Sieg in Basel! Sensationsmeister? Der FC Thun auf dem Durchmarsch!

Wenn man an den Fußball in der Schweiz denkt, dann schweifen die Erinnerungen und Geschichten wohl überwiegend zur Nationalelf der Eidgenossen ab. Die sogenannte Super League fällt da sportlich ein wenig herab. Während zahlreiche Schweizer Superstars im englischen, italienischen oder deutschen Oberhaus unterwegs sind, fehlen der Super League die Namen. 

FC Basel vs. FC Thun
FC Basel vs. FC Thun

Da war schon ein kleiner positiver Aufschrei zu vernehmen, als Xherdan Shaqiri vor zwei Jahren einen neuen Vertrag bei seinem Heimatverein, dem FC Basel, unterzeichnete und nahezu im Alleingang die komplette Liga „zerstörte“. 18 Tore und 21 direkte Torvorlagen. Wahnsinnig. Neben dem Titel des Torschützenköniges führte er den FC Basel gleichzeitig auch zur ersten Meisterschaft seit acht Jahren und dem ersten Pokalsieg seit sechs Jahren. Da könnten die ersten Laien schon hellhörig werden, war der FC Basel doch jahrelang das Aushängeschild des Landes. Egal ob national oder international. 

Dies hatte sich in den vergangenen Jahren aber rapide geändert – ganz zum Vergnügen der Young Boys aus Bern, die sich in dieser Zeit ganze sechs Meistertitel und zwei Pokalsiege sicherten. Dies führte in der Grenzstadt zu einigen Querelen und verbalen Konfrontationen zwischen Vereinsführung und aktiver Fanszene. Auch der Trainerstuhl der Rot-Blauen wackelte gehörig und wurde bis dato auch nie wirklich repariert. 

FC Basel vs. FC Thun
FC Basel vs. FC Thun

In der vergangenen Woche wurde Stuttgart-Legende Ludovic Magnin entlassen und durch Stephan Lichtsteiner ersetzt. Ebenfalls ein bekannter Name auf der Fußballlandkarte. Der ehemalige Juve-Profi ist nunmehr der zehnte Trainer seit dem Jahre 2020. Beachtlich. Nun könnte man sich die Frage stellen, warum der „Erfolgstrainer“ Magnin entlassen wird, obwohl man in den vergangenen Jahren durchweg durch schlechte Ergebnis auffiel? Ganz einfach erklärt – die sportlichen Ansprüche des Vereines sind immer noch größer als die Pyro-Dichte in der Muttenzerkurve. 

Zum Wohle!
Zum Wohle!

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es trotz der kalten Temperaturen immer noch nicht richtig flockig läuft in der laufenden Spielzeit. Am Donnerstag verabschiedete man sich relativ sang- und klanglos aus der Europa League und auch in der nationalen Liga hinkt man dem Tabellenführer ziemlich weiter hinterher. Ebenso wie alle anderen. Zu den „Anderen“ gehören auch Berner, die sich aus negativen Schlagzeilen gar nicht mehr freischaufeln können. Vier Niederlagen in Folge und ein fast blamabler sechster Tabellenplatz in der Super League, ebenfalls das Ausscheiden aus der Europa League und als negativer Höhepunkt die 1:4-Derby-Klatsche gegen den FC Thun am vergangenen Wochenende. 

FC Basel vs. FC Thun
FC Basel vs. FC Thun

Derby? Thun? Für die Jungs aus der Hauptstadt wird der FC Thun zwar nicht als absolutes Highlight des Jahres angesehen und scheinbar auch nicht ganz für voll genommen, aber sportlich haben es Männer aus dem Berner Oberland ganz schön drauf. Vor fast drei Jahren in den Aufstiegsplayoffs an den Grasshoppers gescheitert, im vergangenen Sommer dann den direkten Aufstieg gepackt und nun im vollen Rausch an die Tabellenspitze geballert. Mit Glück? Absolut nicht. Die meisten Siege, die meisten Tore und die zweitbeste Defensive der Liga sprechen Bände. Zahlen und Daten die wohl am dem kühnsten Optimisten wie ein positiver Schauer über den Rücken laufen dürften. Das Gesicht des Erfolges, Cheftrainer Mauro Lustrinelli, muss auch in der Saison 2025/26 fast auf den kompletten Kader der letzten Zweitligasaison zurückgreifen. Kleine Korrekturen wurden vorgenommen, fast alle Neuzugänge haben voll eingeschlagen und gehören zur Startelf und nur für zwei von denen wurde eine Ablösesumme überwiesen. 

Anders wohl auch kaum möglich. Finanziell sind die Rot-Weißen absolut nicht auf Rosen gebettet und „Väterchen Frost“ schüttelte mehr als ein Mal bereits am Existenzbaum. Aber auch in den schlimmsten Zeiten etablierte sich der FC Thun jahrelang als Mitglied der höchsten Schweizer Fussball-Liga und erreichte zwischenzeitlich auch immer mal wieder das internationale Geschäft. Und auch wenn nach der fünfjährigen Abstinenz die finanziellen Aspekte nicht mehr als größtes Problem des Vereines wahrgenommen werden, gehören die Spieler und Vereinsmitarbeitern zu den Geringverdienern. Rund 6 Millionen Franken Budget wurden ausgerufen. Eine Summe, die nach Abstiegskampf erklingen mag. Die großzügigen Investoren namens Beat Fahrni und „Visana“ dürften die aktuelle Entwicklung wohl dennoch mit lachenden Augen entgegennehmen.

Und so lud der FC Basel am 22. Spieltag den Spitzenreiter aus Thun zum Stelldichein ein. Ohne den gesperrten Shaqiri und kurzfristig auch ohne Stammkeeper Hitz. Ob es an den Ausfällen lag, man weiß es nicht. Aber die Gäste aus dem Berner Oberland starteten impulsiv und erspielten sich mehrere Eckbälle. Mit dem Rückenwind eigener Erfolge und den Misserfolgen der engsten Konkurrenten (Lugano, Sankt Gallen) gelingen dann auch die schwierigsten Kunstschüsse. Bertone zieht nach zwei geblockten Versuchen einfach mal aus 25 Metern ab und schweißt die Pille in den Winkel ein. Prädikat Weltklasse!

FC Basel vs. FC Thun
FC Basel vs. FC Thun

Der FC Thun verlor dennoch schnell die Spielkontrolle und geriet immer weiter in die Defensive. Der Offensivdruck der Gastgeber wurde stetig größer, doch Niklas Steffen war immer zur Stelle und bewahrte seine Mannschaft vor dem eigentlich verdienten Ausgleich. Allen voran die beiden Außenbahnspieler Traore und Duranville brachten die etwas hölzern wirkende Defensive vor einige Schwierigkeiten. Auf den Ausgleich mussten die etwas mehr als 26.000 Zuschauer aber noch eine Weile warten. Capitano Dominik Schmid traf nach einem Standard zum viel umjubelten Treffer. Der Spitzenreiter aus Thun blieb trotz lautstarker Unterstützung von knapp 800 Gästefans ziemlich harmlos und profitierte knapp zehn Minuten vor Ende der Partie von einem dicken Abwehrbock. Eigengewächs Matoshi bedankte sich, jagte die Kugel humorlos in die Maschen und drehte zum Jubel in die wieder mal zündelnde Gästekurve ab. 

„What a time to be alive“ – Werden sich die Jungs aus dem Berner Oberland wohl denken. In der Schlussphase geriet der Schiedsrichter nochmal in das Rampenlicht, verteilte eine wirklich schockierende rote Karte, die dank des VAR aber wieder einkassiert wurde. Das Spiel endete mit 1:2. Thun profitiert weiterhin von den Patzern der Konkurrenz und gewinnt dieses kleine Topspiel trotz weniger offensiver Höhepunkte. Wie sagt man so schön? Wer solche Spiele gewinnt, wird Meister! Eigentlich fast unvorstellbar.

FC Basel vs. FC Thun
FC Basel vs. FC Thun

Nun fragt man sich natürlich noch, was auf den Rängen passiert ist und natürlich wären wir nicht das turus-Magazin, wenn wir dieses Thema ignorieren würden. 800 Gästefans aus Thun in Basel dürften beinahe ein Novum sein. Selbst die größten Optimisten rechneten wohl eher mit bis zu 500. Die Zahl überraschte doch sehr und die optische Aktionen waren auch nicht zwingend zu erwarten. Für dieses doch besondere Spiel wurden Mottoschals in Sonderzug und vor dem Stadion an Mann und Frau gebracht. Diese wurde als optische Element zu Beginn der ersten Halbzeit verwendet. Als Schmankerl dazu noch eine Lichtshow aus weißen Breslauern und Strobo-Lichtern. Aus unserer Perspektive verpuffte der Effekt leider etwas, doch in den Fernsehbildern wirkte die Aktion absolut solide. 

FC Basel vs. FC Thun
FC Basel vs. FC Thun

Im Heimbereich bemerkte man Basel-typisch nur sehr wenig Bewegung – nach einer Choreographie schaute es ebenso nicht aus. Doch plötzlich gab nahezu die komplette Kurve ein rotes Lichtermeer ab. Die Verantwortlichen der DFL würde sich aufgrund der Masse der bengalischen Feuer wohl heute noch die Finger lecken. Eine dreistellige Anzahl dürfte es definitiv gewesen sein. Passend zur Partystimmung hatte sich der Gast aus Thun allerdings noch ein weiteres Highlight für den zweiten Durchgang aufgespart. Als Pendant zum ersten Intro wurden diesmal rote Feuer verwendet, die diesmal auch über den kompletten Block verteilt worden. Ein richtig schönes Bild. 

FC Basel vs. FC Thun
FC Basel vs. FC Thun

Ganz allgemein zusammengefasst kann man die Entwicklung der Thuner Fanszene wirklich positiv hervorheben. Vor vielen vielen Jahren noch ein recht kleiner unterklassiger Verein aus einer recht unscheinbaren Stadt, und nun werden die Kinder der ersten Erfolge wohl langsam erwachsen und geben dem Verein ein neues Gesicht auf den Tribünen des Landes und ab kommender Saison ziemlich sicher auch international. Wir verfolgen die Entwicklung des Vereines aus unterschiedlichen Gründen und wünschen für die Zukunft weiterhin alles Gute!

Fotos: Max Wieler

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