Africa Cup of Nations 2025

Und schon wieder! Africa Cup of Nations 2025

Da bin ich nun wieder. Wieder bei der „Mutter der Menschheit“. Die AFCON 2025 hat mich diesmal nach Marokko geführt. Ich sitze hier am Flughafen von Casablanca, verfasse diese Zeilen und blicke auf fünf ereignisreiche Tage in diesem Land zurück. Aber ganz von Anfang an.

Wer denkt, dass ein großes internationales Turnier wie die AFCON geordneter und geplanter abläuft als manch Ligaalltag auf diesem Kontinent, der hat weit gefehlt. Überall, wo man steht und tritt, Volunteers und die Exekutive, aber der eine hat weniger Ahnung als der andere. So habe ich bereits am Ankunftstag unfreiwillig den kompletten Stadtteil rund ums Stade Mohammed V in Casablanca kennengelernt. Dieses Stadion, das mit seinen 55.000 Plätzen mal das größte des Landes war und das bestimmt jeder schon einmal im Internet gesehen hat. Ja, es ist das Stadion von Raja und Wydad, wo all die unglaublichen Derbys gespielt werden.

Africa Cup of Nations 2025
Africa Cup of Nations 2025

Aber am heutigen 03.01.2026 trifft hier im Achtelfinale Mali auf Tunesien. Und ich kann euch sagen … was für ein Spiel. Von einer roten Karte für Woyo Coulibaly aus Mali über einen Elfmeter in der Nachspielzeit bis hin zum Elfmeterschießen – hier war einfach alles drin. Das glückliche Händchen hatten am Ende die Elf aus Mali. Auf den Rängen war sehr gemischtes Publikum. Die meisten der 41.982 Zuschauer würde ich auf Marokkaner tippen. Die Malier haben natürlich das ganze Spiel über getanzt und getrommelt, so wie es für diesen Teil Afrikas üblich ist. Da waren die Tunesier eher zurückhaltend. Sicher darauf zurückzuführen, dass es keinen organisierten Support oder gemeinsamen Block gab.

Nach der Nacht in meiner mehr als bescheidenen Unterkunft ging es für mich nach Rabat. Hier warteten auf mich gleich zwei Spiele an einem Tag.

Africa Cup of Nations 2025
Africa Cup of Nations 2025

Zunächst ging es ins nagelneue Prinz Moulay Abdellah Stadion. Das hochmoderne Stadion mit seinen 69.500 Plätzen wurde extra für den Afrika-Cup und für die WM 2030 erbaut. Das Stadion der marokkanischen Nationalmannschaft wurde in unter zwei Jahren errichtet und steht somit im Guinness-Buch der Rekorde als das schnellst gebaute Fußballstadion der Welt. Wir sprechen hier natürlich nicht nur von dem Stadion, sondern auch von der kompletten Infrastruktur drum herum. Zum Vergleich: An Stuttgart 21 wird seit 15 Jahren gebaut.

Vom Spiel Marokko gegen Tansania gibt es nicht viel zu berichten. Tansania hat weitestgehend stark gegengehalten, was aber die schlussendliche Niederlage von 1:0 nicht verhinderte. Das Stadion war natürlich fast ausschließlich in marokkanischer Hand. Es gab jeweils auf den Hintertortribünen einen Stimmungsblock mit Zaunfahnen der Nationalmannschaft und Vorsängern. Auch Wechselgesänge haben hier mehrfach funktioniert und das ganze Stadion mitgenommen.

Africa Cup of Nations 2025
Africa Cup of Nations 2025

Nun aber schnell rüber zum zweiten Spiel des Tages. Beim Abendspiel trafen die Bafana Bafana aus Südafrika auf die unbezähmbaren Löwen aus Kamerun im Al Medina Stadium aufeinander. Und ja, auch heute waren sie unbezähmbar. Beim 1:2-Erfolg war Kamerun klar spielführend. Auch im Stadion hatten die wenigen südafrikanischen Fans nicht viel zu sagen. Die 14.127 Fußballfans waren aber bunt gemischt. Es waren neben den Fahnen von Kamerun und Südafrikas auch die Fahnen von Marokko, Tunesien und sogar Griechenland zu erblicken. Was die Griechen zu diesem Spiel verschlagen hat, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben.

Nachdem ich, in der Altstadt, feinstes Plastikstuhl-Essen und einen frisch gepressten Saft für wenig Geld zu mir genommen hatte, ging es ab ins Bett, morgen geht es schließlich ins rund 200 km entfernte Fès.

Africa Cup of Nations 2025
Africa Cup of Nations 2025

Bereits 2,5 km vor dem Stadion hat die Staatsmacht sämtliche Straßen für Autos gesperrt. Kurzerhand die Akkreditierung gezückt, und vorbei ging es an vergitterten Polizeiautos und Wasserwerfern. Warum der Sicherheitsapparat hier im Lande so massiv auffährt, bleibt mir ein Rätsel. Natürlich ticken die Uhren in Afrika bekanntlich anders, und manch eine Nation hat mit inneren Konflikten und Terrorismus zu kämpfen, aber bei einem Spiel zwischen Nigeria und Mosambik in Marokko?

Nichtsdestotrotz war ich überpünktlich im 45.000 Zuschauer fassenden Complexe sportif de Fès. Leider verfolgten nur 14.593 Zuschauer dieses Spiel. Dieses Stadion ist für Liebhaber des Fußballs ein Muss. Aufgrund von technischen Schwierigkeiten hat der Bau dieses Stadions neun Jahre gedauert, wobei seine Eröffnung offiziell erst weitere vier Jahre später, im Jahre 2007, stattfand.

Africa Cup of Nations 2025
Africa Cup of Nations 2025

Nach weiteren Modernisierungen trifft hier typische 90er-Jahre-Architektur auf Moderne. Die Flutlichtmasten sind keine Masten im eigentlichen Sinne, sondern riesige, gebogene Betonbauwerke.

Vor dem Spiel rief ein Offizieller des Verbandes die nigerianischen Journalisten und Fotografen zusammen und bat sie, bei einem Sieg ihres Landes nicht das Spielfeld zu stürmen. Das muss man sich mal vorstellen: Wenn bei einer EM ein FIFA-Offizieller zu Schweizer Medienvertretern sagt: „Bitte nicht das Spielfeld stürmen!“, jedem Eidgenossen würde die Audemars Piguet vor Entsetzen vom Handgelenk fallen. Aber hier in Afrika? Wahrscheinlich berechtigt.

Der Anstoß verzögerte sich leicht, weil das Tornetz am unteren linken Pfosten lose war. Das Problem wurde auf offizielle afrikanische Weise behoben, indem ein Greenkeeper das Netz mit Klebeband an den Pfosten klebte, das die Aufschrift des Verbandes „CAF“ trug. Die Buchmacher sollten Recht behalten, und der 4:0-Sieg Nigerias war zu keinem Zeitpunkt gefährdet.

Nach dem Spiel sagte der deutsch-mosambikanische Nationalspieler Stanley Ratifo zu mir, dass er sehr viel Energie mit in die Liga nimmt, um die Klasse mit der BSG Chemie Leipzig zu halten. Die Stimmung im Land und mit der Mannschaft hat ihm trotz des Ausscheidens viel Kraft gegeben.

Das letzte Spiel auf meiner Reise durch das nordafrikanische Königreich erfolgte am 06.01.2026 wieder in Rabat, aber diesmal im Stade Prince Moulay Hassan. Beim mit 18.837 Zuschauern fast ausverkauften Spiel Algerien gegen die Demokratische Republik Kongo war richtig was los.

Africa Cup of Nations 2025
Africa Cup of Nations 2025

Wahrscheinlich aufgrund der herrschenden Spannungen zwischen Algerien und Marokko im Zusammenhang mit dem Westsahara-Konflikt musste ich fünf Sicherheitsbereiche durchqueren, bevor ich am Stadion war. Auch hier war von Hilfstruppen (Troupes Auxiliaires) über Sondereinsatzkommandos (Forces Spéciales) bis hin zu Wasserwerfern alles vertreten, was die Sicherheitsbehörden so im Portfolio hatten.

Dann wieder typisch Afrika: Für mich gab es plötzlich keine Akkreditierung. Nach längerem Warten und einigen Gesprächen mit Offiziellen saß ich plötzlich mit einem Volunteer-Armband neben der Ehrentribüne.

Gayson Stanley wird nicht ohne Grund „der Professor“ genannt. Sein legendärer Spruch „Du willst Afrika? Du kriegst Afrika!“ trifft es mal wieder besser als Phil Taylor die 180.

Africa Cup of Nations 2025
Africa Cup of Nations 2025

Die kongolesischen Fans trommelten und tanzten das ganze Spiel durch, um ihre Elf zu unterstützen. Außer einer: Ein Mann stand die kompletten 120 Spielminuten regungslos mit dem rechten Arm erhoben auf der Mauer der ersten Reihe.

Es war Michel Kuka Mboladinga, ein leidenschaftlicher Fan, der so die berühmte Statue von Patrice Lumumba, einem Nationalhelden Kongos, nachahmte.

Die Stimmungshoheit hatten aber die zahlenmäßig weit überlegenen Algerier. Ihr Jubel zum 1:0-Sieg in der 119. Spielminute war einfach nur brachial. Auf den Rängen gab es absolut kein Halten mehr, und selbst ein Fotograf warf sich auf den Rücken und strampelte mit Armen und Beinen vor Freude. Es war ein sehr enges Spiel auf hohem Niveau, aber so konnten die Nordafrikaner noch bis tief in die Nacht hinein (Achtung, schlechter Witz!) auf den Straßen und Plätzen Rabats Rabatz machen.

Africa Cup of Nations 2025
Africa Cup of Nations 2025

So endet meine Reise auch schon wieder. Von den drei Städten, die ich bereits besucht habe, kann ich ganz klar Rabat empfehlen. Drei schöne Stadien in einer Stadt, mit einer Mischung aus Moderne und Historie. Fußballherz, was willst du mehr?!

Ob ich 2027 zur nächsten AFCON nach Kenia, Tansania und Uganda fliege? Vermutlich ja! Denn dieser Kontinent mit seiner ganz eigenen Fußballkultur fesselt einen irgendwie.

Text und Bilder: Benjamin Barsig

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