Für mich sind die Franken und Oberpfälzer (beide gehören ja zu Nordbayern) Deutsch sprechende Böhmen, da sie aufgrund ihrer geografischen Nähe und jahrhundertealten gemeinsamen Geschichte, die von regem kulturellem und wirtschaftlichem Austausch geprägt war, erhebliche Ähnlichkeiten aufweisen.

Vielleicht sind sie die glücklichsten Deutschen. Der Oberpfälzer (wie auch der Franke) liebt die Gemütlichkeit und ist glücklich mit einem halben Bier und dazu einem Schweinebraten mit Klößen. Dazu kommt noch die schöne Stadt Regensburg mit ihren Gassen, Kneipen, der Steinernen Brücke und vielen Weihnachtsmärkten.
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Wenn dann noch Hansa spielt, ist es perfekt und zieht sehr viele Fans zum Fußballwochenende in die Oberpfalz. Nach einem Stadtrundgang hatten wir uns im bekannten Gasthaus „Kneitinger“ eingefunden. Es war der Beginn einer langen Nacht in Regensburg, denn natürlich wurden noch viele weitere Kneipen und Pubs besucht. Überall traf man auf nette Oberpfälzer / Franken und viele Hansafans. Vor einem Pub trafen wir noch auf den Bruder vom Hansa-Torwart Uphoff, welcher aus Burghausen stammt und auch zum Spiel wollte.

Viele Hansafans hatten nur eine kurze Nacht, denn schon kurz nach der Mittagsstunde rief das Jahnstadion zum Auswärtssieg. Natürlich herrschte wieder nebeliges und nasses „Hansa-Wetter“, sodass eigentlich alles für uns sprach.

Das Stadion wurde leider am Rande der Stadt gebaut, umgeben von der Autobahn und Parkplätzen. Aufgrund der vielen Parkplätze haben es vermutlich schon einige Bürger mit einem Einkaufscenter auf der grünen Wiese verwechselt. „Dann gehen wir eben zum Jahn und nicht zu Netto!“.

Da lobe ich mir doch den Standort unseres Ostseestadions, denn auch bei uns wurde mal über einen Neubau in Bentwisch oder Sievershagen spekuliert. Ich fand es früher immer sehr spannend, wenn man am Bahnhof einer fremden Stadt ankam und in Wattenscheid, Leicester oder Genua den richtigen Fußweg mit Hilfe der Flutlichtmasten zum Stadion fand.

Auch ohne Flutlichtmasten fanden heute mindestens 2.000 Hansafans den Weg ins Jahnstadion Regensburg. Ich stand heute unterste Reihe im Gästeblock, so konnte ich den enormen Aufwand zum Aufbau der Choreo beobachten. Mein Lob an alle Beteiligten Hansafans beim Kleben, Fahnen verteilen und auch an beide Capos.

Als kleine Choreo-Unterstützung wanderte dann auch ein Geldschein in den Sammeltopf. Es ist für mich immer eine schöne Zeitreise, denn auch ich selbst war früher Trommler oder Vorsänger (das „Auswärtssieg“ wurde in tiefsten DDR-Zeiten von uns Hansafans „erfunden“ und im Aufstiegsjahr 1987 erklang dazu immer ein vielstimmiges „Aufstieg“ aus den Kehlen der Rostocker Schlachtenbummler). Auch mich hat es früher genervt, wenn nicht alle Fans im Gästeblock mitgemacht haben. Aber heute waren alle Hansafans enorm gut drauf. Dazu ist mir der sehr höfliche Umgang untereinander aufgefallen.

Nach 20 Minuten gaben die Capos das Kommando zum Beginn der Choreo „Vorwärts Hansa! Vorwärts FCH“. Die Bilder sprechen für sich. Nach guten Chancen für Schuster (6.) und Voglsammer (24.) gelang Voglsammer im dritten Nachschuss die verdiente Führung in der 32. Minute. Euphorie im Gästeblock. Das Tafelsilber wurde schon mal geputzt und die rote Karte in der 37. Spielminute gegen den Regensburger Seidel spielte uns in die Karten.

Das Buffet wurde in der 44. Minute eingefahren und Faktic stand am Elfmeterpunkt, um dieses zu eröffnen, aber er schoss weit links über das Tor. Die zweite Hälfte herrschte im Gästeblock totale Ekstase. Wechselgesänge mit der Gegengeraden und manch ein junger Regensburger Fan hielt seinen roten Schal mit hoch, denn das kennt er vom Heimpublikum nicht.

Holten in der 71. und Kingsombi in der 89. Spielminute sorgten für den ungefährdeten Auswärtssieg. Die gesamte Hansa-Mannschaft und das Team feierten gemeinsam den Sieg in Regensburg. Zum Abschied gab es noch einen Glühwein am Bahnhof und dann auf ein Wiedersehen im April in der Oberpfalz / Oberfranken…
Ahoi Heiko

Fotos: Heiko Neubert & Freunde




