. Sonst herrschen hier hinsichtlich des ÖPNV paradiesische Bedingungen. Die Zeiten, in denen man Passanten fragen musste, ob man richtig steht, wenn man von A nach B möchte, sind schon sehr lange vorbei.

Also zunächst rein in die Menschenmasse! Zahlreiche Touristen überall – wie immer im Sommer. Die herausgefilterten Sprachen waren hauptsächlich Polnisch und Englisch. Hier und dort mal ein paar Wörter Ukrainisch. Später grinste mich ein älterer Herr an. Vielleicht ein Deutscher, dem mein Rübezahl-Beutel aufgefallen ist. Ein weiteres Highlight auf den ersten paar Metern war die Schmiererei am Bahnhofstunnel. Für gewöhnlich wechseln hier die gesellschaftskritischen Themen alle paar Monate. 

unterwegs in Poznan
unterwegs in Poznan

Heute steht hier: „Beginne zu leben!“ Der Satz wird wohl durch das Symbol eines durchgestrichenen Smartphones in einen Kontext gesetzt. Ja, eine durchaus gewagte These. Viele Sachen laufen hier leider nur noch über irgendwelche Apps. Das betrifft ebenso die Busfahrten im äußeren Ring. Busse fahren, aber einen Automaten, der Bargeld annimmt, wird immer seltener. So sieht es auch an manchen Bahnhöfen aus. Alles sauber und modern, aber Tickets kann man nur noch mit der Geldkarte oder im Bus mit einer vorher über das Internet aufgeladenen ÖPNV-Karte bezahlen. Eine junge ehemalige Arbeitskollegin sagte mir mal, dass sie noch nie bar gezahlt hätte. So sieht‘s hier aus. Der vermutliche Kernpunkt der These ist eher, dass viele Leute mit ihren Augen permanent am Bildschirm kleben. Neulich beim Arzt ebenso – alle richteten die Augen nur auf ihr Gerät – Und da waren ein Ehepaar und eine Mutter mit Sohn dabei. An Ampeln gibt es hier übrigens schon lange ein Verbot, auf das Telefon zu schauen.

Am Vormittag regnete es, es schüttete gar. Nun knallte wieder die Sonne. Durch den Park ist‘s daher angenehmer. Touristen, die zum Zentrum möchten, kennen den Park. Unter der Oberfläche ist er mit Luftschutzbunkern durchzogen. Ein Teil gehörte zum Festungssystem (heute eine Kneipe), der Rest war ein evangelischer und teils auch griechisch-orthodoxer Friedhof. Am Rand des Parks stand das Schiller-Denkmal (an der Stelle nun der Dichter Słowacki). Ich bewegte mich durch die Innenstadt und peilte vom Gefühl her eine der Warta-Brücken an, welche mich zum Stadion bringen sollte. Da kam ich auch mal an einem ehemaligen Pestfriedhof vorbei. Dort, wo einst eine Säule (von den Deutschen Pestsäule genannt) mit Kreuz stand, ist heute nur noch eine kleine Grünfläche mit einer Hinweistafel. Anfang des 18. Jahrhunderts gab es noch einmal ein Aufflammen der Pest in Europa. 

unterwegs in Poznan
unterwegs in Poznan

Daraus resultierte u.a. dieses Massengrab. Bei späteren Erdarbeiten kamen dann hier immer mal wieder Knochen zum Vorschein. Mit einem Zeitpuffer von 40 Minuten erreichte ich dann das Stadion mit seinen noch leeren Tribünen. Es roch zwar durch die Bude an der Wartostrada angenehm nach Grillwurst, aber einen Imbiss gab es im Stadion nicht. Nicht mal einen Automaten. Aber eigentlich hast du hier an jeder Ecke einen grünen Żabka-Laden. So dauerte meine Suche nicht lange, und schon hatte ich eine Flasche Mineralwasser in der Hand. Der Preis war aber unverschämt. Aber klar: Seit Anfang 2026 haben wir auch den Pfand auf PET-Flaschen und Büchsen. Die holprige Umstellungszeit war erstaunlich kurz. Die Automaten wurden teilweise auch außerhalb der Märkte aufgestellt. Somit kann man z.B. nachts entspannt um 2:00 in der Nacht noch Flaschen abgeben. Vorausgesetzt: Der Automat ist nicht voll. In der Regel wird der Preis auf dem Bon dann verrechnet. Gelegentlich wird der Betrag auch extra ausgezahlt. Es funktioniert.

Zurück im Stadion: 40 Zuschauer warten auf den Beginn, ich auch, dazu noch auf die Hymnen. Aber ich hoffte vergeblich, obwohl davor ganz normal Musik lief. Die Tschechinnen machten sofort Druck, aber Polen hielt in der Abwehr gut mit. Vorne lief da gar nichts. Mit einem 0:0 ging es in die erste kurze Pause. Dann drehten die Gäste noch stärker auf. In den ersten fünf Minuten klingelte es zweimal im polnischen Tor. Gegen Ende des Viertels erhöhte Tschechien dann noch auf 0:3. Inzwischen war auch der Fernsehsender TVP eingetroffen. Da bin ich gespannt, ob die nicht nur Spiel und Ränge aufgenommen haben, sondern auch bemerkt haben, dass die Spielerinnen durch die Bank ihre Piercings und Ohrringe nicht abgeklebt hatten. Ketten hatten sie auch nicht abgenommen.Vielleicht ist das im Hockey erlaubt. Ich habe leider nicht nachgefragt. 

In den Schlussminuten des letzten Viertels gelang Polen nur noch der Treffer zum 1:3. Das Spielniveau war nicht schlecht. Mit Stimmung hatte ich eh nicht gerechnet. Aber die angesprochenen Punkte wirkten etwas amateurhaft. Dann fehlt noch die Bewertung des Stadions: Für den Zweck reicht es aus. Die anderen beiden Stadien in Poznań sind größer und bieten auch mehr Ausbau. Was an diesem Platz der Politechnika Poznańska gefällt, ist die Komposition: Das blaue Feld und das riesige Gebäude der Hochschule mit seiner großen Uhr im Hintergrund. In Plänen wird das Gebäude auch schlicht „Gebäude mit Uhr“ genannt. Ich hatte eigentlich vermutet, dass es sich um Studentenunterkünfte handelt, aber anscheinend sind hier Laboratorien und Unterrichtsräume untergebracht.

Hockey-Testspiel Polen vs. Tschechien
Hockey-Testspiel Polen vs. Tschechien

Zurück zum Bahnhof wählte ich dann einen anderen Weg, der mich über eine weitere Brücke führte. Man kann sich aktuell per Boot die Warta auf und ab fahren lassen. Jedenfalls sieht der Blick von der Brücke über die Stadt immer ganz nett aus. Im wirtschaftlichen Bereich der Innenstadt – also die Bürotürme in der Nähe vom Hbf. – fiel mir was gleich ins Auge. Dort, wo einst Santander stand, strahlte nun etwas in Blau. Es war das mir und allgemein den Deutschen sehr gut bekannte Sparkassensymbol. Ihm vorangestellt war der Name „Erste“. Scheinbar fand eine kleine Ablösung und Expansion Richtung Osten statt. Es blieb nebenbei bemerkt heute nicht bei einer einzigen Filiale. Interessant. Die Entwicklung behalte ich mal im Blick. Ansonsten wird hier gerade ein weiteres Hochhaus mit Büroetagen gebaut. Da bin ich gespannt, wer den hier schon ansässigen großen Namen aus der internationalen Wirtschaft bald Gesellschaft leisten wird. Das ist ja schon wieder aufregender als die Hockey-EM, als die Fußball-WM sowieso (nachdem unsere Spieler leider zu früh, tragisch und unverdient ausgeschieden sind). 

Bericht & Fotos: Michael

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