Das gab es an der Rathausstraße in Berlin-Mariendorf lange nicht mehr zu lesen: „Karten-Vorverkauf für das Spiel gegen Polar Pinguin“. Aufgrund des zu erwartenden hohen Zuschaueraufkommens konnten die Tickets für das Auftaktspiel der Berlin-Liga bereits im Vorfeld erworben werden. Und tatsächlich war am vergangenen Freitag eine Stunde vor Anpfiff bereits einiges los auf der Sportanlage.

251 Zuschauer wurden am Ende angegeben, mit allem Drum und Dran werden es rund 300 Fußballfreunde gewesen sein, die das mit Spannung erwartete Sechstligaspiel gegen die Nachbarn von Polar Pinguin sehen wollten. Eine Bratwurst für 3,50 und ein 0,4er Bier für drei Euro – das passte, und auch ein paar blau-weiße Fanartikel waren am Eingang zu erwerben.

Nach dem traurigen Durchmarsch von der NOFV-Oberliga Nord in die Landesliga und dem ebenso traurigen Kapitel „Kooperation mit Tasmania Berlin“ scheint es wieder aufwärts zu gehen mit der Sp.Vg. Blau-Weiß 1890 Berlin. Am Ende der vergangenen Saison konnte die Rückkehr von der Berliner Landesliga Staffel 2 in die Berlin-Liga mit acht Punkten Vorsprung auf Rang zwei (Steglitzer SC Südwest 1947) gefeiert werden. Die Talsohle wurde durchschritten – es darf wieder nach vorn und oben geschaut werden.

Der Gegner Polar Pinguin schloss die zurückliegende Berlin-Liga-Saison mit 50 Punkten auf Platz 14 ab. Der Verein mit dem Namen eines typischen Freizeitligisten packte den Sprung von der Landesliga in die Berlin-Liga am Ende der Spielzeit 2023/24, als am Ende mit Bravour die Nerven bewahrt wurden.
Die Geschichte des Vereins geht zurück in den Januar 1990, als in der Schöneberger Kult-Kneipe „Pinguin Club“ zwischen dem dritten und achten Bier die Idee aufkam, eine eigene Fußballmannschaft zu gründen. 2014/15 wurde noch in der Freizeitliga (Verbandsliga) gekickt, im Jahr darauf wagte man den Start im Spielbetrieb des Berliner Fußballverbandes. Die Saison 2015/16 wurde die Kreisliga C Staffel 1 mit Leichtigkeit genommen. 19 Siege, drei Unentschieden, keine Niederlage und 129:13 Tore sprechen für sich.

Denkbar knapp ging es dann in der Staffel 1 der Kreisliga B zu. Dank des besseren Torverhältnisses gegenüber BSV Al-Dersimspor II war es zu verdanken, dass Rang drei hinter dem FC Kreuzberg und Cimbria Trabzonspor gesichert wurde. Völlig souverän wurde im zweiten Anlauf durch die Kreisliga A marschiert. 72 Punkte und 96:25 Tore in 30 Spielen – das genügte locker!
In der Bezirksliga wurde sich auch nicht lange aufgehalten. In der abgebrochenen Corona-Saison 2019/20 ging es nach 20 Spieltagen mit einem Punktquotienten 2,20 hoch in die Landesliga. Die Landesliga-Saison 2020/21 konnte als Witz verbucht werden. Gerade einmal vier Partien konnte Polar Pinguin absolvieren. 2021/22 wurde wieder voll durchgespielt und man landete am Ende auf Rang sieben. Der Sprung in die Berlin-Liga gelang wie bereits erwähnt im Juni 2024.

In jenem Juni 2024 musste Blau-Weiß 90 Berlin nach dem freiwilligen Rückzug aus der NOFV-Oberliga in die Berlin-Liga nun den sportlichen Abstieg in die Landesliga verschmerzen. 18 Niederlagen in 34 Spielen, das Torverhältnis von 45:71 und Rang 17 waren ein hartes Brot. So oder so unterstützten zu jenem Zeitpunkt einige Blau-Weiß-Fans nur noch die zweite Mannschaft in der Kreisliga. Manch einer kehrte dem Verein endgültig den Rücken zu.

Nun aber brennt das Flämmchen der blau-weißen Hoffnung an Rathausritze wieder etwas heller. Es tut sich was! Die beiden kleinen Sitzplatztribünen wurden bereits in einem anderen Bericht gelobt, und den kleinen Biergarten neben dem Vereinsheim fanden am vergangenen Freitagabend auch die anwesenden Vertreter des Berliner Fußballverbands sehr schnieke.

Etwas Support auf beiden Seiten – auf dem Rasen ging es gut zur Sache. Blau-Weiß 90 machte ein starkes Spiel und gewann völlig verdient mit 3:0! Nils Köhne (16. Minute), Guilherme Henrique Lopes de Oliveira (60. Minute) und Darryl Julian Geurts (80. Minute) erzielten die Treffer – und auch nach Abschluss des ersten Spieltages genügte der 3:0-Sieg, um die Tabellenführung zu sichern.

Das Ziel könne nur die 3. Liga sein, wurde nach dem Auftaktsieg im Vereinsheim gescherzt. Aber was heißt gescherzt? Tradition verpflichtet! Immerhin spielte Blau-Weiß 90 Berlin in der Saison 1986/87 in der 1. Bundesliga und bis zum Konkurs im Frühjahr 1992 in der 2. Bundesliga! Hübsch nachzulesen im schmucken Buch „Heja Blau-Weiß!“ von Andreas Thome!

Ähnlich voll sein wie gegen Polar Pinguin dürfte es am Samstag, den 13. September 2025, werden, wenn der Nachbar TSV Mariendorf 1897 zu Gast ist. Andreas Thome wird mit Sicherheit wieder vor Ort sein und auch sein blau-weißes Werk anbieten!
Fotos: Marco Bertram
