„Sechzig, Sechzig, Sechzig“ und „Einmal Löwe, immer Löwe“ dröhnte es in meinen Ohren. Dazu dann noch dieses Geräusch vom Torjubel der gegnerischen Fans. Ich habe es schon früher gehasst, wenn sich das Heimpublikum zum Torschrei erhob. Wir standen als Hansafans im Gästeblock von Lok Leipzig oder Eintracht Frankfurt. Dann dieser schreckliche Heimjubel. Mein Ohr tat weh und irgendwie alle Körperteile. Auch im Grünwalder Stadion musste ich am vergangenen Sonntag leiden.

Doch die Tage davor musste ich nicht leiden, denn mal wieder ging es zur Kneipentour nach München. Seit Anfang 1990 bestehen schon freundschaftliche Kontakte zu einigen Fans des TSV 1860 München, sie dürfen hier zum Ostseestrand und wir in ihre Wirtshäuser.
Am Mittwoch war der erste Treff in den Augustiner Bräustuben (die Halbe für 3,70 Euro) und die anderen Tage ging es ins Giesinger Brauhaus. Das Brauhaus befindet sich wenige Minuten vom Sechzger Stadion entfernt und wurde vor 20 Jahren vom Anklamer Steffen Marx gegründet. Das erste Bier wurde in einer Doppelgarage gebraut und mittlerweile strebt man sogar auf die Wiesn zum Oktoberfest.

Um dieses Bier zu probieren, hatten sich wieder viele Hansafans auf ein Wochenende in München einquartiert. Der Sonnabend wurde mit vielen Hansa- und Löwenfans gemeinsam gefeiert und selbst die Sechzger brüllten den ganzen Abend „Aufstieg“.
Nach kurzer Nacht war vor dem Spiel noch ein Mittagsschoppen im Giesinger, bevor es dann ins Stadion ging. Joachim hatte mir seine Jahreskarte für die Stehhalle überlassen, sodass ich einen sehr guten Blick auf den grünen Rasen und beide Fankurven hatte. Am Donnerstag hatte es noch fast den ganzen Tag in München geschneit, sodass auch eine Absage möglich gewesen wäre.

Der Gästeblock war mit 1.500 Hansafans natürlich ausverkauft, sodass etwa 1.800 Hanseaten im Sechzger Stadion waren. Auf Grund des fehlenden Stadiondaches kam der Support aus beiden Fankurven nicht sehr laut rüber.

Nun zum Spiel. Die Löwen liefen zunächst hinterher, Hansa übernahm von Anfang an die Spielkontrolle. In einer ereignisarmen und langweiligen ersten Halbzeit gab es keine wirklichen Torchancen, die Westkurve räucherte kurz mit blauem Pyro-Rauch und dann war Halbzeit.

Ich hoffte auf eine bessere zweite Halbzeit und Hansas 1:0-Führung, aber es kam gleich anders. Ich sah eine Flanke in den Rostocker Strafraum, welche aber durch Gürleyen mit dem Hintern geblockt wurde. Völlig unerwartet zeigt der Schiedsrichter auf den Punkt zum Elfmeter.

Der Löwe Philipp hatte Gürleyen an den Ellenbogen geschossen, wobei sich unser Verteidiger wegdrehte und der Arm am Körper anlag. Die klare Fehlentscheidung ist sehr ärgerlich, denn beim letzten Spiel in Hoffenheim blieb der Pfiff bei einem klaren Handspiel für uns aus und ein leichtes Schulterzupfen mit fünfmaligem Rollen des „Gefoulten“ wurde gegen uns geahndet. Zum Glück war noch genug Zeit, aber außer zwei Torchancen blieb der Sturmlauf aus. So gelang den Löwen der erste Sieg gegen Hansa seit 16 Jahren.

Die Spiele werden immer weniger, sodass jetzt Siege gegen Rot-Weiss Essen und den TSV Havelse Pflicht sind, denn noch ist der Aufstieg möglich. Ahoi Heiko

In eigener Sache: Die Regale des „Konsum“ sind noch gut gefüllt. Neben den beiden Kaperfahrten-Bänden ist noch das eine oder andere Buch zu haben: www.marco-bertram.de/buecher
Fotos: Heiko Neubert