Was wurde nicht alles in den lokalen Sport-Gazetten der Funke Medien in den letzten Wochen wieder von den Autoren rund um Rot-Weiss Essen ausgegraben. Ein Störfeuer nach dem anderen wurde gelegt, und auch die Fans bekamen ihr Fett ab. Alles für den schnellen Klick und die Werbeeinnahmen. Da wurden alte Geschichten um Ex-Spieler aufgewärmt und um beliebige Autorenfantasien ergänzt oder den RWE-Fans die Begeisterung am eigenen Verein abgesprochen.
So drückte das lokale Sportblättchen vor dem Spiel bei Viktoria Köln (22. März 2026 – Sonntagabend, 19:30 Uhr) langwierig die Enttäuschung darüber aus, dass sich nur 2.000 Fans Tickets für die Auswärtspartie besorgt hätten. Man schrieb im typischen provokanten Stil von fehlender Euphorie und ebenjener Begeisterung. Dabei hätten die Autoren nur ein paar Klicks tätigen müssen, um festzustellen, dass die kursierende Zahl der im Vorverkauf erworbenen Tickets nur für den „Gästeblock“ beziffert wurde. Viele deckten sich jedoch wie gewohnt für die Haupttribüne ein, da der Gästesitzplatzbereich im Sportpark Höhenberg unzumutbar ist.

Leider hat die lokale Presse völlig vergessen, woher der Klub kommt und wie stark die Zuschauerentwicklung in den letzten Jahren war. Vergessen sind wohl Spiele gegen die neureichen Dorfklubs der vierten Liga, bei denen sich im nasskalten Herbst und Winter mitunter immer noch stattliche 5.000 Zuschauer ins Essener Stadion verirrten. Völlig abgehoben, wie die Medien argumentieren – aber jeder bekommt am Ende seine Antwort. So auch gestern: nicht nur mit einem Spruchband der Ultras (Zitat)„Reviersport: Keine Infos vom Verein? Hetze muss es sein! Scheiss Reviersport“, sondern auch mit lautstarkem Support der gut 4.000 mitgereisten RWE-Fans im ausverkauften Stadion von Viktoria Köln (6.640 Zuschauer).

Von wegen keine Begeisterung. Tabellenplatz zwei der dritten Liga fest im Blick, rockte Rot-Weiss Essen den Sportpark Höhenberg. Der letzte Sieg lag fast 14 Jahre zurück – und ein etwas mulmiges Gefühl zumindest in den Köpfen der Fans, aber nicht der Spieler. Keine Angst vor dem vermeintlichen Angstgegner. Nach einem kurzen Aussetzer in den ersten Spielminuten ebnete Essen früh mit einem Doppelschlag von Dickson Abiama und Lucas Brumme den Weg. 2:0 zur Halbzeit. Es war angerichtet. Wie so oft in den letzten Wochen ruhte sich das Team um Uwe Koschinat dann scheinbar auf dem Ergebnis aus, kassierte ein Gegentor und wurschtelte sich über die Ziellinie.


Da fragt in ein paar Wochen keiner mehr danach. Am Ende ein hochverdienter 2:1-Sieg bei Viktoria Köln und noch acht Spiele zu gehen. In zwei Wochen kommt der MSV Duisburg an die Hafenstraße zum Derby und Spitzenspiel. Was dann abgeht, kann man nur erahnen. Die Vorgeplänkel haben (leider) schon begonnen.

So versteckten wahrscheinlich Anhänger der Zebras mehrere Rauchtöpfe in einer Regenrinne im Innenraum vor dem Gästeblock des Sportparks Höhenberg und zündeten diese per Fernauslöser. Die RWE-Fans waren auf Zack und warfen die Rauchtöpfe aufs Spielfeld. Pyro – kontrolliert abgebrannt, schön und gut, immer sehenswert – aber fernausgelöste Pyrotechnik ist nach Böllern und Raketen eine neue Stufe der Abartigkeit und ein Anschlag auf die Fankultur. Diese Art der bescheuerten Selbstdarstellung haben die MSV-Anhänger natürlich nicht für sich gepachtet; sie tauchte in den letzten Jahren öfter in gegnerischen Fanblöcken auf. Zuletzt entsorgten unter anderem Aachener Fans in Mannheim entsprechend platziertes Material im Innenraum.
Die Fans sind heiß auf das Saisonfinale – hoffentlich aber auf eine etwas andere Art. Wir sind gespannt, wer am Ende das Rennen macht. Die dritte Liga bleibt wild und ist derzeit noch völlig offen: Zwischen Platz zwei und sechs liegen gerade einmal zwei Punkte. Es geht in die Crunchtime.
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