„25 Jahre Alte Garde Essen – ob Straße, ob Wald – Hauptsache knallt.“ Das Jubiläum der „Alten Garde Essen“ wurde explosiv gefeiert. Vor dem Spiel von Rot-Weiss Essen gegen den SV Waldhof Mannheim gab es nicht nur ein langes Banner über die gesamte Breite der „West“ im Stadion an der Hafenstraße, sondern auch eine Pyroshow direkt dahinter sowie ein Feuerwerk außerhalb des Stadions. Dass der Spruch „Hauptsache knallt“ später durch einen Böllerwurf eine ganz andere Bedeutung bekommen sollte, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen.

Sportlich hatte Rot-Weiss Essen den SV Waldhof Mannheim gut im Griff. Anders als in den Matches zuvor war das Spiel endlich wieder ansehnlich. RWE spielte mutig, druckvoll und belohnte sich in der 31. Minute: Marek Janssen traf sehenswert zum hochverdienten 1:0. Auch die zweite Hälfte begann mit einem guten Auftritt der Essener. Man merkte: Das Team um Uwe Koschinat wollte unbedingt einen überzeugenden Sieg einfahren.
Das wäre aus meiner Sicht auch zu 100 Prozent gelungen – hätte sich im Mannheimer Fanblock nicht ein Anhänger unbedingt profilieren müssen. Der – nennen wir ihn ruhig beim Namen – „Idiot“ zündete einfach einen illegalen Böller. Der Knall war so laut, dass selbst ich vor Schreck fast vom Fotografenstuhl gefallen wäre – und das auf der gegenüberliegenden Seite des Spielfelds.

Der Essener Torwart Felix Wienand sackte sofort zusammen, musste ärztlich versorgt werden und wurde später ins Krankenhaus gebracht. Der Schiedsrichter Lennart Kernchen schickte beide Mannschaften zunächst in die Kabine. Anschließend wurde rund 40 Minuten lang beraten, wie es weitergehen sollte. Frage: Was gab es da eigentlich zu beratschlagen? Ein Böllerwurf aus dem Gäste-Fanblock, ein verletzter Spieler – in diesem Fall sogar der Torwart. Die Konsequenz müsste klar sein: Spielabbruch. Drei Punkte und zwei Tore für Essen am grünen Tisch. Stattdessen wurde das Spiel tatsächlich fortgesetzt.

Unfassbar, DFB!
Zur Einordnung, damit ich das verstehe:
- Im Februar 2022 fliegt beim Spiel gegen Münster ein Böller aus dem Essener Block – Spielabbruch, Wertung für Münster.
- Im April 2023 gibt es in Zwickau eine Bierdusche für den Schiedsrichter – Spielabbruch, drei Punkte für Essen.
Und gestern: Ein Böller aus dem Mannheimer Block verletzt den Essener Torwart – und das Spiel läuft einfach weiter. Unfassbar!
RWE musste den dritten Torwart (der erste Jakob Golz ist auch verletzt) Tino Casali bringen und verliert zusätzlich eine Wechseloption. Eine klare sportliche Benachteiligung. Das Spiel endete zwar mit 1:0 für Essen. Man kann jedoch hoffen, dass die Essener sich am grünen Tisch noch ein zusätzliches Tor erkämpfen.

Mindestens genauso irritierend wie die Entscheidung weiterzuspielen ist auch die Reaktion aus Mannheim. Nachzulesen in diversen Medien (Links: 3. Liga Online und Rhein-Neckar Zeitung). Ja, es gab eine Verurteilung des Geschehens. Gleichzeitig aber wurde relativiert, verharmlost und auf eine absurde Art irgendwie provoziert. Hauptsache knallt! Man argumentierte, Essen habe schließlich auch Böller gezündet und vielleicht habe sich da der Torwart schon verletzt. Dazu könne man sich nicht vorstellen, dass der Torwart ernsthaft verletzt wurde. Also hat Felix Wienand das alles nur gespielt? Ernsthaft? Wienand ist Ersatztorwart und kämpft um seine Chance im Tor. RWE führte zu diesem Zeitpunkt mit 1:0. Warum sollte er also ausgerechnet in dieser Situation eine Verletzung vortäuschen? Dazu: Laut einer Pressemeldung von Rot-Weiss Essen vom 5. März ist der Torwart derzeit aufgrund eines erlittenen Knalltraumas nicht spielfähig.
Richtig: Es gab das abgeschossene Feuerwerk vor Spielbeginn und während der Unterbrechung (wahrscheinlich zeitgesteuert) außerhalb des Stadions sowie auch einen Böller in der ersten Hälfte. Doch dieser war bei Weitem nicht so laut wie der aus dem Mannheimer Block. Meine Meinung in Bezug auf Böller und Raketen ist ganz klar: Egal wo und wann, das hat nix in einem Fußballstadion zu suchen.
Apropos Böller: Ich erinnere mich nur ungern an den Auftritt der Mannheimer Fans im Mai 2018 in der Aufstiegsrelegation gegen den KFC Uerdingen. In der Duisburger Arena wurden damals vor Spielbeginn Dutzende Kanonenschläge in den Innenraum geworfen – auch in Richtung der Fotografen. Die Bilder von damals, von Fotografenkollegen die von Sanitätern behandelt wurden, sind noch gut in Erinnerung.

Die Gedankengänge, die jetzt aus Mannheim zu hören sind, stimmen einen nachdenklich. Verharmlosen, relativieren, Zweifel säen. Man kennt dieses Verhalten sonst eher aus Kommentarspalten in sozialen Netzwerken. Dass sich ein Profiklub auf ein ähnliches Niveau begibt, ist schlicht nicht wirklich zu begreifen. Immerhin: Nicht alle im Mannheimer Umfeld denken so. Und das ist vermutlich die einzig beruhigende Nachricht vom gestrigen Abend.
Alle Fotos: Bildagentur frontalvision.com

Mannheim ist peinlich. Wird Zeit das die absteigen oder von mir aus ganz verschwinden.