In der Hinrunde schaute ich mal bei einem 0:8 von GKS Dopiewo gegen Luboń vorbei. GKS verlor zu dieser Zeit so fast jedes Spiel und war abgeschlagen auf dem letzten Platz zu finden. In den unteren Ligen spielen sie hier auch nicht mehr für umsonst und aus Liebe zum Verein. 2014 in der 3. Liga musste in Dopiewo sogar noch eine Größe wie Elana Toruń antreten. Nach ein paar Jahren in der 4. Liga (Ebene 5) folgte 2021 der Abstieg in die 6. Liga, aus welcher sich schon 2025 wieder verabschiedet werden musste.

Nun wurde bereits der Gang in Liga 8 besiegelt, obwohl man sich sensationell noch gute Chancen auf den Klassenerhalt erarbeitet hatte. So war ich auch beim Freitagsspiel in Komorniki anwesend. Das ist für GKS wie für mich gleich um die Ecke. Eine Kulisse von 150 Zuschauern, Stimmung und ein packendes Spiel auf hohem Niveau machten Lust auf mehr.

Zwei Wochen später war der Klassenerhalt gegen Schlusslicht und Nachbar Okoń Skrzynki (nur ein Dorf liegt dazwischen) in greifbarer Nähe. Doch gegen die Barsche (Okoń bedeutet Barsch) verspielte GKS eine Führung von 4:2, sodass nach dem 4:6 der Abstieg beschlossene Sache war. Als Zuschauermagnet ist mir Dopiewo nie aufgefallen. Trotz der Relevanz und der geringen Distanz fuhren gerade mal 10 Gäste-Zuschauer mit. Nun stand am Mittwoch das vorerst letzte echte Derby an, denn in der A-klasa (8. Liga, ungefähr Kreisliga) gibt es derzeit keine weitere Mannschaft aus der Gemeinde Dopiewo.

Orkan Konarzewo hat seinen Platz übrigens in ca. 4 km Entfernung. Ein Zuschauermagnet sind die auch nicht, können aber bei wichtigen Spielen schon mal ordentlich mobilisieren. Außerdem wurde ich bei ein paar Spielen Zeuge von Aktivitäten auf den Rängen. Sportlich läuft‘s bei denen seit einiger Zeit viel besser. GKS machte mit einem Plakat mobil, das Wetter passte außerdem, sodass einem interessanten Abendspiel nicht im Wege stand. Abgezählte 115 Zuschauer fanden sich ein, was gar nicht so schlecht ist. Am Eingang gab es sogar ein Infoblatt zum Spiel. So richtig krass amateurhaft war Dopiewo nie aufgestellt.

Als ich das erste Mal hier war, gab es noch einen Stadionsprecher und Musik. Die Spieler liefen zu einem Vereinslied auf, was aber von woanders entnommen wurde. Die persönliche Frequenz an Spielen mit Gästefans war hier ebenso bisher nicht so schlecht. Gar nicht überraschend brachte Orkan an diesem Spieltag auch Leute mit, von welchen sich gut 10 in Schwarz neben den Gästekäfig stellten, welcher schon gut zugewachsen ist. Der Steinhaufen vor ihm steht sinnbildlich für den Niedergang von GKS. Das Stadion verrottete in den letzten Jahren doch stark. Ein weiteres Symptom für die Situation, in der der Verein steckt, obwohl die Nachwuchsarbeit trotz der starken Konkurrenz noch ganz gut läuft.

Zum letzten Spiel wollten sich die Spieler noch einmal abliefern. Das Niveau war schwach, Chancen Mangelware. Kleine Aktionen wurden dennoch wie Hochkaräter bejubelt. Gut 15 Nachwuchsspieler sorgten im vorletzten Heimspiel für eine gar nicht mal so schlechte Atmosphäre. Das Stadion befindet sich in einem Wohngebiet, weshalb das Echo von Support und Trommel sich ganz gut anhörte. Vor dem Pause nahm ein Kopfballtreffer die Spannung aus dem zweiten Durchgang. GKS konnte einfach nicht mehr. Das sah man gleich. Für den Schmunzler des Abends sorgte eine Situation beim Wiederanpfiff. Als der Co-Trainer ein nicht so jugendfreies Wort laut äußerte, war klar, dass was passiert sein musste.
Scheinbar schaffte es ein Spieler nicht rechtzeitig aus der Kabine. Sprintend mit dem Schlüssel in der Hand waren es sogleich wieder elf Freunde auf dem Platz. Das erinnerte mich an eine Klassenfahrt in der Grundschule. Plötzlich war es ganz ruhig im und um den Bungalow. Die Klasse auf Ausflug. Mein Kumpel und ich konnten uns aber ganz gut die Zeit mit unseren Gameboys vertreiben. Dennoch dürfte so etwas einem Lehrer oder in diesem Fall Trainer nicht passieren.

Die zweite Hälfte plätscherte so dahin, und es war schon früh klar, dass hier der zweite Treffer folgen wird, der dann das Spiel komplett ins Langweilige zieht. Ca. in der 70 Minute war der Punkt erreicht. Mehr passierte nicht mehr.
Ob sich dann GKS Dopiewo in der 8. Liga wieder fängt und den Wiederaufstieg anstrebt, wird sich schon bald nach der kurzen Sommerpause zeigen.
Bericht & Fotos: Michael