Arg nagte der Zahn der Zeit am Stadion Za Lužánkami in der tschechischen Metropole Brno (Brünn). Seit Jahren wurde in der von 1949 bis 1953 errichteten Spielstätte, die einst sportliche Heimat des FC Zbrojovka Brno (von 1992 bis 2000 bekannt als Boby Brno) war, kein Fußballspiel mehr ausgetragen. Auf den Rängen des Stadions Za Lužánkami, das in den 60ern und 70ern das größte Stadion des Landes war, wucherte Buschwerk und die Wurzeln der emporstrebenden Bäume hoben die Stufen. Höher schlugen die Herzen, als bekannt wurde, dass das Stadion noch einmal fit gemacht werden würde, um am 27. Juni 2015 das Petr Švancary-Abschiedsspiel über die Bühne gehen zu lassen. Auf dem Rasen traten das Starobrno Švanci Team und die Los Hokejos (tschechische Eishockey-Stars) gegeneinander an, auf den alten, von wuchernden Sträuchern befreiten Tribünen sorgten tausende Fans für ein herrliches Fußballfest.
Hin da! Auf nach Tschechien! Hunderte Groundhopper machten im Vorfeld des Spiels einen ganz fetten Vermerk in den Kalender und ein Kreuzchen in der persönlichen Statistik. Endlich konnte auch dieses Stadion (gern auch Ground genannt) abgehakt werden. Kein Wunder, dass das Stadion Za Lužánkami bereits im Vorfeld ausverkauft war. Offiziell wurden 25.000 Tickets zum fairen Preis von 5 Euro an die Frau und den Mann gebracht. Letztendlich waren es jedoch etliche Fußballfreunde mehr, die sich an den Eingängen, den Zugängen und in den Blöcken drängelten. Manche schätzten die Anzahl der Anwesenden auf 28.000 bis 30.000 ein, andere vermuteten sogar rund 35.000 Menschen auf den maroden Rängen. Fakt ist, dass am Oberrang Personen sogar an der Außenkante hinter dem Geländer standen und Schaulustige die Dächer der anliegenden Gebäude erklommen, um einen Blick auf das Spektakel zu haben.
Keine Frage. Betrachtet man die Fotos, denkt man, es handle sich um ein Stadion irgendwo in Lateinamerika. Eine volle Kurve, keine freigelassenen Treppen, spartanisches Gemäuer, grandiose Stimmung. Anlass des Spiels war die Verabschiedung von Petr Švancara, der am 05. November 1977 in Brno geboren wurde und in seiner Jugend bei Zetor Brno und Boby Brno gespielt hatte. Und auch als Profi schnürte er jahrelang in Brno seine Fußballschuhe. So zum Beispiel von 1998 bis 2000, 2003 bis 2006 und von 2011 bis 2013. Des weiteren hatte er unter anderen bei Slavia Praha, Inter Bratislava und Viktoria Zizkov gespielt. Für letzteren Klub erzielte er 2008 gegen Bohemians Praha das Ligator des Jahres. Zuletzt wurde er an den 1. FK Pribram ausgeliehen, wo er seine aktive Karriere beendete. Vier Spiele hatte er 2014/15 absolviert, dabei gelang ihm immerhin noch ein Tor. Manch einer meint jedoch auch, dass er aufgrund einiger Eskapaden eine Karriere bei hochkarätigen ausländischen Klubs verspielt hatte.
Zeit, um Abschied zu nehmen. Und was würde besser als Rahmen passen als das altehrwürdige Stadion Za Lužánkami? Feuchte Augen, klopfende Herzen, Gänsehautatmosphäre. „1998 – 2015“ war auf der Geraden zu lesen. An den Seiten das alte Logo des FC Boby Brno und das aktuelle Vereinsemblem des FC Zbrojovka Brno. In der Mitte der jubelnde Spieler, um den sich alles drehte an diesem Tag. Das rote Trikot halb hochgerissen. Eingerahmt wurde das Ganze von etlichen Bengalos. Ganz unten auf dem Rasen mit farbigem Rauch gefüllte große Buchstaben, die ein „MERCEDES“ (sein Kosenamen) ergaben. Ein paar Materialien gerieten im Innenraum anschließend in Brand, doch die Feuerwehr löschte mit Eimern und Schlauch unaufgeregt die Feuerstellen.
Ordentlich was zu sehen gab es später in der proppenvollen Kurve, in der hinter etlichen Bannern eine weitere Pyro-Show zelebriert wurde. Unterstützt wurden das Ganze von angereisten Ultras aus Plzen und Bratislava. Das überaus sehenswerte Pyro-Spektakel rundete den großartigen emotionalen Tag ab. Und ja, gespielt wurde selbstverständlich auch. Die Los Hokejos konnten gegen das Starobrno Švanci Team mit 18:8 gewinnen. Oder war es doch ein 17:9? Die Meldungen bezüglich des Ergebnisses gehen witzigerweise auseinander, doch was zählte schon das Resultat? Entscheidend war, dass namenhafte Trainer und Spieler (Fußball & Eishockey) zu Gast waren, so zum Beispiel: Milan Pacanda, Luděk Zelenka, Pavel Horváth, Jiří Štajner, Ladislav Volešák, Jan Trousil, Patrik Siegl, Karel Kroupa, Josef Hron, Karel Jarůšek und Josef Mazura sowie Jakub Voráček, Ondřej Pavelec, Jiří Tlustý, Radek Smoleňák, Martin Havlát und Petr Hubáček.
Anmerkung: Trotz zahlreicher errichteter Absperrungen und guter Organisation der Veranstaltung gelang es zahlreichen Personen, diese zu durchbrechen und auf diesem Wege ins Stadion zu gelangen. Manche Bereiche waren somit komplett überfüllt, manch ein Fußballfreund startete waghalsige Aktionen, um das Spiel zu sehen. Da von unserer Seite nur der Fotograf vor Ort war (der Autor musste kurzfristig die Tour absagen), ist es schwer aus eigener Hand die genauen Details zu erläutern. Egal, was auch genau passiert sein mag – letztendlich können wir froh sein, dass alles glimpflich verlief und es zu keiner Katastrophe kam.
Foto: Chris Wode (harza.de)

Sehr gut.